Schauspielhaus         Kleines Haus    

STAATSSCHAUSPIEL DRESDEN | Schauspielhaus

Spielzeit 2011/12

Der Meister und Margarita

nach dem Roman von Michail Bulgakow

Premiere: 11. Februar 2012, Schauspielhaus

Der Teufel erscheint leibhaftig in Moskau, und zwar in Gestalt von Voland, Professor für schwarze Magie. Gemeinsam mit seinem zwielichtigen Gefolge quartiert er sich im Haus Sadowaja 302b, Wohnung 50, ein und stellt das Haus und ganz Moskau auf den Kopf. Schwer erklärbare, unheimliche Vorfälle ereignen sich, Menschen verschwinden, sterben und werden verhaftet. Ausgenommen scheinen zwei Gerechte: der Meister und Margarita, seine ehemalige Geliebte. Der Meister ist Autor eines großen unveröffentlichten, weil „konterrevolutionären“ Romans über Pontius Pilatus, er befindet sich am Anfang der Geschichte in einer Irrenanstalt. Margarita ist eine verheiratete Frau, die sich nach ihrem Geliebten sehnt.
Offizielle Stellen versuchen, die Verwirrungen des Teufels rational zu erklären, der gesamte Staat scheint von schäbigen Betrügern und Spekulanten bevölkert, und die Vertreter der Bürokratie tragen das Ihre dazu bei, das Land in eine riesige Groteske zu verwandeln. Der Teufel selbst versucht, einen eingefleischten Atheisten von der Existenz Gottes zu überzeugen, eigentlich ist er aber nach Moskau gekommen, um für seinen großen Ball eine Königin zu finden. Margarita lässt sich auf den Handel mit dem Teufel ein, um noch einmal den Meister zu sehen.

Bulgakows Meisterwerk, zwischen 1928 und 1940 entstanden, verwebt in zwei Erzählsträngen Fiktion, Satire und historische Begebenheiten. Es gilt als der „russische Faust“. Wie der Meister hatte auch Bulgakow unter der stalinistischen Zensur zu leiden, er verbrannte die erste Fassung des Romans. Das Buch wurde 1966, erst 26 Jahre nach Bulgakows Tod, veröffentlicht.

Regie: Wolfgang Engel
Bühne: Olaf Altmann
Kostüm: Michael Sieberock-Serafimowitsch
Musik: Thomas Hertel
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Licht: Michael Gööck

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 11.2.2012, 19:30 | Premiere |
Mo, 13.2.2012, 19:30 |
Di, 21.2.2012, 19:30 |
Fr, 9.3.2012, 19:30 |
Fr, 16.3.2012, 19:30 |
Sa, 24.3.2012, 19:30 |
Do, 5.4.2012, 19:30 |
So, 15.4.2012, 19:00 |

Herr Puntila und sein Knecht Matti

Volksstück von Bertolt Brecht

Premiere: 10. März 2012, Schauspielhaus

Der finnische Gutsbesitzer Puntila hat zwei Gesichter: Nüchtern ist er ein Ausbeuter, der seine Angestellten drangsaliert. Hat er getrunken, wird er „fast ein Mensch“, ein nordischer Bacchus, dessen einnehmendes Wesen ihm gleich vier Verlobte in einer Nacht beschert. Der betrunkene Puntila zieht seinen Chauffeur Matti ins Vertrauen darüber, dass er bereut, die bevorstehende Hochzeit seiner Tochter Eva mit dem blasierten Attaché arrangiert zu haben, soll sie ihn doch einen ganzen Wald kosten. Matti kann mit der Launenhaftigkeit seines Dienstherrn recht gut umgehen – bis er selbst betroffen ist. Denn im Rausch hält Puntila ausgerechnet ihn für den idealen Bräutigam seiner Tochter, und auch Eva hat längst ein Auge auf den Chauffeur geworfen. Der standesbewusste Matti hingegen sieht in der Klassenzugehörigkeit Evas ein unüberwindbares Hindernis und verlässt Puntilas Gut mit den Worten: „Der Schlimmste bist du nicht, den ich getroffen / Denn du bist fast ein Mensch, wenn du besoffen. / Der Freundschaftsbund konnt freilich nicht bestehn. / Der Rausch verfliegt. Der Alltag fragt: Wer wen?“

Sein Volksstück, das 1940 im Exil entstand, macht in der „Ausformung des Klassenantagonismus’ zwischen Puntila und Matti“, so Brecht in seinen Notizen, die Verlogenheit und Gefährlichkeit der bestehenden Herrschaftsverhältnisse deutlich. Denn in der kapitalistischen Gesellschaft sei der Mensch gezwungen, in einer Bewusstseinsspaltung zu leben und seine gute Natur zu verleugnen. In der Inszenierung von Barbara Bürk werden Torsten Ranft als Puntila und Ahmad Mesgarha als Matti zu sehen sein.

Regie: Barbara Bürk
Bühne: Anke Grot
Kostüm: Irène Favre de Lucascaz
Musik: Sven Kaiser
Dramaturgie: Beret Evensen
Licht: Jürgen Borsdorf

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 7.3.2012, 19:00 | Voraufführung |
Sa, 10.3.2012, 19:30 | Premiere |
Mo, 12.3.2012, 19:30 |
Fr, 23.3.2012, 19:30 |
So, 1.4.2012, 16:00 |
Fr, 6.4.2012, 19:30 |

Der zerbrochne Krug

Komödie von Heinrich von Kleist

Ein Krug ist zerbrochen, ein wertvoller Krug, im Haus der Familie Rull, und wer es war - man weiß es nicht. Es war jemand bei Eve Rull im Zimmer, es war schon dunkel. Ihre Mutter hat es gesehen, ihr Verlobter, Ruprecht Tümpel, hat es gesehen - nur wer es war, das bleibt unklar. Um Licht in die Angelegenheit zu bringen, nimmt der Dorfrichter Adam als Ermittler und als Ankläger die Arbeit auf. Dabei wird er streng beobachtet von Walter, dem Gerichtsrat. Die delikate Angelegenheit jedoch lässt sich so leicht nicht entwirren - zumal von einem Richter, der sich offenkundig nur halbherzig um den Fall bemüht. Warum er so zögerlich ist, wird bald offenbar: Die Indizienlage spricht mehr und mehr dafür, dass der Richter zugleich der Angeklagte ist.

Kleists „Lustspiel“ ist ein Drama, das von der Wahrheitssuche erzählt und von den Möglichkeiten, eigene Wahrheiten zu kreieren, Tatsachen zu schaffen mithilfe der Sprache und ihrer Verdrehung. Alles zerbricht hier: ein Krug, eine heile Welt, eine Unschuld. Nach dem „Käthchen von Heilbronn“ und „Das Erdbeben in Chili“ ist der „Krug“ bereits die dritte Inszenierung eines Textes von Heinrich von Kleist im Spielplan des Staatsschauspiels. Im Kleistjahr 2011 wird der 200. Todestag des Dichters in Deutschland umfangreich gewürdigt; neben den Inszenierungen besteht unser Beitrag auch in dem Projekt „Herrmann's Battle“ von Rimini-Protokoll.

Regie: Roger Vontobel
Bühne: Magda Willi
Kostüm: Dagmar Fabisch

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 12.2.2012, 19:00 |
Fr, 17.2.2012, 19:30 |
Di, 6.3.2012, 19:30 |
Di, 27.3.2012, 19:30 |
Mo, 9.4.2012, 19:30 |
Sa, 14.4.2012, 19:30 |

Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats ...

... dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton
unter Anleitung des Herrn de Sade
von Peter Weiss

Peter Weiss’ „Marat / Sade“ zählt zu einem der Schlüsseltexte der deutschen Nachkriegsgeschichte. Im Theatersaal der Heilanstalt von Charenton - so heißt es im Stück - studiert Marquis de Sade zusammen mit anderen Insassen der psychiatrischen Anstalt die Ermordung Marats ein. In „Marat / Sade“ wird dabei weniger die Frage nach Revolution oder Konterrevolution verhandelt. Weiss war vielmehr daran interessiert, welche Revolution ausgerufen werden soll: die soziale Revolution eines Marats oder die Revolution des Individuums im Sinne de Sades. Der Stoff des Stücks hat besonders die „Neue Linke“ der 1968er-Bewegung nachhaltig beeinflusst, wie auch die kritischen Köpfe des sozialistischen Systems in der DDR. So war der Maler, Filmemacher und Autor Peter Weiss einer der wenigen Dramatiker, die gleichermaßen viel auf den Bühnen in der DDR und der BRD gespielt wurden.
Aus dem Kampf um die „richtige“ Revolution geht Marat als knapper Sieger hervor. Jacques Roux, ein Anhänger Marats, erklärt indes im Stück: „Vor allem andern müssen grundlegende Änderungen in den Verhältnissen erreicht werden.“

Die Regisseurin Friederike Heller versucht sich an der Vergegenwärtigung der Themen um die Französische Revolution und ihrer Folgen und setzt diese in direkten Bezug zu den aktuellen weltpolitischen Entwicklungen. Heller, die an namhaften Theatern wie dem Wiener Burgtheater, dem Schauspiel Köln und zuletzt mit ihrer viel beachteten „Antigone“-Interpretation an der Schaubühne Berlin arbeitete, inszeniert nach Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ nun wieder am Staatsschauspiel Dresden. Es spielen Thomas Eisen als Marat und Torsten Ranft als Marquis de Sade.

Regie: Friederike Heller
Bühne und Kostüm: Sabine Kohlstedt
Musik: Thomas Leboeg
Dramaturgie: Julia Weinreich
Licht: Gunter Hegewald

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Mi, 8.2.2012, 19:30 |

Das Käthchen von Heilbronn

von Heinrich von Kleist

Ein großes historisches Ritterschauspiel

Das Käthchen von Heilbronn, die Tochter des Waffenschmieds Theobald, läuft dem Grafen Wetter vom Strahl nach und zwar buchstäblich. Sie folgt ihm auf Schritt und Tritt. Unter Aufgabe all ihrer Pflichten und auch ihrer Würde schläft sie in seinen Ställen, folgt ihm wie sein Schatten, und keiner weiß, warum. Der verzweifelte Vater, aus dessen Haus sie sich schlich, klagt den Grafen der Hexerei an - doch der wird vor Gericht entlastet. Und weil keiner so recht schlau aus dem Mädchen Käthchen wird, und da sie selber nicht mehr zu ihrer Erklärung vorzubringen hat als ein leises „Weiß nit“, beschließt man, sie in ein Kloster zu geben. Graf Wetter vom Strahl indessen, der seine Verfolgerin nun los ist, macht auf abenteuerlichen Wegen die Bekanntschaft der schönen Kunigunde von Thurneck, die allen Rittern des Landes den Kopf verdreht und nun auch auf den Grafen ihre Wirkung hat. In einem fiebrigen Traum war ihm ein Engel erschienen und hatte ihm vorausgesagt, er werde einst eine Tochter aus kaiserlichem Hause heiraten. Kunigunde ist von kaiserlichem Blut, und so hält er schon bald um die Hand der Dame an. Doch so einfach macht es Kleist seinen Figuren nicht. Käthchen kehrt zurück ...

Es ist ein seltsam flirrendes Märchenstück, das Heinrich von Kleist geschaffen hat. Ein Stück voll verwehter Figuren: Das Käthchen, diese unbeirrbare Extremistin der Liebe; Graf Wetter vom Strahl, dieser Verzagte, dieser verzettelte Held, dem es so schwerfällt, aus seines Lebens gerader Bahn auszubrechen; Kunigunde von Thurneck, die gefälschte Frau, die traurige Betrügerin, die das Produkt der Sehnsüchte ihrer Umwelt ist. Sie alle machen „Das Käthchen von Heilbronn“ zugleich zu einem der rätselhaftesten Stücke wie auch zu einer der schönsten Liebesgeschichten auf dem Theater.

Rechtzeitig zum Kleist-Jahr 2011 inszeniert Hausregisseurin Julia Hölscher, deren Bühnenversion von Ingo Schulzes „Adam und Evelyn“ weiterhin im Spielplan des Staatsschauspiels steht.

Regie: Julia Hölscher
Bühne: Esther Bialas
Kostüm: Ulli Smid
Musik: Tobias Vethake
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Martin Hammer, Robert Koall

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

So, 26.2.2012, 16:00 |

Don Carlos

Ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller

In Schillers „Don Carlos“ geraten Vater und Sohn, Mann und Frau, Sohn und Mutter, Freund und Freund aneinander, durcheinander - verstrickt in ein Geflecht aus Politischem, Familiärem, Idealistischem und Egoistischem. Don Carlos’ Drama: Er liebt seine Stiefmutter, die einst seine Braut war, jetzt seines Vaters Frau ist. Das Drama des Vaters, Philipp II.: In seiner Allmacht ist er allein. Die ihn beraten, könnten ihn verraten, die ihn lieben, könnten ihn betrügen. Der König braucht dringend „einen Menschen“ und glaubt, ihn im Marquis Posa zu finden. Posas Drama: Er „kann nicht Fürstendiener sein“. Don Carlos’ bester Freund vertritt eine höhere Idee, die Idee von Freiheit und Gleichheit. Aber auch Eitelkeit, Ehrgeiz und Stolz sind ihm nicht fremd. Er ist es, der eine aufwändige Intrige inszeniert, an deren Ende der Idee der Freiheit zum Sieg verholfen werden soll. Stattdessen jedoch kostet sie ihn und Carlos das Leben.

Regie führt Roger Vontobel, dessen Arbeiten in den letzten Jahren u. a. am Hamburger Schauspielhaus, an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Essen zu sehen waren.

Regie: Roger Vontobel
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Dagmar Fabisch
Video: Immanuel Heidrich
Dramaturgie: Robert Koall
Licht: Michael Gööck

Ausgezeichnet mit dem deutschen Theaterpreis „Der Faust“ für beste Regie.
Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2011 als eine der zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“ des deutschsprachigen Theaters.

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Sa, 31.3.2012, 19:00 |

Rheingold

Musiktheater nach Richard Wagner

Eine Produktion des Staatsschauspiels Dresden und der Dresdner Musikfestspiele in Koproduktion mit den Wiener Festwochen und den Kunstfestspielen Herrenhausen

„Rheingold“ ist ein Spiel um Verführung. Durch schöne Frauen, durch Reichtum, durch Macht - und vor allem durch die Musik. Wie durch die Wohnzimmerfenster Walhalls sehen wir in Wagners Welt: Im Untergeschoss schmiedet der hässliche Zwerg Alberich übelwollend einen Ring, während im Hof unschuldig die Rheintöchter spielen; im ersten Stock streiten Freia und Fricka mit Wotan der unvermeidlichen Götterdämmerung entgegen, während neben­an der Ortsverein irgendeiner Wagnergesellschaft tagt und ewig fragt: Wer darf Wagner dirigieren? Der Regisseur David Marton untersucht den Mythos Wagner, seine Faszination und die Macht der Musik. Mit von der Partie sind Schauspieler und dezidierte Nicht-Wagner-Sänger - eine Jazz-Sängerin und ein lyrischer Tenor - und statt einem großen Orchester nur zwei Musiker: der Pianist Jan Czajkowski und der Cellist und Improvisator Martin Schütz.

David Marton lotet in seinen Inszenierungen den Grenzbereich zwischen Musiktheater und Schauspiel aus. Am Wiener Burgtheater musikalisierte er Peter Esterhazys Familienepos „Harmonia Caelestis“, in „Lulu“ nach Alban Berg / Frank Wedekind verdreifachte er die Titelrolle und versetzte die Geschichte in ein Tonstudio. „Lulu“ wurde zur Musiktheater-Inszenierung des Jahres 2009 gewählt.

Regie: David Marton
Musikalische Leitung: Jan Czajkowski, Christoph Homberger, Martin Schütz
Bühne und Kostüm: Alissa Kolbusch
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Licht: Michael Gööck

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

So, 25.3.2012, 19:00 |

Minna von Barnhelm

Lustspiel von Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessings Komödie handelt von Frauenliebe und Männerehre, von Liebe und ihrer Gefährdung in einer vom Krieg zerstörten, vom Geld regierten und unbehaust gewordenen Welt. Im Mittelpunkt stehen ein sich selbst fremd gewordener Mann und eine erstaunlich selbstbewusste Frau. Aufgezeigt wird der Weg eines unehrenhaft aus der Armee entlassenen Soldaten, der Sturheit, Stolz und Pflichtbewusstsein überwindet und Menschlichkeit und Mitgefühl entdeckt.

Mit „Minna von Barnhelm“ hat Lessing 1767 eines der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Lustspiele geschaffen. In der Inszenierung von Simon Solberg werden der funkelnde Wortwitz, die geschliffenen Dialoge und die rasanten, zuweilen boulevardesken Wendungen mit Sicherheit ein wenig heutiger als gewohnt zu hören sein. Aber damals wie heute amüsiert man sich über die absurden Hindernisse, die sich Liebende selbst in den Weg legen können. Tobias Becker schrieb im Kulturspiegel über den Regisseur Simon Solberg, der am Staatsschauspiel Dresden in der letzten Saison „Romeo und Julia“ inszeniert hat: „Solberg ist der vielleicht unverkrampfteste Regisseur seiner Generation – und sicher der unterhaltsamste.“

Regie: Simon Solberg
Bühne: Simeon Meier
Kostüm: Katja Strohschneider
Musik: Philipp Stangl
Licht: Michael Gööck
Dramaturgie: Jens Groß

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Di, 28.2.2012, 19:30 |
Do, 8.3.2012, 19:30 |

Viel Lärm um nichts

Komödie von William Shakespeare

Shakespeares Komödien sind ja nie einfach nur gut funktionierende, raffiniert gebaute Verwirrungsmaschinen. Sie sind auch immer Erzählungen von der Unmöglichkeit der Liebe, von der Lächerlichkeit des Menschseins, sie sind große, groteske Geschichten über die komische Vergeblichkeit. Auch „Viel Lärm um nichts“ ist ein solches Stück, das uns vor dem Hintergrund der ­Geschichte über ungleiche Liebende tief in die Seelen der Figuren blicken lässt - also auch in die tiefen Abgründe, die dort verborgen liegen. Wenn hier der Bruder den Bruder hasst; wenn hier zwei Menschen wie Benedikt und Beatrice gegen ihre Neigung zu einem Paar gemacht werden, weil die Gesellschaft es sich so ausgedacht hat; wenn hier die beiden größten Hornochsen von Nachtwächtern am Ende die klügsten von allen sind. Dann wird klar, dass auch „Viel Lärm um nichts“ uns hinter der Komödie noch viel über die Welt erzählen kann.

Das Stück zählt zu den saftigsten und prallsten Komödien des Autors, und der Regisseur Thomas Birkmeir gilt als Experte für eine rasante, unaufdringlich heutige Erzählweise ganz im Sinne des Theaterpraktikers Shakespeare, dessen Text er für Dresden neu übersetzt und eingerichtet hat.

Regie: Thomas Birkmeir
Bühne: Christoph Schubiger
Kostüm: Irmgard Kersting
Dramaturgie: Robert Koall
Licht: Jürgen Borsdorf

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 15.2.2012, 19:30 |
Mi, 22.2.2012, 19:30 |
So, 4.3.2012, 19:00 |
Do, 15.3.2012, 19:30 |
Mi, 21.3.2012, 19:30 |

Der Kaufmann von Venedig

von William Shakespeare

Um die reiche und bildschöne Erbin Portia umwerben zu können, benötigt der völlig abgebrannte Bassanio Geld. Er bittet deshalb seinen Freund und Gönner, den Kaufmann Antonio, um Hilfe. Der wiederum muss sich das Geld vorläufig selbst borgen und sucht um ein Darlehen bei Shylock an, den er zuvor als Jude beleidigt und bespuckt hat. Shylock verzichtet auf Zinsen. Stattdessen lässt er Antonio einen Schuldschein unterschreiben, der Shylock erlaubt, bei Nichtrückzahlung ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper nächst dem Herzen zu schneiden. Da Antonio der festen Überzeugung ist, bald wieder zu Kapital zu kommen, unterschreibt er. Zwar kann Bassanio Portia tatsächlich für sich gewinnen, das geliehene Geld kann er, wie auch Antonio, dennoch nicht zurückgeben. So kommt es, dass Shylock vor Gericht sein Recht durchsetzen will. Portia selbst, durch Männerkleidung getarnt, tritt als schlauer Verteidiger auf und erwirkt, dass es am Ende Shylock ist, der angeklagt und verurteilt wird. Der Liebe von Portia und Bassanio steht nun nichts mehr im Wege.

„Der Kaufmann von Venedig“ wurde lange Zeit als antisemitische Propaganda ausgeschlachtet. So produzierten die Nationalsozialisten 1938 mit großem Aufwand ein Radiohörspiel und strahlten es kurz nach der Reichskristallnacht aus. Zugleich besteht seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch eine ganz andere Aufführungstradition: Von Demütigungen in die Ecke getrieben und von fremdem und eigenem Hass geleitet, steht Shylock exemplarisch für all jene, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. „Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?“ Bis heute ist „Der Kaufmann von Venedig“ Spiegel und Vexierspiel einer Gesellschaft und ihrer Haltung gegenüber den „Juden“, den Außenseitern und Fremden, derer sie bedarf und die sie zugleich mit Angstlust ablehnt.

Regie: Tilmann Köhler
Bühne: Karoly Risz
Kostüm: Susanne Uhl
Musik: Jörg-Martin Wagner
Dramaturgie: Julia Weinreich
Licht: Michael Gööck

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Do, 9.2.2012, 19:30 |
Sa, 18.2.2012, 19:30 |
Mi, 14.3.2012, 19:30 |
Fr, 30.3.2012, 19:30 |

Das steinerne Brautbett

nach dem Roman von Harry Mulisch

Dresden, Herbst, 1956. Elf Jahre nach Kriegsende reist Norman Corinth aus Baltimore, USA, zu einem internationalen Zahnarztkongress in die noch weitgehend in Trümmern liegende Stadt. Doch der Amerikaner ist weniger am fachlichen Austausch im jungen sozialistischen Staat interessiert als an der Geschichte: Als Bomberpilot war er beteiligt an der Verwüstung der Stadt, wurde selbst abgeschossen und schwer verletzt. Corinth verweigert die Teilnahme am offiziellen Kongressprogramm, um sich auf eigene Faust an die Erkundung des Ausmaßes der Zerstörung zu machen. Ein zweites Mal durchlebt er in Dresden Angriff und Zerstörung: Diesmal ist es eine Frau, Hella, Sozialistin und Dolmetscherin des Kongresses, die Corinth parallel zu seinen Erinnerungsfantasien erobert.

Bereits 1959 gelang dem 30-jährigen Niederländer Harry Mulisch ein Roman, der jenseits von Schuldzuweisungen, dafür mit unbestechlichem Blick die Verwundung der Menschen durch den Krieg aufzeigt, und zwar auf beiden Seiten. In seiner charakteristischen Mischung aus Philosophie, Mythologie und Realismus überblendet er die Zerstörung Dresdens dabei gleich zweifach: mit der Eroberung Hellas, der Frau, die Corinths Geliebte und Opfer wird, und der Geschichte um Helena und die antike Stadt Troja.
2002 erhielt Harry Mulisch für seine literarische Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg, die sich durch sein gesamtes Werk zieht, das Bundesverdienstkreuz. Im Oktober 2010 verstarb der Autor von „Die Entdeckung des Himmels“ 83-jährig.

Regie: Stefan Bachmann
Bühne: Simeon Meier
Kostüm: Barbara Drosihn
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Licht: Andreas Barkleit

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Do, 16.2.2012, 19:30 |
Sa, 17.3.2012, 19:30 |
Mi, 28.3.2012, 19:30 |

Sein oder Nichtsein

Komödie von Nick Whitby

nach dem Film „To Be or Not to Be“ von Ernst Lubitsch, Edwin Justus Mayer und Melchior Lengyel

Warschau, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs: Eine Schauspielertruppe probt in Nazikostümen für die Politkomödie „Gestapo“, als die polnische Regierung die Aufführung verbieten lässt, um nicht mit dem Hitlerregime in Konflikt zu geraten. Um ein Stück für den Abend zu haben, wird „Hamlet“ gegeben - mit dem selbstverliebten Starschauspieler Josef Tura in der Titelrolle. Während des großen Hamletmonologs hat seine Ehefrau Maria in ihrer Garderobe ein Stelldichein mit dem attraktiven Fliegerleutnant Stanislaw Sobinsky. Kurz darauf bricht der Zweite Weltkrieg aus, und der Flieger warnt das Ensemble vor einem feindlichen Spion, der im Begriff sei, eine Liste mit den Namen der polnischen Widerstandskämpfer an die Nazis zu übergeben. Um dies zu verhindern, verwandelt sich das Theater in das Gestapo-Hauptquartier, und das Ensemble nimmt die Rollen der deutschen Besatzer an. Es beginnt eine wahnwitzige Komödie der Verstellung, in der alle Darsteller um ihr Leben spielen.

Berühmt geworden ist „Sein oder Nichtsein“ durch den grandiosen Film von 1942 in der Regie von Ernst Lubitsch. Den Theaterabend inszeniert Thomas Birkmeir, Künstlerischer Leiter am „Theater der Jugend“ in Wien. Er hat u. a. an der dortigen Staatsoper und am Schauspiel Hannover inszeniert und ist ein Spezialist für musikalische und komödiantische Stoffe.

Regie: Thomas Birkmeir
Bühne: Jörg Kiefel
Kostüme: Irmgard Kersting
Musik: Klaus-David Erharter
Dramaturgie: Martin Heckmanns
Licht: Michael Gööck

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 5.2.2012, 16:00 |
Do, 23.2.2012, 19:30 |
Di, 20.3.2012, 19:30 |
Fr, 27.4.2012, 19:30 |

Familienbande

von Franz Wittenbrink und Lutz Hübner

Ein musikalischer Abend unter Verwandten

Der kleine Festsaal eines Landgasthofes in der Provinz, eine Flügeltür zum großen Festsaal, in dem eine Familienfeier stattfindet. Zu Großvaters 80. Geburtstag sind sie alle zusammengekommen, um harmonisch den Festtag zu begehen. Doch wie soll das gut gehen bei einer Großfamilie, die wie jede vernünftige Sippe einige Leichen im Keller hat?
Sohn Albert hat sich finanziell übernommen - sein alter Herr darf es nicht wissen. Und der Rest der Mischpoke schon gar nicht. Seinem Bruder kann er geliehenes Geld nicht zurückzahlen. Geschwister und Schwägerinnen und Schwager können sich nicht riechen, die Cousins und Cousinen öden sich an. Der Alkohol löst die Zungen und befeuert die schwelenden Familienbrände. Und so läuft die harmonische Zusammenkunft auf das absurdeste aus dem Ruder - mit niemandem streitet es sich so schön wie mit der buckligen Verwandtschaft! Eigentlich hasst man sie ja, diese Anlässe. Aber Hauptsache, Opa freut sich.
Zum ersten Mal arbeiten für „Familienbande“ der Musiker und Regisseur Franz Wittenbrink und der Autor Lutz Hübner zusammen, der den szenischen Entwurf für diesen Liederabend schrieb und die Figuren erfand. Hübner, der zu den meistgespielten deutschen Dramatikern zählt, ist dem Dresdner Publikum vor allem bekannt durch die Abende „Frau Müller muss weg“ und „Die Firma dankt“.

Regie und Musikalische Leitung: Franz Wittenbrink
Bühne: Christoph Schubiger
Kostüm: Nini von Selzam
Dramaturgie: Robert Koall
Musikalische Einstudierung: Hans-Richard Ludewig

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 |
Fr, 10.2.2012, 19:30 |
Fr, 2.3.2012, 19:30 |
Do, 29.3.2012, 19:30 |
Sa, 7.4.2012, 19:30 |

Reineke Fuchs

von Johann Wolfgang von Goethe

Kinder- und Familienstück für alle ab 8 Jahren

Hoftag bei König Nobel, dem Löwen. Alle erscheinen, nur nicht Reineke, der Fuchs. Die Tiere, große und kleine, bringen ihre Beschwerden über den gerissenen Schelm vor. Eine Wurst hat er gestohlen, den Wolf verhöhnt, das Kaninchen bedroht und sogar die Henne Kratzfuß totgebissen. Das Sündenregister des Schelms ist lang, die Tiere fordern Strafe. Braun, der Bär, soll Reineke holen, lässt sich aber ebenso von ihm überlisten wie Hinze, der Kater. Als Reineke endlich am Hof erscheint, wird er zum Tode verurteilt, doch er erfindet, den Kopf schon in der Schlinge, eine so geschickte Lügengeschichte, dass er begnadigt wird. Als der Verrat auffliegt und Reineke ein zweites Mal vor dem König erscheint, kommt es zum Showdown: Reineke und Isegrim, der Wolf, treten im Zweikampf gegeneinander an …

Goethes Epos „Reineke Fuchs“ entstand 1793, die Fabel lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen: der gerissene Räuber und schlaue Schelm, der über seine dummen und gefräßigen Gegner triumphiert - eine wunderbare Geschichte über List und Tücke, Dummheit und Gier für die ganze Familie.

Regie: Susanne Lietzow
Bühne: Aurel Lenfert
Kostüm: Marie Luise Lichtenthal
Musik: Gilbert Handler
Video: Petra Zöpnek
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Licht: Andreas Barkleit

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

So, 19.2.2012, 17:00 |
So, 11.3.2012, 17:00 |
Mo, 12.3.2012, 10:30 |
So, 8.4.2012, 17:00 |

Kleiner Mann, was nun?

nach dem Roman von Hans Fallada

Johannes Pinneberg liebt Emma Mörschel; liebevoll nennt er sie Lämmchen. Bald wird Lämmchen schwanger, die beiden heiraten und taufen den kleinen Jungen Murkel. Obwohl sie einfache Leute sind und wenig haben, geht es ihnen gut. Ihr Leben könnte so weitergehen. Aber Johannes verliert seine erste Stelle. Dann die zweite - dabei brauchen sie doch so dringend Geld für den Murkel und für sich. Die Zeiten stehen schlecht: Massenarbeitslosigkeit, Weltwirtschaftskrise, Wohnungsmangel - da wird das Liebesglück schnell auf die Probe gestellt. Pinnebergs Ausweglosigkeit wird immer erdrückender. Er weiß oft nicht mehr weiter; eines weiß er aber sicher: nämlich, dass er Lämmchen über alles liebt und dass sie ihn liebt und dass diese Liebe das Einzige ist, das wirklich zählt. Auch dann noch, wenn Pinnebergs berufliche Lage immer niederschmetternder wird und er am Ende gar keine Arbeit mehr hat. Zum Glück hat er Lämmchen!

Hans Falladas international gefeierter Roman „Kleiner Mann, was nun?“ aus dem Jahre 1932 erzählt vom zärtlich-idyllischen Liebesglück eines kleinen Angestellten und seiner Frau in der anhaltenden Weltwirtschaftskrise. Dieser äußeren ökonomischen und politischen Schieflage setzt Fallada in Gestalt von Lämmchen eine Frau entgegen, die mit ganzer Lebensenergie aufbegehrt gegen die Missstände ihrer Zeit. Mit ihrer unerschrockenen, aufrichtigen Art ist sie die eigentliche Heldin der Geschichte. In Zeiten erneuter Deregulierung von Wirtschafts- und Arbeitsmärkten und entfesselten Finanzströmen kann sie uns vielleicht ein Vorbild sein. Regie führt Barbara Bürk, die in der vergangenen Saison die Uraufführung von Lutz Hübners Komödie „Frau Müller muss weg“ inszenierte. In den beiden Hauptrollen sehen Sie Karina Plachetka und Christian Erdmann.

Regie: Barbara Bürk
Bühne und Kostüm: Anke Grot
Musik: Markus Reschtnefki
Dramaturgie: Julia Weinreich
Licht: Olaf Rumberg
Kostüm Irène Favre de Lucascaz

Ort:

Schauspielhaus

Termin:

Mi, 4.4.2012, 19:30 |

Romeo und Julia

von William Shakespeare

Deutsch von August Wilhelm Schlegel

Romeo und Julia sind Sprösslinge zweier aufs Blut verfeindeter Familien. In einer spannungsgeladenen und uneinsichtig kriegerischen Atmosphäre setzen sie ihre Liebe den familiären und gesellschaftlichen Zwängen entgegen - und ziehen am Ende den Selbstmord jedem Kompromiss vor. Der Tod verleiht ihrer idealistischen Liebe etwas Absolutes und bewirkt ein Umdenken in der Gesellschaft: Der unendliche Ruhm des Stückes basiert aber vor allem darauf, dass es beinahe jeder Generation seit 400 Jahren immer wieder gelungen ist, diese archetypische Geschichte für ihre jeweilige Zeit heutig, modern und wie neu zu erzählen. Beim jungen Regisseur Simon Solberg sind die verfeindeten Familien Angehörige von zwei konkurrierenden Firmen zwischen denen das Liebespaar aufgerieben wird. Eine wilde, unbändige Mischung aus spielerischem Spaß, menschlichen Konflikten, zeitgenössischer Coolness und einem berührenden klassischen Text des größten Theaterdichters aller Zeiten.

Simon Solberg absolvierte seine Schauspielausbildung an der Folkwang Hochschule in Essen bereits mit dem Ziel, Regisseur zu werden. Sein Regiedebüt gab er am Schauspiel Frankfurt, wo auch seine Inszenierung von „Don Quijote“ entstand, die beim Festival „Radikal jung“ in München den Kritikerpreis gewann. Von 2006 bis 2008 war er am Nationaltheater Mannheim Hausregisseur.

Regie: Simon Solberg
Kampfchoreografie: Simon Solberg
Bühne: Simeon Meier
Kostüme: Katja Strohschneider
Licht: Gunter Hegewald
Dramaturgie: Jens Groß

Ort:

Schauspielhaus

Termine:

Mi, 29.2.2012, 19:30 |
Do, 22.3.2012, 19:30 |
Di, 29.5.2012, 19:30 |

Staatsschauspiel Dresden

Schauspielhaus

Theaterstraße 2
D-01067 Dresden

E-Mail: tickets@staatsschauspiel-dresden.de

Vorverkaufskasse im Schauspielhaus:
montags bis freitags von 10:00 bis 18.30 Uhr
samstags von 10:00 bis 14:00 Uhr

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