SCHAUSPIEL STUTTGART

Spielzeit 2010/11

Der kreative Wandel und die anhaltende Suche nach Perspektiven auf die Entwicklungen unserer Zeit gehören zum Wesen des Theaters. Für die Spielzeit 2010/2011 gilt dies jedoch in besonderem Maße. Im kommenden Jahr werden die Veränderungen für das SCHAUSPIEL STUTTGART so umfassend sein wie nie zuvor. Zunächst wird unser Schauspielhaus für ein Jahr zur Baustelle, um die dringend notwendige und lange geplante Generalsanierung vorzunehmen. Die Erhaltung und Modernisierung des Volkartbaus ist von höchster Priorität, weil er das kulturelle Antlitz des Stuttgarter Zentrums auch in Zukunft nachhaltig prägen wird. Für uns leitet sich daraus die große Herausforderung ab, Ihnen für die Interimszeit künstlerisch reizvolle Alternativen zu schaffen und die Wiedereröffnung des Schauspielhauses im Herbst 2011 gezielt vorzubereiten.
Unser Theater wird dafür an zwei Orten in der Stadt neue Spielstätten eröffnen, die wir mit Ihnen gemeinsam entdecken möchten. Zuerst werden wir ab September im Areal der ehemaligen Mercedes Benz Niederlassung in der Türlenstraße gleich drei Bühnen und einen Klub für Sie einrichten. ARENA, WERKHALLE und BOX sollen parallel bis zu 800 Besuchern Platz bieten und übergangsweise das Zentrum unserer künstlerischen Arbeit werden. Gleichzeitig nehmen wir am Löwentor ein neues Probengebäude mit modernen Arbeitsräumen für die einzelnen Inszenierungen in Betrieb und eröffnen im Dezember eine neue Spielstätte – das NORD. Die neue Bühne für 150 Zuschauer wird über die Interimsphase hinaus an unsere bisherige Theaterarbeit im DEPOT anknüpfen. Mit der Erinnerung an intensive und berührende, an begeisternde und aufregende Inszenierungen, verlassen wir das DEPOT und laden Sie ein, uns vom Stuttgarter Osten in das NORD zu begleiten. Das KAMMERTHEATER bleibt uns als dritter Spielort erhalten. Mit vier Inszenierungen möchten wir auch dort sehr intensiv für Sie präsent sein.

Der Bau

Heiner Holler

Premiere 25. september 2010, Arena

Die junge Ingenieurin Schlee kommt von der Uni zum Bau. Sie gerät zwischen zwei Männer, Barka und Donat, und in die Grabenkämpfe eines Großprojekts, das Innovation und Fortschritt verheißt. Barka, Chef eines Bautrupps, macht alles auf eigene Rechnung. Wenn das Baumaterial fehlt, das er und seine Truppe brauchen, dann holt er es sich kurzerhand und nicht ohne Gewaltanwendung von einer anderen Baustelle. Donat, der neue Parteisekretär, versucht, Barka und seine Truppe für das neu eingeführte Drei-Schicht-System auf dem Bau zu gewinnen. Barkas Anarchie setzt sich gegen das Chaos der Planwirtschaft zur Wehr, die Teil ist jenes Versuches, eine Alternative zum Kapitalismus zu begründen.
Heiner Müllers Stück "Der Bau" entstand 1963/64 nach Motiven von Erik Neutschs Roman »Spur der Steine«. Die Aufführung des Stücks wurde 1965 in der DDR abgesetzt, kurz darauf der Film von Frank Beyer ebenfalls verboten. Zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer fragen wir mit Müllers der bau nach dem Sinn und den Konflikten einer Utopie, die sich selbst und ihre jungen Protagonisten zerstört. Nach seiner Produktion von Müllers der auftrag in Dresden und der Inszenierung des Monologs der mann im fahrstuhl als Teil
der Fassung von stalker stellt hasko weber (*1963) mit der bau nun erstmalig in Stuttgart ein zentrales Werk Heiner Müllers vor.

Regie: Hasko Weber
Bühne: Hannes Hartmann
Dramaturgie: Jörg Bochow

Ort:

Arena

Termin:

Sa, 25.9.2010 | Premiere

Teil der Lösung

Ulrich Peltzer

Premiere 25. September 2010, Kammertheater

Bühnenfassung von Kekke Schmidt, Alexander Seibt und Seraina Maria Sievi

Berlin im Jahrhundertsommer 2003. Ulrich Peltzers großer Zeitroman konstruiert zwei Geschichten aufeinander zu: die des Gelegenheitsschreibers Christian, Mitte dreißig, der ohne feste Wohnung und ohne geregeltes Einkommen durch die Stadt treibt und sich für den jetzigen Verbleib der Rote-Brigade-Terroristen interessiert, und die von Nele, dreiundzwanzig, ehrgeizige Studentin und insgeheim politische Aktivistin. Zusammen stoßen die beiden im wahrsten Sinne des Wortes im Büro Jakob Schüsslers, des Freundes von Christian aus Jugendzeiten, der im Gegensatz zu ihm als Dozent an der Universität beruflich und auch familiär erfolgreich etabliert ist – ohne den alten Sympathien, Platten und intellektuellen Vorlieben entsagt zu haben. Um diese zentralen Figuren herum entwirft Peltzer das scharfgezeichnete Panorama unserer Gesellschaft: ständige Kommunikation auf allen Kanälen und allgegenwärtige, sich harmlos gerierende Überwachung, die Allmacht der Wirtschaft und die neuen, unhierarchischen Formen des Widerstands, flottierende Identitäten, Musikeinsprengsel, intellektueller Jargon, die Stadtlandschaft Berlin atmosphärisch aufgeladen und erzählerisch zerbrochen in ein Mosaik von filmisch brüsken Perspektivwechseln. Während der Krimiplot um die Sabotageaktionen der Widerstandsgruppe voranschreitet und Christians Recherchen in Sachen Terror der Siebziger ihn bis nach Paris führen, erzählt der Roman nicht zuletzt eine Liebesgeschichte, die »zu den besten« gehört, »die in den letzten Jahren auf Deutsch geschrieben worden sind« (Süddeutsche Zeitung).

Seraina Maria Sievi (*1981), dem Stuttgarter Publikum von ihren Inszenierungen "the kids are alright", "sebastian s. macht sich ein bild" und "i hired a contract killer" bekannt, bringt die zentralen Konstellationen und Konflikte des Romans auf die Bühne.

Regie Seraina Maria Sievi
Bühne: Susanne Hiller
Kostüme: Vânia Oliveira
Dramaturgie: Kekke Schmidt

Ort:

Kammertheater

Termin:

Sa, 25.9.2010 | Premiere

Drei Western

René Pollesch

Uraufführung: 26. September 2010, Werkhalle

»Lügt uns an! Wir versprechen, dass wir euch glauben!« Das ist die Erwartung des Zuschauers. Das ist Ihre Erwartung, dass Sie hier angelogen werden. Sie werden nicht denken, wir Schauspieler waren gerade noch zuhause mit dem Lügen beschäftigt und jetzt gehen wir auf die Bühne, also an diesen Ort hier und machen damit weiter. Nein, Sie wissen, wir haben zuhause unserer Geliebten noch einen wahren Kuss auf die Stirn gedrückt und Sie wissen, jetzt hier vor Ihnen machen wir das alles nicht mehr. Wir machen etwas völlig anderes. Selbst dieser neue Spielort außerhalb des Theaters, mit seinen Eintrittsgeldern, der offensichtlich keine Bühne ist, gestattet Ihnen, unsere Lügen zu glauben.
Was Sie in der Wirklichkeit leider nicht können, weil man Ihnen im Normalfall leider nicht sagt, dass man Sie angelogen hat. Sie können sich in der Realität nicht dafür entscheiden, dass Sie die Lüge glauben werden. Wir glauben in der
Realität immer automatisch, uns bleibt gar nichts anderes übrig. Objektiv betrachtet ist das einzige was die Realität vom Theater lernen kann: zu betrügen, zu lügen, und, jetzt kommt der wichtige Punkt dabei: dass es eben alle wissen. Alle wissen von der Lüge, und nichts ist automatisch Wahrheit.

»Wir betrügen Sie, aber Sie wissen es! Das allein wäre schon sinnvoll: sich eben nicht mit dem Betrug zu beschäftigen, der Ihnen schadet, sondern mit dem, der Ihnen hilft.« (René Pollesch)

René Pollesch (*1962), seit Jahren einer der produktivsten und erfolgreichsten Autoren und Regisseure im deutschsprachigen Raum, gilt in Stuttgart längst als feste Größe im Spielplan. Zum siebten Mal arbeitet er bereits mit dem Ensemble des schauspiel stuttgart zusammen.

Regie: René Pollesch
Bühne und Kostüme: Anette Hachmann und Elisa Limberg
Dramaturgie: Frederik Zeugke

Ort:

Werkhalle

Termin:

So, 26.9.2010 | Uraufführung

Metropolis – Das Film-Konzert

In Kooperation mit den Stuttgarter Philharmonikern

Filmphilharmonic Edition
Film mit Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung / Musik mit Genehmigung der FilmPhilharmonie GmbH.

Zum Beginn unserer Spielzeit zeigen wir die rekonstruierte Fassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis" mit der Originalkomposition von Gottfried Huppertz, gespielt von den Stuttgarter Philharmonikern unter der Leitung von Chefdirigent Gabriel Feltz.
Bereits seit 1927, kurz nach der Premiere von metropolis am 10. Januar, galt die Urfassung des Films von Fritz Lang als verschollen. Jahrzehntelange Recherchen blieben vergeblich und so galt die von Enno Patalas im Jahr 2001 aufwendig rekonstruierte Fassung, in der ca. eine halbe Stunde Filmmaterial fehlen, als die finale Version.
Umso größer war das Erstaunen der Fachleute und Cineasten in aller Welt, als vor zwei Jahren die Meldung aus Argentinien kam, dass im Filmmuseum von Buenos Aires ein 16mm-Negativ mit der nahezu kompletten Urfassung
gefunden worden war. Wichtige Handlungsstränge, wie etwa das Geschehen nach dem Rollentausch von Freder (Sohn des Konzernchefs und Lenkers von Metropolis) und dem Arbeiter Georgy, konnten nun in den Film eingefügt werden, dessen Narration dadurch komplexer und vielschichtiger wurde. Bei der anderthalbjährigen Arbeit an der Rekonstruktion des Films spielte die Partitur von Gottfried Huppertz eine entscheidende Rolle. Die Musik, die exakt auf den Film abgestimmt ist, diente als Anhaltspunkt für die filmische Montage.

Eine weitere Aufführung des Film-Konzertes folgt am 27. Mai 2011 in der Liederhalle.

Ort:

Niederlassung Türlenstraße

Termine:

Mi, 29.9.2010
Do, 30.9.2010

Staatstheater Stuttgart

Oberer Schloßgarten 6
70173 Stuttgart

Telefon: +49 (0)7 11-20 32-0
Fax: +49 (0)7 11-20 32-3 89

Spielstätten 2010/11 während der Sanierung
Niederlassung Türlenstraße (arena, werkhalle, box und klub): Türlenstraße 2, 70191 Stuttgart
Nord: Löwentorstraße / Löwentorbogen Straße 7, 70376 Stuttgart
Kammertheater: Konrad-Adenauer-Straße (Neue Staatsgalerie), 70173 Stuttgart

Kartenservice
Vorverkaufskasse im Foyer des Opernhauses, Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart
(Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr)
Telefonischer Vorverkauf: 0711. 20 20 90
(Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-18 Uhr)
Fax: 0711. 20 20 920
Online: www.staatstheater.stuttgart.de

Anfahrt

Mit dem Auto
A8 Karlsruhe - Stuttgart (Ausfahrt Stuttgart-Degerloch)
München - Stuttgart (Ausfahrt Stuttgart-Degerloch)
A81 Würzburg - Heilbronn - Stuttgart (Ausfahrten Stuttgart - Feuerbach,
Stuttgart - Zuffenhausen)
A81 Bodensee - Singen - Rottweil - Stuttgart (Ausfahrt Stuttgart - Zentrum)
Bundesstraßen B10, B14, B27, B295 (Jeweils Richtung Stadtmitte, Hauptbahnhof)

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bundesbahn ICE, IC, InterRegio bis Hauptbahnhof (noch 10 Gehminuten)
Straßenbahn U1, U2, U4, U9 und U14 bis Staatsgalerie, U5, U6, U7, U14 und U15 bis Hauptbahnhof
Bus 40, 42, 42 bis Staatsgalerie, N2 - 6 bis Hauptbahnhof
S-Bahn S1 - 6, Bus