Museum Fünf Kontinente München

Das 1862 gegründete Museum Fünf Kontinente in München, ehemals Staatliches Museum für Völkerkunde, ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland. Es verfügt heute über 160.000 Ethnographica und Kunstwerke außereuropäischer Völker, 135.000 fotografische Dokumente und eine über 100.000 Bücher umfassende Fachbibliothek. Ausgehend von den eigenen Sammlungen zeigt das Haus Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kulturen aus Afrika, Amerika, Asien, Australien, dem Orient, der Südsee und Europa auf. Das Museum steht für Weltoffenheit, kulturellen Dialog und Respekt vor den Menschen aus der ganzen Welt. In unseren ständigen Ausstellungen, in themenbezogenen Sonderausstellungen und Veranstaltungen laden wir Sie ein, die Einzigartigkeit und Vielfalt von Kulturen und der sie prägenden Menschen zu entdecken.

Lassen Sie sich in der Münchner Maximilianstraße in unbekannte Welten entführen und entdecken Sie im Museum Fünf Kontinente die Verbindungslinien zwischen außereuropäischen und unseren eigenen Kulturen.

In unserem Zweigmuseum im Residenzschloss Oettingen i. Bay. zeigen wir in wechselnden Ausstellungen Exponate aus den reichen Sammlungen des Münchner Hauses.

SONDERAUSSTELLUNGEN

Unter dem Vulkan

Kunst der Ömie aus Papua-Neuguinea

Fr, 23.1.2015 | Eröffnung

Fr, 23.1.2015 - So, 8.3.2015

Ab 23. Januar 2015 zeigen wir die Sonderausstellung Unter dem Vulkan. Kunst der Ömie aus Papua-Neuguinea. Zu sehen sind fein gearbeitete und mit traditionellen Mustern fantastisch verzierte Rindenbaststoffe, die in Ozeanien unter dem Namen tapa bekannt sind und aus der inneren Schicht der Rinde von Regenwaldbäumen hergestellt werden. Bei den Ömie-Frauen in Papua-Neuguineas Oro-Provinz hat die Kunst der tapa-Herstellung und Bemalung bis heute Bestand und erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Das ist ironischerweise einer Naturkatastrophe zu verdanken. Denn als 1951 der Vulkan Huvaimo ausbrach, hatten Missionare den Ömie bereits die Ausübung vieler ihrer alten Zeremonien untersagt, darunter auch die Tatauierung des Körpers mit Zugehörigkeits-Mustern der einzelnen Familienclans. Doch zwei einflussreiche Clanälteste deuteten den Vulkanausbruch als Unwillen der Ahnengeister über das Sterben der uralten Traditionen. Sie ermutigten die Ömie, sich vom fremden europäischen Kultureinfluss abzuwenden und sich ihrer eigenen Lebenskultur wieder zuzuwenden, um die auf dem Vulkan Huvaimo wohnenden Geister zu besänftigen. Die Ömie-Frauen begannen selbstbewusst damit, nicht nur weiterhin ihre traditionellen Motive auf Rindenstoff zu malen, sondern überdies althergebrachte Körper-Tattoo-Designs auf tapa zu übertragen.

Bemalte tapa-Stoffe werden auch „second skin“ – zweite Haut – genannt. Denn diese Kunst ist kleidsam und wird bei den Ömie – besonders bei zeremoniellen Anlässen – als Wickelrock von Frauen oder Lendentuch von Männern getragen. Bei schnellen Tanzbewegungen erzeugen die bewegten Muster im Auge des Betrachters dann einen optisch schillernden Effekt. Rindenbastsoffe fungieren im übertragenen Sinne aber auch als zweite Haut, die das innerste Wesen oder die Essenz eines Menschen umhüllt und schützt. Überdies spielt tapa eine wichtige Rolle im Gabentausch bei der Heirat.

Die meisten Motive werden seit vielen Generationen verwendet. Ältere Künstlerinnen, die ein meisterliches Niveau erreicht haben, dürfen ihre eigene uehorëro – Weisheit – malen und erschaffen damit neue Designs. Der Status einer Ömie-Frau richtet sich vor allem nach ihrem Talent, tapa herstellen und bemalen zu können. Kunstfertigkeit bedeutet soziale Karriere.

Weil das Museum Fünf Kontinente auf eine lange Tradition des Sammelns historischer Rindenbaststoffe zurückblicken kann, entschlossen wir uns zu einer Kooperation mit der Galerie ARTKELCH in Freiburg, um nun auch in München zeitgenössische Kunst der Ömie präsentieren zu können. Die Ausstellung zeigt daher eine Auswahl einzigartiger und visuell fesselnder Rindenstoffmalereien, die eigens für den internationalen Kunstmarkt geschaffen wurden. Sie offenbaren das kulturelle Wissen und das Können der führenden Künstlerinnen unter den Ömie, unter ihnen Sarah Ugibari, Fate Savari, Brenda Kesi, Lila Warrimou, Celestine Warina, Botha Kimmikimmi, Dapeni Jovenari, Mala Nari, Elizabeth Guho, Martha-Jean Uhamo, Ivy-Rose Sirimi und Lillias Bujava. Die Werke können als Unterstützung für die Ömie-Artists erworben werden.

„Ich stelle Kunstwerke aus Tapa her, um der Welt die Stärke der Ömie-Kultur vor Augen zu führen,“ sagt Sarah Ugibari. Und die Ömie-Malerin Fate Savari präzisiert: „Als ich ein kleines Mädchen war, verbrachte ich die ganze Zeit bei meiner Mutter, schaute ihr zu und lernte, all ihre Rindenstoff-Motive zu malen. Sie zeigte mir, wie man gelbe, rote und schwarze Pigmente miteinander mischt. Sie brachte mir alles bei, und jetzt male ich, damit meine Kultur nicht verloren geht und mein kulturelles Erbe fortbesteht.“

Myanmar

Von Pagoden, Longyis und Nat-Geistern

Fr, 19.9.2014 - So, 3.5.2015

Im Jahr 1911 reiste Lucian Scherman, Direktor des Münchner Völkerkundemuseums, zusammen mit seiner Frau Christine nach Burma, dem heutigen Myanmar. Die beiden legten eine weltweit einzigartige ethnographische Sammlung an, zu der mehr als 2300 Objekte, 1200 Fotografien, ausführliche Reisetagebücher und Tonaufnahmen zählen. Die schönsten und kostbarsten Stücke der Sammlung sind nun erstmals in einer herausragenden Präsentation zu sehen. Begleiten Sie uns auf den Spuren des Forscherpaares durch eines der faszinierendsten Länder Asiens: Sie begegnen den verschiedensten Volksgruppen und deren Lebensweise, gewinnen Einblicke in den myanmarischen Alltag, tauchen ein in religiöse Feste und staunen über einmalige Kunstwerke. Die Reise führt durch vielfältige Landschaften und eröffnet Ihnen den Zugang zu weitgehend Unbekanntem: Ob am lnle-See, Chindwin-Fluss oder in den weiten Bergregionen im Westen und Osten Myanmars – nur wenige Schritte entführen Sie in andere Welten.

Ausgangspunkt der „Reise“ ist ein Marktplatz, wie überall in der Welt auch in Myanmar Treffpunkt für Menschen aus nah und fern, Umschlagplatz für Handelswaren aller Art und Nachrichtenbörse.
Bewegten sich Schermanns seinerzeit noch „auf staubigen Straßen zu goldenen Pagoden“, so gelangen Sie sauberen Fußes zu den Höhepunkten der Ausstellung. Dazu zählt ein Marionettentheater, dessen Figuren nun nach hundert Jahren zu neuem Leben erweckt wurden.

Auch die neuesten Veränderungen des „Goldenen Landes" werden aufgezeigt und Sie können Zeuge der rasanten Entwicklungen Myanmars in den letzten Jahren werden. Wie verträgt sich eine schnellere, von wirtschaftlichen Zielsetzungen geprägte Lebensart mit der Spiritualität des Buddhismus in seiner speziell myanmarischen Ausformung? Wie lebendig ist der Glaube an die uralten Nat-Geister im neuen „Tigerstaat am Ayeyawady“? Sind die Naga immer noch ein „von Natur kampflustiges Volk“, wie es Christine und Lucian Scherman in ihrem Reisebericht in der Sprache ihrer Zeit ausdrückten?

Inspirierende Entdeckungen erwarten Sie im Ausstellungsbereich, der der zeitgenössischen Kunstszene Myanmars gewidmet ist. Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Nann Nann, Khin Zaw Latt, Zaw Win Pe oder Htein Lin belegen eindrucksvoll, wie fruchtbar der Boden des alten Burma, aber auch die politische Vergangenheit und Gegenwart des Landes für die Kunst des neuen Myanmar sind. Das spannende Begleitprogramm der Ausstellung rundet die Präsentation der Sammlung Scherman ab und bringt Ihnen Myanmar auf einzigartige Weise nahe.

Kommen Sie mit uns auf eine atemberaubende Reise!
Wir freuen uns auf Sie.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband (€ 24,80), ISBN 978-3-422-07267-1, im Deutschen Kunstverlag München.

UN/SICHTBAR

Frauen Überleben Säure

Fr, 6.6.2014 - So, 11.1.2015

»UN/SICHTBAR« ist eine Fotoausstellung, die für alle sichtbar macht, was nur wenige Menschen wissen oder wissen wollen: Immer noch gibt es weltweit Gewalt gegen Mädchen und Frauen, auch kulturell und religiös begründete in Form von Säure- und Brandattentaten. Bedrückend ist auch, dass Frauen in einigen Gesellschaften dies als Form der Selbsttötung wählen. Als Tatmotiv nennen traurige Chroniken vor allem gekränkte Eitelkeit, Eifersucht, zu geringe Mitgift, Landstreitigkeiten und „Ungehorsam“ gegenüber familiären Erwartungen. Von den meisten betroffenen Mädchen und Frauen hat und wird man nie erfahren, da ihr Schicksal nicht an das Licht der Öffentlichkeit kommt – es wird totgeschwiegen. Die Opfer solcher Attentate müssen für den Rest ihres Lebens mit entstellten Gesichtern und Körpern leben, die mit diesen Verletzungen einhergehenden Schmerzen ertragen. Sie müssen auch die tiefen seelischen Narben, die ein solcher Gewaltakt hinterlässt, verkraften.

Die Fotografin Ann-Christine Woehrl hat sich auf ungewöhnliche Frauenportraits spezialisiert. Sie besuchte zahlreiche Opfer von Säure- und Brandanschlägen in verschiedensten Weltgegenden. In behutsamen Gesprächen hat sie diese Menschen nach ihrem Schicksal befragt und sensibel portraitiert. So entstanden nicht nur Fotos, sondern anrührende Gesamtbilder von Frauen, die von einer Stunde auf die andere aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden. Ann-Christine Woehrl traf bei den Frauen einerseits auf eine große Scham vor dem eigenen Aussehen, andererseits auf den festen Willen, der Ausgrenzung die Stirn zu bieten, sich dem Schicksal zu stellen und wieder ein selbstbewusstes Leben inmitten der Öffentlichkeit zu führen.

Woehrls Fotografien sind dokumentarische Meisterwerke, in denen körperlich und seelisch gleichermaßen verletzte Frauen ihren außergewöhnlichen Lebenswillen offenbaren, ihren Mut zur Rückkehr aus dem Dunkel der Verborgenheit vor die Augen aller. Woehrls Aufnahmen belichten intime Momente, die trotzdem nie voyeuristisch wirken. Unter anderem die Geschichte eines Paares, bei dem die Braut von den Schwiegereltern nicht akzeptiert und kurz vor der Hochzeit bei einem vorgeblichen Haushaltsunfall entstellt wurde. Der Bräutigam heiratete sie trotzdem, pflegt täglich ihre vernarbte Haut.

Die Bilder der Ausstellung werden von Originaltexten aus Interviews begleitet. So wird nicht nur sichtbar, sondern auch lesbar, was es heißt »UN/SICHTBAR« zu sein. »Heute ist mein persönlicher Unabhängigkeitstag, mein ›Independence Day‹. Von jetzt an will ich mich nicht mehr verstecken«, sagt Neehaari aus dem Dorf Puligadda im südindischen Staat Andhra Pradesh.

Wir wünschen uns, mit diesem Projekt nachhaltig zur Sichtbarmachung eines Phänomens beizutragen, das allzu lange ein Dasein jenseits der öffentlichen Wahrnehmung geführt hat.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband (€ 39,80), ISBN 978-3-901753-79-4,
in der EDITION LAMMERHUBER, Wien.

"Impressionen aus Thailand"

Fotografien des Architekten Karl Siegfried Döring
1906-1913

Das Bildarchiv des Staatlichen Museums für Völkerkunde zeigt derzeit in der Galerie der Fotografie im Treppenaufgang 34 Reproduktionen von historischen Bildern aus Thailand aus dem Archiv von Karl Siegfried Döhring.

Zwischen 1906 und 1913 hielt sich Döhring in Siam auf, zunächst als Ingenieur in dem Königlich Siamesischen Eisenbahndepartment, später als Architekt und Ingenieur beim siamesischen Innenministerium und als Erster Architekt des Königs Chulalongkorn (reg. 1868-1910). Ab 1912 führte er archäologische Ausgrabungen und Begutachtungen in den nördlichen Provinzen Siams durch.

Die ausgestellten Fotografien zeigen das Königliche Siam von der Regierungszeit von König Mongkut (1851-1868) bis hin zu König Vajiravudh (1910-1925). Dargestellt sind u. a. Personen des siamesischen Hofes, Hoffeierlichkeiten, das Alltagsleben in den Kanälen um Bangkok sowie Verbrennungsfeierlichkeiten angesehener Prinzen.

„Die schönste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Siam, wo ich vor dem Kriege lange Regierungsbeamter war. […] Unvergesslich blieben mir die märchenhaften Feste in der Hauptstadt, die unbeschreibliche Pracht, die bei den Umzügen und gewaltigen Prozessionen zu Wasser und Lande entfaltet wurde, die buddhistischen Feiern in den goldstrahlenden, kostbaren Tempeln, die prunkvollen Theateraufführungen in mondhellen Nächten, die formvollendeten Tänze schöner Frauen, die dämonischen Schattenspiele mit den lebensgroßen, kunstvoll aus Büffelleder geschnittenen Figuren.“ (Döhring, K.S./ Ravi Ravendro, 1936: Flucht aus Buddhas Gesetz)

Museum Fünf Kontinente

Maximilianstraße 42
D 80538 München

Telefon: +49 (0)89-2101 36 100
Fax: +49 (0)89-2101 36 247
E-Mail: museum.voelkerkunde@extern.lrz-muenchen.de