Museum Ludwig
Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts

Roy Lichtensteins "Maybe", Andy Warhols "Brillo Boxes" oder George Segals „Restaurant Window“, Ikonen der amerikanischen Pop Art, waren gerade vollentdet, als sie 1969 als Leihgabe ins Wallraf-Richartz-Museum einzogen. Die Werke stammen von Peter und Irene Ludwig, die die größte Pop Art Sammlung außerhalb der USA zusammengetragen haben.

Durch die Schenkung von rund 350 Werken moderner Kunst des Ehepaars Ludwig wurde 1976 das Museum Ludwig gegründet. Es sollte als erstes Museum in Köln Kunst der Gegenwart ausstellen. Neben der Pop Art gaben die Ludwigs noch eine umfangreiche Sammlung der Russischen Avantgarde aus der Zeit von 1906 bis 1930 sowie ein Konvolut von mehreren hundert Arbeiten Pablo Picassos als Dauerleihgabe in das neue Museum. Die Werke Picassos sind in zwei großzügigen Schenkungen 1994 und 2001 inzwischen in den Besitz des Museum Ludwig übergegangen.
Die moderne Abteilung des Wallraf Richartz-Museums mit der Expressionisten-Sammlung des Kölner Juristen Joseph Haubrich bildete die Basis für die Sammlung zeitgenössischer Kunst und wurde ebenfalls in das Museum Ludwig integriert.

Das Museum sammelte konsequent weiter zeitgenössische Kunst. Das jüngste Werk war immer erst ein paar Monate alt. So gelangten auch deutsche Kunst der 70er und 80er Jahre sowie internationale Tendenzen und Installationen der jüngeren Avantgarde ins Museum Ludwig.

1986 wurde das Gebäude zwischen Dom, Rhein und Hauptbahnhof eröffnet. Es beherbergte das Wallraf-Richartz Museum, das Museum Ludwig und die Philharmonie. Im Januar 2001 zog das Wallraf-Richartz Museum in einen eigenen Bau und die Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart hat nun ca. 8000 m² Ausstellungsfläche zur Verfügung.
Seit November 2000 ist Kasper König Direktor des Museum Ludwig. Sein Name steht für Großausstellungen wie "Westkunst", "von hier aus" und "skulptur.projekte Münster". Er will das Museum Ludwig international positionieren und einen Dialog zwischen Besuchern und Kunst ermöglichen. „Das Museum soll nicht besucht, sondern benutzt werden, denn es gehört allen und keinem“.

AUSSTELLUNGEN

Roy Lichtenstein - Kunst als Motiv

Fr, 2.7.2010 - So, 3.10.2010

Die Rasterpunkte des Pop Art Meisters Roy Lichtenstein (1923-1997) sind weltberühmt. Nach Motiven aus der Comic- und Konsumwelt schuf Lichtenstein Gemälde, die er aus Punkten und Farbflächen zusammensetzte. In der Ausstellung im Museum Ludwig sind nun noch ganz andere Seiten seines Oeuvres zu entdecken: In rund 100 Exponaten, überwiegend großformatigen Gemälden sowie begleitenden Zeichnungen und Skulpturen wird seine Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Stilrichtungen von Expressionismus und Futurismus bis Bauhaus, Art déco oder der Landschaftsmalerei Ostasiens nachvollziehbar. Werke und stilistische Eigenarten von Künstlerheroen wie Monet, Matisse, Mondrian und Dalí tauchen als Themen und Versatzstücke auf, von Lichtenstein gleichermaßen ironisch wie meisterhaft in seiner eigenen Bildsprache interpretiert. Auch Picasso erscheint in diesen Verarbeitungen in völlig neuem Licht, wird zum Pseudo-Comic, der das klischeehafte Bild des Künstlers spiegelt. Die eindrucksvollen Gemälde aus der Serie der „Brushstrokes" zeigen nichts als gigantische, stilisierte Pinselstriche. Sie zeugen von Lichtensteins grundlegender Reflexion über Malerei und können als Kernstück der Ausstellung verstanden werden.

Viele seiner Frühwerke basieren auf historischen amerikanischen Gemälden, z.B. von Benjamin West. Mit seinen Perfect und Imperfect Paintings wollte Lichtenstein abstrakte, völlig zweckfreie Bilder schaffen. „Die Idee war, die Linie irgendwo beginnen zu lassen, um ihr dann zu folgen und alle Formen des Gemäldes zeichnen zu lassen". Bei den „Perfect Paintings" endet die Linie am Rand der Leinwand, bei den "Imperfect Paintings" geht die Linie über den Bildträger hinaus; dies ist ein humorvolles Spiel mit den „shaped canvases", die in den 60er Jahren sehr verbreitet waren.

Das Museum Ludwig besitzt die größte Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA, darunter auch zahlreiche Werke Lichtensteins. Im Anschluss an den Besuch der Lichtenstein-Ausstellung empfiehlt sich ein Rundgang durch die ständige Sammlung des Museums, der spannende Einblicke und Vergleiche mit Werken von Léger und Picasso bis hin zu Kirchner oder Magritte ermöglicht.

Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Roy Lichtenstein Foundation organisiert.

Kuratoren: Gianni Mercurio (von Januar bis Mai war die Ausstellung in anderer Form in Mailand in der „Triennale di Milano“ unter dem Titel „Roy Lichtenstein: Meditations on Art“ zu sehen) und Dr. Stephan Diederich (Museum Ludwig).

Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China

Meisterwerke aus der Fotografischen Sammlung. Die neue Galerie für die Fotografie

Fr, 11.6.2010 - So, 9.1.2011, 00:00

Nach der Präsentation einer Auswahl von Spitzenwerken der Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts zeigt das Museum Ludwig nun einen neuen Ausschnitt aus seinen umfangreichen fotografischen Sammlungen. Ab dem 11. Juni werden japanische und chinesische Fotografien des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Robert Lebeck präsentiert. Zu den Schätzen dieser Kollektion gehört auch das chinesische Reisealbum des Bremer Kaufmanns Julius Menke. Dieses zeigt seine Erlebnisse und Erfahrungen im China der 1860er Jahre in Form eines sorgfältig zusammengestellten Bilderatlas.

In der Ausstellung werden Fotografien der europäischen Pioniere Felice Beato und John Thomson sowie der frühen japanischen Fotografen Hikoma Ueno und Kimbei Kusakabe gezeigt, neben den kostbar aufgemachten Reisealben, in denen die Fotografien für den Verkauf präsentiert wurden. Noch heute entfalten diese oft zart kolorierten Fotografien den Reiz des Exotischen und suggerieren authentische Einblicke in ferne Kulturen. Dabei haben Sie schon im 19. Jahrhundert nicht die Realitäten der Gegenwart thematisiert, sondern zeigen die jahrhundertealten Lebenstraditionen, beispielsweise in Fotografien einer Japanerin im Kimono, die in einer Reisesänfte getragen wird, einer jungen japanischen Mutter, die ihr Kind in einem traditionellen gewebten Tuch auf dem Rücken trägt oder eines Besenverkäufers, der seine handgefertigten Reisigbesen feilbietet. Die westlichen Interessen an Japan und China waren im 19. Jahrhundert nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch von der Neugier an exotischen Lebenswelten geprägt. Früh gelangte das technische Wissen zur Herstellung von Fotografien auch in die fernen Länder Asiens, in denen schnell eine umfassende Bildproduktion für den Export entstand. In kostbaren Reisealben mit reich verzierten Lackdeckeln wurden die Fotografien für den Verkauf präsentiert. Die Touristen konnten sich diese Alben teilweise selbst aus einer riesigen Auswahl von Fotografien zusammenstellen. Diese Fotografien dokumentieren die Inszenierung der fremden Kulturen und die Sichtweisen und Darstellungen, die die dortigen Fotografen für den Export vorgesehen hatten. Umfang und Qualität dieser Bildproduktion beweisen den enormen Erfolg dieser Verkaufsstrategien.

In der gemeinsamen Ausstellung von Fotografien aus Japan und China erhält der Besucher faszinierende Einblicke in die ‚virtuellen' Welten der fremden Kulturen, die trotz der geographischen Nähe ganz unterschiedlich dargestellt wurden. Gleichzeitig kann in der Betrachtung dieser originalen Fotografien die enorme westliche Faszination an japanischen und chinesischen Lebenswelten nachvollzogen werden, die nicht zuletzt maßgeblich die gesamte Kunst um 1900 beeinflusst hat.

Bilder in Bewegung: Künstler & Video / Film

Sa, 29.5.2010 - So, 31.10.2010

Erstmals seit 30 Jahren macht das Museum Ludwig seine umfangreiche Film- und Videosammlung den Besuchern zugänglich. 55 raumgreifende Installationen mit substantiellen Arbeiten, beispielsweise von Aernout Mik, Mike Kelley und Nam June Paik werden präsentiert, rund 270 Arbeiten werden über Videosichtplätze abrufbar sein. Die großangelegte Überblicksausstellung erzählt nicht nur die Geschichte des bewegten Bildes in der Kunst, sondern auch von seinen vielfachen Inspirationen durch den Film. Die gemeinsame Präsentation der Medien Kunst und Film hat im Rheinland Tradition: Mit der Gründung von XSREEN in Köln entstand eine Abspielstätte für den Avantgardefilm; der Kölnische Kunstverein und die Kunsthalle integrierten ab 1971 Filme in Ausstellungen der bildenden Kunst. Wegweisend für das Medium Video war wiederum Nam June Paiks Ausstellung „Exposition of Music, Electronic Television" 1963 in Wuppertal. Viele der Werke, die damals präsentiert wurden, sind anschließend in die Sammlung des Museum Ludwig gelangt.

Die Ausstellung fragt außerdem nach dem Einfluss des Kinos und seiner erzählerischen Strategien, dem Dokumentarischen als künstlerische Haltung und dem Verhältnis von Video und Film zum Ausstellungsraum. Der Einfluss des Kinos findet sich in ganz unterschiedlichen Werken, beispielsweise bei Francesco Vezzoli in Form eines vorgetäuschten Filmtrailers, als Collage mit gefundenem Material bei Jonathan Horowitz oder einer in einen anderen Zusammenhang gebrachten Wiederaufführung eines Sketches von Laurel und Hardy bei Clemens von Wedemeyer. Beispiele für das Dokumentarische als künstlerische Haltung sind u.a. Werke von Renée Green und Jonas Mekas. Das Verhältnis von Video und Film zum Ausstellungsraum reicht von der „kinematografischen Installation", die den Kinoraum mit dem Ausstellungsraum verschmilzt bis zur „Videoskulptur", die Monitore als skulpturale Elemente installiert. Schließlich sind Installationen zu finden, die einen direkten Bezug vom Raum im bewegten Bild zum Ausstellungsraum herstellen, wie bei Aernout Mik und Guy Ben-Ner.

Symposium: Aus Ferne und Nähe: Verschränkungen von Kunst und Kino um 1970
eine Kooperation des Museum Ludwig mit dem Kunsthistorischen Institut, Universität Köln
Dr. Barbara Engelbach und Prof. Dr. Ursula Frohne am 3. September 2010 im Kino im Museum Ludwig
Das Symposium führt Kunst- und Filmhistoriker, Filmemacher und Künstler zusammen, um gemeinsam zu diskutieren, in wieweit sich die Aktionsfelder von Filmemachern und Künstlern um 1970 parallel oder jeweils eigenständig entwickelten, und wo sie sich in ihren Debatten und deren Kommunikationsmedien überschnitten. Eingeladen sind u.a. Malcolm Le Grice, Birgit Hein, Wulf Herzogenrath, Liz Kotz, Marcel Odenbach, Jonathan Walley und Duncan White.

Das Symposium wird gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung.

Kuratorin: Dr. Barbara Engelbach

Wade Guyton

Sa, 24.4.2010 - So, 22.8.2010

Der Drucker kann das in Köln gewählte Breitenformat von 1,75 Meter nur halb bedecken. Deshalb faltet der Künstler die Leinwand längs. Wenn die eine Hälfte fertig ist, dreht er die Leinwand um und bedruckt die andere Hälfte. Die schwarzen monochromen Flächen, Streifen und Blöcke die der Künstler in der letzten Zeit häufig verwendet, werden am Computer erzeugt. Es sind sehr einfache geometrische Formen, die wieder und wieder auf die weiße Leinwand gedruckt werden. Guyton folgt dabei immer einem strengen Schema, es ist ihm z.B. wichtig, dass die Abmessungen der Leinwand sich jeweils technischen und räumlichen Gegebenheiten anpassen. Die genannte Breite entspricht wie gesagt genau der doppelten des mit seinem Drucker erreichbaren Formats, die Länge von 7,60 Meter ist die der handelsüblichen Leinwandrolle. Doch während die Breite in allen Arbeiten des Künstlers, die auf diesem Drucker entstehen, dieselbe ist, orientiert sich die Länge hier an der Architektur des Ausstellungsraums, der hohen Stirnwand des großen Oberlichtsaals im Museum Ludwig.

Nicht nur das ungewöhnliche Format bezieht sich auf den Raum. Auch das zentrale Bildmotiv, die monochromen Blöcke, fügen sich in ihn ein. Sie bilden ein Echo der ihnen gegenüberliegenden extrem schmalen und langen Treppe. Schwarz und Weiß ahmen die Stufen nach. Schreitet man die Treppe herunter in den Raum, scheint die eigene Bewegung die Streifen gegenüber ebenfalls in Bewegung zu setzen. Die Treppe wird zur Showtreppe, Guytons Wand nimmt auf eine abstrakte, möglicherweise irritierende Weise die Bewegung des Besuchers auf. Sein Gang, sein Auftritt bekommt so etwas Theatralisches und, sieht man die schwarzen Felder als Filmstreifen, auch etwas Cinéastisches. Große Kino-Auftritte auf der Treppe - etwa der von Gloria Swanson in Sunset Boulevard -, kommen einem in den Sinn. Die Bewegungen, die die Leinwand suggeriert, sind zugleich die, die Künstler und Leinwand während der Herstellung vollzogen haben. Die großen Formate, die Guyton in den letzten Jahren zeigt, haben ihn zu seinen künstlerischen Anfängen zurückgeführt. Denn er ist noch bis 2004 vor allem Bildhauer. Seine eleganten Skulpturen aus Stahl haben die „U"-Form, massiv, mal stehend, mal liegend, bevorzugt. Seine Skulpturen wurden „Zeichnungen im Raum" genannt, daraus wurden dann die „Druckgemälde". Es ist also nicht allzu kühn, von seinen nun extrem langen bedruckten Leinwandbahnen als von „Druckskulpturen" zu sprechen. Sie definieren den Raum neu, in dem sie hängen, sie definieren aber auch ihr Medium um. Sie geben Malerei oder Druck etwas Plastisches. Und wie jede Skulptur beeinflussen und bestimmen sie auch die Bewegung des Besuchers im Raum. Die von Guyton am Computer entwickelten neueren Gemälde verweisen auf das Bildmotiv par excellence der Moderne: die Monochromie. Schon die klassische Monochromie, bei Alexander Rodtschenko oder Robert Ryman, diente dazu, die Malerei auf das ihr Wesentliche zu reduzieren: die Farbe, die Leinwand, den Rahmen. Guytons monochromen Blöcken dürfen wir, auch wenn sie in größere Komplexe gestellt sind, ein ähnliches Ziel unterstellen wie Rodtschenko und Ryman, selbstreflexive Malerei. Ihr dichtes Schwarz in Köln besteht etwa aus einer Mischung sämtlicher sieben Farben des Tintenstrahldruckers, ist also die alle Farben summierende Nicht-Farbe. Guytons Künstlerbücher geben uns die Gelegenheit, seine Gemälde auch kunsthistorisch zu verorten. Für seine Ausstellung im Museum Ludwig entsteht ein neues Buch, das auch im Buchhandel zu erwerben ist. Es enthält eine Sammlung von Original-Buchseiten, die Katalogen entnommen und mit einfachen geometrischen Formen überdruckt worden sind. Diese Zeichnungen stehen in loser Verbindung zur Installation im Raum, verbinden die abstrakten computergenerierten Arbeiten mit ihren ikonisierten Vorläufern in der Kunstgeschichte und erweitern das komplexe Referenzfeld Guytons um eine historische Dimension.

Kuratorin: Dr. Julia Friedrich

Russische Avantgarde / Projektreihe Museum Ludwig, Köln

Fr, 5.2.2010 - So, 22.8.2010

Wenige Bewegungen haben die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts so stark geprägt wie die der Russischen Avantgarde. Noch heute besitzen die gesellschaftlichen und ästhetischen Fragestellungen der Protagonisten eine außerordentliche Aktualität. Mit über 800 Werken betreut das Museum Ludwig eine der welt weit größten und umfangreichsten Sammlungen der Russischen Avantgarde aus der vor- und nach revolutionären Zeit von etwa 1905 bis circa 1930. Wichtige Schlüsselwerke des Neoprimitivismus, Kubo-Futurismus, Rayonismus, Suprematismus und Konstruktivismus ermöglichen einen tiefen Einblick in die verschiedenen avantgardistischen Bewegungen dieser Zeit.
Eine Ausstellungsreihe wird ein neues Licht auf die Sammlung mit ihren Schwerpunkten und Besonderheiten werfen.

TEIL 2: 5. FEBRUAR - 22. AUGUST 2010
KASIMIR MALEWITSCH UND DER SUPREMATISMUS IN DER SAMMLUNG LUDWIG

Im Museum Ludwig befindet sich eine der international größten Sammlungen von Werken Kasimir Malewitschs. Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wird das gesamte Malewitsch Konvolut zu sehen sein. Die Gemälde, Skulpturen und grafischen Arbeiten aus allen Schaffensperioden ermöglichen einen Einblick in die Entwicklung des Künstlers von der figurativen Kunst über die Abstraktion bis hin zur Gegenständlichkeit. Vier der Gemälde Malewitschs werden im Rahmen der Ausstellung kunsttechnologisch untersucht. Suprematistische Werke von Künstlern aus Malewitschs Umfeld ergänzen die Ausstellung.
Kuratorin der Ausstellungsreihe: Katia Baudin-Reneau

LENI HOFFMANN: RGB
26.9.2009-28.3.2010

Die erste zeitgenössische Künstlerin, die im Rahmen der Ausstellungsreihe eingeladen wird, sich mit der Aktualität der Russischen Avantgarde auseinanderzusetzen, ist Leni Hoffmann. Ähnlich wie El Lissitzky seinerzeit stellt sie die Autonomie der Kunst, und insbesondere der Malerei, in Frage. Durch ihre ortsbezogenen, meist temporären Malereien im Raum erzeugt sie einen neuen, oft aktiven Dialog zwischen Kunstwerk, Ort/Raum und Betrachter. Im Museum Ludwig wird sie Arbeiten in der Eingangshalle, auf der Dachterrasse und im Sammlungsbereich sowie eine Außenarbeit direkt vor dem Museum umsetzen.

Kuratorin der Ausstellungsreihe: Katia Baudin-Reneau
Wissenschaftliche Mitarbeit: Emily Evans
Kunsttechnologische Untersuchungen: Petra Mandt

Ausstellungsreihe „Gesehen & Geliebt“

Di, 20.4.2010 - So, 7.11.2010

Wenn Menschen Kunst und Kunstwerke für sich entdecken, ist Liebe mit im Spiel. Und wenn sie sich der Kunst intensiv widmen, werden Sammlungen daraus, geprägt vom individuellen Blick, ästhetischen Empfinden und dem persönlichen Hintergrund. Aus dieser Leidenschaft für die Kunst, diesem individuellen Interesse für das Sammeln, ist die Gesellschaft für Moderne Kunst entstanden. Vor 25 Jahren - im Jahr 1985 - gründeten Rheinländer Sammlerinnen und Sammler den Förderverein für das Museum Ludwig. Wie individuell gesammelt wird, ist Thema der kleinen, kabinettartigen Ausstellungsserie zur Feier des Jubiläums. Im Fokus ist die private Sammlung einer Künstlerin ebenso wie die des Museumsdirektors, die Kollektionen langjähriger Sammler genauso wie Junger Mitglieder der Gesellschaft für Moderne Kunst.

Gesehen & Geliebt # 2: Pots & Paper
Kölner Privatsammlung
01.06. - 30.06.2010


Im Monat Juni präsentiert die Ausstellungsreihe eine private Kölner Kollektion. In der Ausstellung sind Werke unterschiedlicher Künstler verschiedener Generationen zu sehen wie Frank Auerbach (geb. 1931 in Berlin, lebt in London, UK), Jenny Holzer (geb. 1950, lebt im Staat New York, USA), Raoul de Keyser (geb. 1930, lebt in Deinze, Belgien), Shozo Michikawa (geb. 1953, lebt in Seto, Aichi) oder David Shrigley (geb. 1968, lebt in Glasgow, UK). Die Auswahl stellt bekanntere und unbekanntere Positionen in einem Ensemble vor, das den Charakter einer bisher nicht in der Öffentlichkeit gezeigten privaten Sammlung reflektiert. Noch bevor Köln Ende der 1960er Jahre zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst wurde, begannen die Sammler mit der Erwerbung einer kleinen Skulptur von Henry Moore. „Aus Lust und Liebe" sind die Werke ins Haus gekommen, eine Sammlung ist entstanden, die mit Sensibilität und einem Augenzwinkern zusammengetragen wurde.
Liste der Künstler von „Pots & Paper": Anonym (Antik), Richard Artschwager, Frank Auerbach, Raoul de Keyser, Lucian Freud, Jenny Holzer, Per Kirkeby, Jan Knap, Andrew Lord, Brice Marden, Shozo Michikawa, Bruce Nauman, Ben Nicholson, Sigmar Polke, Ken Price, David Shrigley, Franz West.

Weitere Ausstellungen innerhalb der Reihe:
12. Juli - 15. August 2010 - Kölner Privatsammlung
30. August - 26. September 2010 - Auswahl an jungen rheinländischen Sammlungen
11. Oktober - 7. November 2010 - Privatsammlung Kasper König

SAMMLUNG DES MUSEUM LUDWIG

Expressionismus | Russische Avantgarde | Picasso | Bauhaus | Dada und Surrealismus | Nouveau Réalisme und Fluxus | Pop Art | Grafische Sammlung | Fotografische Sammlungen

Die Sammlung des Museum Ludwig setzt mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ein und beinhaltet die wichtigsten Stationen und Positionen der Moderne.

Ein Grundstein für den Bestand war die Sammlung Josef Haubrich. Der Kölner Rechtsanwalt schenkte dem Museum 1946, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, Kunstwerke der Expressionisten und anderer Vertreter der Klassischen Moderne. Darunter befinden sich Meisterwerke von Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, August Macke, Otto Müller, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner und Marc Chagall. Weitere Werke von Willi Baumeister, Max Beckmann, Alexej von Jawlensky, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Henri Matisse und Ernst Wilhelm Nay konnten in der Folgezeit als Stiftung, Schenkung oder Leihgabe gewonnen werden.

Die Schenkung von Peter und Irene Ludwig aus dem Jahre 1976, die zur Gründung des Museum Ludwig als erstem Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts in Köln führte, beinhaltete die außerhalb der USA umfassendste Sammlung amerikanischer Pop Art. So gelangten Hauptwerke von Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, James Rosenquist, Claes Oldenburg, George Segal, Tom Wesselmann u.a. ins Museum Ludwig. Aber auch die abstrakte amerikanische Malerei ist mit Werken von Mark Rothko, Ellsworth Kelly, Morris Louis, Frank Stella u.a. im Museum Ludwig vertreten.

Außerdem gab das Ehepaars Ludwig seine Sammlung Russischer Avantgarde als Dauerleihgabe an das Museum mit einzigartigen Werken aus der Zeit zwischen 1905 und 1935 von Künstlern wie Kasimir Malewitsch, Ljubow Popowa, Natalia Gontscharowa, Michail Larianow und Alexander Rodtschenko. Sie ist heute, mit über 600 Arbeiten, die wichtigste öffentliche Sammlung russischer Kunst im Westen.

Zudem befindet sich im Museum Ludwig die weltweit drittgrößte Picasso- Sammlung nach Barcelona und Paris. Rund 900 Werke aller Gattungen, Gemälde, Skulpturen, Druckgrafiken und Keramiken geben einen Überblick über alle Schaffensphasen und Techniken des Jahrhundert-Künstlers; ein Schwerpunkt liegt auf den letzten Schaffensjahrzehnten. Durch drei Schenkungen von Peter und Irene Ludwig, die letzte anlässlich der Wiedereröffnung 2001, ist die komplette Sammlung inzwischen in den Besitz des Museums übergegangen.

1977 war das Gründungsjahr der Fotoabteilung des Museum Ludwig, die heute zu den ältesten und renommiertesten an einem Museum moderner und zeitgenössischer Kunst zählt. Zum Bestand an historischer Fotografie zählen die frühesten Daguerreotypien aus Berlin, Reisefotografien aus Ägypten und Schottland aus der Mitte des 19. Jhs, eine der ganz seltenen Stammmappen von August Sander aus dem Jahre 1927 und über 300 Künstlerporträts von Hugo Erfurth. Durch den Ankauf der Sammlung Agfa im Jahr 2005 verfügt das Museum Ludwig über eine bedeutende Kollektion zur Kulturgeschichte der Fotografie, die zum ‚Nationalen Kulturgut‘ zählt. Die fotografische Sammlung ist in den letzten Jahren aber auch in die Gegenwart geführt worden durch bedeutenden Ankäufe und Schenkungen von Arbeiten von Andreas Gursky, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans, Christopher Williams, Sanja Iveković und Sherrie Levine um nur einige zu nennen.

Die Grafische Sammlung des Museum Ludwig beherbergt rund 3000 Unikate auf Papier - d.h. Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Collagen, usw. - und fast 10.000 Druckgrafiken, Bestände, die vorwiegend wohlwollenden Förderern zu verdanken sind. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Expressionismus.

Durch die Schenkung von Peter und Irene Ludwig gelangten Picassos Suite Vollard, Suite 345 und Suite 156 vollständig ins Museum Ludwig. Künstler der Pop Art und der Russischen Avantgarde sind auch in der grafischen Sammlung mit prominenten Arbeiten vertreten. Die Sammlung wird durch Ankäufe und Schenkungen, zuletzt von David Shrigley und Georg Baselitz stets weiter in die Gegenwart geführt.

Seit den 1970er Jahren hat sich der künstlerische Videofilm neben den klassischen Sammlungsschwerpunkten zum eigenständigen medientechnischen Sammlungsbereich der Museen des 20. Jahrhunderts etabliert. Das Museum Ludwig begann ebenfalls sehr früh Videokunst zu sammeln und verfügt über wichtige Werke der ‚Pioniere‘ dieser Kunstform wie Nam June Paik, Marina Abramovic, Bruce Nauman oder Joan Jonas. Alle Tendenzen von Video und Film sowie Medienkunstinstallationen werden zusammengetragen und um aktuelle Werke von beispielsweise Aernout Mik, Mike Kelly, Guy Ben-Ner und Jeanne Faust erweitert.

Ausgangspunkt für die Fortführung der Sammlung in die Gegenwart war die Präsentation „Museum unserer Wünsche“ 2001/2002 in der zeitgenössische, aber auch historische Positionen im Kontext der ständigen Sammlung gezeigt wurden. Diese Präsentation setzte Signale der Neuausrichtung der Sammlung, zu der auch die Einbindung der Fotografie und Medienkunst in die zeitgenössische Kunst gehört.

Museum Ludwig

Bischofsgartenstr. 1
50667 Köln

Telefon: :+49-221-221-26165
Fax: :+49-221-221-24114
E-Mail: info@museum-ludwig.de

Besucherinformation
Öffnungszeiten
Di-So 10-18 Uhr, jeden
1. Fr im Monat 10-22 Uhr

Eintrittspreise
Tagesticket: 7,50 €, ermäßigt 5,50 €
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 €
Familienticket: 18 €
auswärtige Schulklassen zahlen pro Schüler 3 €

Öffentliche Führungen
sind auf 30 Personen beschränkt.
Informationen zu Führungen und praktischen Kurse
entnehmen Sie bitte den Seiten des Museumsdienstes.

Verkehrsanbindung
Station Hauptbahnhof für U-Bahn, Bundesbahn, S-Bahn zum Flughafen Köln/Bonn

Parkmöglichkeiten
Parkhaus am Dom,
Tiefgarage Rheingarten,
Parkhaus Groß St. Martin