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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

Kontakt

Deutsches Theater Berlin
Schumannstraße 13a
D-10117 Berlin

Telefon: +49 (0)30 28441-0
E-Mail: service@deutschestheater.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Deutsches Theater Berlin

Theater

Zu der Zeit der Königinmutter

von Fiston Mwanza Mujila

Premiere: 08. Dezember 2019

Die besten Tage haben sie längst hinter sich, die Gäste der New-Jersey-Bar. An diesem Ort, der irgendwo auf der Welt ist, erzählen sie Geschichten aus der Zeit der Königinmutter. Damals floss das Bier in Strömen, die Nächte waren ewig, und die Frauen, die alles haben konnten, leuchteten vor Schönheit. Vom nie endenden Rausch, der Trunkenheit, dem Erbrochenen und dem Jasminduft der Königinnen berichten die gestrandeten Figuren des Abseits dem Neuen, der die Bar betritt. Auf ihn gewartet haben sie nicht, doch vielleicht werden mit ihm die verblassenden Erinnerungen wieder bunt. Denn, so heißt es im Stück, "Worte besitzen keinen Wert, wenn sie nicht in den Zustand der Existenz gebracht werden."

Zu der Zeit der Königinmutter ist das erste Theaterstück, das Fiston Mwanza Mujila in deutscher Sprache geschrieben hat. Diese Sprache klingt bei ihm wie Musik. Sinnlich, zügellos und mitreißend erzählt er von einem Ort am Rand von Raum und Zeit.

Regie: Charlotte Sprenger
Bühne und Kostüm: Aleksandra Pavlović
Musik: Jonas Landerschier
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Franziska Trinkaus

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Theater

(Life on earth can be sweet) Donna

von René Pollesch

Premiere: 15. Dezember 2019

Lied vom Ungebundenheitsimperativ

Alle: Wir haben gehört, dass es Hoffnung nur gibt,
um der Hoffnungslosesten Willen.

1: Wer hat euch gesagt, dass es Hoffnung gibt?

Alle: Wir sehen zwar, dass wir es nicht ändern
können, viel tiefer geht aber der Glauben, dass
es doch zu ändern ist.

1: Wie bei mir, den ihr verlassen habt, und ich weiß,
dass ich euch nicht mehr zurückkriege.
Aber ich flehe und heule, als wäre es nicht so,
meint ihr das?

Alle: Wir können nur aus dem was machen, was
man aus uns gemacht hat. Aber es geht ja auch darum,
was man aus der Welt gemacht hat.

1: Ich will, dass deine Hand immer auf meiner landet,
wenn irgendwas war. Wenn ich geschrien habe oder
unausstehlich war. Deine Hand auf meiner ist ja nicht
neu. Aber für mich war es das. Man kann sich eben
nicht neu erfinden in diesen Begegnungen, in all dem,
was man machen kann.

Alle: Aber es ist wie das Abspielen der Klassiker auf
einer Bühne, sie halten nur den Hof sauber.

1: Es ist ja nur das da, was man machen kann.

Alle: Man kann sich das Ende des Theaters, aber nicht
das Ende des Regietheaters vorstellen.
Man kann sich das Ende der Welt, aber nicht
das Ende des Kapitalismus vorstellen.

1: Wieviel Arten von Menschen gibts auf der Welt.

Alle: Zweierlei Arten.

1: Was für Arten sind das?

Alle: Die Vernetzten und die mit wenig Kontakten.
Also die Mobilen und die Nicht-Mobilen.

1: Wer aber will nicht, dass es zweierlei Arten gibt?

Alle: Da die Ungerechtigkeit nur in Statistiken
auftaucht, weil die mit wenig Kontakten sich nicht
begegnen, wissen die Ausgegrenzten nicht, dass sie
die Ausgebeuteten sind. Also können sie hier
noch nichts wollen.

1: Wer aber wird abschaffen, dass es zweierlei Arten
von Menschen gibt?

Alle: Da blicken wir noch nicht durch. Aber da
beide Arten in dieser Welt leben, kann es sich nicht
um Ausgrenzung handeln, sondern es muss sich viel
eher um Ausbeutung handeln.

1: Warum müsst ihr euch nicht rechtfertigen?

Alle: Weil der Kapitalismus das macht.

1: Woran erkennt ihr, dass er nicht viel mehr ist als ein Rechtfertigungssystem?

Alle: Er greift sämtliche utopischen Energien ab.
Er war ja nie ein Überbau, sondern nur ein System von
Rechtfertigungen, das sämtliche utopischen Energien
absaugt. Er hört aber gleichzeitig nie auf,
kollektiven Strukturen Steine in den Weg zu legen.

1: Ich weiß nicht, es ist alles so lange her, das
mit dir, und ich hab aufgehört, es mit Sinn und
mit Geist zu versorgen. Also wie der Kapitalismus das
macht, alles mit Sinn und mit Geist zu überziehen.
Was gefährdet die Wirtschaftsordnung wirklich?

Alle: Die tatsächliche Präsenz. Denn: Drei Sterne bei
Amazon sind wie ein Stern.

1: Die Philosophie sagt uns, dass es auch ohne
Präsenz geht.

Alle: Das sind die geisteswissenschaftlichen Märchen
vom Sinn und vom Geist.

1: Wer wird abschaffen, dass der Kapitalismus
alle utopischen Energien abgreift?

Alle: Die tatsächliche Präsenz.

1: Aber wer wird auch im grünen Kapitalismus
nicht gebraucht?

Alle: Die Jugendlichen in Gosen – Neu Zittau.

1: Woran erkennt man die mobile Art?

Alle: Daran, dass sie Drogen nimmt, um Erfahrungen
zu machen.

1: Und woran erkennt man die nicht-mobile Art.

Alle: Daran, dass sie Drogen nimmt, um Erfahrungen
loszuwerden.

1: Ja und jetzt wird es wichtig, dass man alle
informiert. Dass man mit den Wagen herumfährt, und es
den Menschen sagt.

Regie: René Pollesch
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Nina von Mechow
Light: Matthias Vogel
Dramaturgie Anna Heesen

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Theater

Ode

von Thomas Melle

Uraufführung: 20. Dezember 2019

Was darf die Kunst, welche Grenzen sind ihr gesetzt, mit welchen Tabus wird sie noch konfrontiert? Was soll und muss die Kunst? Wer spricht für wen? Wer versteht wen? Und was ist das überhaupt, ein Kunstwerk? Wie Flipperkugeln prallen in Thomas Melles Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin die unterschiedlichen Haltungen aufeinander. Verstörend, komisch, funkensprühend. Und inmitten der Akteure Fratzer, Orlando und Präzisa steht die Wehr: im Besitz von Eindeutigkeit und Wahrheit und willens, beides auch durchzusetzen. "Ode" zeichnet das dystopische Bild einer hochnervösen, erregten Gesellschaft, die ihr Außer-Sich-Sein auf Dauer gestellt hat.

Regie: Lilja Rupprecht
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Christina Schmidt
Musik: Philipp Rohmer
Video: Moritz Grewenig
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

4.48 Psychose

von Sarah Kane

Premiere: 17. Januar 2020

um 4 Uhr 48
der Glücksmoment
wenn die Klarheit vorbeischaut
warme Dunkelheit
die mir die Augen tränkt

"Wem ich nie begegnete, das bin ich", schreibt Sarah Kane in ihrem fünften und letzten Stück, diesem finalen Blick auf das Leben als Ganzes. Sie komponiert ein gleichermaßen assoziatives wie dissoziatives Poem – ein feinfühliges Geflecht aus Stimmen, Gedanken, Zahlen und Dialogen. Es ist ein wütender Zustand zwischen Bei-Sich- und Außer-Sich-Sein, zwischen Norm und Krankheit, Form und Freiheit, Licht und Schmerz. Der Titel verweist dabei auf jene Uhrzeit, in der beide Pole ineinander fallen. In seiner ersten Arbeit für das Deutsche Theater Berlin begibt sich Regisseur Ulrich Rasche mit diesem schonungslos offenen Text in die Grenzregionen von Psyche und Physis und geht in ihrem Zusammenspiel dem Wunsch des Menschen nach, sein komplettes Ich und "echtes Selbst zu berühren".

Regie / Bühne: Ulrich Rasche
Komposition und Musikalische Leitung: Nico van Wersch
Chorleitung: Toni Jessen
Co-Bühne: Franz Dittrich
Kostüme: Clemens Leander
Video: Florian Seufert
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: David Heiligers

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Theater

Hasta la Westler, Baby!

Ein deutsches Theater mit Musik von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner

Uraufführung: 24. Januar 2020

"Zonen-Gaby im Glück" titelte die Titanic im November 1989. Das Foto einer lächelnden jungen Frau, in der Hand eine geschälte Gurke ("Meine erste Banane"), entstellte die Arroganz des westdeutschen Blicks auf den Osten zur Kenntlichkeit. Die eigentliche Pointe des Bildes aber kam erst später zum Tragen. Denn die dauergewellte Jeanshemdträgerin stammte weder aus Borna, Potsdam oder Görlitz, sondern aus dem rheinhessischen Worms. Noch nicht einmal für dessen Verachtung, so könnte man die Hellsichtigkeit des Titanic-Titelbilds beschreiben, wollte der Westen dem Osten zu nahe kommen. Mehr als 30 Jahre später stellen Tom Kühnel und Jürgen Kuttner die Geschichte der deutsch-deutschen Wiederbegegnung vom Kopf auf die Füße: offensiv, laut, komisch und ungerecht. Und mit viel Musik.

Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Daniela Selig
Musik: Matthias Trippner
Video: Bert Zander
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater

nach dem Roman Die Wand von Marlen Haushofer

Premiere: 31. Januar 2020

"Ich kann mir erlauben, die Wahrheit zu schreiben; alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot."

Die Katastrophe kommt, weil wir sie träumen. Und wir träumen sie, weil wir sie fürchten und uns nach ihr sehnen. Wenn die Katastrophe eintritt, hören die peinigenden Phantasien auf. "Dass man weder empfinden noch denken darf, sondern handeln muss, ist die beste Therapie, wenn der Mensch an den Produkten des eigenen Vorstellungsvermögens irre wird." (Wolfgang Pohrt)

Regie / Bühne: Clemens Maria Schönborn
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Bernd Isele

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Theater

Die Pest

nach dem Roman von Albert Camus

„Rieux wusste, dass der Pestbazillus nie stirbt und nie verschwindet, und dass vielleicht der Tag kommen würde, an dem die Pest ihre Ratten wecken und zum Sterben in eine glückliche Stadt schicken würde.“

In der algerischen Küstenstadt Oran bricht eine seltsame Seuche aus. Doktor Bernard Rieux ahnt, was alle anderen für unmöglich halten: Es ist die Pest. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, die Stadt hermetisch abgeriegelt, alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Bald fordert die Krankheit mehr und mehr Opfer, gigantische Krankenstationen entstehen, später Massengräber. Der Arzt weiß, dass sein Kampf gegen die Seuche aussichtslos ist. Der Bazillus bleibt unbesiegbar, auch wenn die Pest Oran nach neun Monaten so unvermittelt wieder verlässt, wie sie gekommen ist. Albert Camus’ weltberühmter Roman fragt nach der Möglichkeit menschlichen Handelns im Angesicht der Katastrophe. Während des Zweiten Weltkriegs geschrieben, gilt er als Bild für den Kampf der Résistance gegen die Besetzung Frankreichs ebenso wie als zeitlose Auseinandersetzung mit dem metaphysischen Problem des Bösen. Die Inszenierung des ungarischen Regisseurs András Dömötör fokussiert die Pest als Allegorie des Faschismus, der - für eine Zeitlang verschwunden geglaubt - wieder erwacht und seine "Ratten zum Sterben in die Städte schickt".

Regie: András Dömötör
Bühne und Kostüme: Sigi Colpe
Musik: László Bakk-Dávid
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Claus Caesar, Meike Schmitz

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Theater

Hekabe - Im Herzen der Finsternis

nach Homer und Euripides

Woher kommt der Hass? Wie sucht er sich seine Opfer, was für Helden produziert er? Und wie tief ist er verwurzelt? Für eine kleine Archäologie des Hasses zielt die Inszenierung von Stephan Kimmig mit Euripides‘ Drama Hekabe ins Herz der Finsternis. Hekabe, Königin von Troja, ist die Übermutter der Antike, Inkarnation von Leid, Verlust und Klage, Mutter von fünfzig Söhnen und Töchtern, die alle dem trojanischen Krieg zum Opfer fallen. Doch anstelle von Empathie weckt sie bei den Gewinnern des Krieges nur Hass, vor allem bei Odysseus, dem listenreichen Strategen der Zerstörung. Unter allen Beutefrauen der besiegten Stadt ist die greise Königin diejenige, die er sich als Trophäe erwählt, um sie auf seiner Heimreise bis zur Entmenschung zu demütigen. Diese Erniedrigung der Hekabe über jede Vernunft und Rationalität hinaus beschreibt Euripides in seiner Tragödie, während Homer seinem Protagonisten Odysseus in der Ilias und Odyssee ein Heldenlied singt. In einer Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven entsteht ein neues und zugleich archaisches Bild des Kriegs der Kulturen, der Geschlechter, der Mütter und Söhne, Männer und Frauen.

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Michael Verhovec
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: John von Düffel

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Theater

Don Quijote

von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes

Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte

Nach der Lektüre unzähliger Ritterromane ernennt sich ein verarmter Junker selbst zu Don Quijote von La Mancha und überträgt sich die ehrenvolle Aufgabe, seine Mitmenschen gegen das Böse zu verteidigen und ein neues goldenes Zeitalter aufleben zu lassen. Er findet im nur scheinbar naiven Sancho Panza einen treuen Knappen und begibt sich mit ihm auf die Reise, um ein einfaches Bauernmädchen alias Dulcinea von Toboso zu beeindrucken. Ihre Heldentaten enden meist in brutalen Niederlagen, weshalb Don Quijote alsbald den Beinamen Der Ritter von der traurigen Gestalt erhält. Und auch mit Sancho Panzas Traum, der sich als zukünftiger Herrscher eines Eilands sieht, will es nicht so recht was werden. Doch ihre Vorstellungskraft bleibt unbesiegt: Sie scheitern, stehen wieder auf und kämpfen weiter gegen Windmühlen.

Miguel de Cervantes sitzt nach einem bewegten Leben im Gefängnis, als er beginnt, den ersten Teil eines Romans zu schreiben, der 1605 den Anbruch der literarischen Moderne bedeutet. Es ist ein Anschreiben gegen die Fesseln der Realität, denn mit Don Quijote erfindet er einen maßlos kreativen Phantasten, der aber erst durch seinen viel pragmatischeren Spielgefährten Sancho Panza überhaupt Identität erlangt. Sie erschaffen sich mittels ihrer Gedanken eine eigene Wirklichkeit, sind sich selbst die Welt und können nicht mit, aber auch nicht ohne einander. In kürzester Zeit werden die beiden berühmt, was sie im zehn Jahre später erschienenen zweiten Teil gleich selbst thematisieren. Bis heute hat das wahnwitzige Paar Ikonenstatus und schultert in dieser Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte seine (imaginierten) Abenteuer ganz alleine.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie David Heiligers

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Theater

Wolken.Heim.

von Elfriede Jelinek

"Wir aber sind zuhaus, wo wir hinwandeln
zwischen Himmel und Erd
und unter den Völkern das erste."

"Wir sind hier. Uns gehören wir. Wir sind hier bei uns." Das meiststrapazierte Wort in Elfriede Jelineks Wolken.Heim. ist "wir": "Wir aber wir aber wir aber wir…". Der Text entstand im Jahr 1988, wenige Monate, bevor der Taumel der Wendejahre die Deutschen zum kollektiven Subjekt einer Wir-Erzählung werden ließ. In einem sich drehenden Wirbel aus Sprache entwirft das Stück eine Wir-Beschwörung als manische Suche nach Selbstverortung. Was ist das Deutsche, was die deutsche Nation, wer sind "wir"? Ein Ort zwischen Wolken und Heim, zwischen Luftschloss und Gruft. Land des Idealismus, Land des Faschismus: dazwischen Deutschland, im Nirgendwo, auf der nicht endenden Suche nach einer Identität, die nur im Ausschluss des jeweils Fremden zu sich findet. "Wir sind hier. Dort sind die andern. Aber wir nicht, wir nicht!" Elfriede Jelineks hochartifizieller Prosatext ist ein Zitatengeflecht: Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und die Briefe der RAF werden – teils sinnentstellt und sinnverkehrt – zu Kronzeugen des deutschen Nationalismus. Die Worte der Dichter und Denker und die Reden der Täter und Mörder fließen in eins, in diesem Spracharchiv der deutschen Seele. Das Ensemble um den Regisseur Martin Laberenz, der am Deutschen Theater bereits Elfriede Jelineks WUT inszeniert hat, begibt sich 30 Jahre nach dem Mauerfall und nach der Entstehung dieses Textes auf die Suche nach den Phantasmen des deutschen "Wir".

Regie: Martin Laberenz
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Aino Laberenz
Musik: Polina Lapkovskaja
Dramaturgie: Bernd Isele

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Theater

Glaube Liebe Hoffnung

von Ödön von Horváth

Voller Hoffnung versucht die junge Elisabeth in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Rezession ihr Glück zu machen. Um ans nötige Geld für den Gewerbeschein als Vertreterin zu kommen, plant sie, ihren Leichnam im Anatomischen Institut schon zu Lebzeiten zu verkaufen. Ein Präparator gibt ihr Kredit, zeigt Elisabeth jedoch später an, als er erfährt, dass die Leihgabe zur Bezahlung einer Vorstrafe draufging: wegen Handels ohne Gewerbeschein. Elisabeth kommt ins Gefängnis, ein Aufenthalt, der ihre Liebesbeziehung zu einem Polizisten scheitern lässt. Wieder allein, ohne Arbeit und Geld, geht sie ins Wasser. – Jürgen Kruse begibt sich mit seinem Ensemble hinein in den „gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft, dieses ewige Schlachten, bei dem es zu keinem Frieden kommen soll – höchstens, dass mal ein Individuum für einige Momente die Illusion des Waffenstillstandes genießt“ (Ödön von Horváth).

Regie: Jürgen Kruse
Bühne: Bernd Damowsky
Kostüme: Sophie Leypold
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie Juliane Koepp

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Theater

Franziska Linkerhand

nach dem Roman von Brigitte Reimann

Die kühne, couragierte und kantige Franziska Linkerhand ist eine talentierte und idealistische junge Architektin, als sie sich Anfang der 1960er-Jahre entschließt, ihre vorgezeichneten Lebenspläne über den Haufen zu werfen. Geschieden und unabhängig zieht sie ins provinzielle Neustadt (ein Synonym für Hoyerswerda und die Arbeitersiedlung des Kombinats Schwarze Pumpe), wo sie den Menschen Häuser bauen will, die Würde und Freiheit ausstrahlen. Und sie macht den schwierigen und gebundenen Ben, der ihrem Bruder Wilhelm so ähnelt, zu ihrem Geliebten. Doch sie trifft mit ihren visionären Bauvorhaben auf ein starres System und bei ihrer Liebesutopie Ben auf keinen Widerhall: ihre Wunschvorstellungen scheitern an einer desillusionierenden Realität. Trotzdem bleibt Franziska anarchisch und selbstbehauptend – und ihre Träume leben fort.

Als Brigitte Reimanns letztes, unvollendetes Werk 1974 postum in der DDR erschien, brach es mit so vielen Tabus, dass seine Heldin dort zur Identifikationsfigur für eine ganze (Frauen-) Generation wurde. Anfangs als Entwicklungsroman eines Mädchens aus bürgerlichem Hause konzipiert, schrieb Reimann zehn Jahre eine kritische Auseinandersetzung mit der sozialistischen Gesellschaft, die sich eng verknüpft mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Vom Ministerium für Kultur als "produktive Provokation" beäugt, ist die Erzählung zu einem Stück Osthistorie geworden: 30 Jahre nach der Maueröffnung höchste Zeit, diesen großen Entwurf (neu) zu entdecken.

Regie: Daniela Löffner
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Carolin Schogs
Licht: Cornelia Gloth
Musik: Matthias Erhard
Dramaturgie David Heiligers

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Kinderprogramm

Der kleine König Dezember

Ein Familienstück von Axel Hacke

Für alle ab 6 Jahren

Ein mittelalter Melancholiker, von Beruf Insbürogeher, bekommt Besuch vom kleinen König Dezember II. Klein ist der König, sehr klein, und im Reich des Monarchen gelten besondere Regeln: Je älter man wird, desto weniger weiß man, und je weniger man weiß, desto mehr hat man zu sagen. Gemeinsam erkunden die beiden das Zimmer des Königs voller Traumschachteln, beschreiten alltägliche Wege und schauen in die Sterne. Überall werden zuvor nie entdeckte Dinge sichtbar. Aber ist der kleine König wirklich da? Oder ist er nur ausgedacht? Ist nur wirklich, was man sehen kann? Und wer träumt hier eigentlich wen? Die wundersame Begegnung in der Geschichte von Axel Hacke stellt die Frage nach Phantasie und Wirklichkeit, Vorstellungskraft und eigenem Erleben.

Regie: Anne Bader
Bühne: Olaf Grambow
Kostüme: Luisa Wandschneider
Musik: Matthias Schubert
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie: Maura Meyer

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Theater

Regime der Liebe

Komödie über Arrangements in Liebesbeziehungen
von Tanja Šljivar

(REŽIM LJUBAVI: Komedija o aranžmanima ljubavnih odnosa)
Aus dem Serbokroatischen von Mascha Dabić

Sie schluchzen. Sie plärren. Sie weinen. Sie klagen. Sie jammern. Sie heulen. Sie seufzen. Sie keuchen. Und stöhnen.

Das Stück wird zu einer postapokalyptischen Zeit erzählt. Zwei Probanden und ein letzter Mensch probieren sich an emotionaler Gewalt. Sechs Liebesarrangements im Verhältnis. Keine Stimme der Vernunft, aber ein Regime der Liebe, das seine Macht zurückgewinnt, indem es einen Kampf choreographiert. Alle Akteure zelebrieren die neue Liebe. Ohne Gesellschaft.

Regie und Musik: Nazanin Noori
Ausstattung: Carla Satoca Berges, Vanessa Vadineanu
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie David Heiligers

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Liederabend

Das Hexenlied

Ein Balladenabend von und mit Bernd Stempel

Mit Ukulele, Harmonika und Gitarre empfängt Bernd Stempel zu seinem Abend Das Hexenlied, um darin einer Erzähl- und Liedtradition nachzuspüren, die viele eher an rote Rosen oder öden Deutschunterricht denken lässt: der Ballade. Dass diese aber nichts an Aktualität eingebüßt hat und nicht nur für das Theater, sondern auch für die Bar geschaffen ist, zeigt Bernd Stempel, der seit 1989 im Ensemble des DT ist und 2018 sein 40. Bühnenjubiläum feiert. Zwischen Bühne und Tresen plaudert, musiziert, singt und spielt er sich quer durch bewegende Anekdoten, packende Oden, überraschende Liebesgedichte und unglaubliche Legenden. Das Hexenlied – eine Hommage auf die Kunst des Geschichtenerzählens und eine Einladung, sich darauf einen eigenen Reim zu machen.

Künstlerische Mitarbeit: Anna Berndt
Musikalische Einstudierung: Ingo Schröder
Ausstattung: Ulrich Belaschk
Licht: Maria Schreiber
Dramaturgie: David Heiligers

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Theater

Philoktet

von Heiner Müller

Zehn Jahre war er ausgesetzt auf einer Insel, verstoßen von seinen Gefährten wegen einer stinkenden Wunde: Philoktet ist der vielleicht unheldenhafteste aller griechischen Helden, ein Vergessener und Aussätziger. Odysseus, der ihn vom Kampf gegen Troja ausgeschlossen hat, soll ihn jetzt nach zehn Jahren Krieg zurückholen. Denn nur dann können die Griechen den Krieg gewinnen.

Mit Heiner Müllers radikaler Neudichtung des Mythos verhandelt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani die Frage nach Zugehörigkeit: Den Aus- und Einschluss in eine Gesellschaft, die Anderes zerstören will und sich selbst zerstört, indem sie nur das Funktionieren duldet.

Regie: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Lea Søvsø
Musik: Bamdad Afshar
Video: Phillip Hohenwarter
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie Sima Djabar Zadegan, John von Düffel

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Theater

Der Hals der Giraffe

nach dem Roman von Judith Schalansky

Einen Systemwechsel hat sie überstanden, den Mann an die Straußenzucht verloren und die Tochter an ein Leben in den USA. Inge Lohmark, Sport- und Biologielehrerin seit 30 Jahren, weiß, dass man sich an veränderte Umstände anzupassen hat. Und nur die Stärksten überleben. Doch nun will die sterbende Kleinstadt in Vorpommern, in der sie unterrichtet, ihre Schule schließen, ihre Unterrichtsmethoden geraten in die Kritik – und sie, völlig unerwartet, verliebt sich in eine ihrer Schülerinnen. Lohmarks geordnetes Weltbild, ihr Biologismus, bekommt ernsthafte Risse.

Judith Schalansky erzählt von einer Zeit des Übergangs: das Alte gibt es nicht mehr, das Neue bleibt fremd. Sie schreibt über Menschen, die zu retten versuchen, was nicht zu retten ist, und über die Nachwendejahre zwischen Verknöcherung und Aufbruch.

Regie: Philipp Arnold
Bühne: Viktor Reim
Kostüme: Julia Dietrich
Musik: David Hirst
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Ausweitung der Kampfzone

nach dem Roman von Michel Houellebecq

Ein namenloser IT-Spezialist, Angestellter eines Pariser Softwareunternehmens, unternimmt eine Dienstreise in die Provinz. Präzise und bestechend rational beschreibt er die Stationen seiner Vereinsamung, "das fortschreitende Verlöschen aller menschlichen Beziehungen", seinen Ekel, seinen Selbsthass – auch die Geilheit und Verzweiflung, mit der sein sexuell frustrierter Reisebegleiter und Arbeitskollege Tisserand auf die Welt und den weiblichen Körper blickt. Am Weihnachtsabend eskaliert die Situation. Nach dem Besuch einer Diskothek folgen die beiden einem jungen Liebespaar in die Dünen…

"Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen", schreibt Houellebecq in seinem Romandebüt. Ausweitung der Kampfzone wurde in Windeseile zum Kultbuch, rückhaltlos gelobt und wütend bekämpft, zunächst in Frankreich, seit 1999 auch in Deutschland. Heute gilt der Roman als Pioniertat. Sein Titel ist zum Sprichwort geworden, die Kampfzonen zum Synonym für die Seelenlandschaften unserer Gesellschaft.

Regie: Ivan Panteleev
Bühne: Michael Graessner
Kostüme: Daniela Selig
Dramturgie: Bernd Isele

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Theater

Am Boden

von George Brant

In einer Übersetzung von Henning Bochert

Eine F16-Kampfpilotin, selbstbestimmt und unabhängig, wird schwanger, ungeplant. Von nun an tauscht sie das Blau des Himmels gegen das Grau der Monitore, denn sie fliegt eine Drohne – ferngesteuert aus einem klimatisierten Anhänger in der Wüste. Nicht in der Luft, sondern am Boden, folgt sie den Befehlen aus dem Kopfhörer, jene abzuschießen, die andere für schuldig erklären. George Brants Monolog erzählt vom Verschwimmen von Grenzen, fragt nach Verantwortlichkeit, nach den Konsequenzen der modernen Kriegsführung und danach, wer das Urteil über die Schuldigen spricht.

Regie: Anna Berndt
Bühne: Carla Satoca Berges
Kostüme: Linda Spörl
Musik: Matze Pröllochs
Dramaturgie: Franziska Trinkaus

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Theater

Lear

von William Shakespeare
und: "Die Politiker" von Wolfram Lotz (Uraufführung)

Ein König, ein Reich, drei Töchter: Was also läge näher, als auch das Erbe auf drei Schultern zu verteilen? Bekanntermaßen scheitert Lears Vorhaben, weil sich Cordelia, seine Jüngste, nicht so benimmt wie erwartet und ihrem Vater den gewünschten Liebesbeweis vorenthält. Sie wird enterbt. Doch ist das für uns, die wir zeitliche Wesen sind, überhaupt möglich: nicht zu erben, nicht in Sprachen, Geschichten, Traditionen und Weltzustände hineingestellt zu sein? Inwieweit lässt sich ein Erbe ausschlagen, inwiefern wählen? Und umgekehrt, was ist es, das wir weitergeben? Kann man geben, was man nicht hat? Woraus wird Morgen gemacht sein (Victor Hugo)?

Zusammen mit dem Ensemble geht Sebastian Hartmann den Spuren des Erbes, der Gabe und des Künftigen in Shakespeares Königsdrama nach. Und sorgt im Zuge dieser Spurensuche für eine höchst überraschende Begegnung: Lear trifft auf den jüngsten Theatertext von Wolfram Lotz, das leichtfüßige, raffinierte, hoch rhythmisierte Sprechstück Die Politiker, einen gedankenschnellen Wortstrom, dessen Kaskaden Kindheitssplitter, Kanister und "klägliche Signale in der Finsternis" umspülen und das als Teil der Inszenierung im Deutschen Theater uraufgeführt wird.

Regie / Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

ugly duckling

von Bastian Kraft nach Hans Christian Andersen

"Ich träumte nie von soviel Glück, als ich noch das hässliche kleine Entlein war."

In den Märchen von Hans Christian Andersen stößt man immer wieder auf Transformationen: Die kleine Meerjungfrau verwandelt sich in einen Menschen, das hässliche Entlein in einen stolzen Schwan. Dass es sich bei diesen Verwandlungen auch um ein maskiertes Spiel mit Geschlechtlichkeit und Sexualität handelt, ist Ausgangspunkt für ein Projekt, das Andersens Märchen den Biografien von Berliner Dragqueens gegenüberstellt. Diese Protagonist_innen des urbanen Nachtlebens machen das Spiel mit Geschlechterrollen zum befreienden Spektakel. Dabei bewegen sie sich an der schillernden Grenze zwischen schamloser Selbstdarstellung und subkulturellem Sendungsbewusstsein. Die Transformation mittels Schminke und Perücken nämlich produziert nicht nur ein neues Ich, sondern damit auch ein neues Selbstbewusstsein. Die so erschaffene Kunstfigur ist der stolze Schwan, in dessen Gestalt sich das hässliche Entlein der Welt stellen kann.

Regie: Bastian Kraft
Bühne / Video: Peter Baur
Kostüme: Jelena Miletić
Musik: Romain Frequency
Dramaturgie: Ulrich Beck

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Theater

Kommt ein Pferd in die Bar

von David Grossman

Dov Grinstein ist Stand-up-Comedian, Krakeeler, Alleinunterhalter und Publikumshure. In einem Saal im öden Industriegebiet von Netanja, einer Stadt zwischen Haifa und Tel Aviv, tritt er zu seiner – letzten – Vorstellung an. Er reizt sein Publikum, spricht es direkt an, wird offen beleidigend, entschuldigt sich tränenreich. Er reißt Possen, erzählt faule und geistreiche, vulgäre und unschuldige Witze. Die Shoah und ihre Opfer werden von seinem tabulosen Humor ebenso wenig verschont wie Israels Politik in den Palästinensergebieten. Dov kämpft fast zwei Stunden mit Furor um die Aufmerksamkeit der Leute, niemand darf verloren gehen. Denn er hat mehr zu bieten als eine gelungene Show: Er muss von seinem "persönlichen Tschernobyl" berichten, von dem Trauma, der Schuld, die sein Leben vergiftet hat.
David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2017 den Man Booker International Prize für seinen Roman Kommt ein Pferd in die Bar.

Regie und Bühne: Dušan David Pařízek
Kostüme: Kamila Polívková
Dramaturgie: Eva-Maria Voigtländer

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Theater

Black Maria

von René Pollesch

F: Wenn ich dazu mal etwas sagen dürfte... Eine Sache, auf die ich mich immer verlassen kann, ist, dass ich mich schäme. Darauf kann ich mich immer verlassen. Ja, und das war's auch schon.

B: Was soll das denn heißen? "Juristischer fotografischer Realismus"?

K: Im Gegensatz dazu, wie 'Sichtbarkeit' gerade diskutiert wird, müsste es vielmehr darum gehen, dass Frauen genauso unsichtbar sind wie weiße Männer. Dass überhaupt alles Markierte undeutlich sein kann. Um eine optische Politik müsste es gehen, die das alles in das Dunkle zieht, raus aus der Erhellung, in die Nicht-Transparenz. Auf einer besseren Darstellung der Welt müsste man beharren, die sich nicht in der Suche nach Repräsentation erschöpft. In einem Regime der Überdeutlichkeit, der Erhellung, des Realismus also, ist der weiße Mann ja unsichtbar. Es gibt einen Blick, der bestrebt ist, zu repräsentieren, und zugleich der Repräsentation zu entgehen, und der will auch die vollkommen transparente Vermittlung der Welt. Aber gegen die Gefräßigkeit des Auges ginge es ja gerade darum, 'nicht sichtbar' zu sein.

A: Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit sind nie symmetrisch. Das Privileg liegt eindeutig bei der Unsichtbarkeit. Man müsste so unsichtbar sein wie die weißen Typen. Und wenn Sichtbarkeit was wert wäre, wäre ich wirklich dabei. Aber es geht eher darum: unsichtbar sein wie weiße Typen. Ja, und natürlich versteh ich auch, dass 'Sichtbarkeit' sein muss, dass eine Haltung zugunsten des Sichtbarmachens in kritischer Absicht erfolgen muss, um für Gleichheit einzutreten, aber die dem ganzen zu Grunde liegende Asymmetrie bleibt leider bestehen.

B: Beim Film lässt sich beobachten, dass die meisten, die über ihn nachdenken entweder an die Bewegung glauben und das Bild übergehen, oder am Bild festhalten und die Bewegung übergehen. Sie berücksichtigen dann nicht den Film, der zum Beispiel, wie etwa beim Kinematographen 50 Prozent dessen, was beim Schauen vor den Augen liegt, im Unsichtbaren belässt. Und darum müsste es vielleicht gehen... Ich würde mich gerne im Unsichtbaren lassen. Wie etwa jemand, der versucht illegal eine Grenze zu passieren. Wie jemand, der nicht gesehen werden will, weil es eine Herrschaft der Transparenz gibt, der Beleuchtung, des Erhellens. Die vor allem die betreiben, die nicht gesehen werden. Ich werde gesehen, und will unsichtbar bleiben. Repräsentation ist ja das, was seine eigene Grenze definiert. Und Figuren der Flucht, versuchen das Ziehen einer Grenze zu unterlaufen. Repräsentation versucht immer die Grenzen zu sichern. Das ist genau, was es bedeutet.

Black Maria. So nannte man das 1893 gebaute erste Filmstudio der Welt. Das Schwarz der Dachpappe, aus der es gebaut war, und seine Enge erinnerte an die schwarz lackierten Gefangenentransporter, lahme Pferdekutschen, die man "Black Maria" nannte nach dem damals berühmtesten Rennpferd. Das Haus stand auf Rollen, denn sein Dach, das man öffnen und schließen konnte, folgte der Sonne.

Regie: René Pollesch
Bühne und Kostüme: Nina von Mechow
Video: Ute Schall
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Lenz

von Georg Büchner

"Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nicht's am Weg, bald auf- bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte."

1778. Der junge Dichter Jakob Lenz wandert durchs Gebirge, auf dem Weg zum Pfarrer Oberlin, der ihn in sein Haus aufnehmen wird. Dort will Lenz zur Ruhe kommen, will nicht mehr dran denken, woher er kommt und wohin er zu gehen beabsichtigt. Doch Briefe von seinem despotischen Vater, Wiederbegegnungen mit Menschen, die ihn von früher kennen und die Abwesenheit des Pfarrers, der auf eine Reise muss, führen zu einem sich zusehends verschlechterten Geisteszustand.

Beklemmend intensiv beschreibt Georg Büchner die Verlorenheit und Einsamkeit eines entwurzelten Menschen und stützt sich dabei auf Quellen von Zeitgenossen des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz, der 1792 nach Jahren der Verelendung tot auf einer Straße in Moskau aufgefunden wurde, und der als einer der bedeutendsten Vertreter des 'Sturm und Drang' gilt.

Regie: Lilja Rupprecht
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Pauline Hüners
Musik: Romain Grandveaud
Video: Moritz Grewenig
Dramaturgie: Anika Steinhoff

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Theater

Verirrten sich im Wald

nach Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm

Hänsel und Gretel ist eines der bekanntesten deutschen Märchen. Zwei Geschwister werden von ihren Eltern verstoßen. Ausgesetzt in einem finsteren, bitterkalten Wald entdecken sie ein Haus. Doch was von außen verlockend erscheint, birgt eine dunkle Innenwelt. Die Kinder geraten in die Fänge einer menschenfressenden Hexe und können nur entkommen, indem Gretel die alte Frau tötet. Beladen mit Edelsteinen kehren sie zurück zum Vater und märchenhaft kann gesagt werden: Ende gut, alles gut.

Du glaubst, das Märchen zu kennen, oder? Doch was, wenn es ganz anders passiert wäre?

Verirrten sich im Wald lädt das Publikum ein, einen neuen Blick auf die Geschichte zu werfen. Dabei verbindet sich die bildmächtige Inszenierung von Robert Lehniger mit der Augmented und Virtual Reality (VR) der CyberRäuber. Es irren verschiedene Versionen von Hänsel und Gretel durch den Wald – auf der Bühne und in der virtuellen Realität. Immer wieder tauchen die Geschwister auf und führen die Zuschauer_innen an die Grenzen zwischen Wirklichkeit und den dunklen Parallelwelten aus Märchen, Fantasy-Romanen und Netflix-Serien. Und die Hexe ist nicht die einzige Gefahr, die im Wald lauert.

Regie: Robert Lehniger
Virtuelle Realität (VR) CyberRäuber (Björn Lengers und Marcel Karnapke)
Bühne: Janja Valjarević
Kostüme: Linda Spörl
Musik: Miguel Murrieta Vásquez
Dramaturgie: Lasse Scheiba

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Theater

Der Menschenfeind

von Molière

Der Menschenfeind ist auf den ersten Blick eine aufreizend schlichte Komödie: Alceste, ein adliger Schriftsteller, liebt Célimène, doch die umworbene junge Witwe hält ihn hin. Ungeduldig begibt er sich in ihr Palais um von ihr ein klares Bekenntnis zu hören. Dort trifft er auf zahlreiche kleine und größere Heuchler, auf Freunde und Konkurrenten, auf ihm gewogene Frauen. Alceste ist allen bekannt: ein anstrengender Charakter, klug, witzig, wohlhabend und voller Hass auf die Gesellschaft, zu der er gehört wie sie zu ihm. Er schlägt um sich, verletzt mit Worten, predigt unbedingte Wahrheit, Kompromisslosigkeit und gerät dabei immer mehr ins Abseits. Weltflucht scheint der einzige gehbare Weg für den Menschenfeind.

"Molière züchtigte die Menschen, indem er sie in ihrer Wahrheit zeichnete", so Voltaire hundert Jahre nach Entstehung des Menschenfeind über seinen Landsmann. Und tatsächlich spießt Molière seine Figuren wie Insekten auf und offenbart sich dabei als Menschenkenner und Komödienschreiber zugleich. Irgendwo zwischen steilem Egoismus und zu Herzen gehender Verlorenheit siedelt er seine Figuren an und liefert sie dem Lachen des Publikums aus. Glühendste Empörung, Antipathie, Ablehnung kommen ins Wanken, das festgefügte Menschenbild bekommt Risse, Schwächen werden ertragbarer – bestenfalls auch die eigenen.

Vermutlich ist Der Menschenfeind Molières am meisten autobiographisch geprägtes Stück. Am Hof Ludwig des Vierzehnten, endgültig angekommen, klarsichtig und verführbar und einer um 21 Jahre jüngeren Frau erlegen, hat Molière den Menschenfeind in der Uraufführung selbst gespielt. Er wusste genau, dass nichts komischer ist als der Mensch im Strudel seiner Schwächen. Er durchschaute die Mechanismen des Hofes und dessen Macht-Hierarchie. Die Sitten und Regeln, die Masken und Selbstinszenierungen, die Rigidität, mit der ein konformes Verhalten gefordert und Nonkonformismus bestraft wurde – all das war dem Dichter bewusst. Auf der anderen Seite wusste er um den natürlichen Egoismus und die tiefliegende Bösartigkeit des Menschen und sah die Erfordernis eines gesellschaftlichen Vertrags. Doch wie sähe ein solcher optimalerweise aus? Wie lauteten die Regeln? Wieviel Ehrlichkeit, wieviel Diplomatie, wieviel Schein und wieviel Unbedingtheit vertrügen wir? Alceste gibt darauf eine Antwort, seine Lächerlichkeit eine andere – wo sich der Zuschauer positioniert – in seiner Zeit – ist wirklich interessant.

Regie: Anne Lenk
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Sibylle Wallum
Musik: Camill Jammal
Dramaturgie Sonja Anders

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Theater

Der Tempelherr

ein erbauungsstück von Ferdinand Schmalz

Das jüngste Stück von Ferdinand Schmalz beginnt mit der goldenen Aussicht auf eine kleine Heimat weit außerhalb der Stadt. Heiner hat ein Stück Land gekauft: für sich, seine schwangere Frau Petra und für das ungeborene Kind. Doch was als Sinn-Ganzes gedacht ist, als großer Zusammenhang, läuft bald aus dem Ruder. Fassungslos beobachtet seine Umgebung – die Dorfbewohner, sein Financier und Schwiegervater, seine Freunde, seine Ehefrau – wie der Bauherr nach wochenlanger Meditation eigenhändig und wie ein Irrer zu bauen beginnt. Doch was entsteht, ist kein "haus, / mit wänden, / türen, / fenstern, / keller, / speise-, / kinder-, / schlaf-, / und gästezimmer, / bad und klo, / brause im hause, / krüppelwalmdach, / terrasse, / carport". Statt dieser und ähnlicher Errungenschaften enthüllt Heiner einen strahlend weißen Tempel – "als hätt ein gott ihn / aus der akropolis herausgerissen". Bald wächst die Baustelle ins Unermessliche. "aus den ruinen des kontinents“ heraus erfindet der Tempelherr sich und sein Stück Land ganz neu. Alle anderen bleiben Zaungäste. Was ihnen verrückt erscheint, ist Heiner notwendig; was er sich erschafft, bleibt ihnen verschlossen. Der Tempelherr baut Fluchten, Säulengänge, labyrinthische Sinnsucher-Strukturen: eine Schöpfung, die alle Zeiten sprengt und aus dem Gestern ins Morgen hineinragt. Ein neues Haus, eine Stadt, ein Gegenentwurf zu allem Bestehenden, ein Mausoleum, das den Bauherrn am Ende verschluckt.

Regie: Philipp Arnold
Bühne: Viktor Reim
Kostüme: Julia Dietrich
Video: Sebastian Pircher
Dramaturgie: Bernd Isele, Juliane Koepp

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Theater

Die Umsiedlerin

von Heiner Müller

Ende der 1950er Jahre arbeitet Heiner Müller an einem Stück über Bodenreform und Kollektivierung in der Landwirtschaft der frühen DDR, ein Auftrag des Deutschen Theaters. Die Widersprüche, von denen er in einer eminent formbewussten Sprache erzählt, sind schwindelerregend, unversöhnt stehen die neue Zeit und das alte „Leben auf dem Lande“ nebeneinander. Müllers Blick auf die Protagonisten ist mitleidlos, seine Komik lässt keinen ungeschoren, und zugleich erscheinen am Horizont, nicht zuletzt über die Titelfigur, Umrisse eines neuen Menschen, einer anderen, solidarischen Art und Weise miteinander zu leben.

Die Uraufführung der „Umsiedlerin“ an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst 1961 wird zum größten Theaterskandal der DDR. Der Schriftstellerverband schließt Müller aus, Regisseur B.K. Tragelehn muss zur Bewährung in den Braunkohletagebau. Erst 1976 darf das Stück in der DDR wieder gespielt werden. Nun, fast 60 Jahre nach der Uraufführung, holen Tom Kühnel und Jürgen Kuttner „Die Umsiedlerin“ in die Kammerspiele des Deutschen Theaters und in eine Zeit, in der die Fragen, die Müllers Text stellt, unerhörter sind denn je.

Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Daniela Selig
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden

von Svealena Kutschke

Ein Wohnhaus in Berlin. Darin: ein alter Trinker, ein lesbisches Paar, ein Geflüchteter, eine depressive Frau und ihr Ex-Mann. Um den Alltag, das Neben- und Miteinander dieser Sechs entspinnen sich Fragen nach Gentrifizierung und Verdrängung, vor allem aber nach unserem Umgang mit Fremdem – mit Menschen, die uns nicht verständlich sind, sei es aufgrund von Kultur, Herkunft oder auch nur von Missverständnissen und verstellten Blicken.

"Svealena Kutschke zeichnet in zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden ein präzises Gesellschaftspanorama und lässt ihre Antiheld_innen so wortgewandt wie hochreflektiert zu Wort kommen: Ihre scheinbare Sprachmächtigkeit, die um die Hintergründe und Untiefen der eigenen Situation weiß, erzählt jedoch vor allem von der eigenen Ohnmacht." (Aus der Begründung der Jury)

Svealena Kutschke ist in Lübeck geboren und studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim. Sie hat drei Romane veröffentlicht, zuletzt Stadt aus Rauch (Eichborn, 2017). Für ihre literarische Arbeit erhielt sie verschiedene Auszeichnungen und Stipendien, unter anderem den Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin, das Berliner Senatsstipendium und Aufenthaltsstipendien in China, Polen und Kroatien; zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden ist ihr erstes Theaterstück.

Regie: András Dömötör
Bühne / Kostüme: Sigi Colpe
Musik: Tamás Matkó
Licht: Heiko Thomas
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Der Plan von der Abschaffung des Dunkels

nach dem Roman von Peter Høeg

„Sie wollten nichts wissen von dem Gedanken, dass einige Schüler unten im Dunkel waren.
Sie wollten überhaupt vom Dunkel nichts wissen, alles im Universum sollte hell und licht sein.
Mit dem Messer des Lichts wollten sie das Dunkel sauberschaben. Dieser Gedanke wirkt beinahe geisteskrank.“

Peter hat sieben Waisenhäuser und Schreckliches hinter sich, als er überraschend an Biehls renommierter Privatschule aufgenommen wird. Er gilt als normal begabt und funktioniert, dann bekommt er plötzlich ein Problem mit der Zeit und ahnt, dass etwas Großes und Erbarmungsloses hinter dem rigiden System der Schule steht. Mit Katharina, die ähnlichen Fragen auf der Spur ist, gründet er ein Zeit-Laboratorium, um zu untersuchen: Warum haben die Lehrer ihre eigenen Kinder von der Schule genommen? Warum werden Lautsprecher und eine Abhöranlage installiert? Warum wird so viel Wert auf absolute Pünktlichkeit gelegt? Und weshalb wird jemand wie der verhaltensgestörte August aufgenommen? Die drei bilden eine Ersatzfamilie und versuchen, dem geheimen Plan auf die Spur zu kommen, um die Katastrophe zu verhindern. Nichts wird gut. Aber sie entdecken, dass sie der Zeit nicht einfach ausgeliefert sind, sondern sie selbst erschaffen. Dass man die Zeit sogar berühren, festhalten und verändern kann. Und Peter wird klar, dass es jetzt nicht mehr möglich ist aufzugeben, nicht, wenn man etwas wie die Liebe gefunden hat: "Ist man ihr einmal begegnet, dann will man nicht mehr sinken. Dann sehnt man sich für immer nach der Oberfläche."

Regie: Nora Schlocker
Bühne: Jessica Rockstroh
Kostüme: Caroline Rössle Harper
Musik: Simon James Phillips
Dramaturgie: Birgit Lengers

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Theater

Fabian. Die Geschichte eines Moralisten

nach dem Roman von Erich Kästner

Berlin 1930. Das Leben ist geprägt von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. In Bordellen und illegalen Kneipen versucht man sich zu betäuben. Aber auch Flitter, Alkohol und Sex können den voranschreitenden Zerfall kaum mehr über decken. Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung schwankt die Metropole zwischen Exzess und Exitus. Auch Jakob Fabian – 32 Jahre alt, promovierter Germanist und zur Zeit Werbetexter in einer Zigarettenfabrik – taumelt durch dieses Treiben. Er erwartet nicht viel vom Leben, schon gar nicht, dass er selbst darauf irgendwie Einfluss nehmen könnte. Ganz anders als sein Freund Labude, der an die Veränderbarkeit der Verhältnisse durch das eigene Handeln glaubt. "Die Menschen anständig und vernünftig zu machen", sagt Fabian, das könnte ein Lebensziel sein, aber es ist hoffnungslos. Nur einmal, für einen kurzen Moment, blitzt die Möglichkeit eines anderen Lebens auf. Fabian verliebt sich in Cornelia und zum ersten Mal seit langem ist da etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Aber dann verliert er seine Arbeit und ein unaufhaltsamer, zuletzt tödlicher Absturz beginnt.

Nach seinen Adaptionen von Transit und Das Mädchen mit dem Fingerhut wird sich Alexander Riemenschneider mit Fabian nun einem der großen Berlin-Romane widmen.

Regie: Alexander Riemenschneider
Bühne / Kostüme: Johanna Pfau
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Meike Schmitz

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Theater

Hool

nach dem Roman von Philipp Winkler

"Ich stehe im Bad und betrachte mein Spiegelbild. Es wird von den Rissen im Glas verzerrt und ich muss mich drauf konzentrieren, die Teile wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammenzusetzen. Ich sehe mich an. Nicht das Mutantenspiegelbild, sondern das zusammengesetzte, echte Puzzle-Ich. "Gut gemacht", wiederhole ich und versuche, mir so in die Augen zu sehen, als ob hinter dem Spiegel eine echte Person stünde, die man loben müsste."

Der Blick in den Spiegel nach dem letzten Match offenbart ein angeschlagenes Leben, das endgültig auseinander zu fallen droht. Das Fundament war nie sonderlich stabil: Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlten ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus.

Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooliganszene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt. Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt.

Adrian Figueroa verlagert das Drama in einen klaustrophobischen Kopfraum und splittet die Hauptfigur auf: Vier erwachsene Spieler und vier Kinder erzählen, wie Heiko der wurde, der er ist. Wie der Tunnelblick einsetzt und die Wut zum Motor wird, um etwas festzuhalten, was längst verloren ist.

Regie: Adrian Figueroa
Ausstattung: Irina Schicketanz
Musik: Miguel Toro
Dramaturgie: Birgit Lengers

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Theater

Persona

von Ingmar Bergman

In der Übersetzung von Renate Bleibtreu

1965 lag der schwedische Regisseur Ingmar Bergman mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Im Krankenzimmer entwarf er das Drehbuch für seinen experimentellen Spielfilm Persona. Später sagte er, Teile des Films entsprächen einem "Gedicht über seine persönliche Situation". "Ausgebrannt, wie tot", habe er sich gefühlt, gedacht, er könne nie wieder etwas erschaffen. Im Drehbuch wird der Krankenschwester Alma die Pflege für die gefeierte Filmschauspielerin Elisabeth Vogler übertragen. Diese hatte nach einer Vorstellung von Elektra aufgehört zu sprechen. In einem Haus am Meer verbringen die zwei ungleichen Frauen einen vorerst unbeschwerten Sommer. Alma spricht. Elisabeth hört zu. Als Alma einen Brief findet, in dem sich Elisabeth über sie lustig macht, kippt die Situation. Tatsächlich geht es in Persona um mehr als nur Depression oder Erschöpfung. Vielmehr gründet der Kern des Stoffes auf einer tiefgehenden Skepsis an der Konstruktion der Identität des Menschen. Beide Frauen im Stück stellen diese Fragen gleichermaßen und verschmelzen darin miteinander. In Anna Bergmanns Inszenierung spiegelt sich dieser Gedanke auf besondere Art: Die zwei Darstellerinnen werden im Laufe der Koproduktion Malmö – Berlin die Rollen tauschen: spricht zuerst die eine, übernimmt die andere ihre Rolle, wenn Land und Theater gewechselt werden.

Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater

Regie: Anna Bergmann
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Lane Schäfer
Musik: Hannes Gwisdek
Licht: Sven Erik Andersson
Video: Sebastian Pircher
Dramaturgie: Sonja Anders, Felicia Ohly

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Theater

Die stillen Trabanten

von Clemens Meyer

Ein Imbissbudenverkäufer raucht heimlich mit seiner Nachbarin nach der Arbeit Zigaretten im Hausflur eines Plattenbaus. Ein Wachmann verliebt sich am Schutzzaun des Ausländerwohnheims in eine der Bewohnerinnen. Nach einem Einbruch in seine Wohnung kann ein Mann nicht zu Hause bleiben und steht plötzlich im Wohnzimmer einer alten Frau. Eine andere Frau verlässt ihren Mann, der Stunden, vielleicht Tage auf die Leuchtanzeige seines Funkweckers blickt. Ein passionierter Lokführer der Nachtschicht sieht zu spät einen lachenden Mann auf den Gleisen, und eine Putzfrau schließt in der Bahnhofskneipe Freundschaft mit einer Friseurin. Leise erzählt Clemens Meyer von nächtlichen Begegnungen am Rande der Großstadt, bei denen Erinnerungen und Sehnsüchte verschmelzen, traurig und hoffnungsvoll, unsentimental und voller Liebe zu den Figuren, die man zu kennen glaubt und über die man dennoch nichts weiß.

Der Leipziger Autor Clemens Meyer erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, darunter der Preis der Leipziger Buchmesse, und wurde für den Man Booker International Prize 2017 nominiert. Die Verfilmungen seines Romans Als wir träumten und seiner Erzählung In den Gängen liefen im Wettbewerb der Berlinale.

Regie: Armin Petras
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Patricia Talacko
Musik: Miles Perkin
Choreografie: Denis Kooné Kuhnert
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Drei Schwestern

nach Anton Tschechow

"Ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass es drei waren – drei Schwestern. Ihre Gesichter habe ich vergessen, ihre Stimmen, aber ich weiß ganz genau, dass ihr Vater, der General, drei Töchter hatte", sagt Oberst Werschinin bei seinem Besuch im Hause der drei Schwestern. Olga, Mascha und Irina leben nach dem Tod des Vaters vor sich hin, fernab von Moskau, in der Vergessenheit eines Provinzkaffs, in dem das stationierte Militär noch das Kultivierteste ist. Das Leben ist für sie und ihren Bruder Andrej zu einer Wiederholung geworden. Die Vergangenheit verfolgt sie und wird sie wie ein Alptraum immer weiter verfolgen. Denn Irinias Verehrer, der junge Offizier Nikolaj Tusenbach, den sie nach langem Drängen zu heiraten bereit war, hat sich erschossen, und die Erinnerung an ihn wird ihr immerzu nachgehen, so lange sie lebt. Doch Irina ist bei Weitem nicht die einzige, die sich wünscht, sie könnte ihr Leben noch einmal von vorne beginnen ...

Regie: Karin Henkel
Bühne / Kostüme: Nina von Mechow
Musik und Sounddesign: Arvild Baud
Licht / Video: Voxi Bärenklau
Dramaturgie: John von Düffel

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Theater

Jutta Wachowiak erzählt Jurassic Park

Ein Abend von Jutta Wachowiak, Eberhard Petschinka und Rafael Sanchez

"…und alle heben sich gleichzeitig empor / von ihren Stangen / und flattern hinauf in die Kuppel / als hätten sie das Loch dort oben im Eisengitter / erst jetzt gesehen…"

Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, geboren 1940, spielt die Wärterin in einem geheimnisvollen Park. Dinosaurier werden hier gezüchtet. Es soll ein Vergnügungspark werden. Sie nimmt heimlich einen kleinen Dino mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Die Geschichte des Parks, den man weder verlassen, noch unkontrolliert betreten darf, vermischt sich mit der Biografie Wachowiaks. Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Einst äußerst erfolgreich in Film und Theater der DDR und mehrfach ausgezeichnet, ist für die Schauspielerin nach der Öffnung des Parks nichts mehr so wie es war. Sie haben die Fenster aufgemacht. Die neue Freiheit ließ sich nicht genießen. Die Ignoranz gegenüber Fähigkeiten, Wissen, Ideen und Erlebtem und die Enttäuschung darüber führt sie zu einem Neuanfang nach Essen, zu Arbeiten mit jungen Regisseuren, und zurück nach Berlin an das Deutsche Theater in einen ehemaligen Vergnügungspark.

Regie: Rafael Sanchez
Bühne / Kostüme: Anne Ehrlich
Text und Musik: Eberhard Petschinka
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Hunger. Peer Gynt

nach Hamsun / Ibsen

Sebastian Hartmann ist der große Menschenerkunder unter den deutschsprachigen Theaterregisseuren der Gegenwart. Und ein Romantiker dazu, dessen Inszenierungen stets aufbrechen ins Offene: in die Richtung derjenigen Kräfte, Entäußerungen und Abgründe, die unsere Existenz prägen und unserer Ratio entgehen. Wie in einem Teilchenbeschleuniger lassen Hartmann und sein Ensemble in Hunger. Peer Gynt die beiden Texte Knut Hamsuns und Henrik Ibsens aufeinanderprallen. Auf dass in den Funken, die in diesen thematischen und sprachlichen Kollisionen entstehen, in den Energien und Facetten, die dabei freiwerden, die Konturen eines anderen Bildes, einer anderen Erzählung von uns und unserem Ort in der Welt wahrnehmbar werden.

Regie: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Bild / Installation / Video: Tilo Baumgärtel
Licht: Lothar Baumgarte
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

Let Them Eat Money. Welche Zukunft?!

von Andres Veiel in Zusammenarbeit mit Jutta Doberstein

Ein Stück Zukunft: Nach partizipativen Formaten, in denen Andres Veiel und Jutta Doberstein Wissenschaftler_innen und Bürger_innen zu Workshops zu den Themen Arbeit, Finanzen, Umwelt etc. zusammengebracht haben, entstand nun ein Theaterstück, das sich in der Zukunft mit Vergangenheit beschäftigt: In einem Untersuchungsausschuss wird im Jahr 2028 die Frage nach der Verantwortung für die Ereignisse der Jahre 2018 bis 2028 gestellt. Die EU befindet sich nach dem Austritt Italiens 2023 in einer der größten Krisen ihrer Geschichte. Anlass genug, gegenzusteuern und in der Rest-EU 2024 ein bedingungsloses Grundeinkommen ein zuführen. Doch ein ökonomischer Crash ist nicht mehr aufzuhalten. Ist die Ursache in einer zufälligen Verkettung bester Absichten zu finden? Andres Veiel geht es um die Konfrontation mit widersprüchlichen Entwürfen von Zukunft – abseits von Legislaturperioden oder Parteiinteressen. So werden utopische Momente genauso zur Diskussion gestellt wie dystopische. Welche Spuren verfolgen wir? Und welche hinter lassen wir?

Koproduktion mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Regie: Andres Veiel
Bühne: Julia Kaschlinski
Kostüm: Michaela Barth
Video: Daniel Hengst
Musik: Fabian Kalker
Dramaturgie: Ulrich Beck

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Theater

Tod eines Handlungsreisenden

von Arthur Miller

Deutsch von Volker Schlöndorff und Florian Hopf

„Ich werd's dir und allen anderen zeigen, dass Willy Loman nicht umsonst gestorben ist..."

Der Traum, Nummer Eins zu werden. Der Traum vom ganz großen Glück, Erfolg und Ruhm. Der Traum von Anerkennung. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens ist dieser Traum von Willy Loman nicht in Erfüllung gegangen. 36 Jahre reiste er als Handelsvertreter durch die Lande und nun ist er am Ende. Die Stammkunden sind verzogen oder verstorben, die jüngeren Kollegen arbeiten effizienter, die unzähligen Autofahrten sind eine Qual. Als ihn der neue, junge Chef feuert, gerät er in eine existenzielle Sinnkrise. Loman sieht nur einen Ausweg: Selbstmord, als Autounfall getarnt, damit seine Familie mit der Lebensversicherung weiterleben kann.
Tod eines Handlungsreisenden ist eine Gesellschaftstragödie und die Geschichte eines Identitätsverlustes: Loman wird zum Opfer des bedingungslosen amerikanischen Traums von Erfolg und finanziellem Wohlstand.

Kooperation mit der Universität der Künste Berlin

Regie: Bastian Kraft
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Inga Timm
Video: Stefan Bischoff
Musik: Björn SC Deigner
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Ulrich Beck

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Theater

Medea. Stimmen

von Christa Wolf

Fassung von Tilmann Köhler und Juliane Koepp

"Was reden sie. Ich, Medea, hätte meine Kinder umgebracht. Ich, Medea, hätte mich an dem ungetreuen Jason rächen wollen. Wer soll das glauben."

Verstoßen aus dem königlichen Palast, in dem sie mit ihrem Mann Jason und ihren Kindern Exil fand, erzählt Medea ihre Version ihrer Geschichte: Wie sie ihr Land verlassen musste, wie sie ein entsetzliches Verbrechen entdeckte und unbequeme Fragen stellte, und wie ein Netz aus Verleumdungen und Lügen sie aus dem Palast vertrieb.

Medea. Stimmen entstand als radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes. Erst seit Euripides, vorher nicht, ist sie die blutrünstige Furie, die ihre Kinder mordet. Christa Wolf fragt nach der Deutungshoheit über Historie – und danach, wessen Interesse es ist, die "wilde Frau" als Mörderin hinzustellen. Erstes Motiv aber sind für die Autorin die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer abendländischen Zivilisation: Kolonialismus, Fremdenhass, Ausgrenzung. Wenn am Schluss das Volk aufgehetzt und blind vor Hass gegen die Fremde ist, bleibt Medea nur zu fragen: "Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen könnte" – ein wütendes Fragen, ein Anrennen gegen Resignation, auf der Suche nach einem Neuanfang, nach neuen Werte-Hierarchien – nach der Zukunft.

Regie:Tilmann Köhler
Bühne: Karoly Risz
Kostüme: Susanne Uhl, Henrike Huppertsberg
Musik: Jörg-Martin Wagner
Puppenbau: Franziska Stiller; Karen Schulze, Andreas Müller
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Vater

von Dietrich Brüggemann

Ein junger Mann am Sterbebett seines Vaters. Der Vater ist auf der Schwelle – noch da und schon weg. Man kann noch mit ihm reden, vielleicht hört er es noch, aber er wird nicht mehr antworten. Der junge Mann schaut zurück auf sein eigenes Leben, schaut zugleich in seine eigene Zukunft.

Die westliche Kulturgeschichte arbeitet sich seit Anbeginn an der Figur des Vaters ab. Das verwandtschaftliche Verhältnis dient dabei als Projektionsfläche für mal stabilisierende, mal erdrückende Autorität. Doch spätestens seit der Durchsetzung vergeschlechtlichter Arbeitsteilung in der frühen Industriegesellschaft sind die viel beschäftigten Väter vor allem eins: abwesend – ob auf Arbeit, im Krieg oder auf hoher See.

Was aber bedeutet die drohende, sehr konkrete Abwesenheit im Moment des Sterbens für die Biografie der Nachkommen? Welche Fragen hätte man noch stellen wollen? Welche Antworten gehen mit dem Tod des Vaters für immer verloren? Und wie viele Geheimnisse nimmt der Mann, der einen großgezogen hat und der nun als Greis da im Bett liegt, eigentlich mit ins Grab?

Nach seinen filmischen Arbeiten, die mit schonungslosem Blick deutsche Zustände beschreiben und mit zahlreichen Preisen – darunter der Silberne Bär für Kreuzweg – prämiert wurden, arbeitet Dietrich Brüggemann mit Vater das erste Mal für das Theater.

Regie: Dietrich Brüggemann
Bühne / Kostüme: Janja Valjarević
Dramaturgie: Joshua Wicke

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Theater

It Can´t Happen Here

nach dem Roman von Sinclair Lewis

Der fast vergessene Politroman des Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis, It Can’t Happen Here, erlebt derzeit eine regelrechte Wiedergeburt. Geschrieben 1935 unter dem Eindruck der Machtergreifung Adolf Hitlers, erzählt Lewis die Geschichte des nicht für möglich gehaltenen Aufstiegs eines amerikanischen Polit-Outsiders und Populisten namens Buzz Windrip zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Windrip gewinnt die Wahl 1936 gegen Roosevelt und verwandelt die USA mit Unterstützung einer "Liga der Vergessenen Männer" binnen kürzester Zeit in eine Diktatur. Eines der ersten Opfer seiner Herrschaft ist neben der Unterwanderung der Justiz die Pressefreiheit, geschildert anhand des Zeitungsherausgebers Doremus Jessup, der unter den zunehmenden Repressalien zu leiden hat, zunächst auf dem Papier, dann körperlich…
Die verbreitete Meinung in den USA Mitte der dreißiger Jahre mit Blick auf die politischen Verhältnisse in Deutschland war: Das kann hier nicht passieren. Heute denken viele in Deutschland genau das mit Blick auf die USA.

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Julian Marbach
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Christoph Hart
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: John von Düffel

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Theater

Gift

von Lot Vekemans

Übersetzung: Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach

"Es ist verrückt, wie man anfängt zu hoffen, dass jemand stirbt. Aufgibt. Loslässt. Mach ruhig. Geh ruhig. Es ist gut. Wir schaffen es schon. Wir schaffen es schon ohne dich. Das war ein Irrtum."

Ein Friedhof. Zwei Menschen. Eine gemeinsame Vergangenheit, ein gemeinsamer Verlust und zehn Jahre Trennung, Schweigen. Aus Anlass einer Grabverlegung kommen "Sie" und "Er" wieder zusammen. Gift soll aus einer nahegelegenen Fabrik ausgetreten sein und die Umbettung der Toten notwendig machen. Unterdessen betrachten die Frau und der Mann ihr umgebettetes Leben, das eines Silvesterabends sang- und klanglos auseinanderging. Was ist aus ihr und ihm geworden? Was aus ihrer Trauer, ihrem Leben? Und wer hat sich was vorzuwerfen? Zwischen Abrechnung und Annäherung, Trost und Trauer, Zärtlichkeit und Härte oszillieren die Szenen dieser Wiederbegegnung: das Porträt eines Paares, dessen Schicksal schon vorbei zu sein scheint – und das dennoch noch einmal durch alles hindurchgehen muss, in der Hoffnung, in einem Leben nach ihrem Leben anzukommen.

Dagmar Manzel wurde 2014 für ihre Rolle "Sie" mit dem Deutschen Theaterpreis 'Der Faust' ausgezeichnet.

Gift von Lot Vekemans ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen.

Regie: Christian Schwochow
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Pauline Hüners
Dramaturgie: John von Düffel

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Theater

Solaris

nach dem Roman von Stanisław Lem

Deutsch von Irmtraud Zimmermann-Göllheim
Fassung von András Dömötör und Meike Schmitz

Seit seiner Entdeckung vor mehr als hundert Jahren steht der Planet Solaris im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Es scheint, als habe man tatsächlich außerirdisches Leben dort gefunden. Allerdings anders, als man sich das vorgestellt hatte: Auf der Solaris gibt es nur einen einzigen Bewohner, einen schleimigen Ozean, der den Planeten fast vollständig umgibt. Ganze Forschergenerationen haben versucht mit diesem Ozean in Kontakt zu treten. Bisher ohne Erfolg.

Auch der Psychologe Kris Kelvin hat sein Leben der Erforschung der Solaris gewidmet. Voll Tatendrang macht er sich auf den Weg zur Raumstation, um die Arbeit mit den dort stationierten Wissenschaftlern voranzutreiben. Aber was er vorfindet, ist nicht, was erwartet hatte.

Solaris, 1961 erschienen, zählt zu den Meisterwerken der Science-Fiction-Literatur. Stanisław Lem zeichnet darin das Bild einer zukünftigen Menschheit, die sich etwas vollkommen Unbekanntem und Unerklärlichem gegenübersieht. Mit all ihren Mitteln versucht sie, dieses Etwas zu begreifen. Es ist die Unfähigkeit die eigene Perspektive zu verlassen, die letztlich das Zustandekommen eines Kontakts verhindert. „Wir wollen gar nicht den Kosmos erobern, wir wollen nur die Erde bis an seine Grenzen erweitern. Menschen suchen wir, niemanden sonst“, heißt es. Lem stellt damit nicht nur die Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis, sondern verweist auch auf die Beschränktheit des Menschen, die ihm den offenen Blick auf sein Gegenüber verstellt. Auf der vermeintlichen Suche nach dem anderen, sucht und findet er doch immer nur sich selbst.

Regie: András Dömötör
Bühne / Kostüme: Sigi Colpe
Sound: Tamás Matkó
Video: Paul Fuhrmann
Licht: Peter Grahn
Ton: Martin Person
Dramaturgie: Meike Schmitz

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Theater

In Stanniolpapier

von Björn SC Deigner

nach einer Idee von Anna Berndt
in einer Fassung von Sebastian Hartmann

Eine verwahrloste Kindheit, der Vater ein Trinker, die Mutter abwesend, der Missbrauch durch den Freund der Familie, folgenlos, dann, irgendwann, die große Liebe mit Verbindungen ins Milieu, die nächtliche Arbeit auf der Straße, gewalttätige Freier: Es sind, beim ersten Lesen, fast klassische Stationen einer Prostituierten-Karriere, die Björn SC Deigner mit seinem Theatertext aufruft. Ein verfehltes Leben, so denkt man zunächst. Doch zugleich ist da der Ton, in dem Maria, die Protagonistin, teils erzählend, teils in szenischen Rückblenden, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen berichtet: kühl, mitleidlos gegenüber sich selbst, sehr präzise, vollkommen unsentimental und mit einem höchst lakonischen Witz. Hier ergreift eine Frauenfigur das Wort, die ihr Leben anders beschreibt als bürgerliche Konventionen es ihr zugestehen. Und dass sich hinter dem Ausgangsmaterial von Deigners Text die tatsächlichen Erfahrungen einer realen Frau verbergen, bewahrt ihn vor dem möglichen Vorwurf, Prostitution (aus männlicher Perspektive) zu romantisieren.

In Deigners Text kehrt Maria nicht ihr Innerstes nach außen, sondern es verhält sich gewissermaßen umgekehrt: Sie betrachtet sich selbst, aus großer Distanz. Mit seiner Inszenierung sucht Sebastian Hartmann nach genau diesem Verdrängten: nach dem, was hinter einer Oberfläche bebt, was unter einer Schädeldecke verborgen ist.

Den Bewusstseinsstrom in Marias Hirn freizulegen, erfahr- und sichtbar zu machen und dabei auch eine Täterperspektive nicht aus den Augen zu verlieren, daran arbeiten die Bilder und Situationen der Inszenierung. Im Verlauf der Probenarbeit hat sich nun die Gestalt des Textes in einer Weise gewandelt, bei der es nicht mehr angemessen ist, von einer Uraufführung des Stücks In Stanniolpapier zu sprechen. Autor, Verlag, Regie und Theater haben sich so geeinigt, da die Inszenierung Erzählform und große Teile des Textes verlässt.

Regie / Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Dramaturgie: Claus Caesar

Hinweis: In der Inszenierung In Stanniolpapier von Sebastian Hartmann kommt es zu szenischen Darstellungen von sexualisierter Gewalt. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die Vorstellung daher nicht geeignet.

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Theater

Hundeherz

nach Michail Bulgakow

Aus dem Russischen von Thomas Reschke

"Wenn einer spricht, heißt das noch lange nicht, dass er ein Mensch ist."

Der Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski sammelt auf einer Moskauer Straße den völlig verwahrlosten und misshandelten Hund Bello auf und lockt ihn zu sich nach Hause. Der auf Verjüngung spezialisierte Mediziner will ein Experiment wagen. Er pflanzt dem Hund die Hirnanhangdrüse und die Hoden eines kürzlich verstorbenen Säufers ein. Aus dem dankbaren und unterwürfigen Tier entwickelt sich innerhalb weniger Wochen ein äußerlich und geistig vermenschlichter Hund. Allerdings erbte er die Eigenschaften des proletarischen Trunkenboldes und bringt den bürgerlichen Haushalt des Professors durch seine Aufsässigkeit und Trinkerei gehörig durcheinander. Er klaut Geld und lässt sich vom Hauskomitee gegen den Professor aufhetzen.

Bulgakow, einer der größten Satiriker der russischen Literatur richtet sich mit seiner Novelle aus dem Jahre 1925, die an Motive aus Mary Shellys Frankenstein und Goethes Faust erinnert, gegen die Wissenschaftsgläubigkeit und die naive Utopie, die menschliche Natur durch den neuen Sowjetmenschen verbessern zu können. Bulgakows Verleger ließ seinerzeit über ein Parteimitglied ausrichten: "Sie ist eine ätzende Attacke auf unsere gegenwärtigen Verhältnisse und kommt auf keinen Fall für eine Veröffentlichung in Betracht..."

Regie: Lilja Rupprecht
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Geraldine Arnold
Musik: Romain Frequency
Video: Moritz Grewenig
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Die Glasmenagerie

von Tennessee Williams

"Sieht so die Zukunft aus, die wir für uns ins Auge gefasst haben?"

Trotz Rückschlägen, Enttäuschungen und familiären Streitigkeiten gibt Familie Wingfield ihre Wünsche und Hoffnungen nicht auf. Obwohl oder gerade weil Tom und Laura mit ihrer Mutter Amanda in einfachen Verhältnissen leben, träumen sie. Sie träumen von einem anderen Leben, von einem besseren Leben, von einem Leben ohne Arbeit in der Fabrik, von Zeit für Kunst, von einer Welt außerhalb der grauen Realität. Ihr Vater hat die Familie vor Jahren verlassen. Tom ernährt sie durch seine Arbeit in einem Lagerhaus, will aber lieber als Schriftsteller arbeiten. Während Amanda von ihrer Jugend schwärmt und die Restfamilie mit übertriebener Mutterliebe traktiert, konzentriert sich die schüchterne Laura ganz auf ihre Sammlung zerbrechlicher Glastiere. In dieser Menagerie sonderbarer Figuren findet sie Halt und kann die Realität vergessen. Als Tom eines Tages auf Wunsch der Mutter seinen Arbeitskollegen Jim zum Abendessen mitbringt, implodiert ihr Plan, Laura zu verkuppeln, auf absurde Weise. Tennessee Williamsʻ Stück, 1944 uraufgeführt, erzählt von der Fesselung an Träume, die dem Alltag die Angst rauben, ohne ihm standhalten zu können.

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Michael Verhovec
Dramaturgie: Ulrich Beck

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Theater

Wut

von Elfriede Jelinek

"Ihr tötet uns, wir töten euch, das ist wirklich eine sehr einfache Antwort."

Anlässlich des Überfalls auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris sucht Elfriede Jelinek nach Gründen für eine zerstörerische Wut. Und kommt angesichts einer Welt, in der die Wut alles zu beherrschen scheint und der Dialog zwischen den Menschen endet, zu höchst beunruhigenden Fragen: "Wenn aber die ganze Gemeinschaft das Töten für sich entdeckt hat, auch die Frauen, was entsteht dann?"

Jelineks Ermittlungen folgen griechischen Mythen wie dem des rasenden Herakles, lenken den Blick auf die Ilias, deren zentrales Thema der Zorn war, lassen aber auch die Stimmen von Dschihadisten, aufgeklärten Europäern, Wutbürgern und der Autorin selbst beim Schreiben zu Wort kommen. Ihre Ebenen schichten sich auf zu einem Wut-Gewitter über Götter, Weltanschauungen, Kalaschnikows und das Verfertigen und Konsumieren von Bildern der Kämpfe in unserer düsteren Welt.

Wann begann alles? Welcher ist der richtige Gott? Brauchen wir einen?

Regie: Martin Laberenz
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Aino Laberenz
Musik: Bernhardt
Dramaturgie: Juliane Koepp

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1 Theater

Transit

von Anna Seghers

Marseille im Sommer 1940: Am Rande des Kontinents stauen sich die Flüchtlingsströme. Tausende suchen einen Weg heraus aus Europa, hetzen nach Visa und Transits und hoffen verzweifelt eine der wenigen Passagen nach Übersee zu ergattern. Unter ihnen ein junger Deutscher: Aus einem Arbeitslager bei Rouen geflohen und ausgestattet mit falschen Papieren strandet auch er in der überfüllten Hafenstadt. Hier verliebt er sich in Marie. Doch sie ist auf der Suche nach ihrem Mann, von dem sie beim Einmarsch der Deutschen in Paris getrennt wurde.

Eindrücklich schildert Anna Seghers das Chaos, das Warten, die Hoffnung und die Verzweiflung der Flüchtenden – den menschenunwürdigen Transitzustand, der auch heute für Millionen von Menschen bittere Realität ist.

Regie: Alexander Riemenschneider
Ausstattung: Katharina Kownatzki
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Meike Schmitz

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Theater

Der Hauptmann von Köpenick

von Carl Zuckmayer in einer Bearbeitung von Armin Petras

Wilhelm Voigt, Schuster mit krimineller Laufbahn, wird aus der Strafanstalt Plötzensee entlassen und steht pass- und identitätslos in Berlin. Ohne Papiere keine Arbeit und ohne Arbeit keine Papiere – eine Kaffeemühle. Voigt versucht alles, um wieder am normalen Leben teilhaben zu dürfen und in die Stadtgesellschaft integriert zu sein, doch nimmt von seinem kleinen Schicksal niemand Notiz. Um an seine Personalakten zu gelangen, bricht er ins Potsdamer Polizeirevier ein, was ihn erneut hinter Gitter bringt – nun für volle zehn Jahre. Das ausgeprägte Faible des Gefängnisdirektors für die Armee nutzt Voigt für sich als Weiterbildungsmaßnahme und wird während seiner Haft zum Experten im Militärwesen. Als Voigt rauskommt, steht er obdachlos einer völlig veränderten Stadt gegenüber. Berlin ist zu einer neuzeitlichen Metropole geworden, die auf einen vorbestraften Arbeitslosen nicht gewartet hat. Seine wiedergewonnene Freiheit erweist sich schnell als ihr Gegenteil und er erfährt keine Resozialisierung: die Kaffeemühle dreht sich von vorn. Doch Wilhelm Voigt gibt (sich) nicht auf und schlägt die herrschende Ordnung mit ihren eigenen Waffen. Er erwirbt eine originale Hauptmannsuniform… die Köpenickiade nimmt ihren Lauf.

Carl Zuckmayers Hauptmann von Köpenick ist ein Urberliner Stück, das 1931 in der Regie von Heinz Hilpert am Deutschen Theater uraufgeführt wurde. 86 Jahre später, an gleicher Stelle, erzählt Jan Bosse das berühmte Märchen mit Milan Peschel in der Titelrolle ins Heute hinein – eine Geschichte vom Mensch draußen.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Video: Jan Speckenbach
Dramaturgie: David Heiligers

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Theater

Tropfen auf heiße Steine

von Rainer Werner Fassbinder

"Es brennt Licht."

Leopold nimmt Franz mit in seine Wohnung, sie haben Sex. Aus dieser zunächst unbedeutenden Begegnung entwickelt sich eine feste Beziehung. Franz verlässt seine Freundin Anna und zieht zu Leopold. Nach und nach wird ihre Liebe von der sie umgebenden Kleinbürgerlichkeit zerfressen. Die Lust aufeinander wird immer weniger, falsche Machtspiele zerstören das Vertrauen, sie benutzen einander, um den eigenen Schmerz erträglicher zu machen. Leopold und Franz geraten in eine Spirale aus Schande, Selbstbehauptung und Scham. Schließlich will Anna Franz zurückgewinnen, Leopold bringt seine Ex-Freundin Vera ins Spiel – am Ende schlafen alle miteinander. Die Orgie endet tragisch. Alle begehren sich, aber keiner wird glücklich.

Rainer Werner Fassbinder, geboren 1945 in Bayern, zählt zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films. Seine Filme laufen auch heute noch weltweit auf Festivals, seine Stücke werden regelmäßig auf deutschen Bühnen gezeigt, Museen widmen sich in Retrospektiven seiner Arbeit. Mit 19 Jahren schreibt er 1964 sein zweites Theaterstück Tropfen auf heiße Steine, das bis zu seinem Tod im Jahre 1982 unaufgeführt bleibt. 2000 verfilmt es der französische Regisseur François Ozon unter dem Titel Gouttes d’eau sur pierres brulantes. Fassbinders Bilder von Sexualität, Verlangen und Gesellschaft bleiben aktuell und können auch heute noch als Parabeln zu den tagespolitischen Geschehnissen und Gefügen unserer Zeit gelesen werden.

Regie: Philipp Arnold
Bühne: Viktor Reim
Kostüme: Julia Dietrich
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Endspiel

von Samuel Beckett

Schon zu Beginn verkündet Clov mit tonloser Stimme dem blinden und bewegungsunfähigen Hamm: „...Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.“ Trotzdem machen beide weiter und spielen nach genau festgelegten Regeln ihr ritualisiertes Spiel. Konkrete Erinnerungen an Vergangenes mischen sich mit aktuellen Sticheleien der in Hass und Liebe verbundenen Figuren. Sie sind gefangen in einer mythischen Ordnung, aus der es für sie kein Entrinnen gibt.

Wie also Endspiele spielen, wenn alles schon zu Ende ist? In dem 1956 geschriebenen Stück demonstriert Beckett, umgeben vom optimistischen Geist des Wiederaufbaus, die Manipulierbarkeit des geschichtlichen Diskurses, dessen unüberbrückbare Differenz zur realen Geschichte. Die Welt außerhalb scheint tot, aber solange gespielt wird auf der Bühne, im Theater und im Leben, solange muss gelebt werden - wenn man nicht so stoisch wie folgenlos das Leben selbst als Sterben bezeichnet. Beckett treibt mit Entsetzen Scherz und ist als genuiner Clown ernst zu nehmen, ohne dass die Unterscheidung von Ernst und Spaß noch alten Begriffen folgte.

Jan Bosse zeigt mit Ulrich Matthes als Hamm und Wolfram Koch als Clov Becketts ironischen Widerstand gegen die als hoffnungslos erscheinenden Verhältnisse.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno P. Jiri Kraehahn

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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

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Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin Berlin, Behrenstraße 55-57
Aufführungen / Show Friedrichstadt-Palast Berlin Berlin, Friedrichstraße 107
Aufführungen / Theater Volksbühne Berlin Berlin, Linienstraße 227