HAMBURG BALLETT JOHN NEUMEIER

Spielzeit 2011/2012

Tod in Venedig

Ein Totentanz von John Neumeier

frei nach der Novelle von Thomas Mann

"Tod in Venedig", an diesen Titel hat jeder bestimmte Erwartungen, er löst eine ganze, mehr oder weniger lange, Kette von Assoziationen aus: Da ist die Stadt Venedig – selbst schon ein Mythos, der Strand mit dem ewig wogenden Meer, aber vor allem natürlich der wohl situierte und etablierte alternde Künstler, der angesichts der Schönheit und Jugend des Knaben Tadzio sein gesamtes Lebenskonzept aufgibt..." John Neumeier ist sich bewusst, welche Herausforderung die choreografische Arbeit zu Thomas Manns Novelle bedeutet.

Vielen mag die Visconti-Verfilmung von "Tod in Venedig" – in der von Aschenbach Komponist ist – präsenter sein als der Text von Thomas Mann. So verleitet die Novelle in Verbindung mit einer Choreografie von John Neumeier leicht zur scheinbar kausalen Vermutung: 'Es wird bestimmt ein Ballett zu Musik von Gustav Mahler'. John Neumeier hat jedoch eine ganz andere Musikauswahl getroffen. "Um die Dualität im Wesen und Benehmen von Aschenbachs zu verdeutlichen habe ich zwei gegensätzliche Komponisten gewählt. Mein Ballett beginnt mit dem "Musikalischen Opfer" von Johann Sebastian Bach. Dieser so regelhaft strengen Komposition habe ich Stücke von Richard Wagner gegenüber gestellt, die größten Teils vom Klavier gespielt werden. Ausgangspunkt ist hier die im Wesentlichen in Venedig entstandene Komposition "Tristan und Isolde". Ihr verwandte Stücke und Skizzen Wagners unterstreichen die eher 'rauschhafte' Gegenseite."

Thomas Mann schrieb die Novelle "Tod in Venedig" 1911/12 nach seinem Sommeraufenthalt mit seiner Frau Katia und dem Bruder Heinrich in der Lagunenstadt. Die Publikation im Herbst 1912 sorgte für großes Aufsehen. Der Autor des Erfolgsromans "Die Buddenbrooks" schrieb plötzlich über ein absolutes Tabuthema: Die Liebe eines Mannes zu einem Jüngling. Bemerkenswert ist, dass die Beziehung zwischen dem Schriftsteller von Aschenbach und dem Jungen Tadzio den Protagonisten bis ins Mark erschüttert, obwohl sie nur platonischen oder allenfalls voyeuristischen Charakter hat. Kein einziges Wort wechselt von Aschenbach mit Tadzio und teilt sich auch sonst niemandem mit. Er öffnet sich der Faszination und seinen Gefühlen so ausschließlich, dass er sich wehrlos der nahenden und tödlichen Cholera aussetzt.

Thomas Mann beschreibt die Wandlung eines scheinbar gefestigten Charakters. Von Aschenbach befindet sich im Spannungsfeld vom streng geordneten, pflichtbewussten apollinischen und rauschhaft-verwirrenden, launenhaften dionysischen Prinzip.

"Mich fasziniert an Thomas Manns Text das, was ich als Beschreibung der absoluten Liebe interpretiere", sagt John Neumeier. "Tadzio ist der Auslöser dafür, dass der Mensch von Aschenbach mit seiner anderen Seite konfrontiert wird. Seine Würde war ihm alles, seine Arbeit brachte ihm sogar den Adelstitel. Bei mir im Ballett ist von Aschenbach ein Meisterchoreograf. Zunächst kämpft er gegen seine Emotionen an und findet für seine Faszination eine rein künstlerische Berechtigung, doch er muss sich hingeben. Und diese vollkommene Hingabe bedeutet seinen "Tod in Venedig".
Telse Hahmann

Musik: Johann Sebastian Bach, Richard Wagner
Choreografie/Inszenierung: John Neumeier
Bühnenbild: Peter Schmidt
Kostüme: John Neumeier, Peter Schmidt
Lichtkonzept: John Neumeier

1 Pause - 2 Stunden 30 Min

Termine:

Di, 6.3.2012, 19:30 |
Fr, 9.3.2012, 19:30 |

Die Kameliendame

Ballett von John Neumeier

nach dem Roman von Alexandre Dumas d.J.

Der Weg des Balletts "Die Kameliendame" beginnt eigentlich mit der Beisetzung von John Cranko im Jahre 1973. Damals versprach ich Marcia Haydée, ihr und der Stuttgarter Compagnie zu helfen, wenn ich es könnte. Nachdem sie dann Ballettdirektorin des Ensembles geworden war, bat sie mich sofort, gelegentlich Stücke für die Compagnie zu choreografieren, insbesondere ein abendfüllendes Werk. Während eines Essens mit Marcia Haydée kam mir dann blitzartig bei ihrem Anblick die Idee, für sie "Die Kameliendame" nach dem Roman von Alexandre Dumas fils zu kreieren, der mich seit vielen Jahren schon faszinierte. Der Stoff des Balletts also war gefunden; zu welcher Musik ich "Die Kameliendame" aber choreografieren wollte, wusste ich anfangs noch nicht. Meine erste Idee war, die Opernmusik von Verdi bearbeiten zu lassen, ein Plan, den ich jedoch bald verwarf. Dann fand ich sogar die Partitur für ein abendfüllendes Ballett zu diesem Thema von dem französischen Komponisten Henry Sauguet, die mir bei näherer Betrachtung allerdings auch nicht die richtige Musik zu sein schien. Der Zeitpunkt des Probenbeginns rückte schon bedrohlich näher, und zufällig, wieder beim Essen, traf ich den Dirigenten Gerhard Markson und stellte ihm verzweifelt die Frage: "Welche Musik würden Sie für ein Ballett nach Dumas 'Kameliendame' nehmen?" Er überlegte einige Minuten und antwortete: "Chopin oder Berlioz oder beide zusammen." Ich war begeistert von dem Chopin-Gedanken, denn ich liebe diesen Komponisten sehr, hatte aber noch nie etwas zu dieser Musik choreografiert. Ich bat Herrn Markson um eine Zusammenstellung der Stücke, die für das Ballett in Frage kämen. Innerhalb weniger Wochen ist dann das musikalische Konzept, so wie es jetzt ist, entstanden.
Im Unterschied zu Dumas' Schauspiel oder Verdis Oper habe ich mein Ballett durch die Figuren von Manon Lescaut und Des Grieux ergänzt. Diese Idee kam mir aufgrund der Romanversion der "Kameliendame", in der Marguerite von Armand den Roman "Manon Lescaut" geschenkt bekommt. Dieses Buch wird bekanntlich nach ihrem Tod bei der Versteigerung ihrer Sachen von dem späteren Autor der "Kameliendame" erworben. Armand versucht nach seiner Rückkehr nach Paris, unbedingt wieder in den Besitz des Buches zu gelangen. So ist es nicht nur der Grund für die Begegnung von Armand und dem Autor, sondern auch Anlass für Armand, seine Geschichte, sein Leben mit Marguerite zu erzählen. Übrigens nehmen alle wichtigen Personen in der "Kameliendame" Stellung zu Manon. Armands Vater sagt in einer Auseinandersetzung: "Wer eine Manon liebt, läuft Gefahr, ein Des Grieux zu werden." Und Marguerite meint: "Wenn eine Frau liebt, kann sie nicht wie Manon handeln." So habe ich Manon und Des Grieux als eine Art Spiegel für Marguerite und Armand benutzt: Ihre Gedanken, ihre Zweifel und ihre Vorstellungen von der Zukunft, ihre Phantasien werden sichtbar, werden reflektiert in dem anderen Paar. In meinem Ballett lernen sich Marguerite und Armand übrigens während einer Vorstellung von "Manon Lescaut" kennen: ein Spiel im Spiel. Und am Ende, wenn Marguerite mit ihrer letzten Kraft versucht, noch einmal das Leben zu greifen, geht sie zurück in das Theater und erlebt den Schlussakt von "Manon". Die Verlassenheit und Einsamkeit der beiden Liebenden Manon und Des Grieux begleiten sie nach Hause und in ihren eigenen Tod. Das Ballett endet mit einem "Pas de trois", in dem sie sich so stark mit den Liebenden identifiziert, dass sie nicht mehr unterscheiden kann, ist es Armand oder ist es Des Grieux, ist sie Marguerite oder ist sie Manon.
John Neumeier

Musik: Frédéric Chopin
Inszenierung: John Neumeier
Kostüme: Jürgen Rose

2 Pausen - 3 Stunden

Termine:

Sa, 10.3.2012, 19:30 |
Mi, 14.3.2012, 19:30 |
Do, 15.3.2012, 19:30 |
Sa, 17.3.2012, 19:30 |

Chopin Dances

Zwei Ballette von Jerome Robbins

Dances at a Gathering Woman in
Pink: Bouchet
Mauve: Laudere
Apricot: Agüero
Green: Polikarpova
Blue: Azzoni
Man in Brown: Bordin
Purple: Revazov
Green: Jung,
Brick: Trusch
Blue: Stuhrmann

The Concert or The Perils of Everybody

Dirigent: Markus Lehtinen
Pianist: Michal Bialk, Oliver Kern
Philharmoniker Hamburg

Termine:

Do, 22.3.2012, 19:30 |
Fr, 23.3.2012, 19:30 |
So, 25.3.2012, 19:30 |
Sa, 31.3.2012, 15:00 |
Sa, 31.3.2012, 19:30 |

Ballettzentrum Hamburg - John Neumeier

Caspar-Voght-Straße 54
D-20535 Hamburg

Telefon: +49 (0)40 21 11 88-0
Fax: +49 (0)40 21 11 88-88

Spielstätte:
Hamburgische Staatsoper
Große Theaterstraße 25
20354 Hamburg