Museum Fünf Kontinente München

Das 1862 gegründete Museum Fünf Kontinente in München, ehemals Staatliches Museum für Völkerkunde, ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland. Es verfügt heute über 160.000 Ethnographica und Kunstwerke außereuropäischer Völker, 135.000 fotografische Dokumente und eine über 100.000 Bücher umfassende Fachbibliothek. Ausgehend von den eigenen Sammlungen zeigt das Haus Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kulturen aus Afrika, Amerika, Asien, Australien, dem Orient, der Südsee und Europa auf. Das Museum steht für Weltoffenheit, kulturellen Dialog und Respekt vor den Menschen aus der ganzen Welt. In unseren ständigen Ausstellungen, in themenbezogenen Sonderausstellungen und Veranstaltungen laden wir Sie ein, die Einzigartigkeit und Vielfalt von Kulturen und der sie prägenden Menschen zu entdecken.

Lassen Sie sich in der Münchner Maximilianstraße in unbekannte Welten entführen und entdecken Sie im Museum Fünf Kontinente die Verbindungslinien zwischen außereuropäischen und unseren eigenen Kulturen.

In unserem Zweigmuseum im Residenzschloss Oettingen i. Bay. zeigen wir in wechselnden Ausstellungen Exponate aus den reichen Sammlungen des Münchner Hauses.


Sonderausstellungen

Boxing Cuba. Hommage an einen Sport

Fr, 13.5.2016 - So, 11.9.2016

Boxen ist auf Kuba nicht nur einfach ein Sport. Boxen ist die Möglichkeit für junge Männer, der Perspektivenlosigkeit des Alltags zu entkommen. Und: Boxen bietet eine reelle Chance für einen sozialen Aufstieg in der Zukunft.

Ende 2015 begab sich die Münchner Fotokünstlerin Katharina Alt mit ihrer Kamera auf den Weg nach Kuba, um dort Spuren der Boxkultur zu entdecken und zu dokumentieren. Die Boxathleten der Karibikinsel gelten seit vielen Jahrzehnten als die erfolgreichsten der Welt.

Trotz einfachster Trainingsbedingungen gelingt es den Athleten durch höchstmöglichen Einsatz und ihre Hingabe an den Sport, immer wieder Siege bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zu erringen. Die einzigartigen Porträtaufnahmen von Katharina Alt beschränken sich nicht nur auf die Favoriten der nächsten Olympischen Spiele 2016 in Brasilien. Vielmehr zeigen die Fotografien auch die Jugendarbeit der einfachen Sportschulen in Havanna. Gerade sie haben die wichtige Aufgabe übernommen, den Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen, ihnen ein Gefühl für eine reelle Zukunft zu vermitteln.

Katharina Alt porträtierte nicht nur Boxlegenden wie Emilio Correa Vailant (Padre), der 1972 olympisches Gold in München holte oder seinen Sohn Emilio, den Gold-Olympioniken von Barcelona 1992. Auch Boxerinnen, Trainer und Scouts, Ringrichter und Mannschaftsärzte, Jugendliche und Amateure bildete sie in ihren individuellen Momentaufnahmen der kubanischen Boxer-Szene ab.

Inmitten der Porträts zeigt die Ausstellung einen echten Berg-Boxring. Er ist alt, stammt aus den 1970er Jahren, ist immer noch in Gebrauch und strahlt gerade deshalb unverfälschte Authentizität aus.

Daneben leuchtet die dichte Atmosphäre des aktuellen Lebens auf Kuba immer wieder aus den Bildhintergründen hervor: Plätze, Straßen, ganze Viertel Havannas, die so kein Touristenprospekt wiedergibt. Damit erschließt sich dem Besucher ganz nebenbei die Lage der Sportschulen, ihre Umgebung und organische Eingebundenheit ins jeweilige Ambiente.

Ngaanyatjarra Lands - Aboriginal Art aus Westaustralien

Fr, 15.4.2016 - So, 5.6.2016

Die Ngaanyatjarra Lands sind eine 160.000 Quadratkilometer große Region im Osten von Western Australia an der Grenze zum Northern Territory und zu South Australia. Etwa 1.800 Menschen der Sprachgruppe Ngaanyatjarra haben hier seit jeher ihre Heimat und leben heute in elf Gemeinden zusammen. Um ihre eigene Kultur zu erhalten und zu pflegen, gründeten die Ngaanyatjarra People 1990 das Warburton Arts Project. Die Malerei der Ngaanyatjarra Lands hat inzwischen große Aufmerksamkeit erregt, obwohl sie eine vergleichsweise junge Tradition ist. Werke aus Holz (purnu) und Flechtarbeiten aus Gras (tjanpi) wurden hier immer schon hergestellt. Mitglieder von fünf in der Gegend aktiven Kunstzentren sind in der Ausstellung vertreten.

Die Besonderheit an diesen jungen Künstler-Communities ist: Vor allem Maler im letzten Lebensabschnitt haben sich hier zusammengefunden. Ihre Werke sprechen eine ganz eigene Bildsprache. Denn das fortgeschrittene Alter gibt diesen Malern die Freiheit, ihre Vorstellung von der tjukurrpa, jener Zeit, in der die Welt nach dem Glauben der Aborigines so geschaffen wurde, wie sie heute ist, mit einem anderen und reduzierten Blick umsetzen zu können. Die altersbedingte Fülle an mythologischem Wissen erlaubt es ebenfalls, auszuwählen und sich auf wesentliche Kerninhalte zu konzentrieren. Die tjukurrpa erklärt, welche Schöpferahnen das Land einst gestaltet haben und gibt die Gründe an, warum es seitdem so aussieht. Durch sie kann man eine geografische Gegebenheit immer mit einer Handlung eines oder mehrerer bestimmten Schöpferahnen erklären. In dieser mythischen „Traumzeit“ wurden von den Schöpferahnen auch die rituellen Handlungen vorgegeben, die mit einem bestimmten Ort in Verbindung stehen. Menschen, die durch uralte Überlieferungen Kenntnis davon besitzen, können also Vergangenheit und Gegenwart zu einem Zeitraum zusammensetzen – und diese „Zeitgeschichte“ natürlich auch malen.

Die tjukurrpa hat also ihren Ursprung an in der Wirklichkeit existierenden Orten. So ist zum Beispiel Wanarn einerseits ein Ortsname, an dem heute eine Gruppe alter Künstler lebt und malt. Bevor hier 1988 mit dem Bau von Gebäuden zur Beherbergung einer Gemeinschaft alter Leute begonnen wurde, bezeichnete der Name aber schon lange eine Art Knotenpunkt verschiedener „Traumzeit“-Wege, der als idealer Ort empfunden wurde, um genau hier die Geschichten davon auf die Leinwand zu bringen.

Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Kunstzentrums der Ngaanyatjarra Lands gehört immer, dass seine Mitglieder sowohl an ihrem Wohnort wie auch am Ursprungsort der jeweils zu malenden Geschichte gleichsam ununterbrochen arbeiten. Sie sind davon überzeugt, traditionelles Wissen an die jüngere Generation weitergeben zu müssen. So ist ein Kunstzentrum auch das Zentrum des Gemeindelebens, wo sich bis zu vier Generationen zum Malen und Singen versammeln und Auszüge aus der mythischen Urzeit (tjukurrpa) wieder und wieder erzählen.

Niemals wird in diesen Kooperativen die Frage gestellt, wofür Kunst da ist, sondern immer nur, für wen. Sie dient dem Menschen, und das nicht nur, indem sie alten Leuten die Gelegenheit gibt, möglichst viel ihres unermesslichen Fundus an Wissen für die Nachwelt zu erhalten. Die Kunstzentren verstehen sich zusätzlich ganz praktisch als Dienstleister für das Altenheim der Region und fördern das Malen zu therapeutischen Zwecken. Viele der Künstlerinnen und Künstler sind an Demenz erkrankt.

Eine weitere Besonderheit innerhalb der Ngaanyatjarra-Kunst sind die so genannten History Paintings. Ihre Vertreter dokumentieren markante Ereignisse aus der Geschichte ihrer Region in figürlichem Stil.

Mit der Kunst australischer Aborigines aus den Ngaanyatjarra-Lands gastiert die Galerie ARTKELCH aus Freiburg erneut im Museum Fünf Kontinente. Die Bilder kommen von den Künstlerkooperativen Papulankutja Artists, Kayili Artists, Warakurna Artists, Tjarlirli Art und The Minyma Kutjara Arts Project. Die Ausstellung ist Teil der Reihe „Pro Community“, die jährlich indigene Kunst einer Region Australiens an verschiedenen Standorten vorstellt. Die Kunstwerke können als Unterstützung für die Aboriginal-Künstler erworben werden.

„Die Menschen in Wanarn sind sehr alt, aber ihre Gemälde erzählen Geschichten über ihr Land, um sich daran zu erinnern. Und sie erzählen die Geschichten, damit die Jungen sie verstehen können“, sagt Eunice Porter vom Kunstzentrum Warakurna Artists. Eileen Giles von der Kooperative Tjarlirli Art macht klar: „Viele junge Menschen gehen heute neue Wege beim Malen. Sie sehen die Welt um sich herum und in der Schule, so dass sie stärker figurativ arbeiten. Aber sie beobachten die Älteren, die eher im traditionellen Stil malen und sehen auch das. Sie hören Kunst in Form von Gesang, Tanz und Geschichten-Erzählen. Und sie fühlen sie in ihren Körpern. Das ist sehr wichtig für unsere Kultur.“

Museum Fünf Kontinente

Maximilianstraße 42
D 80538 München

Telefon: +49 (0)89-2101 36 100
Fax: +49 (0)89-2101 36 247
E-Mail: kontakt@mfk-weltoffen.de

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