BURGTHEATER WIEN - Burgtheater

Spielzeit 2010/11

Die Jüdin von Toledo

Franz Grillparzer

Premiere: 11. September 2010

Die wunderschöne und reizvolle Jüdin Rahel begibt sich den Warnungen ihres Vaters und ihrer Schwester zum Trotz in den königlichen Garten von Toledo. Dort trifft sie auf den noch jugendlichen König Alfons VIII. von Kastilien, der bis dato als Gemahl der kühlen Engländerin Eleonore nur die Ehe, nicht aber die Leidenschaft und Liebe kennengelernt hat. Vom ersten Moment an verfällt er dem fremden Zauber der Jüdin und verstrickt sich in ein traumhaftes Liebesspiel. Währenddessen wächst die Bedrohung für Toledo, die Heimat der Christen, durch den näher rückenden Krieg mit den Mauren. Die Stände der Stadt treten in Anwesenheit der Königin zusammen. Sie beschließen Rahels Tod, um Alfons für seine politischen und ehelichen Pflichten zurückzugewinnen. Obwohl dieser sofort die Versammlung auflöst und ehrliche Reue seiner Gemahlin gegenüber zeigt, gelingt es ihm nicht, die Schändung und die Ermordung Rahels zu verhindern. In seinem Stolz und seiner Autorität verletzt, will Alfons die Schuldigen an Rahels Tod zur Rechenschaft ziehen. Doch der Anblick des bis zur Unkenntlichkeit entstellten Leichnams löst bei ihm einen brutalen Sinneswandel aus: er bereut seine kurze Liaison und seine gefühlsbedingte Selbstvergessenheit, radikalisiert seine Gesinnung und zieht gegen die Mauren in den Krieg.

Inspiriert durch ein Stück von Lope de Vega, hat sich Grillparzer lange mit dem Werk auseinandergesetzt, es aber bis zu seinem Tode unter Verschluss gehalten.

Regie: Stephan Kimmig
Bühnenbild: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Licht: Friedrich Rom
Musik: Michael Verhovec
Dramaturgie: Barbara Sommer

Ort:

Burgtheater

Termine:

Sa, 11.9.2010, 19:30 | Premiere
Di, 14.9.2010, 20:00
Sa, 18.9.2010, 19:30
Di, 21.9.2010, 19:30
Mi, 22.9.2010, 19:30

Richard II.

William Shakespeare

Richard, König von England, hat sein Land herabgewirtschaftet, die Kassen sind leer, der Staat ein sinkendes Schiff. Seine korrupten Höflinge fallen von ihm ab. Richard verbannt seinen Cousin Bolingbroke aus England und bringt ihn um sein Erbe.

Jener kehrt jedoch aus dem Exil zurück – und fordert sein Recht. Der neue „Saubermann“ entfesselt einen Bürgerkrieg. Im Untergang reflektiert Richard II. über sein Scheitern und die Grenzen politischer Macht. Er wird zum Menschen. Bolingbroke wird Heinrich IV., aber auch ihn beginnt die Macht zu zerstören. Im letzten Akt rollen die Köpfe, neue Bürokraten des Todes übernehmen die Regierung. Richard II., letzter degenerierter Vertreter eines go_ gesalbten Königtums, wird im Tower ermordet.

Das Burgtheater zeigt das Königsdrama in der preisgekrönten Inszenierung des ehemaligen Burgtheaterdirektors Claus Peymann aus dem Jahr 2000 in neuer Besetzung.

Regie: Claus Peymann
Bühnenbild: Achim Freyer
Kostüme: Maria-Elena Amos
Dramaturgie: Jutta Ferbers

Eine Produktion des Berliner Ensembles

Ort:

Burgtheater

Termin:

So, 12.9.2010, 19:00 | Wiederaufnahme

Das Begräbnis

Mogens Rukov | Thomas Vinterberg

Dem dänischen Regisseur Thomas Vinterberg gelang 1997 mit dem Dogma-Film „Das Fest“ ein Welterfolg, der inzwischen als Theaterstück auf vielen Bühnen nachgespielt wurde. In „Das Begräbnis“ fabuliert Thomas Vinterberg mit seinem Co-Autor Mogens Rukov die Geschichte der Familie Klingenfeldt-Hansen weiter, diesmal nicht im Film, sondern auf der Bühne des Burgtheaters.

Helge ist gestorben. Seine Witwe Else, ihre Kinder Christian, Michael und Helene treffen sich beim Begräbnis des Vaters nach langer Zeit wieder. Man kommt zusammen in dem Haus, in dem Helge vor zehn Jahren an seinem 60. Geburtstag von Christian beschuldigt wurde, ihn und seine Zwillingsschwester im Kindesalter über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Sein Bruder Michael hat den Vater damals am Morgen nach dem Fest verprügelt und aus dem Haus gejagt. Zum Begräbnis ist Christian mit seiner Frau Pia aus Paris angereist, Michael hat seine neue Freundin Sofie und Henning, seinen Sohn aus erster Ehe, mitgebracht. Kim, der Koch, sorgt in dem verlassenen Hotel für das leibliche Wohl der Trauergemeinde. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge. Ein Fluch scheint über der Familie zu liegen und stellt die Nerven aller auf eine harte Probe.

Regie: Thomas Vinterberg Biografie
Ausstattung: Johannes Schütz
Musik: Zbigniew Preisner
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Klaus Missbach

Ort:

Burgtheater

Termine:

Mo, 13.9.2010, 19:30 | Wiederaufnahme
So, 26.9.2010, 19:00

Helena

Euripides / Peter Handke

Koproduktion mit den Wiener Festwochen

An den Haaren hat Menelaos nach der zehnjährigen Schlacht um Troja seine ungetreue Ehefrau Helena aus der zerstörten Festung auf sein Schiff geschleift. War sie doch der Grund für den Tod zahlloser Helden auf beiden Seiten. Aber auch die Heimfahrt brachte neues Elend. Die Winde warfen sie von Küste zu Küste, bis das Schiff schließlich vor der ägyptischen Insel Pharos zerschellte und Menelaos, Helena und einen Rest der Mannschaft an Land spülte. Er versteckte alle in einer Höhle und machte sich auf die Suche nach Hilfe.

Da trifft er auf eine Frau, die aussieht wie Helena und auch behauptet, es zu sein. Nur ein Abbild von ihr sei von den Göttern nach Troja geschickt worden. Sie sei schuldlos am Krieg. Menelaos kann und will es nicht glauben: er und seine Mitstreiter sollen zehn Jahre um ein Schemen gekämpft haben!? Und doch ähnelt die Fremde seiner Frau bis aufs Haar, Menelaos gerät in höchste Verwirrung, bis ein Matrose ihm berichtet, die Helena in der Höhle habe sich in Luft aufgelöst. Das Ehepaar fällt sich in die Arme und sieht sich vor einem neuen Problem: Der Herrscher der Insel ist leidenschaftlich für Helena entbrannt. Wieder droht ihre Schönheit ihr zum Verhängnis zu werden. Da entwirft sie einen Plan, der sie doch nicht ganz so schuldlos erscheinen lässt, wie sie gern gesehen werden möchte...

Peter Handke hat dieses unbekannt gebliebene Helena-Stück für Luc Bondy neu übersetzt.

Regie: Luc Bondy
Bühnenbild: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Milena Canonero
Dramaturgie: Dieter Sturm, Wolfgang Wiens
Mitarbeit: Katrin Hiller

Vorverkauf für die „Helena“-Vorstellungen im Juni ausschließlich über die Wiener Festwochen. Info Tel. +43 (0) 1 589 22 22
www.festwochen.at

Ort:

Burgtheater

Termine:

Mi, 15.9.2010, 19:30 | Wiederaufnahme
Do, 16.9.2010, 19:30
Fr, 17.9.2010, 19:30

Warten auf Godot

Samuel Beckett

Eine Landstraße. Dahinter ein Baum, ohne Blätter. An seinem Fuß zwei Landstreicher: Wladimir und Estragon. Ohne erkennbares Ziel, ohne klare Zukunft, nur mit allmählich verblassenden Erinnerungen an eine bessere Zeit.

Sie reden, erzählen sich Geschichten, streiten und können sich auf nichts einigen: Weder darauf aufzubrechen, noch darauf zu bleiben, sich zu erhängen oder aber Lucky zu helfen; Lucky, dem Diener, der von seinem Herrn Pozzo misshandelt wird. Die Zeit vergeht. Was bleibt, ist nur die Hoffnung auf Godot. Denn mit Godot wird alles besser? Aber kommt Godot auch wirklich?

Becketts wohl berühmtestes Stück ist das Drama der Entwurzelung und des Wartens. Inbegriff dessen wurden die Landstreicher Wladimir und Estragon, die ihr Essen, ihre Ängste und Zweifel miteinander teilen und versuchen, das „schreckliche Schweigen“ von sich fern zu halten. Mit Pozzo und Lucky begegnen ihnen die ewig Wandernden, die Rastlosen und immer Suchenden.

Regie: Matthias Hartmann
Bühnenbild: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Su Bühler
Licht: Peter Bandl
Dramaturgie: Thomas Oberender

Eine Produktion des Schauspielhauses Bochum

Ort:

Burgtheater

Termin:

Do, 23.9.2010, 19:30

Faust - Der Tragödie zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe

Matthias Hartmann inszeniert beide Teile von Goethes monumentalem Faust-Drama. Zwei verschiedene ästhetische Annäherungen entsprechen dabei den völlig unterschiedlichen Eigenschaften des ersten und des zweiten Teils.

Faust wird im Schlaf durch Elfen von Erinnerungen und schlechtem Gewissen befreit. Kaum aufgewacht, treibt ihn sein Streben weiter, an den Hof des Kaisers. Mithilfe von Mephisto rettet er das marode Reich kurzfristig durch die Erfindung des Papiergeldes. Danach macht ihn Mephisto zum Zeugen der Erschaffung des Homunkulus, der ihm den Weg ins antike Griechenland weist. Hier sucht Faust die Erfüllung seines Sehnens in der Gestalt von Helena, dem schönsten Wesen auf Erden. Doch auch das Glück mit ihr dauert nur einen traumhaften Augenblick. Faust wendet sich wieder weltlichen Taten zu und gewinnt für den Kaiser mit unlauteren Methoden einen Krieg, was ihm die Verwaltung der Reichsküste einträgt. Er baut Dämme, legt Land trocken und gründet Siedlungen, ohne Rücksicht auf Verluste. In seiner Verblendung merkt Faust nicht, dass Mephisto schon sein Grab schaufeln lässt. Faust ist zum ersten Mal mit dem Erreichten zufrieden und stirbt. Doch Mephisto wird um seine Beute betrogen: Im letzten Moment entführen Engel Fausts Seele, für die Gretchen sich eingesetzt hat, himmelwärts.

Regie: Matthias Hartmann
Bühnenbild: Volker Hintermeier
Live-Kamera: Stephan Komitsch
2. Live-Kamera: Moritz Grewenig
Videomischung: Hamid Reza Tavakoli
Kostüme: Johanna Lakner
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Peter Bandl
Dramaturgie: Plinio Bachmann, Barbara Sommer

Ort:

Burgtheater

Termin:

Fr, 24.9.2010, 20:00
Hörbeispiel:
Die böhzen Buben

Struwwelpeter

Julian Crouch, Martyn Jacques, Phelim Mc Dermott

Birgit Minichmayr singt und rockt den Struwwelpeter. Mitte des 19. Jahrhunderts erzählte ein Psychiater namens Heinrich Hoffmann in seinem berühmten Kinderbuch drastisch, was mit missratenen Kindern geschieht, die ihre Haare nicht kämmen, ihre Suppe nicht essen, ständig Daumen lutschen oder am Tisch kippeln.

Die englischen Künstler McDermott, Crouch und Jacques haben daraus eine Horror-Music-Show gemacht, über schwer erziehbare Kinder und Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mit Live-Band, Videos und der hinreißenden Birgit Minichmayr hat Stefan Pucher ein Konzert inszeniert, das mit den Schrecknissen, Grausamkeiten, Träumen und Gelüsten der Kindheit spielt und vor allem erahnen lässt, wie gefährlich es ist, ein Kind zu sein.

Ort:

Burgtheater

Termin:

So, 19.9.2010, 19:00

Der Gott des Gemetzels

Yasmina Reza

Bewaffnet mit einem Stock schlug Ferdinand Reilles auf dem Square de l'Aspirant Dunant Bruno Houllié mitten ins Gesicht. Die Lippe geschwollen, zwei Schneidezähne abgebrochen, ein Nerv verletzt, sind die Folge.
So zumindest sehen es die Eltern des elfjährigen Opfers. Sie fordern ein Gespräch mit den Eltern des Täters. Doch schon bei der Formulierung der Stellungnahme treten die ersten Konflikte auf.

Yasmina Reza stammt aus einer weitverzweigten jüdischen Familie. Aufgewachsen ist sie in Paris als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Violonistin. Nach einer ersten Karriere als Schauspielerin gelang ihr 1994 mit "Kunst" ein aufsehenerregender Durchbruch als Dramatikerin - mittlerweile ist sie die weltweit meist gespielte Gegenwartsautorin. Vergangenes Jahr begleitete sie Nicolas Sarkozy auf seiner Wahlkampftour und hat ein scharfsichtiges, bisweilen ironisches literarisches Porträt dieses Politikerlebens veröffentlicht, das soeben auch auf deutsch erschienen ist.

Nach "Kunst" (Regie: Felix Prader) und "Drei Mal Leben" (Regie: Luc Bondy) wird mit "Der Gott des Gemetzels" das dritte Stück der Autorin am Burgtheater zu sehen sein. Inszenieren wird es Dieter Giesing, der in der letzten Spielzeit Neil LaButes "Some Girl(s)" im Akademietheater zur deutschsprachigen Erstaufführung brachte.

Regie: Dieter Giesing
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Janina Audick
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Judith Gerstenberg

Ort:

Burgtheater

Termin:

Sa, 25.9.2010, 19:30

Hader spielt Hader

„Hader spielt Hader“ ist ja nichts Besonderes. Das macht er ja eigentlich immer. Sogar wenn er andere Figuren spielt. Aber diesmal probiert Josef Hader etwas, was viele Kollegen machen, er aber normalerweise nicht: Nummern spielen und dazwischen Lieder singen.

Charaktere aus den letzten fünf Programmen werden zu kleinen Monologen konzentriert, und dazwischen gibts von „Topfpflanzen“ bis zu „So ist das Leben“ alles Musikalische, was der Künstler je verbrochen hat. Es wäre aber kein echtes Hader-Programm, wenn das Abspielen alter Nummern nicht auch zu gewissen Problemen führen würde, bis hin zum völligen Gedächtnisverlust...

Ort:

Burgtheater

Termin:

Mo, 27.9.2010, 20:00

Needcompany | Jan Lauwers
"Isabella's Room"

Artists in Residence

Als der Vater von Jan Lauwers starb, hinterließ er eine Kollektion von ethnologischen und archäologischen Objekten. Diese Erbschaft gab Jan Lauwers den Anstoß, die Geschichte von Isabella Morandi zu erzählen.

Regie, Bühne, Licht: Jan Lauwers
Musik: Hans Petter Dahl, Maarten Seghers
Choreographie: Julien Faure, Ludde Hagberg, Tijen Lawton, Louise Peterhoff
Licht: Ken Hioco

In englischer, flämischer und französischer Sprache, mit deutscher Übertitelung

Ort:

Burgtheater

Termine:

Di, 28.9.2010, 20:00
Mi, 29.9.2010, 20:00
Do, 30.9.2010, 20:00

Thomas Bernhard - Siegfried Unseld: Der Briefwechsel

Mit Peter Simonischek und Gert Voss

In den etwa 500 Briefen zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld entwickelt sich ein einzigartiges Zwei-Personen-Schauspiel.

Mal ist es eine Tragödie, wenn etwa Bernhard die aus seinen Werken bekannten Schimpftiraden auf den Verleger loslässt, der seinerseits auf die Überzeugungskraft des Arguments setzt. Dann gibt Bernhard ein Kammerspiel mit Unseld als Held – 1973 schreibt er ihm: „mit größter Aufmerksamkeit, mit allen Möglichkeiten, gehe ich gern mit Ihnen.“ 1984 agieren beide, bei der Beschlagnahme von „Holzfällen“, als Kämpfer für die Literatur in einem von Dritten inszenierten Schurkenstück.

Es dominiert das Beziehungsdrama: Der Autor stellt die für sein Werk und seine Person unabdingbaren Forderungen. Der Verleger seinerseits weiß, dass gerade bei Bernhard rücksichtslose Selbstbezogenheit notwendige Voraussetzung der Produktivität ist. Solch einen dramatischen Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, in dem bei jeder Zeile alles auf dem Spiel steht, kennt das Publikum bislang nicht.

In Kooperation mit dem Thomas-Bernhard-Archiv und dem Österreichischen Theatermuseum

Ort:

Burgtheater

Termin:

Mo, 20.9.2010, 19:30 | Wiederaufnahme

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