Museum Fünf Kontinente München

Das 1862 gegründete Museum Fünf Kontinente in München, ehemals Staatliches Museum für Völkerkunde, ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland. Es verfügt heute über 160.000 Ethnographica und Kunstwerke außereuropäischer Völker, 135.000 fotografische Dokumente und eine über 100.000 Bücher umfassende Fachbibliothek. Ausgehend von den eigenen Sammlungen zeigt das Haus Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kulturen aus Afrika, Amerika, Asien, Australien, dem Orient, der Südsee und Europa auf. Das Museum steht für Weltoffenheit, kulturellen Dialog und Respekt vor den Menschen aus der ganzen Welt. In unseren ständigen Ausstellungen, in themenbezogenen Sonderausstellungen und Veranstaltungen laden wir Sie ein, die Einzigartigkeit und Vielfalt von Kulturen und der sie prägenden Menschen zu entdecken.

Lassen Sie sich in der Münchner Maximilianstraße in unbekannte Welten entführen und entdecken Sie im Museum Fünf Kontinente die Verbindungslinien zwischen außereuropäischen und unseren eigenen Kulturen.

In unserem Zweigmuseum im Residenzschloss Oettingen i. Bay. zeigen wir in wechselnden Ausstellungen Exponate aus den reichen Sammlungen des Münchner Hauses.

SONDERAUSSTELLUNGEN

Myanmar

Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern

Fr, 19.9.2014 - So, 3.5.2015

Im Jahr 1911 reiste Lucian Scherman, Direktor des Münchner Völkerkundemuseums, zusammen mit seiner Frau Christine nach Burma, dem heutigen Myanmar. Die beiden legten eine weltweit einzigartige ethnographische Sammlung an, zu der mehr als 2300 Objekte, 1200 Fotografien, ausführliche Reisetagebücher und Tonaufnahmen zählen. Die schönsten und kostbarsten Stücke der Sammlung sind nun erstmals in einer herausragenden Präsentation zu sehen. Begleiten Sie uns auf den Spuren des Forscherpaares durch eines der faszinierendsten Länder Asiens: Sie begegnen den verschiedensten Volksgruppen und deren Lebensweise, gewinnen Einblicke in den myanmarischen Alltag, tauchen ein in religiöse Feste und staunen über einmalige Kunstwerke. Die Reise führt durch vielfältige Landschaften und eröffnet Ihnen den Zugang zu weitgehend Unbekanntem: Ob am lnle-See, Chindwin-Fluss oder in den weiten Bergregionen im Westen und Osten Myanmars – nur wenige Schritte entführen Sie in andere Welten.

Ausgangspunkt der „Reise“ ist ein Marktplatz, wie überall in der Welt auch in Myanmar Treffpunkt für Menschen aus nah und fern, Umschlagplatz für Handelswaren aller Art und Nachrichtenbörse.
Bewegten sich Schermanns seinerzeit noch „auf staubigen Straßen zu goldenen Pagoden“, so gelangen Sie sauberen Fußes zu den Höhepunkten der Ausstellung. Dazu zählt ein Marionettentheater, dessen Figuren nun nach hundert Jahren zu neuem Leben erweckt wurden.

Auch die neuesten Veränderungen des „Goldenen Landes" werden aufgezeigt und Sie können Zeuge der rasanten Entwicklungen Myanmars in den letzten Jahren werden. Wie verträgt sich eine schnellere, von wirtschaftlichen Zielsetzungen geprägte Lebensart mit der Spiritualität des Buddhismus in seiner speziell myanmarischen Ausformung? Wie lebendig ist der Glaube an die uralten Nat-Geister im neuen „Tigerstaat am Ayeyawady“? Sind die Naga immer noch ein „von Natur kampflustiges Volk“, wie es Christine und Lucian Scherman in ihrem Reisebericht in der Sprache ihrer Zeit ausdrückten?

Inspirierende Entdeckungen erwarten Sie im Ausstellungsbereich, der der zeitgenössischen Kunstszene Myanmars gewidmet ist. Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Nann Nann, Khin Zaw Latt, Zaw Win Pe oder Htein Lin belegen eindrucksvoll, wie fruchtbar der Boden des alten Burma, aber auch die politische Vergangenheit und Gegenwart des Landes für die Kunst des neuen Myanmar sind. Das spannende Begleitprogramm der Ausstellung rundet die Präsentation der Sammlung Scherman ab und bringt Ihnen Myanmar auf einzigartige Weise nahe.

Kommen Sie mit uns auf eine atemberaubende Reise!
Wir freuen uns auf Sie.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband (€ 24,80), ISBN 978-3-422-07267-1, im Deutschen Kunstverlag München.

UN/SICHTBAR

Frauen Überleben Säure

Fr, 6.6.2014 - So, 11.1.2015

»UN/SICHTBAR« ist eine Fotoausstellung, die für alle sichtbar macht, was nur wenige Menschen wissen oder wissen wollen: Immer noch gibt es weltweit Gewalt gegen Mädchen und Frauen, auch kulturell und religiös begründete in Form von Säure- und Brandattentaten. Bedrückend ist auch, dass Frauen in einigen Gesellschaften dies als Form der Selbsttötung wählen. Als Tatmotiv nennen traurige Chroniken vor allem gekränkte Eitelkeit, Eifersucht, zu geringe Mitgift, Landstreitigkeiten und „Ungehorsam“ gegenüber familiären Erwartungen. Von den meisten betroffenen Mädchen und Frauen hat und wird man nie erfahren, da ihr Schicksal nicht an das Licht der Öffentlichkeit kommt – es wird totgeschwiegen. Die Opfer solcher Attentate müssen für den Rest ihres Lebens mit entstellten Gesichtern und Körpern leben, die mit diesen Verletzungen einhergehenden Schmerzen ertragen. Sie müssen auch die tiefen seelischen Narben, die ein solcher Gewaltakt hinterlässt, verkraften.

Die Fotografin Ann-Christine Woehrl hat sich auf ungewöhnliche Frauenportraits spezialisiert. Sie besuchte zahlreiche Opfer von Säure- und Brandanschlägen in verschiedensten Weltgegenden. In behutsamen Gesprächen hat sie diese Menschen nach ihrem Schicksal befragt und sensibel portraitiert. So entstanden nicht nur Fotos, sondern anrührende Gesamtbilder von Frauen, die von einer Stunde auf die andere aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden. Ann-Christine Woehrl traf bei den Frauen einerseits auf eine große Scham vor dem eigenen Aussehen, andererseits auf den festen Willen, der Ausgrenzung die Stirn zu bieten, sich dem Schicksal zu stellen und wieder ein selbstbewusstes Leben inmitten der Öffentlichkeit zu führen.

Woehrls Fotografien sind dokumentarische Meisterwerke, in denen körperlich und seelisch gleichermaßen verletzte Frauen ihren außergewöhnlichen Lebenswillen offenbaren, ihren Mut zur Rückkehr aus dem Dunkel der Verborgenheit vor die Augen aller. Woehrls Aufnahmen belichten intime Momente, die trotzdem nie voyeuristisch wirken. Unter anderem die Geschichte eines Paares, bei dem die Braut von den Schwiegereltern nicht akzeptiert und kurz vor der Hochzeit bei einem vorgeblichen Haushaltsunfall entstellt wurde. Der Bräutigam heiratete sie trotzdem, pflegt täglich ihre vernarbte Haut.

Die Bilder der Ausstellung werden von Originaltexten aus Interviews begleitet. So wird nicht nur sichtbar, sondern auch lesbar, was es heißt »UN/SICHTBAR« zu sein. »Heute ist mein persönlicher Unabhängigkeitstag, mein ›Independence Day‹. Von jetzt an will ich mich nicht mehr verstecken«, sagt Neehaari aus dem Dorf Puligadda im südindischen Staat Andhra Pradesh.

Wir wünschen uns, mit diesem Projekt nachhaltig zur Sichtbarmachung eines Phänomens beizutragen, das allzu lange ein Dasein jenseits der öffentlichen Wahrnehmung geführt hat.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband (€ 39,80), ISBN 978-3-901753-79-4,
in der EDITION LAMMERHUBER, Wien.

From Samoa with Love?

Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche

Fr, 31.1.2014 - So, 30.11.2014 | verlängert

Zwischen 1895 und 1911, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, reisten mehrere Gruppen meist ranghoher Samoaner mit Völkerschauen nach Deutschland. Begleitet wurden sie von zwei Impresarios, den Brüdern Fritz und Carl Marquardt. Für das Publikum waren die Völkerschauen in erster Linie Amüsement und eine Möglichkeit, Sehnsüchte nach einem gerade populär werdenden „Zurück zur Natur“ und dem „ungekünstelten Leben“ zu stillen. Die Kosten und Gefahren einer weiten Reise musste man deswegen aber nicht auf sich nehmen. Denn Völkerschauen, bei denen das zahlende Publikum „für fünfzig Pfennig um die Welt“ reisen und dabei „typische“ Kulturtätigkeiten der Samoaner wie Tänze, Musik und Waffenspiele erleben konnte, gastierten in Vergnügungsparks, Theatern, Panoptiken - und sogar zoologischen Gärten. Viele Völkerschauen tourten durch ganz Mitteleuropa und erreichten so ein Millionenpublikum. Dabei prägten sie entscheidend und langfristig die Vorstellungen, die man sich hierzulande von fremden Kulturen macht(e).

Doch was wissen wir über Motive, Schicksale und Lebenswege der samoanischen Reisenden, die für mehrere Monate und manchmal sogar Jahre angeworben waren? Waren diese Menschen womöglich alle gegen ihren Willen von den Kolonialherren nach Deutschland gebracht worden, um dann vor einem sensationslüsternen und voyeuristischen Publikum zur Schau gestellt zu werden? Was waren die Beweggründe der deutschen Organisatoren? Welches Echo fanden Samoa-Schauen in der deutschen Öffentlichkeit? Was für eine Rolle spielten dabei für das europäische Auge kurios anmutende Kunst- und Gebrauchsgegenstände der samoanischen Kultur, die teilweise ihren Weg in völkerkundliche Museen gefunden haben?

Die Ausstellung nimmt den Besucher auf eine Spurensuche durch Deutschland und Samoa mit, macht ihn bekannt mit Entdeckungen in Archiven, Privatsammlungen und samoanischen Dörfern. Ausstellungsgegenstände der Sammlung Marquardt offenbaren ihre Bedeutung, vermengen sich mit den Stimmen von heute lebenden Nachfahren der ehemaligen Völkerschau-Darsteller. Aus Phantasien und Schwärmereien von Kunstschaffenden der Kaiserzeit wie Joachim Ringelnatz, Dresdner „Brücke“-Malern und etablierten Vertretern der Berliner Akademie der Künste im Angesicht „exotisch“ wirkender Samoanerinnen hallt die zeitgenössisch-romantische Einstellung zum Fremden wider. „Ach, die von Samoa!“

Insgesamt entsteht ein differenziertes und feinteiliges Bild, in dem nicht zuletzt die Lebensverhältnisse, Motive und mit ihrem Deutschlandbesuch verknüpften Ziele und Strategien der samoanischen Völkerschau-Reisenden im Vordergrund stehen.

Mit Werken des Neuseeländers Michel Tuffery landet die Ausstellung mitten in der Gegenwartskunst. Einige seiner Arbeiten thematisieren deutsch-samoanische Geschichte und entstanden durch die Inspiration ethnografischer Objekte aus der Sammlung des Münchner Völkerkundemuseums.

"Impressionen aus Thailand"

Fotografien des Architekten Karl Siegfried Döring
1906-1913

Das Bildarchiv des Staatlichen Museums für Völkerkunde zeigt derzeit in der Galerie der Fotografie im Treppenaufgang 34 Reproduktionen von historischen Bildern aus Thailand aus dem Archiv von Karl Siegfried Döhring.

Zwischen 1906 und 1913 hielt sich Döhring in Siam auf, zunächst als Ingenieur in dem Königlich Siamesischen Eisenbahndepartment, später als Architekt und Ingenieur beim siamesischen Innenministerium und als Erster Architekt des Königs Chulalongkorn (reg. 1868-1910). Ab 1912 führte er archäologische Ausgrabungen und Begutachtungen in den nördlichen Provinzen Siams durch.

Die ausgestellten Fotografien zeigen das Königliche Siam von der Regierungszeit von König Mongkut (1851-1868) bis hin zu König Vajiravudh (1910-1925). Dargestellt sind u. a. Personen des siamesischen Hofes, Hoffeierlichkeiten, das Alltagsleben in den Kanälen um Bangkok sowie Verbrennungsfeierlichkeiten angesehener Prinzen.

„Die schönste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Siam, wo ich vor dem Kriege lange Regierungsbeamter war. […] Unvergesslich blieben mir die märchenhaften Feste in der Hauptstadt, die unbeschreibliche Pracht, die bei den Umzügen und gewaltigen Prozessionen zu Wasser und Lande entfaltet wurde, die buddhistischen Feiern in den goldstrahlenden, kostbaren Tempeln, die prunkvollen Theateraufführungen in mondhellen Nächten, die formvollendeten Tänze schöner Frauen, die dämonischen Schattenspiele mit den lebensgroßen, kunstvoll aus Büffelleder geschnittenen Figuren.“ (Döhring, K.S./ Ravi Ravendro, 1936: Flucht aus Buddhas Gesetz)

Museum Fünf Kontinente

Maximilianstraße 42
D 80538 München

Telefon: +49 (0)89-2101 36 100
Fax: +49 (0)89-2101 36 247
E-Mail: museum.voelkerkunde@extern.lrz-muenchen.de