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Schauspiel Stuttgart

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Schauspiel Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
D-70173 Stuttgart

Telefon: +49 (0)7 11-20 32-0

 

Spielstätten:
SCHAUSPIELHAUS: Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
NORD: Löwentorstraße 68 / Löwentorbogen, 70376 Stuttgart
KAMMERTHEATER: Konrad-Adenauer-Straße 32 (Neue Staatsgalerie), 70173 Stuttgart
ERDGESCHOSS: Theodor-Heuss-Str. 4, 70174 Stuttgart
TÜRLENSTRASSE (Arena / Werkhalle / Box&Klub): Türlenstraße 2, 70191 Stuttgart
Theater

Salome

nach Oscar Wilde / Einar Schleef

Beim Evangelisten Markus wird die Geschichte von Johannes dem Täufer so erzählt: die judäische Prinzessin Salome fordert für ihre Mutter Herodias von König Herodes den Kopf des Propheten. Nach der Erzählung im Evangelium wurde der Stoff in unzähligen Versionen bearbeitet: Am bekanntesten sind Oscar Wildes Tragödie von 1891 und die darauf basierende Oper von Richard Strauss. Darin ist verschmähte Liebe das Motiv von Salomes‘ Forderung nach dem Kopf des Täufers.
Einar Schleef nannte „Salome“„ eine Sauerei, selbst in der harmonischsten Übertragung“ und schuf mit seiner eigenen Bearbeitung ein Drama, das die Abgründe menschlichen Verhaltens noch zugespitzter beschreibt. Der erste Satz seines dem Stück vorangestellten Vorwortes lautet: „Das männliche Christentum braucht das weibliche Opfer, es ist dessen Fundament. Unterm Kreuz Christi windet sich die Schlange. Salome ist der letzte weibliche Widerstand. Er wird gebrochen.“

In dem Text geht es vor allem um zwei Prinzipien, die sich unversöhnlich gegenüber stehen – das Prinzip von Askese und religiöser Ekstase, das Johannes verkörpert und das Prinzip radikaler Liebesverwirklichung, für welches Prinzessin Salome steht. Beide scheuen den Tod nicht: In Jerusalem sitzt Johannes der Täufer als Gefangener des Königs Herodes Antipas in einer alten Zisterne, weil er in seinen Predigten dessen Heirat mit Herodias, der Frau seines Bruders, als Blutschande anprangert. Herodias fordert daraufhin seinen Tod. Antipas aber fürchtet Johannes, den er für einen Propheten Gottes hält und versucht dies zu verhindern. Salome hört bei einem Fest fasziniert die Stimme des Gefangenen, der die Ankunft des Messias verkündet. Sie wünscht ihn zu sehen und verfällt ihm mit dem ersten Blick. Leidenschaftlich begehrt sie den Propheten, seinen Leib, sein Haar, seine Lippen, aber dieser weist sie brüsk zurück und fordert sie auf, ihr Leben zu ändern. Herodes lässt Johannes töten, als Salome als Lohn für ihren Tanz den Kopf des Propheten auf einer Silberschüssel fordert. Als er ihr gebracht wird, küsst sie ihn und hält mit ihm Zwiesprache. Eine merkwürdige Ambivalenz bestimmt diese Szene: „Das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes." Salome bestreitet, dass Gottsehen und erkennen, eine Frau sehen und erkennen nicht zusammen gehe. Salome wollte von Jochanaan gesehen werden – in ihrer Liebe, in ihren sexuellen Ansprüchen, auch in ihrer Entschiedenheit. Doch er hat sie nicht angesehen in seiner Fixierung auf das Transzendente, das kommende Reich Gottes, die Religion. Religion meint hier auch Politik. Jede Form von Theorie und Ideologie. Alles, was nicht Liebe ist. In dieser Religion verschanzen sich die Männer und der Untergang ist eine Frage der Zeit.

Regie: Sebastian Baumgarten
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Marysol del Castillo
Video: Philip Bußmann
Musik: Jörg Follert
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Theater

Publikumsbeschimpfung

von Peter Handke

Eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin

„Sie werden kein Spiel sehen. Hier wird nicht gespielt werden. (…) Wir sind keine Darsteller. Wir stellen nichts dar. Wir stellen nichts vor.“ Peter Handkes erstes „Sprechstück“ kündigt die Grundlagen der bürgerlichen Theatersituation auf. Die Schauspieler spielen nicht, sie richten sich in ihrem Sprechen direkt an den Zuschauer, der aus seiner Rolle des nichtbeteiligten Voyeurs herausgekitzelt wird. Die Uraufführung 1966 am Theater am Turm in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann war ein Skandal. Das Stück ein „Aufstand gegen das Bestehende" (Peymann).
Und heute? Was hat es noch auf sich mit diesem Stück, das in Tiraden an das Publikum gipfelt, um sich am Ende beim Zuschauer zu bedanken? Über 40 Jahre nach der Uraufführung, am Ende der Intendanz von Armin Petras, inszeniert der junge Regisseur Martin Laberenz erstmals die Publikumsbeschimpfung am Schauspiel Stuttgart. Laberenz hat sich in seinen drei bisherigen Stuttgarter Arbeiten bereits streitbar mit dem Publikum auseinandergesetzt und darum gerungen, eine Unmittelbarkeit zwischen Spieler und Publikum herzustellen. Dieser Versuch und die Frage daran, was es noch auf sich hat mit diesem Theater, findet mit Handkes Stück ohne klassische Handlung nun im Nord statt. Was will, kann, darf und fordert das Theater und was das Publikum – wie treffen sie am Abend selbst aufeinander?

Regie: Martin Laberenz
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Aino Laberenz
Musik: Leo Schmidthals
Dramaturgie: Jan Hein, Katrin Spira
Theater

1984

nach dem Roman von George Orwell

Eine Koproduktion mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus

Im Orwell-Staat Ozeanien wird eine neue Sprache verordnet, um den Menschen das Denken abzugewöhnen. Im sogenannten „Neusprech“ erhalten auch die unmenschlichsten Auswüchse des Systems wohlklingende Namen. Das „Liebesministerium“ bringt den Abtrünnigen die Liebe zum „Großen Bruder“ bei. Das „Friedensministerium“ plant Kriegseinsätze. Im „Ministerium für Wahrheit“ werden die Gehirne manipuliert. Was wahr ist, wird nun falsch, was falsch ist, wird zur Wahrheit. Für den Chefinquisitor O’Brien steht fest, dass „zwei plus zwei fünf ergibt“. Die neue Sprache schafft ihre eigene Wirklichkeit; sie muss nur oft genug wiederholt werden. Orwells Roman, der 1948 als literarische Antwort auf Nationalsozialismus und Stalinismus entsteht, formuliert Mechanismen, die zu den Wesenszügen aller Diktaturen zählen: das Prinzip des Führerkults, die Heiligung aller Mittel durch den Zweck, Gleichschaltung und Schauprozesse, die Umdeutung von Vergangenheit, Gegenwart, Sprache, Kunst und Literatur. Inmitten dieser Welt beginnt Winston Smith damit, ein geheimes Tagebuch zu führen, ein Aufruf zum Widerstand, eine Botschaft an die Ungeborenen. Bei der Arbeit lernt er Julia kennen, die beiden werden ein Paar, verbotenerweise. Als Winston den Versuch wagt, Kontakt zu einer Untergrundorganisation aufzunehmen, läuft er in sein Verderben. „Big Brother is watching you.“

Regie: Armin Petras
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Annette Riedel
Musik: Woods of Birnam
Musikalische Leitung: Christian Friedel
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Felicitas Zürcher, Bernd Isele
Theater

europa verteidigen

von Konstantin Küspert

Was ist eigentlich noch übrig von Europa? Von einer Gemeinschaft, die den Dialog einer offenen Gesellschaft einmal anstoßen wollte, geprägt von den Werten der Aufklärung, von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit? Ist Europa eigentlich nur ein Wirtschaftsraum, der den großen Unternehmen Vorteile verschaffen soll? Was hat es damit auf sich, wenn wir von der „Festung Europa“ sprechen? Wer darf es sich drinnen gemütlich machen, wer muss leider draußen bleiben? Wie viele „Fremde“ verträgt der Kontinent? Und mit welchen haben wir Mitleid?

Der Mythos Europa ist die Geschichte einer schönen jungen Frau, die vom Göttervater Zeus in Gestalt eines Stieres aus dem Libanon über das Meer entführt und am Strand von Kreta vergewaltigt wird. Ohne Hoffnung bleibt sie zurück, doch dann wird ihr eine große Zukunft vorausgesagt. Konstantin Küspert verschränkt in seinem vielfach gelobten und u.a. mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage 2017 ausgezeichneten Stück europa verteidigen drei Erzählebenen unter den Überschriften „Festung Europa“, „Opfer Europa“ und „Mutter Europa“. Küspert verwebt Mythologisches und Historisches mit aktuellen Fragen und Statements. Sein Stück umkreist die europäische Idee und stellt uns die Frage, wie sehr und warum wir bereit sind dieses Europa zu verteidigen.

Anlässlich des Festivals The Future of Europe inszenieren im Nord drei junge RegisseurInnen Texte, die sich dem europäischen Gedanken widmen. Cornelia Maschner studierte Regie am Mozarteum in Salzburg und präsentiert mit europa verteidigen ihre erste größere Regiearbeit im Nord.

Regie: Cornelia Maschner
Bühne: Helen Stichlmeir
Kostüme: Ottavia Troester
Musik: Bobbi Fischer
Video: Jochen Gehrung
Licht: Gregor Roth
Choreografie: Belina Nasra Mohamed-Ali
Dramaturgie: Anna Haas
Theater

König Lear

von William Shakespeare

Neufassung von Jutta Ferbers nach der Übersetzung von Wolf Baudissin
Im Anfang steckt schon das Ende, die ganze Katastrophe: Der alte König Lear will vor der Zeit abdanken, Macht, Besitz und die Sorge um den Staat ablegen und sein Reich unter seinen drei Töchtern zu gleichen Teilen aufteilen. Er stellt die Liebe seiner Töchter auf die Probe und veranstaltet einen Wettstreit unter ihnen: als Preis für ihr Erbe sollen sie ihm ihre Zuneigung bekunden. Goneril und Regan, die beiden älteren, entledigen sich eloquent ihrer Aufgabe – und bekommen ihre Teile. Ihre Heuchelei bringt Cordelia, die jüngste, von ihm am meisten geliebte Tochter dazu, sich dem rhetorischen Wettbewerb zu verweigern – auf die Frage, was sie sage, antwortet sie: „Nichts.“ Mit diesem „Nichts“ nimmt die Tragödie ihren Lauf: Wutentbrannt verstößt und enterbt ihr Vater sie und teilt sein Reich unter den beiden anderen Schwestern auf – womit er seine Macht aufgibt und sich Goneril und Regan ausliefert. Die Worte seines Narren, zu ihm als Warnung gesprochen, können ihn nicht mehr erreichen. Dieses „Nichts“ hallt durch die Welt. Was ist Wahrheit? Was ist Täuschung? Goneril und Regan jagen ihren Vater in die Wüste und degradieren Lear zum Ausgestoßenen. Aus Schmerz, Trauer und Wut verfällt Lear dem Wahnsinn. Dieses „Nichts“ ist das Fanal einer dunklen Apokalypse: Gesetz, Moral, Logik und Vernunft implodieren, Gewalt, Chaos, Wahnsinn und Zerfall treten an ihre Stelle. Am Ende sind alle tot.

Regie: Claus Peymann
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Margit Koppendorfer
Licht: Karl-Ernst Herrmann, Felix Dreyer
Dramaturgie: Jutta Ferbers, Jan Hein
Theater

Der Steppenwolf

nach dem Roman von Hermann Hesse

Der Steppenwolf, begonnen 1925 in Basel, vollendet 1927 in Zürich, ist das Werk, von dem die internationale Renaissance Hermann Hesses ausgegangen ist – seine Wiederentdeckung als Autor vor allem von der jungen Generation Amerikas während des Vietnamkrieges. Im Steppenwolf erkannte sich der Teil der Jugend wieder, der an den Strukturen der Gesellschaft zweifelte: „Es gibt nun Zeiten, wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten, zwischen zwei Lebensstile hineingerät, dass ihr jede Selbstverständlichkeit, jede Sitte, jede Geborgenheit und Unschuld verlorengeht.“, heißt es im Roman.

Mindestens zwei Welten wohnen in seiner Brust: Harry Haller, ein einsamer Intellektueller, zerreißt sich selbst zwischen dem bürgerlich-angepassten Leben und seiner Sehnsucht danach auszubrechen. Die Welt um ihn herum scheint einen neuen Krieg geradezu herbeizusehnen, während er selbst vollkommen menschenfern und zurückgezogen in einer Mansardenwohnung lebt. Haller ekelt sich vor der Welt. Wie auch Faust will er versuchen, sich umzubringen, trifft aber auf eine schöne,
geheimnisvolle Frau: Hermine. Unter mysteriösen Umständen wird ihm das Traktat vom Steppenwolf zugespielt, in dem er sich wiedererkennt. Hermine beeindruckt ihn und bereitet ihn auf den Eintritt ins „Magische Theater“ vor, wo er neben Goethe und unter Mozarts göttlichem Gelächter das Figurenspiel der Unsterblichen lernen soll.

Nach Unterm Rad setzen wir mit Der Steppenwolf, in der Regie von Philipp Becker, der das erste Mal in Stuttgart inszeniert, die Beschäftigung mit Hermann Hesse fort.

Regie: Philipp Becker
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Katharina Müller
Musik: Johannes Hofmann
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Theater

Das 1. Evangelium

frei nach dem Matthäus-Evangelium

Und Gott wurde Mensch. Auf den Spuren des Matthäus-Evangeliums, Bachs Passionen und der Verfilmung von Pier Paolo Pasolini erzählt der Regisseur Kay Voges vom Ur-Mythos des Neuen Testaments. Zwischen dem Schrei der Geburt und dem Schrei des Todes ereignet sich das Leben des Menschen Jesus von Nazareth. Wie kann man die Menschwerdung Gottes heute erzählen? Pasolini hatte Jesus als realistische, menschliche Figur inszeniert. Im italienischen Matera drehte er fast ausschließlich mit Laiendarstellern. Auch Fred Holland Day, einer der ersten Pioniere der amerikanischen Fotografie, inszenierte im Sommer 1898 auf einem Hügel mit Nachbarn aus seinem Wohnort Norwood eine Passionsserie. Er selbst übernahm die Rolle Jesu Christi – inspiriert hatte ihn dazu ein Besuch bei den Oberammergauer Passionsspielen. Pasolinis und Days Beschäftigung mit dem Evangelium bieten Kay Voges die Folie, parallel zur Passionsgeschichte das „Live-Making-of“ der Inszenierung in Szene zu setzen: Er zeigt, wie die Bilder, die einen überwältigen, hergestellt werden. Dadurch lernt man zugleich, diesen Bildern zu misstrauen. Voges’ Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst, Theater, Film und Liturgie. Frei nach Matthäus erzählt er von den Passionen unserer Welt, vom Glauben, vom Verlust des Glaubens und vom Leben des Künstlers als Schmerzensmann.

Regie: Kay Voges
Bühne: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Beleuchtungs- und Videokonzept: Voxi Bärenklau
Kostüme: Mona Ulrich
Musik: Paul Wallfisch
Live Kamera: Tobias Dusche, Daniel Keller
Video: Robi Voigt
Ton-Angler: Max Brunner, Eva Dörr
Live-Ton-Sampling: Philipp Roscher
Dramaturgie: Anna Haas, Jan Hein
Theater

Moby Dick

nach dem Roman von Herman Melville

„Wer die RAF verstehen will, muss Moby Dick lesen“, sagte der Journalist Stefan Aust und beschreibt, dass sich die RAF mit Melvilles Roman einen Geheimcode zugelegt hat, in dem der weiße Wal umgewidmet wurde in den Leviathan, den Staat, der gejagt und zerstört werden müsse. Doch natürlich ist Moby Dick mehr als eine Grammatik der RAF, mehr als ein Songtitel von Led Zeppelin oder der Name eines Greenpeace-Schiffes gegen den Walfang – eine nur scheinbar romantische Seefahrer- und Abenteuergeschichte, denn Moby Dick ist die Erzählung von der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Der junge Ismael glaubt, auf dem Meer sich selbst und die Freiheit zu finden. Dafür heuert er auf dem Walfangschiff Pequod an. Dessen Kapitän Ahab hat kein geringeres Ziel, als den Wal zu töten, der ihm einst ein Bein abgerissen hat. Beherrscht von Größenwahn, Rache und blindem Hass beginnt Ahab einen Amoklauf gegen die Natur. So lässt sich der Text auch als früher Öko-Roman lesen: Der Mensch, der bei seinem Kampf gegen die Natur vor nichts Halt macht. Der Mensch, der versucht, die Natur zu beherrschen – und sich dabei selbst vernichtet. Regisseur Jan-Christoph Gockel rückt diesen Aspekt ins Zentrum und lässt gemeinsam mit seinem Ensemble und Michael Pietschs Puppen die Menschen als winzige Wesen auf die riesige Natur stoßen.

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne und Kostüme: Julia Kurzweg
Musik: Matthias Grübel
Puppenbau / Puppendesign: Michael Pietsch
Dramaturgie: Katrin Spira
Schauspiel

Vor solchen wie uns haben uns die Eltern immer gewarnt

von Tanja Šljivar

Aus dem Serbokroatischen von Mascha Dabić

Eine öffentliche Toilette, die Wände vollgekritzelt oder gesprüht. Hier begegnen sich Mara und Milan. Er feiert seinen siebzehnten Geburtstag, sie beklagt die verflossenen Lieben ihres 45-jährigen Lebens. In immer neuen Konstellationen erzählen sie einander ihre Lebensgeschichten, geben sich Erinnerungen hin und vergewissern sich einer Vergangenheit, bei der nicht ganz klar ist, zu wem sie gehört und wer sie erzählt. Da ist die Rede von einem Sohn, der sich in einer Badewanne voller Markenturnschuhe ertränkt, und von seiner Mutter, die ihn zu Grabe trägt. Da begegnet eine Tochter zum ersten Mal ihrem Vater, im Moment ihres Frauwerdens. Da gibt es die Beziehung zwischen Bruder und Schwester, die über Schutz und Sorge hinausgeht. Und schließlich die zwischen einem jungen Mann und einer älteren Frau, die sich beim Sex an ihr Leben erinnern. Ein aufwühlender Bilderreigen aus verschwimmenden Zeiten, zwischen Wahn und Wunsch, Ängsten und Hoffnungen, zwischen gestern und heute und einer ungewissen Zukunft.

Das Stück Vor solchen wie uns haben uns die Eltern immer gewarnt der 1988 in Banja Luka geborenen Autorin Tanja Šljivar wird zum ersten Mal auf einer deutschsprachigen Bühne zur Aufführung gebracht. Die Inszenierung gehört einer dreiteiligen Reihe von Stücken an, die sich im Vorfeld des Festivals The Future of Europe mit Europa beschäftigen.

Regie: Péter Sanyó
Bühne: Daina Kasperowitsch
Kostüme: Svea Schiemann
Komposition: PC Nackt
Musikprogrammierung: Ben Lauber
Robotic: Daniel Schröteler
Licht: Gregor Roth
Dramaturgie: Carmen Wolfram, Franziska Baur
Theater

Lulu

Ein Rock-Vaudeville

Mit Musik von The Tiger Lillies nach Frank Wedekind

Lulu ist Wedekinds weltberühmte Tragödie, an der er 21 Jahre, von 1892 bis 1913, arbeitete und in ihr die beiden Teile Erdgeist und Die Büchse der Pandora vereint. Das Stück brachte ihm den Vorwurf „moralischer Anrüchigkeit“ ein, dem sich Theaterskandale und ein langwieriger Gerichtsprozess anschlossen. In der Version der britischen Kultband The Tiger Lillies wird aus Wedekinds „Monstretragödie“ eine „Mörderballade“ (Lulu – A Murder Ballad). Wie in einer lüsternen und blutigen Moritat verfallen die Herren der Gesellschaft Lulu, ob sie nun Dr. Goll, Schwartz, Shunning oder Alwa heißen. Lulu ist Engel, Monster, Kind, Muse, Tier, Verführerin, Beute, Mörderin in einem. Sie ist eine Nachtwandlerin der Liebe, ist die Kindfrau, die die Männer fasziniert. Sie ist real und ein Fantasieprodukt. Lulu herrscht und wird beherrscht. Bürgerliche Moral scheitert an ihrer Unbedingtheit.

Regie: Armin Petras
Musikalische Leitung: Miles Perkin
Bühne: Julian Marbach
Kostüme: Annette Riedel
Licht: Norman Plathe
Choreografie: Berit Jentzsch
Dramaturgie: Carmen Wolfram
Familienprogramm

Der Zauberer von Oz

Familienstück für alle ab 6 Jahren
nach dem Roman von L. Frank Baum

Als ein Wirbelsturm das Holzhaus erfasst, in dem Dorothy mit ihrer Tante und ihrem Onkel lebt, wird sie mit dem Wind fortgetragen in ein geheimnisvolles Land. Bei ihrer Landung hat sie mit ihrem Haus unabsichtlich die böse Hexe des Ostens unter sich begraben. Sie wird als Befreierin gefeiert und darf ab sofort die Zauberschuhe der Hexe tragen.
Doch Dorothy will vor allem eins: dringend zurück nach Hause, nach Kansas. Sie erfährt, dass ihr dabei nur der Zauberer von Oz helfen kann, der Herrscher der Smaragdstadt. Auf ihrem Weg dorthin trifft Dorothy auf sehr spezielle Wegbegleiter. Auf eine Vogelscheuche, die den Kopf voller Stroh hat, auf einen Blechmann ohne Herz und auf einen feigen Löwen. Die ungleiche Gruppe überwindet auf dem Weg etliche Hindernisse. Gemeinsam kommen sie schließlich am Ziel an – und erhoffen sich vom Zauberer Herz, Verstand, Mut und den Weg zurück nach Hause. Doch sie haben noch eine Hürde zu überwinden: Einer von ihnen muss die böse Hexe des Westens besiegen, nur dann wird der Zauberer ihre Wünsche erfüllen.

Der Roman Der Zauberer von Oz von L. Frank Baum wurde quasi über Nacht ein Verkaufsschlager. Es folgten noch 13 weitere Bände über das Märchenland Oz. Der Stoff wurde seither etliche Male für die Bühne bearbeitet, als Musical gezeigt und mehrfach verfilmt.

Regie: Wolfgang Michalek
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Sara Kittelmann
Musik: Max Braun
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katrin Spira
Theater

Faust I

von Johann Wolfgang von Goethe

Schneller, höher, weiter. Faust ist der Klassiker der deutschen Moderne. Der Troll des Fortschritts, der Unrast, der unstillbaren Lust und Energie. Faust ist die Dichtung der Superlative: das meistzitierte und meistbesuchte Theaterstück in Deutschland und (rechnet man die Entstehungsphase beider Teile zusammen) im vollen Wortsinn ein Lebenswerk. Goethe beginnt in jungen Jahren zu schreiben, arbeitet ein Leben lang an seinem Faust und vollendet ihn nach eigenem Ermessen nie. Das Werk ist Jugendstreich und Alterswerk zugleich. Schneller, höher, weiter…

Mindestens ebenso vielgestaltig wie die Stadien des Werks sind seine Lesarten: als Nationalepos der Deutschen oder als Weltentwurf, als politische Parabel, als Zitatenschatz oder als die Gelehrtentragödie eines Universalgenies. In der Eröffnungsinszenierung der Spielzeit lauscht Regisseur Stephan Kimmig auf das Schlagen der drei jungen Herzen, die in „Der Tragödie erster Teil“ wohnen: auf das unstillbare Verlangen eines vom Durst nach Leben Getriebenen, auf die Künste und Verlockungen eines großen Verführers und auf die Hingabe einer in ihrer Liebe radikalen, jungen Frau.

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Sigi Colpe
Licht: Wolfgang Göbbel
Musik: Malakoff Kowalski
Dramaturgie: Bernd Isele
Theater

Der Scheiterhaufen

nach dem Roman von György Dragomán

Rumänien 1989 /90: Zwei Monate nach dem Sturz Ceauşescus stehen die Überreste des diktatorischen Regimes in Flammen. Die 13-jährige Waise Emma wird von einer Unbekannten, die sich als ihre Großmutter vorstellt, aus dem Internat abgeholt und soll von nun an bei ihr leben. Widerstrebend folgt sie der Fremden in eine neue Stadt. In ihrer neuen Schule wird sie gemieden, denn ihre Großmutter gilt als Spitzel und Verrückte, die im Kaffeesatz, in Mehl und Blut die Zukunft liest.

Der viel beachtete Roman von György Dragomán richtet den Blick auf eine von Angst und Unsicherheit geprägte Umbruchszeit. Durch die Augen eines Mädchens schaut er auf die blutige Geburt einer jungen Demokratie: auf eine Welt zwischen dem Gestern und dem Heute, auf die Rituale von Schuld, Rache und Trauer, auf die merkwürdige Freundschaft zwischen einer Großmutter und ihrer Enkelin, auf das Schicksal der Überlebenden und auf die Wirkmacht der Toten. Die Uraufführung entsteht als besondere Form der Koproduktion. Armin Petras probt den Abend mit sechs Schauspielerinnen aus drei am Projekt beteiligten Ländern. Die Inszenierung wird in der jeweiligen Landessprache und mit jeweils zwei Schauspielerinnen in Dresden, Stuttgart, Sibiu und Budapest zu sehen sein.

Regie: Armin Petras
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Katja Strohschneider
Musik: Jörg Kleemann
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Bernd Isele, Anne Rietschel
Theater

Was hält uns zusammen wie ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft? (AT)

von René Pollesch

„Es ist vielleicht nicht so, dass in den menschlichen Geschichten auch Gegenstände vorkommen, sondern dass die menschlichen Geschichten untrennbar mit den Gegenständen verbunden sind. Man fragt sich ja, was hält die Handlung in Gang, unser Leben und das alles, wie hielten wir das alles in Gang? In Filmen sind es oft Dinge. Der Falke aus dem ‚Malteser Falken’, oder der Tesserakt aus den ‚Avengers’. Ich würde gerne über ein Ding sagen können, dass das WIR sind, nicht weil wir darin leben, oder sitzen oder liegen, also weil es Teil unseres Milieus ist, sondern weil es in der Lage ist, eine Gruppe, ein Kollektiv zusammenzuhalten, wie etwa ein Ball die Spieler einer Fußballmannschaft.“
René Pollesch

René Polleschs Inszenierungen entstehen immer in engster Zusammenarbeit mit dem Ensemble und haben wegen der humorvollen, überbordenden Sprech- und Spielweise Kultstatus erworben. Seit über 15 Jahren sind seine Arbeiten am Schauspiel Stuttgart zu sehen. Nach dem live gespielten Film Stadion der Weltjugend im Autokino Kornwestheim, stellt der Autor und Regisseur René Pollesch den Schauspielern in seinem neuesten Stück auf der Bühne des Schauspielhauses einen Frauenchor zur Seite.

Regie: René Pollesch
Bühne: Janina Audick
Kostüme: Svenja Gassen
Chorleitung: Christine Groß
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Anna Haas

Der Raub der Sabinerinnen

nach dem Schwank von Paul und Franz von Schönthan

Eine bildungsbürgerliche Kleinstadt mitten in Deutschland: Dr. Martin Gollwitz, Gymnasialprofessor, hat in seiner Jugend ein Theaterstück verfasst, das seither sein Dasein in der Schublade fristet. Die Römertragödie Der Raub der Sabinerinnen wird allenfalls von Gollwitz’ Dienstmädchen Rosa geliebt – Gollwitz selbst ist das pathetisch aufgeladene Stück mittlerweile peinlich. Eine unerwartete Begebenheit verschafft ihm jedoch schlagartig Aufmerksamkeit – der Theaterdirektor Emanuel Striese gastiert mit seiner Theatertruppe in der Stadt und sucht nach Stoffen, die das Publikum begeistern sollen. Sein Erfolgsrezept: Prominenz lockt immer. Und so möchte Striese Stücke stadtbekannter Persönlichkeiten auf den Spielplan bringen, um dem Zuschauerschwund entgegenzuwirken. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen, wirft sich Striese, der Direktor, Regisseur und Schauspieler in Personalunion ist, wortgewandt ins Zeug. Er verspricht dem zögerlichen Gollwitz eine „grandiose Aufführung“.
Ein großes Versprechen, das sich nicht ganz so halten lässt, wie Gollwitz es sich erhofft hat. Es folgen Enthüllungen, Verwechslungen und die Verwandlung der Römertragödie in eine Komödie mit einem unbedingten Bekenntnis zu Spiel und Theater – während die eigentliche Aufführung zur Blamage zu werden droht.

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Lothar Baumgarte
Dramaturgie: Jan Hein, Katrin Spira
Aufführungen / Theater Schauspiel Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 6
Aufführungen / Konzert SWR Symphonieorchester Stuttgart, Neckarstraße 230
Aufführungen / Theater Theater der Altstadt Stuttgart Stuttgart, Rotebühlstraße 89
Aufführungen / Konzert Int. Bachakademie Stuttgart Stuttgart, Hasenbergsteige 3
Aufführungen / Konzert Ludwigsburger Schlossfestspiele Ludwigsburg, Marstallstr. 5
Do, 28.6.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Konzert Ludwigsburger Schlossfestspiele Ludwigsburg, Marstallstraße 5
Fr, 29.6.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Konzert Ludwigsburger Schlossfestspiele Ludwigsburg, Marstallstraße 5
Sa, 30.6.2018, 20:00 Uhr
Aufführungen / Konzert Ludwigsburger Schlossfestspiele Ludwigsburg, Marstallstr. 5
So, 1.7.2018, 19:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung Friedrichstheater e. V. Stuttgart, Alexanderstrasse 133
Aufführungen / Aufführung Theatergruppe Schischiphusch e. V. Hatzenbühl, Mozartstr. 4
Helga Großardt
Aufführungen / Aufführung Carl-Theater Villingen-Schwenningen, Romäusring 2
Aufführungen / Aufführung Neugereuter Theäterle e.V. Stuttgart-Neugereut, Seeadlerstrasse 7
Haus St. Monika Rupert-Mayer-Saal
Aufführungen / Aufführung [theater] Dimbeldu Vaihingen, Märchen und mehr ...
Puppentheater Kinderschminken
Aufführungen / Aufführung Theater der Altstadt Stuttgart, Rotebühlstraße 89
Aufführungen / Aufführung Theater tri-bühne Stuttgart, Eberhardstraße 61A
Aufführungen / Aufführung theater rampe stuttgart stuttgart, Filderstraße 47
Aufführungen / Aufführung LIMA-Theater Esslingen, Landolinsgasse 1
Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schlossgarten 6
Aufführungen / Konzert C.Bechstein Centrum Tübingen Tübingen, Konrad-Adenauer-Str. 9
Aufführungen / Theater AuGuSTheater Neu-Ulm Neu-Ulm, Silcherstraße 2
Theater Neu-Ulm
Aufführungen / Theater LIMA-Theater Esslingen, Landolinsgasse 1
Aufführungen / Theater Wilhelma Theater Stuttgart, Neckartalstraße 9
Aufführungen / Aufführung Boulevärle Stuttgart, Neckartalstr. 261
Schwäbisches Theater e.V.
Aufführungen / Theater Boulevärle-Schwäbisches Theater e.V. Stuttgart, Neckartalstr. 261
Aufführungen / Aufführung Philharmonia Chor Stuttgart e.V. Fellbach, Kienbachstraße 12
Aufführungen / Oper Opernfestspiele Heidenheim Heidenheim an der Brenz, Grabenstraße 15