OPER         SCHAUSPIEL         BALLETT    

SCHAUSPIEL STUTTGART

Spielzeit 2017/18

Das 1. Evangelium

frei nach dem Matthäus-Evangelium

Uraufführung: 19. Januar 2018, Schauspielhaus

Und Gott wurde Mensch. Auf den Spuren des Matthäus-Evangeliums, Bachs Passionen und der Verfilmung von Pier Paolo Pasolini erzählt der Regisseur Kay Voges vom Ur-Mythos des Neuen Testaments. Zwischen dem Schrei der Geburt und dem Schrei des Todes ereignet sich das Leben des Menschen Jesus von Nazareth. Wie kann man die Menschwerdung Gottes heute erzählen? Pasolini hatte Jesus als realistische, menschliche Figur inszeniert. Im italienischen Matera drehte er fast ausschließlich mit Laiendarstellern. Auch Fred Holland Day, einer der ersten Pioniere der amerikanischen Fotografie, inszenierte im Sommer 1898 auf einem Hügel mit Nachbarn aus seinem Wohnort Norwood eine Passionsserie. Er selbst übernahm die Rolle Jesu Christi – inspiriert hatte ihn dazu ein Besuch bei den Oberammergauer Passionsspielen. Pasolinis und Days Beschäftigung mit dem Evangelium bieten Kay Voges die Folie, parallel zur Passionsgeschichte das „Live-Making-of“ der Inszenierung in Szene zu setzen: Er zeigt, wie die Bilder, die einen überwältigen, hergestellt werden. Dadurch lernt man zugleich, diesen Bildern zu misstrauen. Voges’ Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst, Theater, Film und Liturgie. Frei nach Matthäus erzählt er von den Passionen unserer Welt, vom Glauben, vom Verlust des Glaubens und vom Leben des Künstlers als Schmerzensmann.

Regie: Kay Voges
Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Beleuchtungs- und Videokonzept: Voxi Bärenklau
Kostüme: Mona Ulrich
Musik: Paul Wallfisch
Live Kamera: Tobias Dusche, Daniel Keller
Video: Robi Voigt
Ton-Angler: Max Brunner, Eva Dörr
Live-Ton-Sampling: Philipp Roscher
Dramaturgie: Anna Haas, Jan Hein

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 24.1.2018, 19:30 |
Mo, 29.1.2018, 19:30 |
Fr, 2.2.2018, 19:30 |
Do, 8.2.2018, 19:30 |
Sa, 17.2.2018, 19:30 |
So, 4.3.2018, 18:00 |
So, 18.3.2018, 18:00 |
Do, 29.3.2018, 19:30 |

Moby Dick

nach dem Roman von Herman Melville

Premiere: 20. Januar 2018, Kammertheater

„Wer die RAF verstehen will, muss Moby Dick lesen“, sagte der Journalist Stefan Aust und beschreibt, dass sich die RAF mit Melvilles Roman einen Geheimcode zugelegt hat, in dem der weiße Wal umgewidmet wurde in den Leviathan, den Staat, der gejagt und zerstört werden müsse. Doch natürlich ist Moby Dick mehr als eine Grammatik der RAF, mehr als ein Songtitel von Led Zeppelin oder der Name eines Greenpeace-Schiffes gegen den Walfang – eine nur scheinbar romantische Seefahrer- und Abenteuergeschichte, denn Moby Dick ist die Erzählung von der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Der junge Ismael glaubt, auf dem Meer sich selbst und die Freiheit zu finden. Dafür heuert er auf dem Walfangschiff Pequod an. Dessen Kapitän Ahab hat kein geringeres Ziel, als den Wal zu töten, der ihm einst ein Bein abgerissen hat. Beherrscht von Größenwahn, Rache und blindem Hass beginnt Ahab einen Amoklauf gegen die Natur. So lässt sich der Text auch als früher Öko-Roman lesen: Der Mensch, der bei seinem Kampf gegen die Natur vor nichts Halt macht. Der Mensch, der versucht, die Natur zu beherrschen – und sich dabei selbst vernichtet. Regisseur Jan-Christoph Gockel rückt diesen Aspekt ins Zentrum und lässt gemeinsam mit seinem Ensemble und Michael Pietschs Puppen die Menschen als winzige Wesen auf die riesige Natur stoßen.

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne und Kostüme: Julia Kurzweg
Musik: Matthias Grübel
Puppenbau / Puppendesign: Michael Pietsch
Dramaturgie: Katrin Spira

Ort:

Kammertheater

Termine:

Mi, 24.1.2018, 19:00 |
Fr, 26.1.2018, 19:00 |
Mo, 29.1.2018, 19:00 |
Mi, 31.1.2018, 19:00 |
Do, 1.2.2018, 19:00 |
Fr, 2.2.2018, 19:00 |
So, 4.2.2018, 19:00 |
Mo, 5.2.2018, 19:00 |

Fahrenheit 451

nach dem Roman von Ray Bradbury

Premiere: 21. Januar 2018, Nord

451 Grad Fahrenheit ist die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt und verbrennt. In Ray Bradburys Zukunftsvision ist die Feuerwehr nicht mehr zum Löschen von Bränden eingesetzt, sondern zerstört mit Flammenwerfern die letzten Zeugnisse der Vergangenheit: die Bücher. Kunst ist für diese Gesellschaft nurmehr Gewalt und wird vernichtet. Alles, was schmerzt, jeder Gedanke, jeder Tote, wird eingeäschert und vergessen. Doch der Feuerwehrmann Guy Montag will nicht mehr vergessen … Die Geschichte einer sauberen Welt, die nichts mehr fühlen will, ist ein zeitloses Plädoyer für das Erinnern.

Mit der Produktion Fahrenheit 451 setzen die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg (ADK) und das Schauspiel Stuttgart ihre Zusammenarbeit fort. Inszenieren wird Regieabsolvent Wilke Weermann.

Regie: Wilke Weermann
Bühne: Johanna Stenzel (ABK Stuttgart)
Kostüm: Clara Nothdurft
Sound Design: Timm Roller
Musik: David Schuckart, Jakob Obleser
Dramaturgie: Fabian Schmidtlein, Maximilian Wahnelt
Dramaturgische Begleitung: Bernd Isele

Ort:

Nord

Termine:

Do, 25.1.2018, 20:00 |
Mo, 29.1.2018, 20:00 |
Di, 6.2.2018, 20:00 |

König Lear

von William Shakespeare

Premiere: 23. Februar 2018, Schauspielhaus

Neufassung von Jutta Ferbers nach der Übersetzung von Wolf Baudissin
Im Anfang steckt schon das Ende, die ganze Katastrophe: Der alte König Lear will vor der Zeit abdanken, Macht, Besitz und die Sorge um den Staat ablegen und sein Reich unter seinen drei Töchtern zu gleichen Teilen aufteilen. Er stellt die Liebe seiner Töchter auf die Probe und veranstaltet einen Wettstreit unter ihnen: als Preis für ihr Erbe sollen sie ihm ihre Zuneigung bekunden. Goneril und Regan, die beiden älteren, entledigen sich eloquent ihrer Aufgabe – und bekommen ihre Teile. Ihre Heuchelei bringt Cordelia, die jüngste, von ihm am meisten geliebte Tochter dazu, sich dem rhetorischen Wettbewerb zu verweigern – auf die Frage, was sie sage, antwortet sie: „Nichts.“ Mit diesem „Nichts“ nimmt die Tragödie ihren Lauf: Wutentbrannt verstößt und enterbt ihr Vater sie und teilt sein Reich unter den beiden anderen Schwestern auf – womit er seine Macht aufgibt und sich Goneril und Regan ausliefert. Die Worte seines Narren, zu ihm als Warnung gesprochen, können ihn nicht mehr erreichen. Dieses „Nichts“ hallt durch die Welt. Was ist Wahrheit? Was ist Täuschung? Goneril und Regan jagen ihren Vater in die Wüste und degradieren Lear zum Ausgestoßenen. Aus Schmerz, Trauer und Wut verfällt Lear dem Wahnsinn. Dieses „Nichts“ ist das Fanal einer dunklen Apokalypse: Gesetz, Moral, Logik und Vernunft implodieren, Gewalt, Chaos, Wahnsinn und Zerfall treten an ihre Stelle. Am Ende sind alle tot.

Regie: Claus Peymann
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Margit Koppendorfer
Licht: Karl-Ernst Herrmann, Felix Dreyer
Dramaturgie: Jutta Ferbers, Jan Hein

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Fr, 23.2.2018, 19:30 | Premiere |
So, 25.2.2018, 19:00 |
Di, 27.2.2018, 19:30 |
Fr, 2.3.2018, 19:30 |
Sa, 3.3.2018, 19:30 |
Do, 8.3.2018, 19:30 |
Fr, 16.3.2018, 19:30 |
Sa, 31.3.2018, 19:30 |

Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley

Shakespeares Zauberwald als psychedelisches Maschinenklangländle
von und mit Schorsch Kamerun

Uraufführung: 24. Februar 2018, Kammertheater

„Es herrscht Aufregung in der Zukunftsregion, den beiden regen Talschaften Stuttgart und Tübingen. Nach all den überstandenen Krisen und Mühen treibt der Fürst zum nächsten zu realiserenden Update: „Die künstliche Intelligenz kommt“, so die aktuelle Verheißung als lohnende Aussicht. „Heimat, Hightech, Highspeed“, schallt der Auftrag aus dem Palast. Aber wer kann weiter immer rasanter, und, vor allen Dingen, wohin überhaupt ständig noch weiter wachsen? Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen: Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen von treibenden Herrschern und getriebenen Handwerkern, welchen Einfluss behalten die Fantasien der Elfen und was wird aus uns einfachen Liebenden?“ Schorsch Kamerun In einem musiktheatralen Überprüfungsalbtraum will Regisseur und Sänger Schorsch Kamerun gemeinsam mit vielen weiteren technischen und musischen Profis herausfinden, was gerade beflügelndes Märchen ist, wer plumpen Fake predigt und welche Zukunftsmelodie eine mit Sinn sein könnte.

Von und mit / Regie: Schorsch Kamerun
Musik: PC Nackt, Schorsch Kamerun
Bühne: Katja Eichbaum
Kostüme: Gloria Brillowska
Dramaturgie: Bernd Isele

Ort:

Kammertheater

Termine:

Sa, 24.2.2018, 20:00 | Uraufführung |
Do, 1.3.2018, 20:00 |
Fr, 2.3.2018, 20:00 |
Sa, 3.3.2018, 20:00 |
Do, 8.3.2018, 20:00 |
Fr, 9.3.2018, 20:00 |
Mo, 12.3.2018, 20:00 |
Fr, 16.3.2018, 20:00 |
Sa, 17.3.2018, 20:00 |

Lulu

Ein Rock-Vaudeville

Mit Musik von The Tiger Lillies nach Frank Wedekind

Lulu ist Wedekinds weltberühmte Tragödie, an der er 21 Jahre, von 1892 bis 1913, arbeitete und in ihr die beiden Teile Erdgeist und Die Büchse der Pandora vereint. Das Stück brachte ihm den Vorwurf „moralischer Anrüchigkeit“ ein, dem sich Theaterskandale und ein langwieriger Gerichtsprozess anschlossen. In der Version der britischen Kultband The Tiger Lillies wird aus Wedekinds „Monstretragödie“ eine „Mörderballade“ (Lulu – A Murder Ballad). Wie in einer lüsternen und blutigen Moritat verfallen die Herren der Gesellschaft Lulu, ob sie nun Dr. Goll, Schwartz, Shunning oder Alwa heißen. Lulu ist Engel, Monster, Kind, Muse, Tier, Verführerin, Beute, Mörderin in einem. Sie ist eine Nachtwandlerin der Liebe, ist die Kindfrau, die die Männer fasziniert. Sie ist real und ein Fantasieprodukt. Lulu herrscht und wird beherrscht. Bürgerliche Moral scheitert an ihrer Unbedingtheit.

Regie: Armin Petras
Musikalische Leitung: Miles Perkin
Bühne: Julian Marbach
Kostüme: Annette Riedel
Licht: Norman Plathe
Choreografie: Berit Jentzsch
Dramaturgie: Carmen Wolfram

Ort:

Nord

Termine:

Di, 23.1.2018, 20:00 |
Sa, 3.2.2018, 20:00 |
So, 11.2.2018, 19:00 |
Do, 22.3.2018, 20:00 |
Fr, 23.3.2018, 20:00 |

Der Zauberer von Oz

Familienstück für alle ab 6 Jahren
nach dem Roman von L. Frank Baum

Als ein Wirbelsturm das Holzhaus erfasst, in dem Dorothy mit ihrer Tante und ihrem Onkel lebt, wird sie mit dem Wind fortgetragen in ein geheimnisvolles Land. Bei ihrer Landung hat sie mit ihrem Haus unabsichtlich die böse Hexe des Ostens unter sich begraben. Sie wird als Befreierin gefeiert und darf ab sofort die Zauberschuhe der Hexe tragen.
Doch Dorothy will vor allem eins: dringend zurück nach Hause, nach Kansas. Sie erfährt, dass ihr dabei nur der Zauberer von Oz helfen kann, der Herrscher der Smaragdstadt. Auf ihrem Weg dorthin trifft Dorothy auf sehr spezielle Wegbegleiter. Auf eine Vogelscheuche, die den Kopf voller Stroh hat, auf einen Blechmann ohne Herz und auf einen feigen Löwen. Die ungleiche Gruppe überwindet auf dem Weg etliche Hindernisse. Gemeinsam kommen sie schließlich am Ziel an – und erhoffen sich vom Zauberer Herz, Verstand, Mut und den Weg zurück nach Hause. Doch sie haben noch eine Hürde zu überwinden: Einer von ihnen muss die böse Hexe des Westens besiegen, nur dann wird der Zauberer ihre Wünsche erfüllen.

Der Roman Der Zauberer von Oz von L. Frank Baum wurde quasi über Nacht ein Verkaufsschlager. Es folgten noch 13 weitere Bände über das Märchenland Oz. Der Stoff wurde seither etliche Male für die Bühne bearbeitet, als Musical gezeigt und mehrfach verfilmt.

Regie: Wolfgang Michalek
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Sara Kittelmann
Musik: Max Braun
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katrin Spira

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 28.1.2018, 16:00 |
Mo, 5.2.2018, 11:00 |
So, 18.2.2018, 16:00 |
Fr, 30.3.2018, 16:00 |
Mo, 2.4.2018, 16:00 |

Faust I

von Johann Wolfgang von Goethe

Schneller, höher, weiter. Faust ist der Klassiker der deutschen Moderne. Der Troll des Fortschritts, der Unrast, der unstillbaren Lust und Energie. Faust ist die Dichtung der Superlative: das meistzitierte und meistbesuchte Theaterstück in Deutschland und (rechnet man die Entstehungsphase beider Teile zusammen) im vollen Wortsinn ein Lebenswerk. Goethe beginnt in jungen Jahren zu schreiben, arbeitet ein Leben lang an seinem Faust und vollendet ihn nach eigenem Ermessen nie. Das Werk ist Jugendstreich und Alterswerk zugleich. Schneller, höher, weiter…

Mindestens ebenso vielgestaltig wie die Stadien des Werks sind seine Lesarten: als Nationalepos der Deutschen oder als Weltentwurf, als politische Parabel, als Zitatenschatz oder als die Gelehrtentragödie eines Universalgenies. In der Eröffnungsinszenierung der Spielzeit lauscht Regisseur Stephan Kimmig auf das Schlagen der drei jungen Herzen, die in „Der Tragödie erster Teil“ wohnen: auf das unstillbare Verlangen eines vom Durst nach Leben Getriebenen, auf die Künste und Verlockungen eines großen Verführers und auf die Hingabe einer in ihrer Liebe radikalen, jungen Frau.

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Sigi Colpe
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Malakoff Kowalski
Dramaturgie: Bernd Isele

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Fr, 26.1.2018, 19:00 |
So, 4.2.2018, 18:00 |
Mo, 12.2.2018, 19:30 |
Fr, 16.2.2018, 19:30 |
So, 11.3.2018, 18:00 |
Sa, 24.3.2018, 19:00 |
So, 1.4.2018, 19:00 |

Das große Heft

nach dem Roman von Ágota Kristóf

Bühnenfassung von Jonas Corell Petersen und Jan Hein

Das Protokoll der Geschichte einer Kindheit, das Schicksal zweier im Krieg heranwachsender Zwillinge – ergreifend und unerbittlich. „Ich werde euch zeigen, wie man lebt!“ Das ist das erste, was die Zwillinge von ihrer Großmutter zu hören bekommen, als sie, durch den Krieg aus der Stadt vertrieben, von der Mutter aufs Land gebracht werden. Im Krieg auf sich allein gestellt, kämpfen sie ums Überleben. Sie üben sich in absoluter Selbstkontrolle, in psychischer und physischer Abhärtung. „Wir spielen nie“. Sie fügen sich selbst Schmerzen zu, um sich gegen die Schläge unempfindlich zu machen. Sie beschimpfen sich, um die Beleidigungen nicht mehr wahrzunehmen. Sie lernen das, was sie zum nackten Überleben brauchen: sie betteln, lügen, hungern, schlachten, stehlen, töten, da „man es können muss“, sie stellen sich taub, blind und bewegungslos. Gefühle behindern sie nur beim Überleben, Liebe, Zärtlichkeit, Freude zählen nichts. Sie steigern sich hinein in einen Rausch aus grausamen und gewaltsamen Spielen, um die Zumutungen des Krieges ertragen zu können. In ihrem Meisterwerk Das große Heft reißt Ágota Kristóf eiskalt, präzise und lakonisch empfindliche Wunden in die dünne Haut der Zivilisation, gegen den Krieg und seine Verheerungen.

Regie: Jonas Corell Petersen
Bühne und Kostüme: Nia Damerell
Musik: Gaute Tønder
Dramaturgie: Jan Hein
Choreinstudierung: N.N.

Ort:

Nord

Termine:

So, 4.2.2018, 20:00 |
Sa, 24.3.2018, 20:00 |

Der Scheiterhaufen

nach dem Roman von György Dragomán

Rumänien 1989 /90: Zwei Monate nach dem Sturz Ceauşescus stehen die Überreste des diktatorischen Regimes in Flammen. Die 13-jährige Waise Emma wird von einer Unbekannten, die sich als ihre Großmutter vorstellt, aus dem Internat abgeholt und soll von nun an bei ihr leben. Widerstrebend folgt sie der Fremden in eine neue Stadt. In ihrer neuen Schule wird sie gemieden, denn ihre Großmutter gilt als Spitzel und Verrückte, die im Kaffeesatz, in Mehl und Blut die Zukunft liest.

Der viel beachtete Roman von György Dragomán richtet den Blick auf eine von Angst und Unsicherheit geprägte Umbruchszeit. Durch die Augen eines Mädchens schaut er auf die blutige Geburt einer jungen Demokratie: auf eine Welt zwischen dem Gestern und dem Heute, auf die Rituale von Schuld, Rache und Trauer, auf die merkwürdige Freundschaft zwischen einer Großmutter und ihrer Enkelin, auf das Schicksal der Überlebenden und auf die Wirkmacht der Toten. Die Uraufführung entsteht als besondere Form der Koproduktion. Armin Petras probt den Abend mit sechs Schauspielerinnen aus drei am Projekt beteiligten Ländern. Die Inszenierung wird in der jeweiligen Landessprache und mit jeweils zwei Schauspielerinnen in Dresden, Stuttgart, Sibiu und Budapest zu sehen sein.

Regie: Armin Petras
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Katja Strohschneider
Musik: Jörg Kleemann
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Bernd Isele, Anne Rietschel

Ort:

Nord

Termine:

Mi, 24.1.2018, 20:00 |
Fr, 2.2.2018, 20:00 |
So, 4.3.2018, 19:00 |
So, 18.3.2018, 19:00 |

Johanna

Ein polyphoner Prozess nach Schillers Die Jungfrau von Orleans

Johanna, die Heiratsfähige. Johanna, die Kriegerin. Johanna, die Jungfrau, die Fanatische, die Liebende. Johanna, die Mörderin, die Erniedrigte, die Größenwahnsinnige. Johanna ist Johanna ist Johanna. Seit Jahrhunderten eine mythische Figur der Literatur, bildenden Kunst, im Film und in der Werbung. Eine Ikone der Hoch- und Popkultur. Ihr Bild wird vereinnahmt, und – trotz oder gerade wegen ihrer Zeitlosigkeit – zu jeder Zeit neu mit Bedeutung aufgeladen.
Auf der Textgrundlage von Schillers Die Jungfrau von Orleans, den historischen Prozess-Akten um Jeanne D’Arc, sowie Texten aus Philosophie, Popkultur und Cyberspace erforscht das interdisziplinäre Team um die Schauspielerin Manja Kuhl und die Künstlerin Sabrina Schray die ikonischen Posen der berühmt berüchtigten Jungfrau. Johanna hört Stimmen. Sie sitzt unter einem Baum und erträumt sich die Bilder ihrer möglichen Geschichte. Mit den Stimmen im Kopf wirft sie das Spiel um die Verkörperungen ihrer Identität in den Ring.

Ein polyphoner Prozess, der mit performativen Mitteln, die Gegensätze und Widersprüche der Abbilder Johannas untersucht – in einer ständigen Bewegung zwischen Idealbild und Klischee, Identität und Pose. Ein sich wieder und wieder verhaspelnder Repräsentationsrausch, der sich entlang wahnhafter Aneignung und Assoziationsketten entfaltet und dem die Sehnsucht nach Aufhebung und Veränderung innewohnt.

Konzept: Manja Kuhl, Sabrina Schray

Ort:

Nord

Termin:

Mo, 12.2.2018, 20:00 |

Was hält uns zusammen wie ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft? (AT)

von René Pollesch

„Es ist vielleicht nicht so, dass in den menschlichen Geschichten auch Gegenstände vorkommen, sondern dass die menschlichen Geschichten untrennbar mit den Gegenständen verbunden sind. Man fragt sich ja, was hält die Handlung in Gang, unser Leben und das alles, wie hielten wir das alles in Gang? In Filmen sind es oft Dinge. Der Falke aus dem ‚Malteser Falken’, oder der Tesserakt aus den ‚Avengers’. Ich würde gerne über ein Ding sagen können, dass das WIR sind, nicht weil wir darin leben, oder sitzen oder liegen, also weil es Teil unseres Milieus ist, sondern weil es in der Lage ist, eine Gruppe, ein Kollektiv zusammenzuhalten, wie etwa ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft.“
René Pollesch

René Polleschs Inszenierungen entstehen immer in engster Zusammenarbeit mit dem Ensemble und haben wegen der humorvollen, überbordenden Sprech- und Spielweise Kultstatus erworben. Seit über 15 Jahren sind seine Arbeiten am Schauspiel Stuttgart zu sehen. Nach dem live gespielten Film Stadion der Weltjugend im Autokino Kornwestheim, stellt der Autor und Regisseur René Pollesch den Schauspielern in seinem neuesten Stück auf der Bühne des Schauspielhauses einen Frauenchor zur Seite.

Regie: René Pollesch
Bühne: Janina Audick
Kostüme: Svenja Gassen
Chorleitung: Christine Groß
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Anna Haas

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Di, 23.1.2018, 20:00 |
Sa, 3.2.2018, 20:00 |
So, 11.2.2018, 18:00 |
Mo, 5.3.2018, 20:00 |
Mi, 14.3.2018, 20:00 |

Bilder deiner großen Liebe

nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, Theaterfassung von Robert Koall

Wer den 2010 veröffentlichten und kürzlich von Fatih Akin verfilmten Roman Tschick gelesen hat, kann sich sicherlich auch an das barfüßige und geheimnisvolle Mädchen Isa erinnern, das das Freundespaar Maik und Tschick auf einer Mülldeponie treffen. Mit Isa essen sie Brombeeren, steigen auf den Gipfel eines hohen Berges und verabreden, sich dort in 50 Jahren wieder zu treffen. Isa ist die Hauptfigur in Wolfgang Herrndorfs letztem Roman Bilder deiner großen Liebe. „Tschick-Fortsetzung aus Isas Perspektive angefangen. Mach ich aber nicht. Mach ich nicht.“ heißt es in Wolfgang Herrndorfs Tagebuch Arbeit und Struktur. Die Handlung der beiden Romane kreuzt sich in der Begegnung der drei Jugendlichen.

Bilder deiner großen Liebe erzählt die Geschichte des verrückten, hellsichtigen Mädchens Isa. Ein „Roadmovie zu Fuß“ (Wolfgang Herrndorf). Sie bricht aus und beginnt eine Reise durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang. Eine romantische Wanderung durch Tage und Nächte. Isa begegnet den Menschen – freundlichen und rätselhaften, schlechten wie traurigen. Atemlos folgt man einer Heranwachsenden, die sich vorbehaltlos und unvorsichtig ins Leben schmeißt. Isa ist eine Über-dem-Abgrund- Schwebende in ihrer Verrücktheit, ihrer Radikalität und auch in ihrer Gefährdung. „Der Abgrund zerrt an mir. Aber ich bin stärker.“ Ihre Einsamkeit ist nicht die Einsamkeit des Verlassenseins, sondern eine existentielle Erfahrung. Deshalb ist sie auch kein bedauernswertes Opfer, sondern eine starke, junge Frau. Wolfgang Herrndorfs unvollendetes Fragment erinnert an Büchners Lenz: gestrickt nach dem Muster einer road novel ist es nicht nur die eigenwillige Geschichte eines vierzehnjährigen Mädchens, das barfuß durch die Welt stolpert. Es ist auch eine Tarnung, mit deren Hilfe Wolfgang Herrndorf vielleicht konsequenter denn je die Auf-sich-Zurückgeworfenheit und Brutalität von Leben im Angesicht des Todes erzählt hat.

Regie: Jan Gehler
Bühne: Sabrina Rox
Kostüme: Cornelia Kahlert
Dramaturgie: Julia Weinreich (Dresden), Anna Haas

Ort:

Nord

Termine:

So, 28.1.2018, 19:00 |
Do, 8.2.2018, 20:00 |

Arsen und Spitzenhäubchen

Komödie von Joseph Kesselring

Familie Brewster zeigt Anzeichen durchgängigen Wahnsinns: unter dem Deckmantel hochanständiger Wohltätigkeit erlösen die beiden älteren Schwestern Abby und Martha in Serie einsame Herren, die bei ihnen auf der Suche nach einer Unterkunft auftauchen, von ihrem – ihrer Meinung nach – traurigen Dasein. Ihr Neffe Teddy hält sich für den Präsidenten der Vereinigten Staaten und gräbt im Keller den Panama-Kanal, in dem die beiden Damen regelmäßig ihre Opfer begraben. Der ahnungslose Mortimer, seines Zeichens Theaterkritiker und Bruder von Teddy, scheint der einzig „Normale“ in dieser Familie. Als er die frischeste Leiche zufällig entdeckt, ist er als Krisenmanager gefordert. Für weitere Eskalation sorgt das Auftauchen eines dritten Neffen namens Jonathan, international gesuchter Schwerverbrecher mit dem Gesicht von Boris Karloff. Er und sein Kompagnon Dr. Einstein, ein plastischer Chirurg, der regelmäßig für Umoperationen zur Aufrechterhaltung von Jonathans Tarnung sorgt, wollen ebenfalls eine Leiche verschwinden lassen. Derweil geht die Polizei Anzeigen nächtlicher Ruhestörung nach, aufgrund der Absurdität blind für die wahren Verbrechen. So weit so grotesk, skurril und komisch. Was aber, wenn die beiden netten Damen gar nicht so harmlos und naiv sind, wie sie sich geben?

Regie: Jan Bosse
Bühne: Moritz Müller
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katrin Spira

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 27.1.2018, 20:00 |
Mo, 19.2.2018, 19:30 |
Mi, 7.3.2018, 19:30 |
Do, 15.3.2018, 19:30 |

Kasimir und Karoline

Volksstück von Ödön von Horváth

Weltwirtschaftskrise ist auf dem Höhepunkt. Die Konjunktur liegt am Boden. Ein Klima der Gewalt liegt über der Oktoberfestwiese. Über Achterbahn und Riesenrutsche, Freakshow, Bierzelten und Blaskapellen fliegt der Zeppelin und verspricht ein ungeahntes Glück.
Kasimir ist Chauffeur. Gestern wurde er entlassen, morgen muss er aufs Arbeitsamt, aber heute will er sich amüsieren – mit Karoline, seiner Braut. Die stürzt sich ins Vergnügen, möchte Eis essen und mit der Achterbahn fahren. Doch das ist ein teurer Spaß. Kasimir hat noch vier Mark: „Heut sauf ich mich an und dann häng ich mich auf“, beschließt er.
Da sich die allgemeine Krise und das Private nicht trennen lassen, sieht sich Karoline nach etwas Besserem um. Sie lernt den Angestellten Egon Schürzinger kennen, der sie wiederum nicht ganz uneigennützig an seinen Chef, den Kommerzienrat Rauch weiter reicht: „Das Leben ist hart und eine Frau, die wo was erreichen will, muss einen einflussreichen Mann immer bei seinem Gefühlsleben packen“, meint Karoline und fällt dabei heftig auf die Nase.
Inzwischen zieht Kasimir mit seinem Freund Merkel Franz weiter und gerät fast auf die schiefe Bahn. Als Franz beim Autoknacken verhaftet wird, findet Kasimir bei Merkels Freundin Erna Trost. Und die Liebe höret nimmer auf, heißt es im Untertitel zu Horváths Stück. Doch was ist ein Mensch wert, wenn er keine Arbeit mehr hat? Und was kann die Liebe da ausrichten?

Regie: Stefan Pucher
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Marysol del Castillo
Video: Meika Dresenkamp
Musik: Christopher Uhe
Choreografie: Sebastian Henn
Dramaturgie: Anna Haas

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Sa, 10.2.2018, 20:00 |

Autostück. Belgrader Hund

Von Anne Habermehl

Theater auf Rädern. Die Stadt als Bühne. Ein Auto fährt mit Ihnen auf der Rückbank durch das abendliche Stuttgart. Auf dem Fahrersitz ein Schauspieler. Das Radio läuft. Musik. Nachrichten. Die Ampeln springen um. Das Zentrum lassen Sie hinter sich. Eine Frau steht am Straßenrand, der Wagen hält, sie steigt zu, auf den Beifahrersitz. Ein Wortwechsel, plötzlich scheint alles möglich. Ein winziges, intensives, intimes Kammerspiel entspinnt sich zwischen den beiden. Wenige Zentimeter vor Ihren Augen, Ohren und Nasen. Während draußen die abendliche Stadt vorüberzieht wie ein Film. Vielleicht beschlagen irgendwann die Scheiben. Der Wirklichkeit ausgesetzt verändert sich Ihre Wahrnehmung. Die Grenzen zwischen Realität und Spiel, zwischen Schauspielern, Statisten und Zuschauern verschwimmen. Eine Expedition zu den Rändern des Theaters. Und der eigentliche Held ist die Stadt selbst, durch die Sie fahren. Sie blickt zurück.

„Ein Stück wie ein Roadmovie – zwischen Brinkmann und Lynch. Das Auto als kleinstmöglicher Zuschauerraum. Stuttgart als Bühnenbild für eine Uraufführung.‟ Stefan Pucher

Regie: Stefan Pucher
Co-Regie: Tom Stromberg
Soundtrack-Design: DJ Koze
Dramaturgie: Jan Hein

Ort:

Foyer Schauspielhaus

Termine:

Di, 13.2.2018, 19:00 |
Di, 13.2.2018, 21:00 |
Mi, 14.2.2018, 19:00 |
Mi, 14.2.2018, 21:00 |
Mo, 5.3.2018, 19:00 |
Mo, 5.3.2018, 21:00 |
Di, 6.3.2018, 19:00 |
Di, 6.3.2018, 21:00 |
Mi, 28.3.2018, 19:00 |
Mi, 28.3.2018, 21:00 |

Tod eines Handlungsreisenden

von Arthur Miller

Er verliert den Boden unter den Füßen, langsam aber beständig: Willy Loman, seit 36 Jahren reisender Handelsvertreter, ist am Ende. Im Geschäft kann er nicht mehr mithalten. Die unzähligen Autofahrten sind eine Qual. Seine Stammkunden sind umgezogen oder verstorben. Zunehmend gerät er unter Druck, die finanziellen und gesellschaftlichen Ansprüche weiter zu erfüllen. Leistung und Erfolg bleiben plötzlich aus. In der Familie herrschen Lügen, Sprachlosigkeit, aber auch die große Liebe. Verzweifelt flüchtet er in Erinnerungs- und Phantasiewelten, denn seinem eigenen Scheitern kann er nicht ins Auge sehen. Als Willy schließlich entlassen wird, sieht er seine Existenz vollständig in Frage gestellt. Angstüberfällt ihn, es drohen Prestigeverlust, der Ruin der Familie, die Verzweiflung, nicht einmal mehr Achtung für sich selbst aufbringen zu können. Loman sieht nur einen Ausweg: Selbstmord, als Autounfall geplant, um die Versicherungssumme für die Familie zu kassieren.
Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden, uraufgeführt 1949 in der Regie von Elia Kazan und vielfach ausgezeichnet, ist die Geschichte eines Identitätsverlustes und eine Gesellschaftstragödie: Loman wird zum Opfer des bedingungslosen amerikanischen Traums von Erfolg und Wohlstand. „The show must go on“.

Regie und Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Birigt Bungum
Musik: webermichelson
Video: Lianne van de Laar
Live-Musik: Sven Michelson, Philipp Weber
Dramaturgie: Jan Hein

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Di, 30.1.2018, 19:30 |
Fr, 9.2.2018, 19:30 |

Eines langen Tages Reise in die Nacht

von Eugene O’Neill

Ein Stück, „geboren aus frühem Schmerz, geschrieben mit Blut und Tränen“, so nannte Eugene O’Neill sein 1940 vollendetes Drama. Der autobiographisch gefärbte Text schildert einen einzigen Tag im Leben und Leiden der Familie Tyrone: Vater, Mutter, zwei Söhne, alle eingesperrt in ihren Abhängigkeiten und Neurosen. James Tyrone, einst ein gefeierter Schauspieler, kann seine armselige Jugend nicht vergessen und tyrannisiert die Familie mit seinem Geiz, an dem bereits ein Sohn zugrunde gegangen ist. Das Bewusstsein dieser Schuld treibt Tyrones Frau Mary in die Morphiumsucht. Der zweite Sohn James wird zum Trinker und Zyniker; sein jüngerer Bruder Edmund leidet an Schwindsucht, die als Sommergrippe bagatellisiert wird.
Die Inszenierung von Armin Petras kontrastiert das Karussell der Lebenslügen, in das sich die Familie Tyrone verstrickt, mit dem Spielwitz der ehemaligen Schauspielerfamilie Tyrone. Gleich hinter der Fassade aus Komödiantik, Vaudeville und Travestie beginnt die Reise in die Dunkelheit der Nacht.

Regie: Armin Petras
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Michael Graessner
Musik: Miles Perkin
Video: Rebecca Riedel
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Bernd Isele

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Sa, 24.2.2018, 19:30 |

Kabale und Liebe

von Friedrich Schiller

Im September 1782 floh der damals 22-jährige Friedrich Schiller aus dem Machtbereich des württembergischen Herzogs Carl Eugen. Die Schulzeit in Schloss Solitude und in der Hohen Karlsschule hatte er als quälenden militärischen Drill erlebt. Er war in Festungshaft gesessen; jede nicht-medizinische Schriftstellerei war dem angehenden Mediziner bei Strafandrohung untersagt. Während der Herzog zu Ehren einer russischen Großfürstin ein Fest mit Feuerwerk veranstaltete, nutzte Friedrich Schiller, der aus Rücksicht auf seinen vom Herzog abhängigen Vater lange gezögert hatte, die Gunst des Augenblicks, um in Nacht und Pulverdampf aus der Stadt zu entweichen.

Sein Drama Kabale und Liebe entsteht auf der Flucht. Als junger Stürmer und Dränger richtet er sich radikal gegen die Fürstenwillkür, deren Zeuge er in Stuttgart wurde. Die Verschwendungssucht, der Soldatenhandel, das Mätressenwesen und das Intrigantentum am herzoglichen Hof führen bei den Untertanen im Stück zu einem Leben in Angst und Unterdrückung. Neben diesen hochpolitischen Aspekten, für die das Stück 1784 bei seiner Erstaufführung in Frankfurt am Main gefeiert wurde, beschreibt Kabale und Liebe das Drama einer Familie und die Tragödie zweier junger Menschen. Luise Miller und Ferdinand von Walther, die sich ewige Treue geschworen haben, scheitern an der Skrupellosigkeit des Präsidenten, an der Eitelkeit des Hofmarschalls, an der Hinterlist des Sekretarius, an den Zwängen der Gesellschaft, an ihren Sohnes- und Tochterpflichten – und am Ende auch an sich selbst.

Regie: Wolfgang Michalek
Bühne: Julian Marbach
Kostüme: Sara Kittelmann
Dramaturgie: Bernd Isele

Ort:

Nord

Termine:

Di, 30.1.2018, 19:00 |
Fr, 9.2.2018, 20:00 |
Sa, 10.3.2018, 20:00 |
Di, 20.3.2018, 19:00 |
Mi, 21.3.2018, 11:00 |

Fräulein Else

nach der Erzählung von Arthur Schnitzler

Das junge, studierte Fräulein Else ist eigentlich in den Ferien mit ihrer Tante, als sie Nachricht von ihrer Mutter erhält: Um die Verhaftung des Vaters abzuwenden, soll sich Else auf ein unmoralisches Angebot mit dem Grafen Dorsday einlassen.
Damals hat sie eine Überdosis Veronal genommen. Allerdings ist das schon 34 Jahre her. In dieser Nacht tut Sie es wieder. Heimgesucht von den Gestalten ihrer Vergangenheit erzählt sie ihre Geschichte nochmal ... Und heute? Else wehrt sich.

Regie: Wolfgang Michalek
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Cinzia Fossati
Dramaturgie: Katrin Spira

Ort:

Nord

Termine:

Fr, 26.1.2018, 20:00 |
Di, 20.2.2018, 20:00 |

Unterm Rad

nach der Erzählung von Hermann Hesse

„So, jetzt fängt in Stuttgart das Landexamen an, und wir wollen dem Giebenrath alles Gute wünschen“ – Hans Giebenrath, aus einer Kleinstadt im Schwarzwald, besteht das Landexamen in der Residenzstadt als zweiter und wird in die Klosterschule Maulbronn aufgenommen. Hermann Hesses Unterm Rad beschreibt das Schicksal eines begabten Kindes, dem die Schule, der Ehrgeiz und das Prestigebedürfnis seines Vaters sowie der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufdrängen, die kaum zu erfüllen ist. „Nur nicht matt werden, sonst kommt man unters Rad.“ Zerbricht und besiegt der Druck der Schule den natürlichen Menschen? Im Zentrum von Frank Abts Bühnenadaption von Hermann Hesses Erzählung über Hans Giebenraths Kampf und Scheitern stehen auch heute nicht weniger relevante Fragen: Wie will ich leben und was tue ich dafür? In unserer Zeit, in der man so verantwortlich ist für das eigene Glück, in der Leistung und Erfolg ein Spiegel des eigenen Einsatzes und Engagements zu sein scheinen, bleiben die Spielregeln der Schule ein Leben lang gültig. Immer fleißig sein, sich anpassen an die gegebenen Anforderungen ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu achten – solange bis man eben doch „matt“ wird.

Regie: Frank Abt
Bühne: Michael Köpke
Kostüme: Annelies Vanlaere
Dramaturgie: Anna Haas
Musik: Torsten Kindermann

Ort:

Nord

Termine:

Fr, 16.2.2018, 20:00 |
So, 11.3.2018, 20:00 |

Schauspiel Stuttgart

Oberer Schloßgarten 6 (Schauspiel Stuttgart)
D 70173 Stuttgart

Telefon: +49 (0)7 11-20 32-0

Spielstätten:
SCHAUSPIELHAUS: Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
NORD: Löwentorstraße 68 / Löwentorbogen, 70376 Stuttgart
KAMMERTHEATER: Konrad-Adenauer-Straße 32 (Neue Staatsgalerie), 70173 Stuttgart
ERDGESCHOSS: Theodor-Heuss-Str. 4, 70174 Stuttgart
TÜRLENSTRASSE (Arena / Werkhalle / Box&Klub): Türlenstraße 2, 70191 Stuttgart