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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

Kontakt

Deutsches Theater Berlin
Schumannstraße 13a
D-10117 Berlin

Telefon: +49 (0)30 28441-0
E-Mail: service@deutschestheater.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Deutsches Theater Berlin

Theater

Hasta la Westler, Baby!

Ein deutsches Theater mit Musik von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner

Uraufführung: 24. Januar 2020

"Zonen-Gaby im Glück" titelte die Titanic im November 1989. Das Foto einer lächelnden jungen Frau, in der Hand eine geschälte Gurke ("Meine erste Banane"), entstellte die Arroganz des westdeutschen Blicks auf den Osten zur Kenntlichkeit. Die eigentliche Pointe des Bildes aber kam erst später zum Tragen. Denn die dauergewellte Jeanshemdträgerin stammte weder aus Borna, Potsdam oder Görlitz, sondern aus dem rheinhessischen Worms. Noch nicht einmal für dessen Verachtung, so könnte man die Hellsichtigkeit des Titanic-Titelbilds beschreiben, wollte der Westen dem Osten zu nahe kommen. Mehr als 30 Jahre später stellen Tom Kühnel und Jürgen Kuttner die Geschichte der deutsch-deutschen Wiederbegegnung vom Kopf auf die Füße: offensiv, laut, komisch und ungerecht. Und mit viel Musik.

Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Daniela Selig
Musik: Matthias Trippner
Video: Bert Zander
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater

nach dem Roman Die Wand von Marlen Haushofer

Premiere: 31. Januar 2020

"Ich kann mir erlauben, die Wahrheit zu schreiben; alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot."

Die Katastrophe kommt, weil wir sie träumen. Und wir träumen sie, weil wir sie fürchten und uns nach ihr sehnen. Wenn die Katastrophe eintritt, hören die peinigenden Phantasien auf. "Dass man weder empfinden noch denken darf, sondern handeln muss, ist die beste Therapie, wenn der Mensch an den Produkten des eigenen Vorstellungsvermögens irre wird." (Wolfgang Pohrt)

Regie / Bühne: Clemens Maria Schönborn
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: Bernd Isele

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Theater

Das Gewächshaus

von Jordan Tannahill

Premiere: 9. Februar 2020

Eine Inszenierung des Jungen DT

In einer Übersetzung von Frank Weigand.

„Wo gehen eure Kinder nachts hin? Glaubt ihr, sie bleiben in ihren Betten? Alle Kids im Viertel sagen ‚Gute Nacht‘ aber in Wirklichkeit rennen sie. Durch das hohe Gras. Rennen durch das Feld. An den verborgenen Ort. Wo das Feuer brennt.“

Draußen vor der Stadt steht ein riesiges Gewächshaus. Leer und verfallen. Hier treffen sie sich. Fernab von den Blicken und Regeln der Eltern, lässt sich hier das wahre Leben ausprobieren. Bierflaschen, Joints, Kondome und Geheimnisse liegen überall im Gewächshaus herum. Hier ist egal, wer du bist, es geht nur darum, was du dich traust. Doch als zwei Mädchen eine Leiche entdecken, beginnt sich die Dunkelheit des Gewächshauses über die gesamte Stadt auszubreiten. Und die Jugendlichen wissen, dass ihnen nur eine Möglichkeit bleibt: Sie müssen das Geheimnis aufdecken und sich der Vergangenheit stellen.

Empfohlen ab der 9. Klasse.

Regie: Salome Dastmalchi
Ausstattung: Susanne Hiller
Choreografie: Niloufar Shahisavandi
Dramaturgie: Lasse Scheiba

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Theater

Die Räuber

Eine Überschreibung nach Friedrich Schiller

Premiere: 11. Februar 2020

Eine Inszenierung des Jungen DT

Friedrich Schillers stürmend-drängendes Erstlingswerk schlug schon bei seiner Uraufführung 1782 ein wie eine Bombe. Jetzt treten 15 Jugendliche mit dem Auftrag an, Die Räuber auf die Bühne des DTs zu bringen. Doch schon bald kommen erste Zweifel auf: Wer könnte den Räuberhauptmann Karl glaubwürdig verkörpern und welche junge Frau will sich 2020 mit der tugendhaften und opferbereiten Amalia von Edelreich identifizieren? Mitten im schönsten Streit über die perfekte Besetzung, aktuelle jugendliche Protestkultur und den Publikumserwartungen an einen Klassiker erhalten die Jugendlichen einen Brief, der ihre Pläne völlig über den Haufen wirft und sie zwingt, Haltung zu beziehen.

Empfohlen ab der 9. Klasse.

Regie: Joanna Praml
Bühne: Inga Timm
Kostüme: Johanna Katharina Leitner, Inga Timm
Musik: Hajo Wiesemann
Dramaturgie: Maura Meyer, Dorle Trachternach

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Theater

Ode

von Thomas Melle

Was darf die Kunst, welche Grenzen sind ihr gesetzt, mit welchen Tabus wird sie noch konfrontiert? Was soll und muss die Kunst? Wer spricht für wen? Wer versteht wen? Und was ist das überhaupt, ein Kunstwerk? Wie Flipperkugeln prallen in Thomas Melles Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin die unterschiedlichen Haltungen aufeinander. Verstörend, komisch, funkensprühend. Und inmitten der Akteure Fratzer, Orlando und Präzisa steht die Wehr: im Besitz von Eindeutigkeit und Wahrheit und willens, beides auch durchzusetzen. "Ode" zeichnet das dystopische Bild einer hochnervösen, erregten Gesellschaft, die ihr Außer-Sich-Sein auf Dauer gestellt hat.

Regie: Lilja Rupprecht
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüme: Christina Schmidt
Musik: Philipp Rohmer
Video: Moritz Grewenig
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

4.48 Psychose

von Sarah Kane

um 4 Uhr 48
der Glücksmoment
wenn die Klarheit vorbeischaut
warme Dunkelheit
die mir die Augen tränkt

"Wem ich nie begegnete, das bin ich", schreibt Sarah Kane in ihrem fünften und letzten Stück, diesem finalen Blick auf das Leben als Ganzes. Sie komponiert ein gleichermaßen assoziatives wie dissoziatives Poem – ein feinfühliges Geflecht aus Stimmen, Gedanken, Zahlen und Dialogen. Es ist ein wütender Zustand zwischen Bei-Sich- und Außer-Sich-Sein, zwischen Norm und Krankheit, Form und Freiheit, Licht und Schmerz. Der Titel verweist dabei auf jene Uhrzeit, in der beide Pole ineinander fallen. In seiner ersten Arbeit für das Deutsche Theater Berlin begibt sich Regisseur Ulrich Rasche mit diesem schonungslos offenen Text in die Grenzregionen von Psyche und Physis und geht in ihrem Zusammenspiel dem Wunsch des Menschen nach, sein komplettes Ich und "echtes Selbst zu berühren".

Regie / Bühne: Ulrich Rasche
Komposition und Musikalische Leitung: Nico van Wersch
Chorleitung: Toni Jessen
Co-Bühne: Franz Dittrich
Kostüme: Clemens Leander
Video: Florian Seufert
Licht: Cornelia Gloth
Dramaturgie: David Heiligers

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Theater

Die Pest

nach dem Roman von Albert Camus

„Rieux wusste, dass der Pestbazillus nie stirbt und nie verschwindet, und dass vielleicht der Tag kommen würde, an dem die Pest ihre Ratten wecken und zum Sterben in eine glückliche Stadt schicken würde.“

In der algerischen Küstenstadt Oran bricht eine seltsame Seuche aus. Doktor Bernard Rieux ahnt, was alle anderen für unmöglich halten: Es ist die Pest. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, die Stadt hermetisch abgeriegelt, alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Bald fordert die Krankheit mehr und mehr Opfer, gigantische Krankenstationen entstehen, später Massengräber. Der Arzt weiß, dass sein Kampf gegen die Seuche aussichtslos ist. Der Bazillus bleibt unbesiegbar, auch wenn die Pest Oran nach neun Monaten so unvermittelt wieder verlässt, wie sie gekommen ist. Albert Camus’ weltberühmter Roman fragt nach der Möglichkeit menschlichen Handelns im Angesicht der Katastrophe. Während des Zweiten Weltkriegs geschrieben, gilt er als Bild für den Kampf der Résistance gegen die Besetzung Frankreichs ebenso wie als zeitlose Auseinandersetzung mit dem metaphysischen Problem des Bösen. Die Inszenierung des ungarischen Regisseurs András Dömötör fokussiert die Pest als Allegorie des Faschismus, der - für eine Zeitlang verschwunden geglaubt - wieder erwacht und seine "Ratten zum Sterben in die Städte schickt".

Regie: András Dömötör
Bühne und Kostüme: Sigi Colpe
Musik: László Bakk-Dávid
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Claus Caesar, Meike Schmitz

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Theater

Hekabe - Im Herzen der Finsternis

nach Homer und Euripides

Woher kommt der Hass? Wie sucht er sich seine Opfer, was für Helden produziert er? Und wie tief ist er verwurzelt? Für eine kleine Archäologie des Hasses zielt die Inszenierung von Stephan Kimmig mit Euripides‘ Drama Hekabe ins Herz der Finsternis. Hekabe, Königin von Troja, ist die Übermutter der Antike, Inkarnation von Leid, Verlust und Klage, Mutter von fünfzig Söhnen und Töchtern, die alle dem trojanischen Krieg zum Opfer fallen. Doch anstelle von Empathie weckt sie bei den Gewinnern des Krieges nur Hass, vor allem bei Odysseus, dem listenreichen Strategen der Zerstörung. Unter allen Beutefrauen der besiegten Stadt ist die greise Königin diejenige, die er sich als Trophäe erwählt, um sie auf seiner Heimreise bis zur Entmenschung zu demütigen. Diese Erniedrigung der Hekabe über jede Vernunft und Rationalität hinaus beschreibt Euripides in seiner Tragödie, während Homer seinem Protagonisten Odysseus in der Ilias und Odyssee ein Heldenlied singt. In einer Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven entsteht ein neues und zugleich archaisches Bild des Kriegs der Kulturen, der Geschlechter, der Mütter und Söhne, Männer und Frauen.

Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Michael Verhovec
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie: John von Düffel

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Theater

Zu der Zeit der Königinmutter

von Fiston Mwanza Mujila

Die besten Tage haben sie längst hinter sich, die Gäste der New-Jersey-Bar. An diesem Ort, der irgendwo auf der Welt ist, erzählen sie Geschichten aus der Zeit der Königinmutter. Damals floss das Bier in Strömen, die Nächte waren ewig, und die Frauen, die alles haben konnten, leuchteten vor Schönheit. Vom nie endenden Rausch, der Trunkenheit, dem Erbrochenen und dem Jasminduft der Königinnen berichten die gestrandeten Figuren des Abseits dem Neuen, der die Bar betritt. Auf ihn gewartet haben sie nicht, doch vielleicht werden mit ihm die verblassenden Erinnerungen wieder bunt. Denn, so heißt es im Stück, "Worte besitzen keinen Wert, wenn sie nicht in den Zustand der Existenz gebracht werden."

Zu der Zeit der Königinmutter ist das erste Theaterstück, das Fiston Mwanza Mujila in deutscher Sprache geschrieben hat. Diese Sprache klingt bei ihm wie Musik. Sinnlich, zügellos und mitreißend erzählt er von einem Ort am Rand von Raum und Zeit.

Regie: Charlotte Sprenger
Bühne und Kostüm: Aleksandra Pavlović
Musik: Jonas Landerschier
Licht: Peter Grahn
Dramaturgie: Franziska Trinkaus

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Theater

(Life on earth can be sweet) Donna

von René Pollesch

Lied vom Ungebundenheitsimperativ

Alle: Wir haben gehört, dass es Hoffnung nur gibt,
um der Hoffnungslosesten Willen.

1: Wer hat euch gesagt, dass es Hoffnung gibt?

Alle: Wir sehen zwar, dass wir es nicht ändern
können, viel tiefer geht aber der Glauben, dass
es doch zu ändern ist.

1: Wie bei mir, den ihr verlassen habt, und ich weiß,
dass ich euch nicht mehr zurückkriege.
Aber ich flehe und heule, als wäre es nicht so,
meint ihr das?

Alle: Wir können nur aus dem was machen, was
man aus uns gemacht hat. Aber es geht ja auch darum,
was man aus der Welt gemacht hat.

1: Ich will, dass deine Hand immer auf meiner landet,
wenn irgendwas war. Wenn ich geschrien habe oder
unausstehlich war. Deine Hand auf meiner ist ja nicht
neu. Aber für mich war es das. Man kann sich eben
nicht neu erfinden in diesen Begegnungen, in all dem,
was man machen kann.

Alle: Aber es ist wie das Abspielen der Klassiker auf
einer Bühne, sie halten nur den Hof sauber.

1: Es ist ja nur das da, was man machen kann.

Alle: Man kann sich das Ende des Theaters, aber nicht
das Ende des Regietheaters vorstellen.
Man kann sich das Ende der Welt, aber nicht
das Ende des Kapitalismus vorstellen.

1: Wieviel Arten von Menschen gibts auf der Welt.

Alle: Zweierlei Arten.

1: Was für Arten sind das?

Alle: Die Vernetzten und die mit wenig Kontakten.
Also die Mobilen und die Nicht-Mobilen.

1: Wer aber will nicht, dass es zweierlei Arten gibt?

Alle: Da die Ungerechtigkeit nur in Statistiken
auftaucht, weil die mit wenig Kontakten sich nicht
begegnen, wissen die Ausgegrenzten nicht, dass sie
die Ausgebeuteten sind. Also können sie hier
noch nichts wollen.

1: Wer aber wird abschaffen, dass es zweierlei Arten
von Menschen gibt?

Alle: Da blicken wir noch nicht durch. Aber da
beide Arten in dieser Welt leben, kann es sich nicht
um Ausgrenzung handeln, sondern es muss sich viel
eher um Ausbeutung handeln.

1: Warum müsst ihr euch nicht rechtfertigen?

Alle: Weil der Kapitalismus das macht.

1: Woran erkennt ihr, dass er nicht viel mehr ist als ein Rechtfertigungssystem?

Alle: Er greift sämtliche utopischen Energien ab.
Er war ja nie ein Überbau, sondern nur ein System von
Rechtfertigungen, das sämtliche utopischen Energien
absaugt. Er hört aber gleichzeitig nie auf,
kollektiven Strukturen Steine in den Weg zu legen.

1: Ich weiß nicht, es ist alles so lange her, das
mit dir, und ich hab aufgehört, es mit Sinn und
mit Geist zu versorgen. Also wie der Kapitalismus das
macht, alles mit Sinn und mit Geist zu überziehen.
Was gefährdet die Wirtschaftsordnung wirklich?

Alle: Die tatsächliche Präsenz. Denn: Drei Sterne bei
Amazon sind wie ein Stern.

1: Die Philosophie sagt uns, dass es auch ohne
Präsenz geht.

Alle: Das sind die geisteswissenschaftlichen Märchen
vom Sinn und vom Geist.

1: Wer wird abschaffen, dass der Kapitalismus
alle utopischen Energien abgreift?

Alle: Die tatsächliche Präsenz.

1: Aber wer wird auch im grünen Kapitalismus
nicht gebraucht?

Alle: Die Jugendlichen in Gosen – Neu Zittau.

1: Woran erkennt man die mobile Art?

Alle: Daran, dass sie Drogen nimmt, um Erfahrungen
zu machen.

1: Und woran erkennt man die nicht-mobile Art.

Alle: Daran, dass sie Drogen nimmt, um Erfahrungen
loszuwerden.

1: Ja und jetzt wird es wichtig, dass man alle
informiert. Dass man mit den Wagen herumfährt, und es
den Menschen sagt.

Regie: René Pollesch
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Nina von Mechow
Light: Matthias Vogel
Dramaturgie Anna Heesen

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Theater

Don Quijote

von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes

Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte

Nach der Lektüre unzähliger Ritterromane ernennt sich ein verarmter Junker selbst zu Don Quijote von La Mancha und überträgt sich die ehrenvolle Aufgabe, seine Mitmenschen gegen das Böse zu verteidigen und ein neues goldenes Zeitalter aufleben zu lassen. Er findet im nur scheinbar naiven Sancho Panza einen treuen Knappen und begibt sich mit ihm auf die Reise, um ein einfaches Bauernmädchen alias Dulcinea von Toboso zu beeindrucken. Ihre Heldentaten enden meist in brutalen Niederlagen, weshalb Don Quijote alsbald den Beinamen Der Ritter von der traurigen Gestalt erhält. Und auch mit Sancho Panzas Traum, der sich als zukünftiger Herrscher eines Eilands sieht, will es nicht so recht was werden. Doch ihre Vorstellungskraft bleibt unbesiegt: Sie scheitern, stehen wieder auf und kämpfen weiter gegen Windmühlen.

Miguel de Cervantes sitzt nach einem bewegten Leben im Gefängnis, als er beginnt, den ersten Teil eines Romans zu schreiben, der 1605 den Anbruch der literarischen Moderne bedeutet. Es ist ein Anschreiben gegen die Fesseln der Realität, denn mit Don Quijote erfindet er einen maßlos kreativen Phantasten, der aber erst durch seinen viel pragmatischeren Spielgefährten Sancho Panza überhaupt Identität erlangt. Sie erschaffen sich mittels ihrer Gedanken eine eigene Wirklichkeit, sind sich selbst die Welt und können nicht mit, aber auch nicht ohne einander. In kürzester Zeit werden die beiden berühmt, was sie im zehn Jahre später erschienenen zweiten Teil gleich selbst thematisieren. Bis heute hat das wahnwitzige Paar Ikonenstatus und schultert in dieser Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte seine (imaginierten) Abenteuer ganz alleine.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Licht: Robert Grauel
Dramaturgie David Heiligers

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Theater

Wolken.Heim.

von Elfriede Jelinek

"Wir aber sind zuhaus, wo wir hinwandeln
zwischen Himmel und Erd
und unter den Völkern das erste."

"Wir sind hier. Uns gehören wir. Wir sind hier bei uns." Das meiststrapazierte Wort in Elfriede Jelineks Wolken.Heim. ist "wir": "Wir aber wir aber wir aber wir…". Der Text entstand im Jahr 1988, wenige Monate, bevor der Taumel der Wendejahre die Deutschen zum kollektiven Subjekt einer Wir-Erzählung werden ließ. In einem sich drehenden Wirbel aus Sprache entwirft das Stück eine Wir-Beschwörung als manische Suche nach Selbstverortung. Was ist das Deutsche, was die deutsche Nation, wer sind "wir"? Ein Ort zwischen Wolken und Heim, zwischen Luftschloss und Gruft. Land des Idealismus, Land des Faschismus: dazwischen Deutschland, im Nirgendwo, auf der nicht endenden Suche nach einer Identität, die nur im Ausschluss des jeweils Fremden zu sich findet. "Wir sind hier. Dort sind die andern. Aber wir nicht, wir nicht!" Elfriede Jelineks hochartifizieller Prosatext ist ein Zitatengeflecht: Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und die Briefe der RAF werden – teils sinnentstellt und sinnverkehrt – zu Kronzeugen des deutschen Nationalismus. Die Worte der Dichter und Denker und die Reden der Täter und Mörder fließen in eins, in diesem Spracharchiv der deutschen Seele. Das Ensemble um den Regisseur Martin Laberenz, der am Deutschen Theater bereits Elfriede Jelineks WUT inszeniert hat, begibt sich 30 Jahre nach dem Mauerfall und nach der Entstehung dieses Textes auf die Suche nach den Phantasmen des deutschen "Wir".

Regie: Martin Laberenz
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Aino Laberenz
Musik: Polina Lapkovskaja
Dramaturgie: Bernd Isele

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Theater

Glaube Liebe Hoffnung

von Ödön von Horváth

Voller Hoffnung versucht die junge Elisabeth in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Rezession ihr Glück zu machen. Um ans nötige Geld für den Gewerbeschein als Vertreterin zu kommen, plant sie, ihren Leichnam im Anatomischen Institut schon zu Lebzeiten zu verkaufen. Ein Präparator gibt ihr Kredit, zeigt Elisabeth jedoch später an, als er erfährt, dass die Leihgabe zur Bezahlung einer Vorstrafe draufging: wegen Handels ohne Gewerbeschein. Elisabeth kommt ins Gefängnis, ein Aufenthalt, der ihre Liebesbeziehung zu einem Polizisten scheitern lässt. Wieder allein, ohne Arbeit und Geld, geht sie ins Wasser. – Jürgen Kruse begibt sich mit seinem Ensemble hinein in den „gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft, dieses ewige Schlachten, bei dem es zu keinem Frieden kommen soll – höchstens, dass mal ein Individuum für einige Momente die Illusion des Waffenstillstandes genießt“ (Ödön von Horváth).

Regie: Jürgen Kruse
Bühne: Bernd Damowsky
Kostüme: Sophie Leypold
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie Juliane Koepp

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Theater

Franziska Linkerhand

nach dem Roman von Brigitte Reimann

Die kühne, couragierte und kantige Franziska Linkerhand ist eine talentierte und idealistische junge Architektin, als sie sich Anfang der 1960er-Jahre entschließt, ihre vorgezeichneten Lebenspläne über den Haufen zu werfen. Geschieden und unabhängig zieht sie ins provinzielle Neustadt (ein Synonym für Hoyerswerda und die Arbeitersiedlung des Kombinats Schwarze Pumpe), wo sie den Menschen Häuser bauen will, die Würde und Freiheit ausstrahlen. Und sie macht den schwierigen und gebundenen Ben, der ihrem Bruder Wilhelm so ähnelt, zu ihrem Geliebten. Doch sie trifft mit ihren visionären Bauvorhaben auf ein starres System und bei ihrer Liebesutopie Ben auf keinen Widerhall: ihre Wunschvorstellungen scheitern an einer desillusionierenden Realität. Trotzdem bleibt Franziska anarchisch und selbstbehauptend – und ihre Träume leben fort.

Als Brigitte Reimanns letztes, unvollendetes Werk 1974 postum in der DDR erschien, brach es mit so vielen Tabus, dass seine Heldin dort zur Identifikationsfigur für eine ganze (Frauen-) Generation wurde. Anfangs als Entwicklungsroman eines Mädchens aus bürgerlichem Hause konzipiert, schrieb Reimann zehn Jahre eine kritische Auseinandersetzung mit der sozialistischen Gesellschaft, die sich eng verknüpft mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Vom Ministerium für Kultur als "produktive Provokation" beäugt, ist die Erzählung zu einem Stück Osthistorie geworden: 30 Jahre nach der Maueröffnung höchste Zeit, diesen großen Entwurf (neu) zu entdecken.

Regie: Daniela Löffner
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Carolin Schogs
Licht: Cornelia Gloth
Musik: Matthias Erhard
Dramaturgie David Heiligers

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Liederabend

Das Hexenlied

Ein Balladenabend von und mit Bernd Stempel

Mit Ukulele, Harmonika und Gitarre empfängt Bernd Stempel zu seinem Abend Das Hexenlied, um darin einer Erzähl- und Liedtradition nachzuspüren, die viele eher an rote Rosen oder öden Deutschunterricht denken lässt: der Ballade. Dass diese aber nichts an Aktualität eingebüßt hat und nicht nur für das Theater, sondern auch für die Bar geschaffen ist, zeigt Bernd Stempel, der seit 1989 im Ensemble des DT ist und 2018 sein 40. Bühnenjubiläum feiert. Zwischen Bühne und Tresen plaudert, musiziert, singt und spielt er sich quer durch bewegende Anekdoten, packende Oden, überraschende Liebesgedichte und unglaubliche Legenden. Das Hexenlied – eine Hommage auf die Kunst des Geschichtenerzählens und eine Einladung, sich darauf einen eigenen Reim zu machen.

Künstlerische Mitarbeit: Anna Berndt
Musikalische Einstudierung: Ingo Schröder
Ausstattung: Ulrich Belaschk
Licht: Maria Schreiber
Dramaturgie: David Heiligers

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Theater

Philoktet

von Heiner Müller

Zehn Jahre war er ausgesetzt auf einer Insel, verstoßen von seinen Gefährten wegen einer stinkenden Wunde: Philoktet ist der vielleicht unheldenhafteste aller griechischen Helden, ein Vergessener und Aussätziger. Odysseus, der ihn vom Kampf gegen Troja ausgeschlossen hat, soll ihn jetzt nach zehn Jahren Krieg zurückholen. Denn nur dann können die Griechen den Krieg gewinnen.

Mit Heiner Müllers radikaler Neudichtung des Mythos verhandelt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani die Frage nach Zugehörigkeit: Den Aus- und Einschluss in eine Gesellschaft, die Anderes zerstören will und sich selbst zerstört, indem sie nur das Funktionieren duldet.

Regie: Amir Reza Koohestani
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Lea Søvsø
Musik: Bamdad Afshar
Video: Phillip Hohenwarter
Licht: Marco Scherle
Dramaturgie Sima Djabar Zadegan, John von Düffel

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Theater

Der Hals der Giraffe

nach dem Roman von Judith Schalansky

Einen Systemwechsel hat sie überstanden, den Mann an die Straußenzucht verloren und die Tochter an ein Leben in den USA. Inge Lohmark, Sport- und Biologielehrerin seit 30 Jahren, weiß, dass man sich an veränderte Umstände anzupassen hat. Und nur die Stärksten überleben. Doch nun will die sterbende Kleinstadt in Vorpommern, in der sie unterrichtet, ihre Schule schließen, ihre Unterrichtsmethoden geraten in die Kritik – und sie, völlig unerwartet, verliebt sich in eine ihrer Schülerinnen. Lohmarks geordnetes Weltbild, ihr Biologismus, bekommt ernsthafte Risse.

Judith Schalansky erzählt von einer Zeit des Übergangs: das Alte gibt es nicht mehr, das Neue bleibt fremd. Sie schreibt über Menschen, die zu retten versuchen, was nicht zu retten ist, und über die Nachwendejahre zwischen Verknöcherung und Aufbruch.

Regie: Philipp Arnold
Bühne: Viktor Reim
Kostüme: Julia Dietrich
Musik: David Hirst
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Lear

von William Shakespeare
und: "Die Politiker" von Wolfram Lotz (Uraufführung)

Ein König, ein Reich, drei Töchter: Was also läge näher, als auch das Erbe auf drei Schultern zu verteilen? Bekanntermaßen scheitert Lears Vorhaben, weil sich Cordelia, seine Jüngste, nicht so benimmt wie erwartet und ihrem Vater den gewünschten Liebesbeweis vorenthält. Sie wird enterbt. Doch ist das für uns, die wir zeitliche Wesen sind, überhaupt möglich: nicht zu erben, nicht in Sprachen, Geschichten, Traditionen und Weltzustände hineingestellt zu sein? Inwieweit lässt sich ein Erbe ausschlagen, inwiefern wählen? Und umgekehrt, was ist es, das wir weitergeben? Kann man geben, was man nicht hat? Woraus wird Morgen gemacht sein (Victor Hugo)?

Zusammen mit dem Ensemble geht Sebastian Hartmann den Spuren des Erbes, der Gabe und des Künftigen in Shakespeares Königsdrama nach. Und sorgt im Zuge dieser Spurensuche für eine höchst überraschende Begegnung: Lear trifft auf den jüngsten Theatertext von Wolfram Lotz, das leichtfüßige, raffinierte, hoch rhythmisierte Sprechstück Die Politiker, einen gedankenschnellen Wortstrom, dessen Kaskaden Kindheitssplitter, Kanister und "klägliche Signale in der Finsternis" umspülen und das als Teil der Inszenierung im Deutschen Theater uraufgeführt wird.

Regie / Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Rainer Casper
Dramaturgie: Claus Caesar

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Theater

ugly duckling

von Bastian Kraft nach Hans Christian Andersen

"Ich träumte nie von soviel Glück, als ich noch das hässliche kleine Entlein war."

In den Märchen von Hans Christian Andersen stößt man immer wieder auf Transformationen: Die kleine Meerjungfrau verwandelt sich in einen Menschen, das hässliche Entlein in einen stolzen Schwan. Dass es sich bei diesen Verwandlungen auch um ein maskiertes Spiel mit Geschlechtlichkeit und Sexualität handelt, ist Ausgangspunkt für ein Projekt, das Andersens Märchen den Biografien von Berliner Dragqueens gegenüberstellt. Diese Protagonist_innen des urbanen Nachtlebens machen das Spiel mit Geschlechterrollen zum befreienden Spektakel. Dabei bewegen sie sich an der schillernden Grenze zwischen schamloser Selbstdarstellung und subkulturellem Sendungsbewusstsein. Die Transformation mittels Schminke und Perücken nämlich produziert nicht nur ein neues Ich, sondern damit auch ein neues Selbstbewusstsein. Die so erschaffene Kunstfigur ist der stolze Schwan, in dessen Gestalt sich das hässliche Entlein der Welt stellen kann.

Regie: Bastian Kraft
Bühne / Video: Peter Baur
Kostüme: Jelena Miletić
Musik: Romain Frequency
Dramaturgie: Ulrich Beck

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Theater

Black Maria

von René Pollesch

F: Wenn ich dazu mal etwas sagen dürfte... Eine Sache, auf die ich mich immer verlassen kann, ist, dass ich mich schäme. Darauf kann ich mich immer verlassen. Ja, und das war's auch schon.

B: Was soll das denn heißen? "Juristischer fotografischer Realismus"?

K: Im Gegensatz dazu, wie 'Sichtbarkeit' gerade diskutiert wird, müsste es vielmehr darum gehen, dass Frauen genauso unsichtbar sind wie weiße Männer. Dass überhaupt alles Markierte undeutlich sein kann. Um eine optische Politik müsste es gehen, die das alles in das Dunkle zieht, raus aus der Erhellung, in die Nicht-Transparenz. Auf einer besseren Darstellung der Welt müsste man beharren, die sich nicht in der Suche nach Repräsentation erschöpft. In einem Regime der Überdeutlichkeit, der Erhellung, des Realismus also, ist der weiße Mann ja unsichtbar. Es gibt einen Blick, der bestrebt ist, zu repräsentieren, und zugleich der Repräsentation zu entgehen, und der will auch die vollkommen transparente Vermittlung der Welt. Aber gegen die Gefräßigkeit des Auges ginge es ja gerade darum, 'nicht sichtbar' zu sein.

A: Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit sind nie symmetrisch. Das Privileg liegt eindeutig bei der Unsichtbarkeit. Man müsste so unsichtbar sein wie die weißen Typen. Und wenn Sichtbarkeit was wert wäre, wäre ich wirklich dabei. Aber es geht eher darum: unsichtbar sein wie weiße Typen. Ja, und natürlich versteh ich auch, dass 'Sichtbarkeit' sein muss, dass eine Haltung zugunsten des Sichtbarmachens in kritischer Absicht erfolgen muss, um für Gleichheit einzutreten, aber die dem ganzen zu Grunde liegende Asymmetrie bleibt leider bestehen.

B: Beim Film lässt sich beobachten, dass die meisten, die über ihn nachdenken entweder an die Bewegung glauben und das Bild übergehen, oder am Bild festhalten und die Bewegung übergehen. Sie berücksichtigen dann nicht den Film, der zum Beispiel, wie etwa beim Kinematographen 50 Prozent dessen, was beim Schauen vor den Augen liegt, im Unsichtbaren belässt. Und darum müsste es vielleicht gehen... Ich würde mich gerne im Unsichtbaren lassen. Wie etwa jemand, der versucht illegal eine Grenze zu passieren. Wie jemand, der nicht gesehen werden will, weil es eine Herrschaft der Transparenz gibt, der Beleuchtung, des Erhellens. Die vor allem die betreiben, die nicht gesehen werden. Ich werde gesehen, und will unsichtbar bleiben. Repräsentation ist ja das, was seine eigene Grenze definiert. Und Figuren der Flucht, versuchen das Ziehen einer Grenze zu unterlaufen. Repräsentation versucht immer die Grenzen zu sichern. Das ist genau, was es bedeutet.

Black Maria. So nannte man das 1893 gebaute erste Filmstudio der Welt. Das Schwarz der Dachpappe, aus der es gebaut war, und seine Enge erinnerte an die schwarz lackierten Gefangenentransporter, lahme Pferdekutschen, die man "Black Maria" nannte nach dem damals berühmtesten Rennpferd. Das Haus stand auf Rollen, denn sein Dach, das man öffnen und schließen konnte, folgte der Sonne.

Regie: René Pollesch
Bühne und Kostüme: Nina von Mechow
Video: Ute Schall
Dramaturgie: Juliane Koepp

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Theater

Der Menschenfeind

von Molière

Der Menschenfeind ist auf den ersten Blick eine aufreizend schlichte Komödie: Alceste, ein adliger Schriftsteller, liebt Célimène, doch die umworbene junge Witwe hält ihn hin. Ungeduldig begibt er sich in ihr Palais um von ihr ein klares Bekenntnis zu hören. Dort trifft er auf zahlreiche kleine und größere Heuchler, auf Freunde und Konkurrenten, auf ihm gewogene Frauen. Alceste ist allen bekannt: ein anstrengender Charakter, klug, witzig, wohlhabend und voller Hass auf die Gesellschaft, zu der er gehört wie sie zu ihm. Er schlägt um sich, verletzt mit Worten, predigt unbedingte Wahrheit, Kompromisslosigkeit und gerät dabei immer mehr ins Abseits. Weltflucht scheint der einzige gehbare Weg für den Menschenfeind.

"Molière züchtigte die Menschen, indem er sie in ihrer Wahrheit zeichnete", so Voltaire hundert Jahre nach Entstehung des Menschenfeind über seinen Landsmann. Und tatsächlich spießt Molière seine Figuren wie Insekten auf und offenbart sich dabei als Menschenkenner und Komödienschreiber zugleich. Irgendwo zwischen steilem Egoismus und zu Herzen gehender Verlorenheit siedelt er seine Figuren an und liefert sie dem Lachen des Publikums aus. Glühendste Empörung, Antipathie, Ablehnung kommen ins Wanken, das festgefügte Menschenbild bekommt Risse, Schwächen werden ertragbarer – bestenfalls auch die eigenen.

Vermutlich ist Der Menschenfeind Molières am meisten autobiographisch geprägtes Stück. Am Hof Ludwig des Vierzehnten, endgültig angekommen, klarsichtig und verführbar und einer um 21 Jahre jüngeren Frau erlegen, hat Molière den Menschenfeind in der Uraufführung selbst gespielt. Er wusste genau, dass nichts komischer ist als der Mensch im Strudel seiner Schwächen. Er durchschaute die Mechanismen des Hofes und dessen Macht-Hierarchie. Die Sitten und Regeln, die Masken und Selbstinszenierungen, die Rigidität, mit der ein konformes Verhalten gefordert und Nonkonformismus bestraft wurde – all das war dem Dichter bewusst. Auf der anderen Seite wusste er um den natürlichen Egoismus und die tiefliegende Bösartigkeit des Menschen und sah die Erfordernis eines gesellschaftlichen Vertrags. Doch wie sähe ein solcher optimalerweise aus? Wie lauteten die Regeln? Wieviel Ehrlichkeit, wieviel Diplomatie, wieviel Schein und wieviel Unbedingtheit vertrügen wir? Alceste gibt darauf eine Antwort, seine Lächerlichkeit eine andere – wo sich der Zuschauer positioniert – in seiner Zeit – ist wirklich interessant.

Regie: Anne Lenk
Bühne: Florian Lösche
Kostüme: Sibylle Wallum
Musik: Camill Jammal
Dramaturgie Sonja Anders

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Theater

Fabian. Die Geschichte eines Moralisten

nach dem Roman von Erich Kästner

Berlin 1930. Das Leben ist geprägt von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. In Bordellen und illegalen Kneipen versucht man sich zu betäuben. Aber auch Flitter, Alkohol und Sex können den voranschreitenden Zerfall kaum mehr über decken. Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung schwankt die Metropole zwischen Exzess und Exitus. Auch Jakob Fabian – 32 Jahre alt, promovierter Germanist und zur Zeit Werbetexter in einer Zigarettenfabrik – taumelt durch dieses Treiben. Er erwartet nicht viel vom Leben, schon gar nicht, dass er selbst darauf irgendwie Einfluss nehmen könnte. Ganz anders als sein Freund Labude, der an die Veränderbarkeit der Verhältnisse durch das eigene Handeln glaubt. "Die Menschen anständig und vernünftig zu machen", sagt Fabian, das könnte ein Lebensziel sein, aber es ist hoffnungslos. Nur einmal, für einen kurzen Moment, blitzt die Möglichkeit eines anderen Lebens auf. Fabian verliebt sich in Cornelia und zum ersten Mal seit langem ist da etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Aber dann verliert er seine Arbeit und ein unaufhaltsamer, zuletzt tödlicher Absturz beginnt.

Nach seinen Adaptionen von Transit und Das Mädchen mit dem Fingerhut wird sich Alexander Riemenschneider mit Fabian nun einem der großen Berlin-Romane widmen.

Regie: Alexander Riemenschneider
Bühne / Kostüme: Johanna Pfau
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Meike Schmitz

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Theater

Jutta Wachowiak erzählt Jurassic Park

Ein Abend von Jutta Wachowiak, Eberhard Petschinka und Rafael Sanchez

"…und alle heben sich gleichzeitig empor / von ihren Stangen / und flattern hinauf in die Kuppel / als hätten sie das Loch dort oben im Eisengitter / erst jetzt gesehen…"

Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, geboren 1940, spielt die Wärterin in einem geheimnisvollen Park. Dinosaurier werden hier gezüchtet. Es soll ein Vergnügungspark werden. Sie nimmt heimlich einen kleinen Dino mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Die Geschichte des Parks, den man weder verlassen, noch unkontrolliert betreten darf, vermischt sich mit der Biografie Wachowiaks. Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Einst äußerst erfolgreich in Film und Theater der DDR und mehrfach ausgezeichnet, ist für die Schauspielerin nach der Öffnung des Parks nichts mehr so wie es war. Sie haben die Fenster aufgemacht. Die neue Freiheit ließ sich nicht genießen. Die Ignoranz gegenüber Fähigkeiten, Wissen, Ideen und Erlebtem und die Enttäuschung darüber führt sie zu einem Neuanfang nach Essen, zu Arbeiten mit jungen Regisseuren, und zurück nach Berlin an das Deutsche Theater in einen ehemaligen Vergnügungspark.

Regie: Rafael Sanchez
Bühne / Kostüme: Anne Ehrlich
Text und Musik: Eberhard Petschinka
Dramaturgie: Juliane Koepp

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1 Theater

Transit

von Anna Seghers

Marseille im Sommer 1940: Am Rande des Kontinents stauen sich die Flüchtlingsströme. Tausende suchen einen Weg heraus aus Europa, hetzen nach Visa und Transits und hoffen verzweifelt eine der wenigen Passagen nach Übersee zu ergattern. Unter ihnen ein junger Deutscher: Aus einem Arbeitslager bei Rouen geflohen und ausgestattet mit falschen Papieren strandet auch er in der überfüllten Hafenstadt. Hier verliebt er sich in Marie. Doch sie ist auf der Suche nach ihrem Mann, von dem sie beim Einmarsch der Deutschen in Paris getrennt wurde.

Eindrücklich schildert Anna Seghers das Chaos, das Warten, die Hoffnung und die Verzweiflung der Flüchtenden – den menschenunwürdigen Transitzustand, der auch heute für Millionen von Menschen bittere Realität ist.

Regie: Alexander Riemenschneider
Ausstattung: Katharina Kownatzki
Musik: Tobias Vethake
Dramaturgie: Meike Schmitz

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Deutsches Theater Berlin

Das Deutsche Theater in Berlin zählt zu den bedeutendsten Sprechtheaterbühnen im deutschsprachigen Raum. Hinter seiner eleganten klassizistischen Fassade beherbergt das 1849 gegründete Theater in der Schumannstraße heute drei Bühnen: Das Große Haus mit ca. 600 Plätzen, die Kammerspiele mit ca. 230 Plätzen sowie die 2006 neu eröffnete Box - eine kompakte Blackbox im Foyer der Kammerspiele mit 80 Zuschauerplätzen. Auf dem Spielplan stehen zum einen Klassiker und moderne Klassiker von Autoren wie Shakespeare, Schiller, Tschechow, Sartre, Ibsen und Goethe, zum anderen werden Stücke zeitgenössischer Autoren wie Lukas Bärfuß, Dea Loher, Wolfram Lotz, Roland Schimmelpfennig, Ferdinand Schmalz und Nis-Momme Stockmann gezeigt und zur Uraufführung gebracht. Einmal im Jahr finden am Deutschen Theater die Autorentheatertage statt, ein 14-tägiges Festival der zeitgenössischen Dramatik.

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Bewertungen & Erfahrungsberichte Deutsches Theater Berlin

Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin Berlin, Behrenstraße 55-57
Aufführungen / Show Friedrichstadt-Palast Berlin Berlin, Friedrichstraße 107
Aufführungen / Theater Volksbühne Berlin Berlin, Linienstraße 227
Aufführungen / Theater Schaubühne am Lehniner Platz Berlin Berlin, Kurfürstendamm 153
Aufführungen / Kabarett Die Wühlmäuse Berlin Berlin, Pommernallee 2-4
Aufführungen / Theater Maxim Gorki Theater Berlin Berlin, Am Festungsgraben 2
Aufführungen / Cabaret Bar jeder Vernunft Berlin Berlin, Schaperstr. 24
Aufführungen / Theater HAU Hebbel am Ufer Berlin Berlin, Stresemannstr. 29
Aufführungen / Theater Theater im Palais Berlin Berlin, Am Festungsgraben 1
Aufführungen / Theater Sophiensaele Berlin, Sophienstr. 18
Aufführungen / Theater Improtheater Paternoster Berlin Berlin, Voßbergstraße 3
Aufführungen / Oper Deutsche Oper Berlin Berlin, Bismarckstr. 35
Aufführungen / Comedy Zwei Meissners- Kabarett und Comedy
Mo, 27.1.2020, 19:00 Uhr
Aufführungen / Film Deutsches Spionagemuseum
Di, 28.1.2020, 19:00 Uhr
Aufführungen / Comedy Zwei Meissners- Kabarett und Comedy
Sa, 1.2.2020, 19:30 Uhr
Aufführungen / Aufführung ufa-Fabrik
Sa, 1.2.2020, 20:00 Uhr
Aufführungen / Aufführung ufa-Fabrik
So, 2.2.2020, 19:00 Uhr
Aufführungen / Comedy Zwei Meissners- Kabarett und Comedy
So, 2.2.2020, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater Berlin, Bismarckstraße 110
Aufführungen / Theater Renaissance-Theater Berlin Berlin, Knesebeckstraße 100
Aufführungen / Oper Neuköllner Oper Berlin, Karl-Marx-Str. 131-133
Aufführungen / Theater Tribühne Berlin Berlin, Otto-Suhr-Allee 18
Aufführungen / Theater Berliner Kriminal Theater Berlin, Palisadenstrasse 48
Aufführungen / Theater Theater- und Konzertstätte Jüterbog Jüterbog, Mönchenkirchplatz 4
Aufführungen / Theater Theater Poetenpack Potsdam Potsdam, Lennéstr. 37
Aufführungen / Theater theater DIE BOTEN Berlin, Schottstraße 6
Aufführungen / Kabarett Berliner Kabarett Klimperkasten Berlin, Thuyring 63
Aufführungen / Theater Podewil Berlin, Klosterstr. 68-70
Aufführungen / Theater Kleines Theater Berlin Berlin, Südwestkorso 64
Aufführungen / Theater Theatersport Berlin Berlin, Bürgerheimstr. 8
Aufführungen / Theater Theater Lichterfelde Berlin, Drakestr. 49
Aufführungen / Theater Teatr Studio am Salzufer Berlin, Salzufer 13/14
Aufführungen / Theater BühnenRausch Berlin, Erich-Weinert-Straße 27
Aufführungen / Kabarett Kabarett Kartoon Berlin, Kochstraße 50
Aufführungen / Theater "Die Gorillas" Ratibortheater Berlin, Cuvrystrasse 20
Aufführungen / Theater Theaterdiscounter Berlin, Monbijoustr. 1
Aufführungen / Theater Cafe Theater Schalotte Berlin, Behaimstraße 22
Aufführungen / Kulturveranstaltung Glaskasten Ballsaal Berlin, Prinzenallee 33
Aufführungen / Theater BKA-Theater Berliner Kabarett Anstalt Berlin, Mehringdamm 34
Aufführungen / Theater Theater Mirakulum - Puppenkomödie Berlin Berlin, Brunnenstraße 35
Aufführungen / Theater Theater Morgenstern Stahnsdorf, Rotkehlchenweg 35
Aufführungen / Theater Theater o.N. (Zinnober) Berlin, Kollwitzstr. 53
Aufführungen / Theater Theater TRANSIT Berlin, Boxhagener Str. 99
Aufführungen / Theater Wintergarten Berlin Berlin, Potsdamer Straße 96
Aufführungen / Theater Chamäleon Theater Berlin, Rosenthaler Str. 40/41
Aufführungen / Oper Neuköllner Oper Berlin, Karl-Marx-Str. 131
Aufführungen / Theater Theater Thikwa Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Theater English Theatre Berlin Berlin, Fidicinstr. 40
Aufführungen / Theater Stage Theater Am Potsdamer Platz Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1
Aufführungen / Theater Zimmertheater Steglitz Berlin, Bornstr. 17
Aufführungen / Theater Theater der Migranten Reuterkiez Theater Berlin, Bürknerstr. 5
Aufführungen / Theater Theater Adlershof Berlin, Moriz-Seeler-Str. 1

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