CULTURALL.INFO

Buchtipps

Bodo Kirchhoff:
"Widerfahrnis"

Frankfurter Verlagsanstalt

Deutscher Buchpreis 2016

Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. Die, die ihn an die Hand nimmt, ist Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Aber noch stärker verbindet die beiden, dass sie nicht mehr auf die große Liebe vorbereitet zu sein scheinen. Als dann nach drei Tagen im Auto am Mittelmeer das Glück über sie hereinbricht, schließt sich ihnen ein Mädchen an, das kein Wort redet, nur da ist ...

Kirchhoff erzählt in seiner großartigen Novelle von der Möglichkeit einer Liebe sowie die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. »Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung«, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, »jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.«

Eine Novelle
224 Seiten

Marcel Beyer:
"Flughunde"

suhrkamp

Georg-Büchner-Preis 2016 für Marcel Beyer

Flughunde sind fledermausähnliche Flattertiere mit hundeartigem Kopf. Für Hermann Karnau sind sie von Kindheit an Sinnbild einer Welt, die vor dem Zugriff fremder Stimmen geschützt ist. Die Stimme ist der Fetisch des Akustikers Karnau, der 1940 den Plan faßt, systematisch das Phänomen der menschlichen Stimme zu erkunden.
Die eine Erzählstimme gehört Hermann Karnau, dessen Namen der Autor einem Wachmann im Berliner Bunker unter der Reichskanzlei entliehen hat. Die andere gehört der achtjährigen Helga, einer Tochter des Propagandaministers. Immer wieder kommt es zu Begegnungen der beiden, zuletzt im April 1945, als Karnau in Berlin ist, um die Führerstimme aufzuzeichnen.
Ein Zeitsprung führt in den Sommer 1992. Hermann Karnau, der nach dem Krieg untertauchen konnte, findet in seinem Plattenarchiv die Stimmen, die Gespräche von Helga und Helgas Geschwistern während ihrer letzten Tage und Nächte wieder. Auch den Kindern hat er die Stimmen – bis zum letzten Atemzug – abgelauscht.
»Der Roman Flughunde macht das Dritte Reich als Medien-Phänomen, als eine Erscheinungsform der akustischen Propaganda und Massensuggestion, zu seinem Thema, personifiziert in der sinistren Gestalt eines Akustikers … Karnau, das Horch-Ungeheuer, ist der fürchterlichste Roman-Unhold, seit Patrick Süskind in seinem Roman Das Parfum das Geruchsmonster Grénouille erfand, das die Menschen experimentell umbrachte, um ihnen die Gerüche zu rauben.« Sigrid Löffler

Roman
Broschur, 304 Seiten

Guntram Vesper
"Frohburg"

Schöffling & Co.

Preis der Leipziger Buchmesse 2016 (Belletristik)

FROHBURG ist ohne Zweifel das opus magnum von Guntram Vesper, zugleich für den Autor der Ausgangspunkt von allem: Der Ort seiner Geburt 1941, Jugend, Aufwachsen und Erwachen, die Flucht der Familie 1957, das umliegende Land die Folie der Geschichtsbetrachtung einer deutschen Epoche. Hier werden ein Land und eine Zeit gültig festgehalten, Kultur und Politik, Krieg und Nachkrieg, ein umfassendes, großartiges Portrait deutschen Lebens im zwanzigsten Jahrhundert; ein gewaltiges Prosawerk, das neben die großen Bücher von Peter Kurzeck, Walter Kempowski und Uwe Johnson zu stellen ist. FROHBURG ist ein Füllhorn an Geschichten, zumeist aus eigenem Erleben grundiert, eine große autobiographische Erzählung, ein Welt-Buch im Überschaubaren, ein Geschichts- und Geschichtenpanorama, wie wir schon lange keines hatten.

Roman
1008 Seiten.
Leinen. Bedruckte Vorsätze

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik
»Guntram Vespers Roman FROHBURG gehört zu den Büchern, bei denen man leicht, ganz schnell, auf die großen Begriffe kommt. Opus magnum. Mammutwerk. Solche Wendungen. Schließlich breitet Guntram Vesper eine umfangreiche Geschichtslandschaft vor uns aus, die von der Gegenwart aus die alte Bundesrepublik, die DDR natürlich, die Nazizeit umfasst und weit in die Geschichte Deutschlands zurückbindet, bis dahin, wohin nur noch die Geschichtsbücher reichen.«
Begründung der Jury

»Autobiographische Familienstränge gehen immer unmittelbar über in gesellschaftliche Stränge, also ich und Gesellschaft in ganz konkreter Form werden zusammengebunden. (...) Spektakulär, wie er das schafft.«
Helmut Böttiger, swr 2

»FROHBURG, kein Zweifel, müssen Sie lesen!«
zdf aspekte

»Das gewichtigste Buch dieser Tage. In jeder Hinsicht.«
Andreas Platthaus, FAZ

Mircea Cărtărescu
"Die Wissenden"

dtv Verlag

Was als Selbsterkundung eines Halbwüchsigen beginnt, entwickelt sich zu einem mitreißenden Erzählstrom von immenser Sprachkraft.
Rumänien um die Mitte des 20. Jahrhunderts: Von einer Wohnung in einem Bukarester Plattenbau aus beobachtet der 15-jährige Mircea, wie das ehemalige Paris des Ostens architektonisch verschandelt wird. Angeregt durch die Geschichten seiner Mutter, will er die Erinnerung an die alte Stadt bewahren.

Aus dem Rumänischen von Gerhardt Csejka
528 Seiten

»Ein Proust aus dem Plattenbau, aber einer auf Speed.« Der Spiegel

Swetlana Alexijewitsch:
"Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus"

Suhrkamp

Nobelpreis für Literatur 2015

Gut zwanzig Jahre sind vergangen seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die Russen entdeckten die Welt, und die Welt entdeckte die Russen. Inzwischen aber gilt Stalin wieder als großer Staatsmann, die sozialistische Vergangenheit wird immer öfter, vor allem von jungen Menschen, nostalgisch verklärt.
Russland, so Swetlana Alexijewitsch, lebt in einer Zeit des »Second-hand«, der gebrauchten Ideen und Worte. Die Reporterin befragt Menschen, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt, betrogen fühlen. Sie spricht mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, Gulag-Häftlingen, Stalinisten. »Historiker sehen nur die Fakten, die Gefühle bleiben draußen …, ich aber sehe die Welt mit den Augen der Menschforscherin.«
Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Swetlana Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen, die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche.

Jan Wagner:
"Regentonnenvariationen"

Hanser Berlin

Preiträger der Leipziger Buchmesse 2015

In seinem neuen Gedichtband vermisst Jan Wagner poetisch die Welt – von Schlehen im Frost bis zu Eseln in Sizilien.
Der Garten, in dem die Regentonne steht, ist phantastisch weit, reich und offen – eine Welt. In diesem Lyrikband geht es in die Natur mit all ihren kunstvollen Variationen des Lebens. Jan Wagner lässt den Giersch schäumen, dass einem weiß vor Augen wird, nimmt Weidenkätzchen und Würgefeige, Morchel und Melde, Eule, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt ran, überblendet assoziativ, bis der Blick sich weitet und man weiß, für einen Augenblick zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein. Es ist immer wieder ein Wunder, wie es diesem Lyriker gelingt, Bilder zu schaffen, die in einem Halbvers Stimmungen heraufbeschwören – bis längst Vergessenes oder nie Gesehenes vor Augen steht.

" ... eine lyrische Festschrift der Naturkunde und der ihr eingeschriebenen Magie." Herbert Wiesner, Die Welt, 13.03.15

"... einer der talentiertesten Lyriker des Landes, der in seinen Gedichten genauso zugänglich ist, wie er sich auf Sprachvielfalt und Raffiniesse versteht. Er ist ein Virtuose der Form, der sich selbst am Ton des Mittelalterlichem elegant erprobt und dem es schon gelungen ist, an Idole wie Dylan Thomas und Elizabeth Bishop sprachlich anzuknüpfen. Und: Jan Wagner schreibt im wahren Sinnn des Wortes schöne Gedichte, manchmal fast zu schöne."
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel, 13.03.15

"Jan Wagner ist der beste Lyriker seiner Generation und eine der stärksten und originellsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur."
Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 13.03.15

"Was Wagners Lyrik auszeichnet, ist die Zuwendung zur Welt und zu deren Bewohnern. Zugleich sind seine Motive der Gegenwart entrückt. … Diesem Lyriker geht es nicht um Kritik an den Verhältnissen, sondern um die verborgene Schönheit der Welt."
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.15

"Man kann nicht anders, als die Meisterschaft des Dichters zu bewundern." Stephan Speicher, Die Zeit, 12.02.15

Nicolas Mahler
"Franz Kafkas nonstop Lachmaschine"

Reprodukt

Preis der Literaturhäuser 2015

Wie fühlt es sich an, als Comicautor in der Hochkultur anzukommen? Wie übersetzt man Thomas Bernhard und Robert Musil in Comicform? Und gibt es nicht mehr Überschneidungen zwischen Franz Kafka und “Fix und Foxi”-Erfinder Rolf Kauka, als man zunächst annehmen mag? Auch in der vierten Sammlung von autobiografischen Geschichten berichtet Nicolas Mahler mit trockenem Witz aus seinem aufregenden Leben als Comiczeichner und von den grotesken Situationen, in die er fortwährend gerät.

Nicolas Mahler ist einer der profiliertesten und produktivsten Comickünstler im deutschsprachigen Raum. Bei Reprodukt ist neben autobiografischen Comics wie “Kunsttheorie versus Frau Goldgruber” zuletzt die tragikomische Erzählung “Lone Racer” erschienen. Viel Aufmerksamkeit wurde Nicolas Mahler für seine Literaturadaptionen “Alte Meister” und jüngst “Der Mann ohne Eigenschaften” zuteil, die im Suhrkamp Verlag veröffentlicht wurden.

“Witziger, als Nicolas Mahler sie gestaltet, können Comics kaum sein.” – Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

128 Seiten, schwarzweiß, 14 x 21 cm, Klappenbroschur

Michel Houellebecq
"Unterwerfung"

Dumont-Verlag

Im Mittelpunkt von Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ steht die Geschichte des Literaturwissenschaftlers Francois. Während der Akademiker und leidenschaftliche Weintrinker das Werk des dekadenten Schriftstellers Huysmans erforscht, rückt die Wahl des neuen französischen Präsidenten immer näher.

Alles deutet darauf hin, dass der charismatische Kandidat der Muslimbruderschaft das Rennen machen wird. In der Hauptstadt kommt es zu tumultartigen Ausschreitungen: Autos brennen, Wahllokale werden überfallen und ein Bürgerkrieg scheint blutige Realität zu werden. Es kommt zur Stichwahl zwischen der Rechtsextremen Marine Le Pen und dem muslimisch-moderatem, humanistisch gesonnenem Kandidaten – und schließlich zieht Mohamed Ben Abbès als Präsident in den Elysée-Palast ein. Bald stellt er die Republik auf den Kopf, führt islamische Bildung und Vielweiberei ein.

Nach dem Machtwechsel fliegt Francois von der Universität und flüchtet aus Paris. Er begibt sich auf eine Reise ohne Ziel. Es wird eine Reise in sein Inneres, eine Selbstfindung, die in einem Kloster bei Poitiers endet, in dem Huysmans im Jahr 1899 Laienbruder wurde. So ist „Unterwerfung“ auch die fiktive Geschichte eines Mannes, der verzweifelt zwischen den sich immer stärker aufbauenden Fronten zwischen Christentum, Islam und Judentum nach Orientierung sucht.

Roman
ca. 272 Seiten

»Man kann diesen Roman kaum aus der Hand legen … Kein Autor hält der offenen Gesellschaft ihre Albträume so schonungslos vor wie er.«
F.A.Z.

»Je suis Houellebecq.«
taz

»Es ist eines von Michel Houellebecqs besten Büchern … eine literarische Möglichkeit der Welt. Dafür ist Literatur erfunden worden.«
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Ich halte ›Unterwerfung‹ für eine der gelungensten, weil fantasievollsten, witzigsten, um nicht zu sagen aberwitzigsten Arbeiten, die der Autor je geschaffen hat … ein grandioses Buch.«
DIE WELT

»Houellebecq beschreibt … die Trostlosigkeit der französischen (und europäischen) Gegenwart, in der jeder willenlos dem Drang ausgeliefert ist, sich in der von Geld und Gier getriebenen Marktgesellschaft einen beneidenswerten Platz zu erkämpfen.«
Der Spiegel

»Mehr als jeder andere europäische Schriftsteller der Gegenwart hat Houellebecq die Sensibilität und den Mut, schwelende Konflikte zu erkennen und erzählerisch fortzuspinnen.«
Welt am Sonntag

Amos Oz
"Unter Freunden"

Suhrkamp Verlag

Siegfried Lenz Preis 2014 für Amos Oz

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler

Zvi Provisor, der mürrische Gärtner des Kibbuz Jikhat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gemeinschaft mit Katastrophenmeldungen zu versorgen: die Erkrankung des norwegischen Königs, der Brand in einem spanischen Waisenhaus, ein Vulkanausbruch in Chile. Abgelenkt von seiner täglichen Dosis Pessimismus, entgeht ihm, dass die Witwe Luna Blank nur ihm zuliebe ihr gutes Sommerkleid trägt. Er, der keine Berührungen zulassen kann, muss erkennen, dass die ungewohnte weibliche Präsenz seine ihm heilige Alltagsroutine ins Wanken bringt. Amos Oz, der Meister der Zwischentöne, knüpft in Unter Freunden an seinen Bestsellererfolg Eine Geschichte von Liebe und Finsternis an und kehrt zu der Zeit zurück, die ihn am meisten inspiriert hat: seine Kibbuz-Jahre.
»Diese Geschichten erzählen von den elementaren Kräften menschlicher Existenz. Von Einsamkeit. Von Liebe. Von Verlust. Von Tod. Von Sehnsucht. Von Verzicht und Verlangen. Also von den grundlegenden Dingen, die jeden betreffen.« Amos Oz

»Amos Oz ist der große Charakterschriftsteller unserer Zeit.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Unter Freunden ist ein großes Werk, ruhig, beharrlich, kraftvoll, anrührend, ein Buch, dem man viele Leserwünscht, die ihre Gedanken mit ihm schweifen lassen.«
Süddeutsche Zeitung

»Amos Oz versteht es meisterhaft, seine Figuren mit wenigen Strichen lebendig werden zu lassen.«
DIE WELT

»Mit dem Buch Unter Freunden ist der israelische Schriftsteller in seine Kibbuz-Jahre zurückgekehrt. Mit schnörkellos erzählten Geschichten lässt er uns an den Gründungsmythen des Staates Israel teilhaben – ohne Rücksicht auf Tabus, die diese Mythen schier unangreifbar zu machen scheinen.«
Deutschlandfunk

»Verzicht, Verlangen, Liebe, Einsamkeit und der Schmerz - das sind die Themen dieser Geschichten. Man könnte sie überall auf der Welt finden, in Amos Oz' Kibbuz Jikhat aber werden sie wie unter einem Brennglas sichtbar. Schnörkellos, ohne ein Wort zu viel, erzählt der Autor, und was er nicht benennt, ist dennoch spürbar.«
Deutschlandradio Kultur

Patrick Modiano
"Der Horizont"

Hanser Literaturverlag

Nobelpreis für Literatur 2014

Zwei Verlorene, die sich finden und wieder verlieren - ein Roman über Zeit und Erinnerung von Nobelpreisträger Patrick Modiano
Während einer Demonstration stoßen sie in einem Metroeingang zufällig zusammen, Margaret Le Coz und Jean Bosmans. Sie, geboren in Berlin als Tochter einer französischen Mutter, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, er schreibt an seinem ersten Roman. Die beiden werden für kurze Zeit ein Liebespaar. Bis Margaret Hals über Kopf aus Paris flieht. Vierzig Jahre später spürt Bosmans dieser verlorenen Liebe nach. Was ihm bleibt sind seine Erinnerungen und eine konkrete Spur, die in eine Berliner Buchhandlung führt. Patrick Modianos neues Buch – in Frankreich als sein schönster Roman über das Vergehen der Zeit gerühmt – ist die Geschichte eines jungen Paares in den unruhigen sechziger Jahren.

"Der Meister der zeitgenössischen Erinnerungsliteratur." Joseph Hanimann, Süddeutsche Zeitung

"Man gleitet sofort hinein, in den Modiano-Ton, in diesen samtig-melancholischen Strom." Andreas Schäfer, Der Tagesspiegel

"In seinem neuen Buch erweist sich der Franzose Patrick Modiano erneut als Meister des anmutigen, sanft melancholischen Erzählens." Judith Kuckart, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag

Thomas Hettche
"Pfaueninsel"

Kiepenheuer & Witch

Eine Insel außerhalb der Zeit

Die Pfaueninsel in der Havel ist ein künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet.
Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet. Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration,
zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.
Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.
Thomas Hettche ist das Kunststück gelungen, mit dem historisch verbürgten Personal seiner Geschichte von uns Heutigen zu erzählen. Atmosphärisch, detailgetreu und voller Lust an der phantasievollen Ausschmückung.

»Hettche erweist sich erneut als einer der elegantesten und raffiniertesten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.«
Jury des Deutschen Buchpreises 2014

»Mach Platz, Günter Grass! Es gibt jetzt einen zweiten bedeutenden Roman in der Gegenwartsliteratur über Kleinwüchsige, Pfaueninsel von Thomas Hettche.«
Das Erste - druckfrisch

»[...] so gut austariert, stilistisch auf hohem Niveau, wohltemperiert und vor allem: Wissen und Erkenntnis mit Anteilnahme und Leidenschaft mischend.«
Die Zeit

»Endlich mal ein historischer Roman auf der Höhe der Zeit.«
Bayrischer Rundfunk

»(...) seit Kehlmanns Vermessung der Welt habe ich keinen Erzähler mehr so souverän mit Ideen spielen sehen (...)«
Denis Scheck, Deutschlandfunk

»Jetzt gebt ihm verdammt nochmal endlich den Büchnerpreis.«
Julia Schröder im Deutschlandradio

»[Thomas Hettche ist] hier auf der Höhe seines Könnens [und] ein vorbildlich informierter und diskreter Cicerone [...].«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Terézia Mora
"Das Ungeheuer"

Luchterhand Literaturverlag

Deutscher Buchpreis 2013

Eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen
»Solche Geschichten gibt's, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet«: Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen. Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war – und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte.
Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise – auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.

ORIGINALAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 688 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

"Terézia Mora hat ein großes, ein zutiefst humanes Buch geschrieben."
Hubert Spiegel / FAZ (07.09.2013)

"Beklemmend und grandios. [...] Mit aller Wucht erzählt dieses Buch von unserer Gegenwart."
Rainer Moritz / Neue Zürcher Zeitung (25.09.2013)

"Terézia Mora ist mit "Das Ungeheuer" ein wunderbarer Roman über eine existenzielle Erfahrung gelungen."
Ulrich Rüdenauer / SWR2 (02.09.2013)

"Ein schmerzreicher und mitreißender Roman"
Volker Hage / DER SPIEGEL (07.10.2013)

"Tiefer ist Terézia Mora noch nie in die Abgründe hinabgestiegen, um die Bodenlosigkeiten heutigen Lebens auszuloten."
Sigrid Löffler / Deutschlandradio Kultur (03.09.2013)

"In ihrem unvergleichlich kühlen, brillanten und originellen Stil erzählt Terézia Mora auf avancierte und bewegende Weise von der dunklen Seite in uns selbst."
Andrea Gerk / NDR Kultur (02.09.2013)

"So gegenwärtig, so brutal und so konsequent wie Terézia Mora erzählt kaum ein anderer von unserer sich zunehmend verquickenden Lebens- und Arbeitswelt."
Christoph Schröder / KulturSPIEGEL (30.09.2013)

Lisa-Maria Seydlitz
"Sommertöchter"

Eine Familiengeschichte voller Liebe

Durch einen anonymen Brief erfährt Juno von ihrem Erbe: ein Fischerhaus in der Bretagne. Aber wider Erwarten ist sie nicht die Einzige, die sich für das Haus interessiert. Die französische Kellnerin Julie hat sich dort eingenistet, und auch Jan, ein Architekt aus Deutschland, ist oft zu Besuch. Acht Jahre nach dem Tod ihres Vaters eröffnet sich für Juno ein neuer Blick in die Vergangenheit. Die Reise in die Bretagne wird für sie zu einer Reise in ihre Familiengeschichte. In eine Kindheit, in der sie glücklich war und mit ihren Eltern ein scheinbar idyllisches Vorstadtleben geführt hat. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem alles anders wurde.
›Sommertöchter‹ ist ein Roman gegen das Alleinsein. Lisa-Maria Seydlitz nimmt ihre Leser mit in einen Sommer, in dem man traurig sein darf und Trost erhält. Sie erzählt davon, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren und ein neues Leben zu gewinnen.

Roman
208 Seiten, Hardcover, EUR 18,99

Hörbeispiel:

Marcel Beyer
"Putins Briefkasten"

Kleist-Preis 2014

Eines Morgens, in einer ihm »selber nicht ganz klaren Anwandlung«, fährt Marcel Beyer an den Stadtrand von Dresden, um dort einen Briefkasten noch einmal zu sehen, nicht irgendeinen, sondern den Wladimir Putins, der in den achtziger Jahren hier lebte. Er findet ihn nicht mehr vor. Aber was Beyer auf seiner Spurensuche wahrnimmt und aufschreibt, entwickelt sich unterderhand zu einem Kurzporträt Putins, das erhellender ist als jede dickleibige politische Biographie. Was immer Beyer hier in seinen Erzählungen und Skizzen in den Blick nimmt - seien es Blumen oberhalb des Genfer Sees, eine von Rimbaud aufgegebene Kleinanzeige, ein einäugiger Löwe im Dresdner Zoo, von Dostojewskij zum Brüllen gebracht, ein kleinformatiges Gemälde von Gerhard Richter oder Lessings Ofenschirm in Wolfenbüttel -, stets entzünden sich an konkreten Phänomenen seine Überlegungen zu Sprache, Kultur und politischer Geographie.
Putins Briefkasten, Marcel Beyers Sammlung seiner unveröffentlichten Erzählungen und Denkbilder, ist ein Buch über Wahrnehmung, Stil, über das Hören und Schreiben. Und wir werden, während wir diese Abfolge einzelner Momente und Bewegungen staunend lesen, so ganz nebenbei zu blitzartigen, überraschenden Einsichten geführt.

Erschienen: 13.02.2012
suhrkamp taschenbuch 4324, Broschur, 219 Seiten

Judith Schalansky
"Der Hals der Giraffe"

Preis der Literaturhäuser 2014

»Der beste Roman des Jahres.« Hubert Winkels, Deutschlandfunk Anpassung im Leben ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. In einer Stadt im hinteren Vorpommern. Dass ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – die Stadt schrumpft, es fehlt an Kindern. Aber noch vertreibt Inge Lohmark, Lehrerin vom alten Schlag, mit ihrem Starrsinn alles Störende. Als sie schließlich Gefühle für eine Schülerin entwickelt und ihr Weltbild ins Wanken gerät, versucht sie in immer absonderlicheren Einfällen zu retten, was nicht mehr zu retten ist.
Judith Schalanskys Bildungsroman wurde 2011 zum großen Presse und Publikumserfolg. Kritikerinnen und Kritiker bejubelten den »besten Roman des Jahres« und die Leserinnen und Leser machten ihn zum Bestseller. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten der Welt: die Schule.

Judith Schalansky hat einen originellen, eigensinnigen und hellwachen Roman geschrieben, mit dem sie sich an die Spitze der literarischen Evolution setzt.«
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Judith Schalansky hat eine wunderbar-grausame und mindestens ebenso bemitleidenswerte und anrührende Figur geschaffen. Sie hat dafür eine grandiose, eindrückliche Stimme entwickelt, die sarkastisch ist und für den Leser zugleich sehr lustig. …eine Stimme, die dem Leser noch lange im Ohr bleiben wird.«
Ulrich Rüdenauer, taz. die tageszeitung

»Ein Kunststück - für die bundesdeutsche Literatur seit 1989 - von geradezu historischen Dimensionen gelang Judith Schalansky mit Der Hals der Giraffe - der erste in Ostdeutschland spielende Roman, der fast völlig ohne die üblichen, wie aus dem Gruselkabinett des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie ausgeborgt wirkenden, DDR-Versatzstücke auskommt.«
Sebastian Hammelehle, SPIEGEL ONLINE

»Judith Schalansky erzählt vom Leben einer Naturwissenschaftlerin, deren Verstand – vor und nach der Wende – jede Gefühlsregung nivelliert. Sie zeichnet das Bild einer unsympathischen Frau allerdings so eindringlich, dass man heftige Sympathie für diese aus der Zeit gefallene Heldin empfindet, die sich für Tiere stets mehr interessierte als für Menschen oder gar Kinder.«
Manuela Reichart, Deutschlandradio Kultur

Marjana Gaponenko
"Wer ist Martha?"

Adelbert-von-Chamisso-Preis 2013

Wer Martha ist, wird hier nicht verraten, aber über Luka Lewadski kann Folgendes gesagt werden: Ornithologe aus der Ukraine und Verfasser der bahnbrechenden Studie Über die Rechenschwäche der Rabenvögel. Über seinen Forschungen ist er in die Jahre gekommen und 96 geworden. Viel Zeit bleibt nicht mehr, sagt der Arzt. Und die will gut genutzt sein, sagt sich Lewadski. Also reist er nach Wien, steigt im noblen Hotel Imperial ab und lernt im Fahrstuhl einen Altersgenossen kennen, dem der Lebensfaden auch schon reichlich kurz geworden ist. Wie die beiden Alten aus der Muppet Show in ihrer Loge sitzen die zwei beim Früchte-Wodka in der Hotelbar, kommentieren die Frisuren der Damen, rekapitulieren das mörderische vergangene Jahrhundert und träumen von der Revolution. Und langsam wird Lewadski das Geld zum Sterben knapp.
Wer ist Martha? ist ein wunderbar kühner Roman und ganz großes Kino. Es geht um die Freude am Dasein, die Würde des Menschen, die Liebe zur Schöpfung. Marjana Gaponenko verhandelt diese und auch noch die letzten Dinge auf ihre eigene Art: Wer ist Martha? ist ein Roman in Frack und Fummel, so phantastisch und originell, so lebendig und frech, dass sich selbst noch der Tod darüber kaputtlacht.

Roman, 237 Seiten

»Ein Buch wie ein grandioses Fest, sicher wie ein Kinderglaube, souverän getragen durch eine mutige Sprache, die erstaunt bis zum Schluss.«
Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung

»In Wer ist Martha? wird drauflos fabuliert, was das Zeug hält. Das haut ziemlich auf die Pauke, weil Marjana Gaponenko ein überschießendes Talent ist.«
Paul Jandl, DIE WELT

Wilhelm Genazino
"Idyllen in der Halbnatur"

Hanser Verlag

Kasseler Literaturpreis 2013

Die Welt ist voller Merkwürdigkeiten, man muss nur hinsehen. Ein Mann verliert einen Schuh. Ein anderer Mann, Kleist, beschreibt seiner Braut auf Hunderten von Seiten, durch welche gründlichen Maßnahmen sie beide unfehlbar glücklich werden. Der Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino erzählt, wie er schreibt, wie er zum Schreiben kam und warum die Welt so merkwürdig und ohne Bücher kaum auszuhalten ist. In Prosastücken und Essays nähert er sich auf unverwechselbare Weise Büchern und Bildern, vor allem aber Menschen, seien sie nun Schriftsteller, deren berühmte Figuren oder auch jene Namenlosen, die irgendwann auf der Straße ihren Schuh verlieren. Und damit einen ungeschriebenen Roman erleben.

Fester Einband, 240 Seiten

„In den ‚Idyllen in der Halbnatur‘, einer fulminanten Selbstbeschreibung des eigenen Werks, einer bestechenden Selbstoffenlegung des poetologischen Programms wimmelt es von sinnfälligen Zitaten.“ Christian Thomas, Frankfurter Rundschau, 22.01.13

"Genazino ist ein Meister der Beobachtung. Aus geringsten Anlässen schlägt er erzählerische Funken." Thomas Groß, Mannheimer Morgen, 31.07.12

"Hin und wieder verliert auch Genazino einen Schuh. Spielerisch. Manchmal legt er ihn aus wie einen Köder. Es ist ein kurzweiliges Vergnügen, seinen Spuren zu folgen." Janina Fleischer, Leipziger Volkszeitung, 30.07.12

"Erhellend und unterhaltsam, oberflächlich nie schreibt Genazino. Für den Essayband "Idyllen in der Halbnatur" gilt dies nicht weniger als für seine Romane." Ralf Sziegoleit, Frankenpost, 24.08.12

Sibylle Lewitscharoff "Pong"

Berlin-Verlag

Büchner-Preis 2013

Fast zärtlich zeichnet Sibylle Lewitscharoff den Alltag eines Verrückten nach, der sich selbst genügt. Mit hinreißenden Wortspielereien und Neuschöpfungen skizziert sie das Psychogramm eines eigenwilligen Helden und präsentiert zugleich eine poetische Parabel über die allgegenwärtigen Ängste des Lebens. Sibylle Lewitscharoff erhielt 1998 für »Pong« den Ingeborg Bachmann-Preis
Pong ist ein »nicht unschöner« Mann. Er will die Welt verbessern, Ungerechtigkeiten besiegen und Kinder vor dem schweren Parfüm ihrer Mutter bewahren. Das einzige Problem: Pong ist verrückt. Seine ungewöhnliche Geburt durch »den Großen Ratsch« läßt ihn zu einem Sonderling mit einer eigenen Weltwahrnehmung werden. Sein aus Ängsten, Zwängen und festen Regeln bestehender Alltag soll seine fragile Exsistenz vor allem Fremden schützen. Pongs Universum wirkt auf den ersten Blick bizarr, bei näherer Betrachtung erschließt sich aber seine tiefe Logik und Stimmigkeit.

144 Seiten

David Wagner
"Leben"

Rowolth

Preis der Leipziger Buchmesse

«Wann passiert es schon, daß einem die Verlängerung des eigenen Lebens angeboten wird?»

Der Anruf kommt um kurz nach zwei. Ein junger, sterbenskranker Mann geht ans Telefon, und eine Stimme sagt: Wir haben ein passendes Spenderorgan für Sie. Auf diesen Anruf hat er gewartet, diesen Anruf hat er gefürchtet. Soll er es wagen, damit er weiter da ist für sein Kind? Er nimmt seine Tasche und läßt sich ins Berliner Virchow-Klinikum fahren.

Von der Geschichte und Vorgeschichte dieser Organtransplantation handelt «Leben»: von den langen Tagen und Nächten im Kosmos Krankenhaus neben den wechselnden Bettnachbarn mit ihren Schicksalen und Beichten – einem Getränkehändler etwa, der heimlich seine Geliebte besucht, oder einem libanesischen Fleischer, der im Bürgerkrieg beide Brüder verlor. Beim Zuhören bemerkt er zum ersten Mal, daß auch er schon ein Leben hinter sich hat. Und da, in seinem weißen Raumschiff Krankenbett, unterwegs auf einer Reise durch Erinnerungs- und Sehnsuchtsräume, kreisen die Gedanken: Wen hat er geliebt? Für wen lohnt es sich zu leben? Und welcher Mensch ist gestorben, so daß er weiter leben kann, möglicherweise als ein anderer als zuvor?

David Wagner hat ein berührendes, nachdenklich stimmendes, lebenskluges Buch über einen existentiellen Drahtseilakt geschrieben. Ohne Pathos und mit stilistischer Brillanz erzählt er vom Lieben und Sterben, von Verantwortung und Glück – vom Leben, das der Derwisch eine Reise nennt.

288 Seiten

LEBEN von David Wagner ist das literarische Ereignis des Frühjahrs. Das Buch ist in all seinem Raffinement und seiner Beschreibungskunst die organische Fortschreibung eines Werks, das bereits zu den bemerkenswertesten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählte.
(Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Dieses Buch zeugt von einer literarischen Bravour, die selbst den erschüttertsten Leser über das Schicksal einer Figur im Wettlauf mit dem Tod hinwegtröstet. Was für ein Buch!, sagen auch wir, voller Dankbarkeit für David Wagners LEBEN. Wir halten inne in ihm, über vieles im Leben denken wir nach der Lektüre anders. Große Kunst.
(Hajo Steinert, Die Welt)

Große, berührende Literatur. Und ein Plädoyer für das Leben, das seinen Sinn im Lachen eines kleinen Mädchens haben kann.
(Thomas Andre, Spiegel online)

Viel zu oft werden Bücher als gehaltvoll bejubelt, die vielleicht den einen oder anderen interessanten Gedanken enthalten, aber sonst aus locker aufgequirltem Erzählschaum bestehen. LEBEN verdient das Prädikat auf jeder Seite. Ein kluges, berührendes Buch.
(Jenny Hoch, Welt am Sonntag)

Das Leben mit der Krankheit, das Warten auf eine neue Leber, der Alltag im Krankenhaus, die Angst, die Einsamkeit, davon erzählt David Wagner in LEBEN, so ruhig aber, so distanziert und fast ironisch in der Selbstreflexion, dass er den Schmerz, die Angst und die Einsamkeit vergessen lässt und den Leser in einen merkwürdigen Schwebezustand versetzt. Es ist dieser Ton, es ist diese Transparenz der Sprache und der Gedanken, die das Buch so besonders machen. Ein bewegender Roman.
(Georg Diez, Der Spiegel)

Ursula Krechel
"Landgericht"

Jung und Jung Verlag

Deutschen Buchpreis 2012

Nach »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel noch einmal den Spuren deutscher Geschichte nach. Ihr neuer Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft.

Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman »Landgericht« noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt »Landgericht« den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. »Landge-richt«, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

Roman
496 Seiten, gebunden, € 29,90 / Sfr 38,90, WG 1112

Narvid Kermani
"Dein Name"

Hanser Verlag

Heinrich-von-Kleist Preis 2012

Am 8. Juni 2006 beginnt Navid Kermani sein neues Buch, und es wird einer der ungewöhnlichsten Romane unserer Zeit. Hier schreibt einer über alles, was es zu wissen gibt über sein Leben und das Leben überhaupt: die Gegenwart und die Vergangenheit seiner Familie, die Erinnerung an gestorbene Freunde und die mitreißende Lektüre Jean Pauls und Hölderlins. Die Geschichte seines Großvaters, der von Nahost nach Deutschland ging, wird zum Herzstück des Romans. Immer wieder drängt sich dem Romancier der entscheidende Moment dazwischen: der des Schreibens. „Dein Name“ ist ein Roman, der das Privateste ebenso in den Blick nimmt wie die Geschichte, in der wir leben - ein Buch, das unser Bild der Gegenwart nachhaltig verändern wird.

Fester Einband, 1232 Seiten
mit 20 Abbildungen

"Ein fulminanter Riesentagebuchroman." Martin Ebel, Frankfurter Rundschau, 29.08.11

"Ein Buch, das einem so ausdauernd und hartnäckig im Kopf herumgeht wie
lange keines mehr." Heinrich Wefing, Die Zeit, 01.09.11

"Roman, Tagebuch, Bekenntnis und Poetik in einem. ... Dieses Buch hat viele nahrhafte Zutaten. Wer Interesse, Aufmerksamkeit und Geduld einbringt, dem hat es eine Menge zu geben. Sodass die stillschweigende Rechnung - was gibt mir das Buch für meinen Einsatz an Lebenszeit? - hier aufgeht." Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 29.08.11

"Ein Buch, das am Leben entlang entsteht, das sich vom Zufall lenken lässt, nicht von literarischen Zielen. ... Es ist der alte Traum: die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Keine Hierarchien der Gegenstände, alles gleich wichtig." Martin Ebel, Frankfurter Rundschau, 29.08.11

"Es ist ein Totenbuch, ein Buch des Lebens - ein gewaltiges Buch, über das gesprochen werden muss." Alexander Solloch, NDR, 09.09.11

Felicitas Hoppe
"Hoppe"

S. Fischer Verlag

Georg-Büchner-Preis 2012

Als Leben zu kurz, als Roman zu schön, um wahr zu sein: Das Beste, was bislang über Hoppe geschrieben wurde!

›Hoppe‹ ist keine Autobiographie, sondern Hoppes Traumbiographie, in der Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt: von einer kanadischen Kindheit auf dünnem Eis, von einer australischen Jugend kurz vor der Wüste, von Reisen über das Meer und von einer Flucht nach Amerika. Hoppes Lebens- und Reisebericht wird zum tragikomischen Künstlerroman, mit dem sie uns durch die Welt und von dort aus wieder zurück in die deutsche Provinz führt, wo ihre Wunschfamilie immer noch auf sie wartet.
Eine Geschichte über vergebliche Wünsche, gescheiterte Hochzeiten und halbierte Karrieren. Und über das unbestreitbare Glück, ein Kind des Rattenfängers aus Hameln zu sein.

Roman

»Die schönste und intelligenteste Prosa Deutschlands schreibt Felicitas Hoppe.« Denis Scheck, ARD Druckfrisch

»Ein lustvolles Experiment mit Leser- und Formerwartungen, das demonstriert: Wo derzeit alles Bio verspricht - naturbelassen, schadstofffrei und umweltverträglich -, liefere ich schiere Synthetik, reinsten Kunststoff! (…) hier geht es um eben die Selbstermächtigung des träumenden, wunschhaften Erzählens als der wahreren Wahrheit der Literatur - und damit auch des ihr gewidmeten Lebens.«
Erhard Schütz, Die Literarische Welt

»so liest man vergnügliche Szenen, mäandert munter durch die Hoppewelt - so voller Esprit und Witz und Schöpferkraft.«
Gabriele von Arnim, Deutschlandradio Kultur

»Unentwegt entfacht sie Wortwitze und überrumpelt komische Situationen. (…) Dieses Buch ist rundum positiv.«
Helmut Böttinger, Süddeutsche Zeitung

»Mit ›Hoppe‹ ist Hoppe ein künstlerischer Selbstentwurf gelungen, der in seiner romantischen Radikalität die fiktionale Romankonstruktion sprengt und in der zeitgenössischen Literatur kaum Entsprechungen finden dürfte.«
Hans-Jost Weyandt, Spiegel online

Durs Grünbein
"Aroma - Ein römisches Zeichenbuch"

Suhrkamp Verlag

Tomas-Tranströmer-Preis 2012

Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwert stellt sich in Vers und Prosa der Ewigen Stadt.

„Aufblühen wird man hier, auch als kraut sich gern überlassen.
Dem wohligen Phototropismus. Der man im Norden war,
Dieser Eisblock Identität, Psyches Schneemann ist bald zerronnen.“

Der so spricht, ist an einem Ort angekommen, wo viele seiner Schreib- und Lebensmotive zusammenlaufen. Durs Grünbeins Jahr in Rom hat Gestalt gewonnen in einem Zeichenbuch. Die Stadt – „Roma caput mundi“ – wird als ein Schauplatz der Zeichen und Verweise erfahren und schlägt sich, wie bei den Reisenden früherer Zeiten, in Zeichnungen nieder – freilich in geschriebener Form. Aus vier Kapiteln gefügt, entstand so sein opus incertum, nach dem Vorbild des altrömischen Mauerwerks aus Bruchsteinen.

Grünbeins Aroma eröffnet mit langzeiligen Gedichten in freiem, hexametrisch gewitterndem Versmaß: doch nicht auf der Suche nach dem verlorenen Gestern. Vielmehr sind es die kaleidoskopisch zu fassenden Momente der Gegenwart, die den Blick des Dichters auf Stadt und Umland lenken. Die geistige Bruderschaft im Zeichen der Urbanität findet der Dichter, über die Zeiten hinweg, in Juvenal, dessen Dritte Satire er neu übersetzt und erläutert. In einer Reihe von Prosabildern, die an römischen Erinnerungsorten den Apostel Paulus so gut einfangen wie den Antiquitätenhändler und den afrikanischen Immigranten, bricht Grünbein mit dem lyrischen Maß, bevor in freien Versen das Zeichenbuch ausklingt: „Die Städte träumen alle voneinander. / Sie rufen sich beim Markennamen, und das Echo / Hallt durch die engen Korridore der Straßen."

Gebunden, 184 Seiten

Wolfgang Herrndorf:
"Sand"

Rowohlt Berlin

Preisträger der Leipziger Buchmesse 2012

"Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und überprüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trinkwasser, goß den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sandfarbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsunkundige Frau in einem Auto hierherzubestellen."

Während in München Palästinenser des "Schwarzen September" das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972.

Ein mitreißender Agententhriller – und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman.

Thea Dorn, Richard Wagner
"Die deutsche Seele"

Knaus Verlag

Von Gemütlichkeit und Grundgesetz, von Abendbrot bis Zerrissenheit. Alles was deutsch ist.

So ein Buch hat es noch nicht gegeben. Zwei Autoren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, erkunden liebevoll und kritisch, kenntnisreich und ohne Berührungsängste, was das eigentlich ist, die deutsche Seele. Sie spüren sie auf in so unterschiedlichen Begriffen wie »Abendbrot« und »Wanderlust«, »Männerchor« und »Fahrvergnügen«, »Abgrund« und »Zerrissenheit«. In sechzig Kapiteln entsteht auf diese Weise eine tiefgründige und facettenreiche Kulturgeschichte des Deutschen.

Alle Debatten über Deutschland landen am selben Punkt im Abseits: Darf man das überhaupt öffentlich sagen, etwas sei »deutsch« oder »typisch deutsch«? Kann man sich mit dem Deutschsein heute endlich versöhnen? Man muss es sogar, meinen Thea Dorn und Richard Wagner. Sie verspüren eine große Sehnsucht danach, das eigene Land wirklich kennen zu lernen, und machen Inventur in den Beständen der deutschen Seele. Ihr Buch ist eine erkenntnisreiche und unterhaltsame Reise an die Wurzeln unseres nationalen Erbes und geht durchaus ans Eingemachte. Obwohl es sich auch als Enzyklopädie lesen lässt, sind die Texte nicht aus nüchterner Distanz geschrieben. Auf diese Weise entstehen leidenschaftliche Plädoyers für bestimmte Merkmale des Deutschen, für ein damit verbundenes Lebensgefühl. Diese »Liebeserklärung« der Autoren ist ein sinnliches, reich bebildertes Buch, das die deutsche Seele einmal nicht seziert, sondern sie anspricht.

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 560 Seiten, 17,0 x 24,0 cm
durchgehend vierfarb., mit ca. 300 Abb.

Feridun Zaimoglu "Ruß"

Kiepenheuer & Witsch Verlag

Preis der Literaturhäuser 2012

Liebe, Trauer und Vergeltung im Ruhrpott – eine deutsche Saga

Ein Kiosk in Duisburg ist der Ausgangspunkt einer rasanten Geschichte, die ihren Held durch den Ruhrpott, nach Warschau und bis auf die Großglocknerstraße führt – und an die Grenzen seiner Liebes- und Leidensfähigkeit.

Mit »Liebesbrand« und »Hinterland« hat Feridun Zaimoglu erfolgreich die Romantik in die deutsche Gegenwartsliteratur zurückgeholt, und nun wendet er sich einer Region zu, die deutscher kaum sein könnte: dem Ruhrpott, Industriebrache im Wandel zur Dienstleistungsregion. Die Gegend ist im Umbruch, und gebrochen ist auch der Held dieser Geschichte. Renz war Arzt, doch als seine Frau von einem Einbrecher ermordet wurde, zerbrach seine Welt und brach sein Wille. Seit mehreren Jahren hilft er bei seinem Schwiegervater aus, der einen Kiosk mitten in Duisburg führt, kümmert sich um die Alltagssorgen der Trinker und Hänger, trauert um seine Frau und sinnt auf Vergeltung. Sein Leben kommt wieder in Fahrt, als er den Auftrag erhält, einen verstörten jungen Mann aus Warschau zurückzuholen. Wieder in Duisburg verliebt er sich in die Kellnerin Marja, doch dann holt ihn die Vergangenheit ein: Er erfährt von der Haftentlassung des Täters und heftet sich an seine Fersen.

Zaimoglu zeigt das Drama eines Menschen, den kaum noch etwas im Leben hält, vor dem Hintergrund einer Welt, die durch eine lange Tradition geprägt ist und sich gerade neu erfindet. Große deutsche Literatur!

Roman
272 Seiten, gebunden

»So kunstvoll wie immer, aber dieses mal mit den Mitteln bewusster Verknappung, hat Feridun Zaimoglu einen lebensklugen und spannenden Roman über Deutschlands verwildernden Westen geschrieben.«
Süddeutsche Zeitung, Meike Fessmann

»Feridun Zaimoglus Buch ist ein ernsthafter Versuch, unbürgerliche Literatur zu schreiben. So etwas traut sich kaum noch ein Autor.«
Die Zeit

»Zaimoglu zeichnet eine archaische Männerwelt, in der es nie weit ist vom Gespräch zur Schlägerei und in der eher ein elementares Naturrecht gilt, als das Vertrauen auf den Rechtsstaat. Was daraus entsteht ist Road-Novel, Milieustudie und Thriller, vor allem aber – und das sind die schönsten, intensivsten Passagen – ein Liebesroman. [...] Überhaupt lebt dieser Roman mit seinem kruden Geschehen ganz von der Sprache. Gerade in dem, was er weglässt – Gefühle, Schönheit, Wärme – lässt er große Sehnsucht und Lebensschmerz erkennen. Das macht Ruß zu einem eindrucksvollen Leseerlebnis.«
Deutschlandradio

»Er war und ist ein Autor, der ein Ohr für ungewöhnliche Geschichten und Töne hat und sich beides, Geschichten wie Tonfälle, anzuverwandeln weiß, um etwas Eigenes daraus zu machen. Ein unzuverlässiger Protokollant also, aber ein begnadeter Materialsammler, der seine Funde buchstäblich auf der Straße macht. [...] Denn Zaimoglu beschreibt ja nicht den Kohlenpott von heute. Sein Blick ist nicht auf das Existierende gerichtet, sondern auf das bereits Verschwundene. In die Lücken, die es hinterlassen hat, stößt Zaimoglu mit seiner Phantasie, seinem Einfühlungsvermögen, seinem mimetischen Sprachgefühl, seiner Menschenliebe und mit der ganzen schillernden Pracht des für ihn so typischen, schrägen, diesmal expressionistisch aufgerauhten Pathos. So entsteht in Ruß dann doch ein Abbild des Ruhrgebiets – als Remix, dessen Autor auf den alten Tonspuren surft, wie es ihm gefällt.«
FAZ

Ian Kershaw "Das Ende"

Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45
Deutsche Verlags-Anstalt

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2012

Warum kämpften die Deutschen bis zum bitteren Ende?

Das »Dritte Reich« kämpfte nicht nur bis zum bitteren Ende, bis zur totalen Niederlage, es funktionierte auch bis zum Schluss. Bis die Rote Armee vor den Pforten der Reichskanzlei stand, wurde die öffentliche Ordnung in Deutschland, das täglich ein Stück mehr unter alliierte Besatzung geriet, weitgehend aufrechterhalten. Löhne wurden bezahlt und die Verwaltung lief – wenngleich unter großen Schwierigkeiten – weiter. Die Gründe dafür, warum Hitlers Deutschland militärisch zusammenbrach, sind bekannt, die Frage, wie und warum das »Dritte Reich« bis zum Schluss funktionierte, ist dagegen bis heute nicht beantwortet. Zentral bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie das Regime bis zum Ende durchhalten konnte, so der renommierte NS-Historiker Ian Kershaw, ist Hitlers Art der charismatischen Herrschaft.

Originaltitel: The End. Hitler's germany, 1944-45
Originalverlag: Allen Lane an imprint of Penguin Books
Aus dem Englischen von Klaus Binder, Bernd Leineweber, Martin Pfeiffer
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 704 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
mit Abbildungen

Timothy Snyder "Bloodlands"

Europa zwischen Hitler und Stalin
C.H. Beck

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2012

Timothy Snyder erzählt in seinem aufsehenerregenden, zutiefst aufwühlenden Buch drei miteinander verknüpfte Geschichten – Stalins Terrorkampagnen, Hitlers Holocaust und den Hungerkrieg gegen die Kriegsgefangenen und die nichtjüdische Bevölkerung – so wie sie sich tatsächlich zugetragen haben: zur gleichen Zeit und am gleichen Ort.
Makellos recherchiert, atemberaubend geschrieben und von eindringlicher Humanität gehört Bloodlands zu den historischen Büchern, die einen anderen Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Noch bevor der Zweite Weltkrieg begann, hatte Hitlers zeitweiliger Partner und späterer Gegner Stalin bereits Millionen von Menschen umgebracht – und setzte dieses Morden während des Krieges fort. Bevor Hitler besiegt war, hatte er sechs Millionen Juden ermorden lassen – und ließ Millionen andere Menschen gezielt verhungern. All dies geschah auf einem einzigen Gebiet: den „Bloodlands“ zwischen Russland und Deutschland. Doch als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, verschwand die Erinnerung an diesen millionenfachen Mord in der Dunkelheit hinter dem Eisernen Vorhang.
Nicht nur unser Bild vom Holocaust erweist sich jedoch mit dem Blick auf die „Bloodlands“ als unvollständig und westlich verzerrt. Auch die Geschichte Europas gewinnt ein verlorenes Terrain im Osten zurück: die gemeinsame Erinnerung an 14 Millionen Tote und die größte Tragödie der modernen Geschichte.

Aus dem Englischen von Martin Richter
523 Seiten
mit 36 Karten
Gebunden

Auch als E-Book lieferbar.

Umberto Eco
"Der Friedhof in Prag"

Hanser Verlag

Der Italiener Simon Simonini lebt in Paris, und er erlebt aus nächster Nähe eine dunkle Geschichte: geheime Militärpapiere, die der jüdische Hauptmann Dreyfus angeblich an die deutsche Botschaft verkauft, piemontesische, französische und preußische Geheimdienste, die noch geheimere Pläne schmieden, Freimaurer, Jesuiten und Revolutionäre - und am Ende tauchen zum ersten Mal die Protokolle der Weisen von Zion auf, ein gefälschtes „Dokument“ für die „jüdische Weltverschwörung“, das dann fatale Folgen haben wird. Umberto Eco, der Meister des historischen Romans, erzählt die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts, in der wir jedoch unser eigenes wiedererkennen können.

Roman – übersetzt aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
Fester Einband, 528 Seiten
Mit zahlreichen Abbildungen

"Umberto Eco zettelt eine Verschwörung gegen eine Verschwörung an und schreibt mal wieder einen fabelhaften Roman."
Hannes Stein, Die Welt

Eco hat sich, geduldig und großartig dokumentiert wie stets, als Chronist der beliebtesten Verschwörungstheorien in Europas Geschichte betätigt. Neu ist, dass hier jemand den Wahnsinn von innen beschreibt."
Dirk Schümer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Es ist ein Genuss, Eco, dem Hohepriester der Ironie, in seine raffinierte, kultivierte und stilistisch glänzende Parodie irrwitzig fabulierter Trivialklassiker zu folgen. In seinem neuen grandiosen Roman analysiert Umberto Eco den Antisemitismus."
Stephan Maus, Der Stern

Maxim Leo
"Haltet Euer Herz bereit"

Eine ostdeutsche Familiengeschichte
Heyne Verlag

Europäischen Buchpreis 2011

Der preisgekrönte Journalist erzählt kritisch, liebevoll und unsentimental

Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentriert sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften.

Der Journalist und Autor Maxim Leo ist Träger des Europäischen Buchpreises 2011. Leo, der in Ost-Berlin geboren wurde, wird für sein Buch „Haltet euer Herz bereit“ ausgezeichnet, das liebevoll und mitreißend die Geschichte seiner Familie vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall erzählt. Der diesjährige Jury-Präsident des Europäischen Buchpreises, der britische Schriftsteller und Booker-Preisträger Julian Barnes, würdigte Maxim Leo als einen ebenso unterhaltsamen wie klugen Erzähler deutscher Geschichte.

Taschenbuch
Broschur, 272 Seiten

Peter Handke
"Immer noch Sturm"

Suhrkamp Verlag

Das Jaunfeld, im Süden Österreichs, in Kärnten: Dort versammeln sich um ein »Ich« (oder steht es eher am Rande?) dessen Vorfahren: die Großeltern und deren Kinder, unter ihnen die eigene Mutter. Sie erscheinen ihm, da sie ihn bis in die Träume begleiten, in einer Vielzahl von Szenenfolgen, in denen sich die unterschiedlichsten Spiel- und Redeformen abwechseln – ein Panorama, das weit über alle literarischen Genres hinausreicht und sie sich zugleich anverwandelt. Gestaltet Peter Handke eine beispielhafte Familientragödie in Szenen? (Immerhin sterben zwei der Brüder in den vierziger Jahren.) Erzählt er anhand einzelner Stationen das Epos eines Volkes, der Slowenen? (Von ihnen ging der einzige bewaffnete Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime innerhalb dessen ursprünglicher Grenzen aus.) Entwirft er das Geschichtsdrama der ewigen Verlierer (die einmal die Historie auf ihrer Seite wähnten und doch nichts erreichten)? Oder wendet er sich, erzählend-dramatisch, zurück zur eigenen Biographie, deren Voraussetzungen und Folgen?Im neuen Buch von Peter Handke durchdringen sich Prosa und Drama, Theatralisches und Poetisches, Geschichtliches und Persönliches, und so wird am Ende doch fraglich, ob der überlebende Bruder der Mutter wirklich das letzte Wort hat: »Es herrscht weiterhin Sturm. Andauernder Sturm. Immer noch Sturm. Ja, wir haben das Unrecht begangen – das Unrecht, hier, gerade hier, geboren zu sein.«

Klappenbroschur, 166 Seiten

Christa Wolf
"Der geteilte Himmel"

Eine Auseinandersetzung mit den Jahren der deutschen Teilung.
Ende August 1961: In einem kleinen Krankenhauszimmer erwacht Rita Seidel aus ihrer Ohnmacht. Und mit dem Erwachen wird auch die Vergangenheit wieder lebendig. Da ist die Erinnerung an den Betriebsunfall und vor allem die Erinnerung an Manfred Herrfurth. Zwei Jahre sind vergangen, seit sie dem Chemiker in die Stadt folgte, um an seiner Seite und mit ihm gemeinsam ein glückliches Leben zu beginnen. Wann hat die Trennung begonnen? Hat sie die ersten Anzeichen einer Entfremdung übersehen? Denken, Grübeln, Fiebern - Tage und Nächte hindurch! »Ich gebe Dir Nachricht, wenn Du kommen sollst. Ich lebe nur für den Tag, da Du wieder bei mir bist.« Manfred ist von einem Chemikerkongreß in Westberlin nicht zurückgekehrt in dem festen Glauben, daß Rita ihm folgen wird. Sie muß eine Entscheidung treffen, die sie in eine tiefe Krise stürzt.

Christa Wolf wurde am 18. März 1929 als Tochter eines Kaufmanns in Landsberg/Warthe geboren. Sie studierte in Jena und Leipzig Germanistik, arbeitete als Verlagslektorin und lebte bis zu ihrem Tod am 1. Dezember 2011 als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

240 Seiten
Juli 1973


Jonathan Franzen
"Die Korrekturen"

Rowolth Verlag

Nach fast fünfzig Ehejahren hat Enid Lambert nur ein Ziel: ihre Familie zu einem letzten Weihnachtsfest um sich zu scharen. Alles könnte so schön sein, gemütlich, harmonisch. Doch Parkinson hat ihren Mann Alfred immer fester im Griff, und die drei erwachsenen Kinder durchleben eigene tragikomischen Malaisen. Gary steckt in einer Ehekrise. Chip versucht sich als Autor. Und Denise ist zwar eine Meisterköchin, hat aber in der Liebe kein Glück.
Jonathan Franzen ist ein großartiger Roman gelungen: Familien- und Gesellschaftsgeschichte in einem.

rororo
Taschenbuch, 784 S.

Eine Sensation. (Der Spiegel)

Ein Wunder. Und kein geringes. (Die Welt)

Jonathan Franzen ist das größte Sprachtalent, das die amerikanische Literatur seit John Updike hervorgebracht hat. (Literaturen)

Jan Brandt
"Gegen die Welt"

Dumont Verlag

Ein Dorf in Ostfriesland, Kühe grasen auf den Wiesen, ab und zu zerreißt der Lärm eines Tieffliegers die Stille. Hinter den getrimmten Tujenhecken des Neubauviertels blühen die Blumen, in den Auffahrten glänzen frisch gewachste Neuwagen.
In diese Welt wird Mitte der Siebzigerjahre Daniel Kuper, Spross einer Drogistendynastie, hineingeboren. Ein schmächtiger, verschlossener Junge mit viel zu viel Fantasie und zu wenigen
Möglichkeiten. Doch bald geschehen seltsame Dinge: Mitten im Sommer kommt es zu heftigem Schneefall, ein Kornkreis entsteht, ein Schüler stellt sich auf die Bahngleise, Hakenkreuze tauchen an den Hauswänden auf. Für all das wird Daniel Kuper verantwortlich gemacht. Und je mehr er versucht, die Vorwürfe zu entkräften, desto stärker verstrickt er sich in ihnen. Daniel Kuper beginnt einen Kampf gegen das Dorf und seine Bewohner. Sie sind es, gegen die er aufbegehrt, und sie sind es, gegen die er am Ende verliert.
›Gegen die Welt‹ ist ein großer deutscher Roman: über die Wende in Westdeutschland, über Popkultur in der Provinz und über Freundschaften, die nie zu Ende gehen.

928 Seiten, Hardcover

"Ein tollkühner Roman über Freundschaft und Verrat. Rebellisch und bewegend, wahnsinnig und witzig. Großes Kino." Sönke Wortmann

„Das ehrgeizigste Debüt der neuen Saison.“ FAZ

„Dass seine pessimistische Weltsicht dennoch nicht zu einer deprimierenden Lektüre führt, verdankt sich der formalen Brillanz, mit der Jan Brandt seinen Stoff präsentiert.“ WDR3

"Ein erstaunlich stilsicheres, in seinem komplexen Aufbau klug durchdachtes Buch (...) variantenreich, kühn und zugleich sicher." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"Der Roman hat sich vom Gestaltungsfuror seines Schöpfers nicht beirren lassen. Gegen die Welt hat alle Tugenden eines altmodischen Romans: einen Ort, einen Konflikt und viele Figuren, die man nachher zu seinem Bekanntenkreis zählt." DIE WELT

„Brandt hat wirklich etwas zu erzählen (…) ein fulminanter Roman über die Provinz und ihre Mentalität.“ DER TAGESSPIEGEL

„Eine zu Herzen gehende Geschichte (…) und auch optisch ausnehmend schönes Buch. Ein grandioser Rundumblick auf eine kleine Welt, in der sich mehr von der großen Welt da draußen widerspiegelt als ihre Bewohner manchmal erkennen können." SPIEGEL ONLINE

„Brandts halluzinogener Roman „Gegen die Welt“ ist ein Wunderwerk über Erwachsenwerden in der Provinz, Freundschaften, weites Ostfriedland, den noch weiteren Pop und sowieso, über den ganzen Rest.“ STERN

„Gegen die Welt liest sich wie ein Bastard aus dem Uwe Johnson der Jahrestage, der Abgründigkeit von J.D Salinger und dem Horror von Stephen King (…)“
„Eine wilde Mixtur aus verstellt autobiografischer Rekonstruktion, Jugendroman, Coming-of-Age-Geschichte und fiebriger Untergangsfantasie. Ein wuchtiges, wunderbar anmaßendes und in seiner Detailversessenheit und seinem lexikalischen Reichtum triumphales Buch, das sich gegen eine Welt der Verhinderung und der Unterdrückung richtet.“ ROLLING STONE

Sibylle Lewitscharoff
"Blumenberg"

Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle – für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht?

Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt.

Blumenberg ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.

»Sibylle Lewitscharoff hat das alte Bündnis von romantischem Roman und Philosophie glänzend erneuert.«
Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung

Gebunden, 220 Seiten

Friedrich Christian Delius
"Bildnis der Mutter als junge Frau"

Rowohlt Verlag

Georg-Büchner-Preisträger 2011

Rom im Januar 1943: Eine junge deutsche Frau steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. An einem sonnigen Tag begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die fremden Straßen. Trotz der verwirrend schönen Eindrücke ist sie mit ihren Gedanken woanders. Ihr Mann wurde überraschend an die afrikanische Front abkommandiert. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist ungewiss. Und auf ihrem Gang durch die Ewige Stadt beginnt die junge Frau zu ahnen, dass der Krieg verloren gehen könnte …

rororo
Taschenbuch, 128 S.

«Eine wundervolle Erzählung.» (Süddeutsche Zeitung)
«Ein kleines Meisterwerk … und eine Liebeserklärung an die Stadt Rom und an die Mutter.» (Die Zeit)
«Ein Meisterwerk an Anmut und historischem Scharfblick.» (Neue Zürcher Zeitung)
«Spannung und Elastizität dieser großartigen Erzählung sind gewaltig.» (Die Welt)


Eugen Ruge
"In Zeiten des abnehmenden Lichts"

Rowohlt-Verlag

Deutscher Buchpreis 2011

Roman einer Familie

Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

Hardcover, 432 S.
19,95 €
978-3-498-05786-2

«Überragend ... eine faszinierende Innensicht der DDR.» Felicitas von Lovenberg, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

«Eugen Ruge ist ein Erzähler von einer Virtuosität, von einer sprachlichen Finesse, von einer erzähltechnischen Genauigkeit, wie man sie nicht alle Tage antrifft ... Meisterlich.» Andreas Isenschmid, 3SAT-KULTURZEIT

«Seine Figuren haben Bestand jenseits der Zeiten. Und vielleicht erzählt er gerade deshalb mehr von der DDR und den Nöten des Lebens als all die Bücher, die sich an den Ideologien und an der harten Wirklichkeit abarbeiten. Die Zeit ist reif für diesen unverstellten, humorvollen und einfühlsamen Blick.» Jörg Magenau, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

«Gelassen, umsichtig, souverän ... Ein Roman, der die DDR wirklich hinter sich lässt.» Dirk Knipphals, DIE TAGESZEITUNG

«Das eigentliche Wunder dieses Romans besteht aber darin, wie er jeder seiner Figuren Gerechtigkeit widerfahren lässt, in einer präzisen, unprätentiösen Sprache, die ganz auf Beobachtung setzt, die Bedeutung der Dinge, auf Gerüche, Gesten. Es gibt nicht den geringsten Grund, der DDR als Staat hinterher zu trauern, aber es gibt eine Menge Gründe, das gelebte, das geglückte oder vergeudete Leben mit feinem schwarzen Humor zu erzählen.» Michael Kumpfmüller, DIE WELT

«Ein lebenskluger Roman.» Iris Radisch, DIE ZEIT

Sibylle Lewitscharoff
"Consummatus"

Suhrkamp Verlag

Stuttgart, Café Rösler, Samstag, den 3. April 2004 (vormittags) – ein Mann trinkt. Ralph Zimmermann ist allein mit sich und dem Alkohol. Oder auch nicht. Bei ihm sind Andy Warhol, Edie Sedgwick, Jim Morrison und nicht zuletzt seine Geliebte Joey. Tot zwar allesamt, aber doch anwesend genug, um einen Stift zumindest auf glatter Fläche ein paar Millimeter rollen zu lassen. Und natürlich, um zu kommentieren, was Ralphi-Ralph erzählt: von sich, seinem Leben, seiner Liebe und seinem eigenen Ausflug ins Totenreich.

suhrkamp taschenbuch 4230
Broschur, 240 Seiten

»Falls es Sie interessiert, was uns nach dem Tod erwartet und was Jim Morrison und Andy Warhol heute so treiben, kommen Sie um diesen Roman nicht herum. Und falls es Sie nicht interessiert, dann sind Sie wahrscheinlich schon tot und haben es nur noch nicht gemerkt.«
Denis Scheck in Druckfrisch, ARD

Tomas Tranströmer "Sämtliche Gedichte"

Hanser Verlag

Literatur-Nobelpreis 2011

Das schmale lyrische Gesamtwerk von Tomas Tranströmer hat auch außerhalb Schwedens großen Einfluß ausgeübt; besonders aber in Deutschland. In seinen Gedichten kommt eine innere, erträumte Welt hinter der Wirklichkeit zur Sprache, die in ihrer exakten Schönheit ein Gegenbild zeichnet.

übersetzt aus dem Schwedischen von Hanns Grössel
Erscheinungsdatum: 08.02.1997
Flexibler Einband, 264 Seiten






Jörg Bernig
"Weder Ebbe noch Flut"

Mitteldeutscher Verlag

Eichendorff-Literaturpreis 2011

Die Geschichte der großen Liebe von Albert und Dorothee beginnt 1983 am Rande eines Kirchentages in Leipzig. Ein Kind soll für die beiden ein Zauberspruch gegen einen Alltag sein, mit dem sie nichts anfangen können. Doch Dorothee wird nicht schwanger, auch die Medizin vermag nicht zu helfen.
Dann fällt die Mauer, neue Möglichkeiten tun sich auf, aber Albert entbindet Dorothee von ihrem Versprechen auf ein gemeinsames Leben. Er verlässt sie aus Liebe, damit wenigstens sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen kann. Er selbst geht nach Wales – wie er sagt: ans Ende der Welt. Dort will er seine Forschungen zu Adalbert Stifter abschließen, dessen Ehe ebenfalls kinderlos geblieben war. Und noch tiefer reicht die Verbindung Alberts mit dem Leben Stifters: Als Albert einige Jahre später zum Abschluss seiner Forschungen nach Oberplan, Stifters Geburtsort in Böhmen, reist, lebt Dorothee dort …
Jörg Bernig erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die durch Kinderlosigkeit in Gefahr gerät. Die Art und Weise, wie er die Liebenden in den Jahren vor und nach den Herbstereignissen von 1989 zeichnet und dies behutsam mit biografischen Details aus dem Leben Adalbert Stifters verbindet, macht diesen Roman zu einem Buch der Romantik von heute – einer Romantik, gegen die das alltägliche Leben steht.

Jörg Bernig, geboren 1964, lebt in Radebeul an der Elbe. Seine literarischen Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit den Förderpreisen zum Friedrich-Hölderlin-Preis sowie zum Lessing-Preis. Bisher erschienen die Gedichtbände »Winterkinder« und »billett zu den göttern« sowie die Romane »Dahinter die Stille« und »Niemandszeit«.

Roman
264 S., geb. mit SchU
ISBN 978-3-89812-464-5

"Was Bernigs Roman auszeichnet, ist ein hoher künstlerischer Anspruch, der sich jedoch nie in forcierter Künstlichkeit gefällt. Vielmehr gelingt es dem Autor, einen provozierend ruhigen Erzählfluss zu inszenieren, der die Einblicke auf den dramatischen Grund des Geschehens dadurch nur umso wirkungsvoller hervortreten lässt. Bernig erzählt mit großem Sinn für die Poesie von Landschaften, mit Sinn für Geschichte und Politik, für Witz und dessen ältere Bedeutung: Geist. Dass Glück durch Verzicht Wirklichkeit werden kann, ist die geheime Botschaft dieses Romans. Dass Verzicht deshalb reich machen kann, seine unzeitgemäße Wahrheit."
Ulrich Schacht, Die politische Meinung, August 2008

"Bernig hat einen Roman von intensiver Sprachkraft geschrieben, eine bewegende Gegenwartsgeschichte."
Rudolf Scholz, Sächsische Zeitung

"Jörg Bernig erzählt die Geschichte von Albert und Dorothee in vielen Rückblenden und mit zahlreichen Zitaten und biografischen Daten von Adalbert Stifter, dass manchmal die Grenze zwischen Roman und Dokumentation verwischt wird. Dabei ist Bernigs Sprache poetisch, die den Leser teilhaben lässt an der Spurensuche nach dem persönlichen Glück und nach Adalbert Stifter."
Manfred Orlick, www.buchinformationen.de

"Wie Bernig diese Zeit [der späten achtziger Jahre] in Sprache fasst, wie es ihm zum Beispiel mit der Figur des DDR-Frührentners ‚Fratze‘ oder bei der Beschreibung einer DDR-typischen Party gelingt, seinen Ton im Wechsel von Ironie und Melancholie auszubalancieren, das dürfte fraglos ein ganz eigener Beitrag in Sachen ‚Wenderoman‘ sein."
Dülstweef, SAX. Das Dresdener Stadtmagazin

Martin Walser
"Muttersohn"

Rowohlt Verlag

Auf die Frage, wovon sein neuer Roman handele, bekennt Martin Walser, dass es einfacher wäre zu sagen, wovon er nicht handele. Hier sind alle seine großen Themen gebündelt: Liebe und Vergeblichkeit, Lüge und Wahrheit, Glauben und Wissen. Muttersohn ist ein von Humor polierter Glaubensroman, ein Erleuchtungsbuch, in dem auch die Vernunft ihren Platz findet – nur nicht den von Aufklärungsfanatikern eingeforderten.

Hardcover, 512 S.
24,95 €
978-3-498-07378-7

«Muttersohn» ist ein Abenteuer, ein wilder, ein mit allen Daseinsfarben auf trumpfender Roman. Ein Roman darüber, was die Liebe vermag, was der Glaube vermag, was die Sprache vermag.

«Als Evangelium stellt dieses Werk keine Frage – es ist.»
FELICIAS VON LOVENBERG, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

«Ein heiteres, altersweises Spiel, das von Normen und Begrenzungen nichts mehr wissen will.»
ADAM SOBOCZYNSKI, DIE ZEIT

«So luzide kann Wahn nur in irre großer Literatur sein.»
SABINE VOGEL, BERLINER ZEITUNG

«Dies ist kein wunderliches Alterswerk, sondern ein großer Wurf.»
RICHARD KÄMMERLINGS, WELT AM SONNTAG

«Martin Walsers neuer Roman ist ein Liebes-Evangelium.»
JÖRG MAGENAU, LITERATUREN

«Er war noch nie so gut wie jetzt.»
IM MAGAZIN JOBST-ULRICH BRANDT, FOCUS

Hanna Krall
"Herzkönig"

Verlag Nuee Kritik

Europäischer Literaturpreis

»Das ist der letzte Abschnitt meiner Reise, und es wäre dumm, wenn ich jetzt verrückt werden würde.«

Diese nüchterne Feststellung stammt von Izolda Regensberg alias Maria Pawlicka. Seit der Deportation ihres Mannes nach Auschwitz besteht der Sinn ihres Lebens allein darin, ihren Herzkönig zu befreien. Die fieberhaften Bemühungen werden von Absurditäten und Zufällen, von glücklichen und unglücklichen Fügungen begleitet. In Zeiten der Vernichtung wundert sich Izolda über keine Grausamkeit - auch nicht über die eigene.

Bis Izolda schließlich im Mai 1945 im Lager Ebensee auf ihren Ehemann trifft, hat sie eine Odyssee von Lagern und Gefängnissen hinter sich. Das Paar kehrt mit »polnischen« Pässen nach Polen zurück. Jahre später fliegt die geborgte Identität auf, und die beiden erhalten jüdische Pässe, die sie zur Ausreise nach Wien zwingen.

Izolda, die hervorragende Spezialistin im Überleben, muss erkennen, dass sie das Leben nach dem Überleben nicht in den Griff bekommt. Sie empfindet zunehmend Fremdheit gegenüber der Welt, deren Fixpunkt ihr verloren gegangen ist. Sie zieht zu den Töchtern nach Israel. Umgeben von alltäglichen politischen Ausnahmezuständen und unverständlichen Wortfetzen lebt sie in ihrer Erinnerung noch im Zweiten Weltkrieg.

»Herzkönig« handelt vom Schicksal polnischer Juden - jener, die durch den Holocaust umkamen, und jener, die ihn mit Verletzungen unterschiedlichster Art überlebten. Erschütternde historische Situationen korrespondieren mit persönlichen Katastrophen. Und für jede findet die Autorin knappe Sätze, die beim Leser einen tiefen Schrecken hinterlassen. So einfach und zugleich poetisch schreibt nur Hanna Krall.

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
175 Seiten
12,5 x 20,5 cm
gebunden
ISBN 978-3-8015-0388-8
19,50 EUR

So verschränkt sich der Tod gleich auf der ersten Seite mit der Liebe. Hanna Krall, die als Kind den Holocaust überlebte, hat dem Journalismus des (realsozialistischen) Willens ihren ganzen Wirklichkeitssinn entgegengesetzt. Seit dreißig Jahren erzählt sie Geschichten von Menschen und davon, wie deren Leben von der (großen) Geschichte berührt wurde. So arbeitet die gelernte Journalistin an der Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses. Viele Geschichten wurden ihr im Laufe der Jahre erzählt, doch nur wenn »hinter einer Geschichte noch ein Geheimnis steckt«, kann sie darüber schreiben, sagt sie.
Diese banale und doch so essentielle Voraussetzung jedes Kunstschaffens hat die Autorin auch formal beherzigt. Das »Geheimnis« der Izolda R., ist, um es schnell zu sagen, die Kraft der Liebe.
Die Welt ist aus den Fugen, wenn man vor dem Mitleid die Flucht ergreift oder wenn »einen Bekannten treffen« ein Synonym für tödliche Bedrohung ist. Durch die Lakonik schafft Krall eine Leichtigkeit, die das Grauen bergen kann. »Je größer die Verzweiflung, desto weniger Sätze braucht man.« Diese ihr eigentümliche Reduktion hat Hanna Krall nun in einem Roman zur Meisterschaft gebracht. Schrecken und Staunen breiten sich im Leser aus. Unglaublich, unfassbar bleibt das Überlebthaben.
(Marie-Luise Knott, FAZ)

Frédéric Martel
"Mainstream. Wie funktioniert, was allen gefällt"

Knaus Verlag

Wer beherrscht unsere Köpfe und warum? – Eine faszinierende Expedition zu den Mächtigen des Kulturbetriebs

Avatar, Stieg Larsson, Google, Michael Jackson – wie funktioniert die Kultur der Massen und wer macht sie? Was gefällt allen, überall auf der Welt? Und warum? Es geht in diesem Report über die weltweite Kulturindustrie um ein Billionengeschäft. Es geht aber auch um die Herrschaft über Worte, Bilder, Träume und Weltanschauungen.

Fünf Jahre reiste der Medienforscher Frédéric Martel auf allen Kontinenten, befragte in 1250 Interviews die Mitwirkenden der Kreativindustrien von 30 Ländern. Auf der Suche nach Gewinnern und Verlierern begleitet ihn der Leser in die Kapitalen des Entertainment, nach Hollywood und Bollywood, zu TV Globo nach Brasilien, zu Sony, Al Jazeera, Televisa, in ägyptische Multiplexkinos, die Kleinstädten gleichen, zu Kellnern in L.A., aus denen Weltstars wurden, und zu Julliard-School-Absolventen, die kellnern. Noch beherrscht Amerika den globalen Markt, doch deutlich dringt aus den Medienkonzernen in Mumbai, Shanghai, Seoul, Rio und Dubai der Schlachtruf: »Wir haben ein Milliardenpublikum, wir haben Geld, wir werden es Hollywood zeigen.« Dagegen spielen europäische Filme, Bücher, Musik eine immer geringere Rolle, da wir in Europa unsere elitäre Position, die auf Massenkultur hinunterschaut, nicht aufgeben wollen. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, wenn wir den Krieg um Werte, Bilder und die Inhalte in den Köpfen der Menschen verlieren.

Provozierende These: Will Europa ein internationaler Player sein, braucht es mehr Mainstream.

Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke, Ursel Schäfer
Deutsche Erstausgabe

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0418-7
€ 24,99 [D] | € 25,70 [A] | CHF 38,90*

Bora Cosic
"Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution"

Suhrkamp Verlag

Stefan-Heym-Preis 2011

Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann

Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution, heute ein Klassiker der europäischen Literatur, war ein Kultbuch in Jugoslawien. Aus der Perspektive eines Kindes - unschuldig bis zur Idiotie - wird in kaum zu überbietender Knappheit vorgeführt, wie Krieg, Faschismus und Kommunismus den Mikrokosmos einer heruntergekommenen Familie in Belgrad der vierziger Jahre heimsuchen. Hier hält man Lenins Schrift »Ein Schritt vor, zwei zurück« für ein Tango-Lehrbuch, diskutiert über Zwerge in Einmachgläsern und geht in Deckung, wenn die Partisanen den Freund von gestern zum Feind erklären. Die unheimliche Lakonie des Erzählers, der irrsinnige Witz und melancholische Humor des Buches machen es zu einem Meisterwerk der Subversion.

suhrkamp taschenbuch 3422, Broschur, 120 Seiten
ISBN: 978-3-518-39922-4
D: 9,00 € | A: 9,30 € | CH: 13,50 sFr

Maja Haderlap
"Engel des Vergessens"

Wallstein Verlag

Bachmann-Preis 2011

Ein großes Romandebüt, das von einem Leben in der Mitte Europas erzählt; mit kraftvoller Poesie; Geschichten, die uns im Innersten betreffen.

Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben »nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln«. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.

Ein Auszug aus dem Roman wurde 2011 in Klagenfurt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

»Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben... Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines.« (Peter Handke)

Roman
€ 18,90 (D) | € 19,50 (A) | CHF 27,50
288 Seiten
Einband: gebunden, Schutzumschlag
Format: 12 x 20 cm
ISBN: 978-3-8353-0953-1

Monika Maron
"Flugasche"

S. Fischer Verlag

Lessing-Preisträgerin 2011

Bitterfeld vor 30 Jahren: Die Journalistin Josefa Nadler kommt hierher, um eine Reportage über das veraltete und umweltgefährdende Kraftwerk zu machen. Mit ihrer kritischen Haltung gerät sie unter Druck und muss sich vor den Kollegen und der Partei rechtfertigen. Als es ihr nicht gelingt, ihren Standpunkt klarzumachen, zieht sie sich zurück.
›Flugasche‹ (1981), Monika Marons erster Roman, machte die Autorin über Nacht berühmt. Er zählt heute zu den Meisterwerken der deutschen Nachkriegsliteratur und bildet einen wichtigen Bezugspunkt zu Monika Marons 2009 erschienener Reportage ›Bitterfelder Bogen‹.

Roman
Taschenbuch
Preis € (D) 10,00 | € (A) 10,30 | SFR 15,90
ISBN: 978-3-596-51180-8

Friedrich Christian Delius
"Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus"

Reinbek, Rowohlt-Verlag

Georg-Büchner-Preisträger 2011

“In der Mitte seines Lebens, im Sommer 1981, beschließt der Kellner Paul Gompitz aus Rostock, nach Syrakus auf der Insel Sizilien zu reisen. Der Weg nach Italien ist versperrt durch die höchste und ärgerlichste Grenze der Welt, und Gompitz ahnt noch keine List, sie zu durchbrechen. Er weiß nur, daß er die Mauern und Drähte zweimal zu überwinden hat, denn er will, wenn das Abenteuer gelingen sollte, auf jeden Fall nach Rostock zurückkehren.” So beginnt F. C. Delius’ Chronik eines ungewöhnlichen, schweijkschen Abenteuers aus unserer Zeit.
Nach siebenjähriger Vorbereitung gelingt es dem Kellner im Juni 1988, mit einer Jolle von Hiddensee aus die Seegrenze der DDR zu überqueren und nach Gedser in Dänemark zu segeln – ein “einfacher Grenzdurchbruch”, wie Gompitz meint, Vergehen gegen § 213 Abs. 1, weil nicht in Gruppe und nicht unter Mitführung gefährlicher Gegenstände bewerkstelligt und auch keine Grenzanlagen beschädigt wurden. Delius erzählt von der Mühsal der Vorbereitungen, von der Hartnäckigkeit, wie Gompitz das Segeln lernte, sein Boot tarnte, auf tragikomische Weise versuchte, Geld in den Westen zu schaffen, wie er gegen jede Gefahr eine List fand, immer etwas schlauer als die Staatssicherheit, alles ohne Mitwisser. Einfach auf sein Recht auf eine Bildungs- und Pilgerreise pochend, auf den Spuren Johann Gottfried Seumes, dessen “Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802″ er seit Jugendzeiten im Kopf hat, von Triest über Terni und Rom bis zum Ziel seiner Reise, Syrakus. Doch zunehmend, wir schreiben Oktober 1988, ein Jahr vor dem Fall der Mauer, irritiert ihn die Frage: “Wie kommst du am besten wieder zurück?” – und er schafft auch das mit List und Tücke.

Erzählung
160 S., HC
€ 14,00 / sFr 25,30
ISBN 978-3-498-01302-8
160 S., Tb
€ 6,95 / sFr 12,10
ISBN 978-3-499-22278-8
Rowohlt Taschenbuch Großdruck.
rororo 33249
€ 8,90
ISBN 978-3-499-33249-4


Jan Peter Bremer
"Der amerikanische Investor"

Berlin-Verlag

Alfred-Döblin-Preis 2011

„Vielleicht sollte er dem amerikanischen Investor einen Brief schreiben. Vielleicht war der amerikanische Investor ein Mensch mit einem großen Herzen für die Literatur“.

Vor sich eine weiße Wand und die herausfordernd leere Seite seines Notizhefts, ringt ein Schriftsteller um den ersten Satz. Und weil sich der an diesem heißen Berliner Sommertag partout nicht einstellen will, springt er auf, kontrolliert zum hundertsten Mal, ob sich der Zustand seiner Wohnung wieder verschlechtert hat.
Das alte Mietshaus, in dem er mit seiner Frau und zwei Kindern lebt, wird von dem neuen amerikanischen Investor saniert, und nun senken sich die Böden ab. Die Wände zeigen Risse, und ist nicht sein ganzes Leben seitdem buchstäblich in eine Schieflage geraten?

Er beschließt, dem amerikanischen Investor einen Brief zu schreiben. Natürlich führt auch dieser neue Plan zwangsläufig zur weißen Seite zurück, und je stärker und empathischer sich der Schriftsteller auf der Suche nach dem richtigen Einstieg in seinen Adressaten hineinversetzt, von dem er kaum mehr weiß, als dass dieser ständig in seinem Flugzeug die Welt umkreist, desto unbarmherziger wird er auf die eigene Lebenssituation zurückgeworfen. Furios und unentwegt Volten schlagend, entwickelt Jan Peter Bremer Szenen von aberwitziger Komik und erweist sich einmal mehr als Meister der hochprozentigen Parabel.

Roman
120 Seiten Gebunden
ISBN-13: 9783827010353
16,90 € [D] | 17,40 € [A] |
Erscheinungstermin: 6. August 2011

Frank Jöricke
"Mein liebestoller Onkel, mein kleinkrimineller Vetter und der Rest der Bagage"

Solibro Verlag

"Am Tag, als Janis Joplin starb, unterschrieb mein Vater den Kaufvertrag für unser Reihenhaus. Er legte so den Grundstein dafür, dass eine große Liebe zu einer Gütergemeinschaft verkam."

Frank Jörickes Roman ist eine launige Zeitreise durch die verschiedenen Dekaden der jüngeren bundesrepublikanischen Geschichte. Seien es die Studentenunruhen, die Ölkrise oder das Aufkommen des Feminismus, Daily Soaps oder die Maueröffnung, alles Anlässe für den Erzähler, mit abgeklärt-kompromisslosem Blick die schrullige Bagage, die sich Verwandtschaft nennt, bei ihrem bunten Treiben zwischen Zeitgeist und Fettnäpfchen zu beobachten. Es entstehen typische Charakterbilder skurriler Normalos, die sich tapfer durchs Reihenhausleben schlagen: Onkel, Tante, die Eltern, die sich mit ihrer späten Scheidung "um viele schöne getrennte Jahre" gebracht haben ...

Hier wird nicht versucht, die vermeintliche Langeweile der Wohlstandsdekaden mit einer Konsumgeschichte aufzuwerten, sondern eine amüsante Chronologie der nicht ganz so yuppiehaften Familienwelt in der Provinz erzählt, die Wiedererkennungseffekte garantiert und die Skurrilität damaliger Normalität mit ironisch-liebevollem Blick in Erinnerung ruft und würdigt.

Und ein schönes Zubrot ist der Anhang, denn dort findet der interessierte Leser noch einmal eine launige Kurzfassung der wichtigsten Ereignisse von 1967 bis 2003; damit erübrigt sich der Griff zum Lexikon.

HardCover mit Schutzumschlag
256 Seiten
ISBN 978-3-932927-33-1
19,90 Euro (D) / 36,00 SFr

"Es gibt Bücher, die sind so gelungen, das man sie kaum aus der Hand legen mag - es sei denn, um sich die Lachtränen abzuwischen. Frank Jöricke ist mit seinem Erstling ein derartiges Kunstwerk gelungen."
Badisches Tagblatt

"Das ist nicht nur höllisch lustig, sondern auch sehr informativ."
MDR Sputnik, Quergelesen

Andreas Maier
"Das Zimmer"

Suhrkamp Verlag

Mit einem Bein steht er noch im Paradies, dafür hat die Geburtszange gesorgt. Immer ist er ein Kind geblieben, und wurde doch stets älter, und leben mußte er auch irgendwie. Nun ist er schon dreißig und hat seine große Liebe, einen VW-Variant Typ 3, mit dem fährt er zwischen den blühenden Rapsfeldern umher. Es ist das Jahr der ersten Mondlandung, 1969, als man in Frankfurt am Main noch Treppensteigen geht in den Bordellaltbauten um den Bahnhof herum. Ein Tag im Leben Onkel J.s. Hin- und hergerissen zwischen Luis Trenker, der Begeisterung für Wehrmachtspanzer und den Frankfurter Nutten, wird J. plötzlich als ein Mensch erkennbar, der außerhalb jeden Schuldzusammenhangs steht, noch in den zweifelhaftesten Augenblicken. Einer, der nicht zugreift, weil er es gar nicht kann, während die Welt um ihn herum sich auf eine heillose Zukunft wie auf die Erlösung vorbereitet.

Nach den Romanen Wäldchestag, Klausen, Kirillow, Sanssouci und Onkel J. Heimatkunde setzt Andreas Maier neu an: Das Zimmer ist ein Erinnerungsporträt und Roman zugleich, vielleicht der Beginn einer großen Familiensaga, eine Reflektion über Zeit und Zivilisation, über die Würde des Menschen und wie sie erhalten bleiben kann.

Roman
D: 17,90 € / A: 18,40 € / CH: 27,50 sFr
Erschienen: 06.09.2010
Gebunden, 203 Seiten
ISBN: 978-3-518-42174-1

"Mit ›Das Zimmer‹ ist Andreas Maier ein Meisterwerk der scharfen Beobachtung und der kleinen Wunder gelungen."
Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Der begabteste Schwadroneur unter den jüngeren Autoren."
Ulrich Greiner, Die Zeit

"Das Zimmer ist ein Heimatroman, in dem Maier den Muff in der Idylle auslotet und die Lieblosigkeit spürbar macht, die sie zusammenhält. Dass man den beginnenden Zerfall der Provinz als Leser trotzdem bedauert, ist die große Kunst dieses Schriftstellers."
Der Spiegel

"Andreas Maiers Roman Das Zimmer ist die nachgetragene Liebeserklärung an einen Lebens-Verlierer, der zeitlebens von seiner Mitwelt als idealtypischer Versager und klassisches Opfer missbraucht wurde. Und er liefert die Mentalitätsgeschichte einer Generation, die sich für die Mondlandung und eine forcierte Motorisierung enthusiasmierte und in Folge davon mit tristen ›Ortsumgehungsstrassen‹ abgespeist wurde."
Michael Braun, Neue Zürcher Zeitung

"Das Zimmer ist eine Heimatvermessung, die weit über die übliche Erinnerungsprosa und gängige Kindheitsbeschwörungen hinausgeht. Maier entwickelt aus den Details und dem Besonderen eine Analyse der bundesdeutschen Geschichte und bleibt dabei doch ganz und gar erzählerisch."
Jörg Magenau, Der Tagesspiegel

"Es ist eine liebevolle Hommage an das Gestern, die Andreas Maiers Roman aus den Lebenssplittern eines Mannes zusammensetzt, der ›stets mit einem Fuß im Paradies‹ gestanden hat."
Dietmar Jacobsen, literaturkritik.de

"Es geht um nichts Geringeres als um die die Verteidigung der Provinz, die hier zugleich eine Verteidigung der Kindheit ist. Andreas Maier besingt seine so statische Herkunftswelt ohne falsche Idyllisierung oder Idolisierung."
Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung

Philippe Djian
"Die Leichtfertigen"

Diogenes

Aus dem Französischen von Uli Wittmann

Drogen, Liebesaffären, Verkehrsunfälle – Francis hat viel durchgemacht, nun möchte er nur noch seinen Frieden. Doch Hochstapler und schöne Frauen wirbeln weiter durch sein Leben – an ein ruhiges Schriftstellerdasein ist nicht zu denken.

Francis ist als Schriftsteller erfolgreich, als Ehemann und Vater leidgeprüft. Seine erste Frau und eine seiner beiden Töchter sind vor seinen Augen ums Leben gekommen. Inzwischen ist Francis zum zweiten Mal verheiratet, wohnt in einem Haus am Meer an der Grenze zu Spanien, und seine Tochter Alice, die als Kind die Katastrophe überlebt hat, ist Mutter von Zwillingen und lebt nach wilden Jugendjahren in stabilen Verhältnissen in Paris. Doch plötzlich ist Alice wie vom Erdboden verschluckt. Tage und Wochen verstreichen ohne eine Nachricht. Ihr Mann Roger und die beiden Mädchen sind beunruhigt, Francis ebenso. Ist ihr etwas zugestoßen? Hat sie eine Affäre? Oder nimmt sie wieder Drogen? Roger dreht fast durch. Und Francis nimmt die Zwillinge bei sich auf und erzählt ihnen Gutenachtgeschichten, obwohl an Schlaf nicht zu denken ist. Je schlimmer die familiären Sorgen werden, desto mehr verschanzt sich Francis in einer mentalen Festung, wo niemand und nichts ihm etwas anhaben kann – er schreibt. Doch so einfach kann er sich dem Leben nicht entziehen: Begehrenswerte Frauen, traumatisierte Kinder und schamlose Hochstapler rütteln an seiner Tür und wollen geliebt, getröstet und beachtet werden...

Roman, Hardcover Leinen, 224 Seiten
ISBN 978-3-257-06774-3
Erschienen im Feb. 2011
€ (D) 20.90 / € (A) 21.50 / sFr (CH) 35.90

"Philippe Djian wieder in Höchstform. Mit ›Die Leichtfertigen‹ knüpft er an sein Werk von früher an, an ›Blau wie die Hölle‹ und ›Betty Blue‹. Ein Roman von unerhörter psychologischer Kraft und Gewalt."
Le Parisien

Catalin Dorian Florescu
"Jacob beschließt zu lieben"

C. H. Beck Verlag

In seinem neuen großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte – zeitlich zwischen dem Ende der 20er- und Anfang der 50er-Jahre angesiedelt – weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen.

Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Jacobs Vorfahren, wie viele Tausende Anderer aus Lothringen ein besseres Leben suchend, auf den gefährlichen Weg ins Banat gemacht, um ihr Glück zu finden und eigenes Land zu besitzen. Jacob wird mit dem Kampf um Macht und Besitz konfrontiert, wird vom eigenen Vater verraten und verliert seine erste Liebe. Doch immer wieder gibt es Menschen, die ihm helfen, die Wechselfälle der Geschichte – Diktaturen und Deportationen – mit ihren grotesken und katastrophalen Folgen zu überleben und einen neuen Aufbruch zu wagen.

In diesem zärtlichen und spannenden Buch bekommen wir auch ein atemberaubendes Konzentrat europäischer Geschichte geboten. Das Bild einer Welt, die nicht zur Ruhe gekommen ist.

Roman
Roman/Erzählung
2011. Buch. 405 S. Gebunden
ISBN 978-3-406-61267-1
19,95 € inkl. MwSt.

"Catalin Dorian Florescu katapultiert sich mit seinem neuen Roman in die vorderste Reihe unserer Literatur. … Kaum einer erzählt mit so viel Kraft, Sinnlichkeit, Wärme, mit einem so grossen, Jahrhunderte umfassenden Atem, so ruhig und furchtlos, vor Brutalität und Grausamkeit so wenig zurückschreckend wie vor leiser Zärtlichkeit und Wehmut. Was für ein Erzähler! … Florescu beachtet jedes Detail, jede Nuance und lässt sein ländliches Sittenbild lebendig werden wie ein Bild von Breughel, mit allen Schrecken und Schönheiten. … Er hat einen grossartigen Roman über ein brutales Jahrhundert und ein hoffnungsloses Leben geschrieben, der dennoch nie in die Hoffnungslosigkeit absinkt. Es ist ein wirkliches Buch der Liebe geworden. Alle Achtung. " FAZ

"Es gibt Romane, die beginnt man wegen ihres ersten Satzes zu lesen. Catalin Dorian Florescu legt einen Roman vor, dessen Handlung sich zwischen einem wunderbaren ersten und einem wunderbaren letzten Satz bewegt.
Florescu gehört zweifellos zu den größten Geschichtenerzählern seiner Generation. Mit Haut und Haaren begibt er sich in die raue und archaische Welt der Bauern, die immer wieder auf der Suche nach eigenem Grund und Boden sind, für die scheinbar nichts weiter zählt als das. Florescu schafft sonderbare Protagonisten und wunderbare Heldinnen vor einem brutalen geschichtlichen Hintergrund der Denunziation und fortwährenden Vertreibung.Seine Sprache ist genau, schnörkellos, er verstrickt sich nie in moralisierende Behauptungen. Der Autor traut seinen Figuren, lässt sie ihr Eigenleben führen. Das verleiht dem Text Authentizität und Spannung. Dieser Roman ist nach dem 2008 erschienenen und viel beachteten Roman „Zaira“ zweifellos Florescus größtes Meisterstück, denn es verbindet Geschichtsbewusstsein mit Fabulierlust. Hier sieht ein junger Schriftsteller gänzlich von sich ab. Er bringt die Geduld und den Mut auf, die abenteuerlichen Lebensumstände seiner Vorfahren zu erkunden." Sächsische Zeitung

"Mit diesem Buch, dessen Autor 1967 im rumänischen Timisoara geboren worden ist und heute als Schriftsteller und Psychologe in Zürich lebt, liegt ein wahres Epos vor. … So verschränkt der Roman individuelle Schicksale zwanglos mit historischen Ereignissen und mit der Geschichte der Eroberungen, Diktaturen und politischen Umwälzungen. … Für die Lesenden liegt einer der Reize gerade im Wechsel des Blickfelds. … Er ist der geborene Erzähler, dieser Catalin Dorian Florescu. Was Florescu in seinem Buch mit narrativem Furor vorführt, ist eine Geschichte von Gewalt und Verrat, von Armut und Verdüsterung, von Hunger und Durst." Neue Zürcher Zeitung

Melinda Nadj Abonji
"Tauben fliegen auf"

jung und jung

Schweizer Buchpreis 2010

Eine ungarische Familie aus Serbien in der Schweiz. Ein schwungvoll und gewitzt erzählter Roman aus der Mitte Europas.

Es ist ein schokoladenbrauner Chevrolet mit Schweizer Kennzeichen, mit dem sie zur allgemeinen Überraschung ins Dorf einfahren, und die Dorfstraße ist wirklich nicht gemacht für einen solchen Wagen. Sie, das ist die Familie Kocsis, und das Dorf liegt in der Vojvodina im Norden Serbiens, dort, wo die ungarische Minderheit lebt, zu der auch diese Familie gehört.
Oder, richtiger, gehörte. Denn sie sind vor etlichen Jahren schon ausgewandert in die Schweiz, erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildiko, und Ildiko ist es, die das hier alles erzählt. So auch den Besuch im Dorf, der dann nicht der einzige bleibt, Hochzeiten und Tod rufen sie jedesmal wieder zurück ins Dorf, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben, solange sie leben.
Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?

Roman
320 Seiten, gebunden
€ 22,- / Sfr 33,90

Was für eine Sprache! Was für eine Fantasie! Während einer Hochzeit lacht Jugoslawiens Staatschef Tito aus einer Wolke hinab auf die feiernden Gäste. Ein andermal singen Trauerweiden, und das dunkle Wasser des Sees erzählt eine Geschichte. Nebenbei wird geflucht wie nur irgendwas, und Stalin soll einen sibirischen Gruß aus seinem unterkühlten Arsch schicken.
Selten erzählt eine Autorin so poetisch von den Schrecken eines Krieges, des Balkankrieges, und von den familiären Tragödien, die mit der wechselvollen Politik dieser Region verbunden sind. Die Schweizerin erzählt eine Geschichte über das Weggehen und Ankommen, Erwachsenwerden und Familie, Politik, Liebe, Hass und Einsamkeit. Ein großes Erlebnis, denn zwischen dem Leid findet Nadj Abonji so viel Schönheit, dass einem beim Lesen wieder und wieder die Sinne übergehen.
Uli Müller, Financial Times Deutschland

Abonjis Geschichte ist gut, ein Ereignis aber ist ihre Sprache.
Tobias Becker, Der Spiegel

Eine teils ergreifende, nie sentimentale Familiengeschichte, aber ebenso ein Roman über die Anpassungsfähigkeit des Menschen.
Judith von Sernburg, Frankfurter Rundschau

Das ist sie also: die zeitgemässe Form, über Emigration, entschwindende Heimat und das Leben im Dazwischen zu schreiben. Mit Humor, pointierter Wehmut und rhythmischem Sound.
Sibylle Birrer, Neue Zürcher Zeitung

Melinda Nadj Abonjis Versuch, ein persönliches Stück Zeitgeschichte – den Zusammenbruch Ex-Jugoslawiens – im Schicksal einer Immigrantenfamilie zu spiegeln, ist auf beeindruckende Weise gelungen. Wie mutig zudem, ein Ausländerdasein in der Schweiz so aufrichtig, so bitter, so sensibel und fair zu beschreiben.
Alice Werner, Berner Zeitung

Clemens J. Setz
"Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"

Suhrkamp Verlag

Belletristik-Preis der Leipziger Bucmesse 2011

Clemens J. Setz gewinnt mit dem Erzählband den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Anlässlich des Preises der Leipziger Buchmesse lobt die Jury: »Täuschende Nachbarn, Prügelorgien der Kunst, verrückende Maschinen – diese Erzählungen locken den Leser in ein Labyrinth aus Zärtlichkeit, Gewalt, Liebe und Gemeinheit.«

Eines Tages ist es da. Steht am Ende einer Sackgasse mitten in der Stadt. Es ist ein großes Kind. Den Blick hält es demütig zu Boden gesenkt, seine Haut ist rissig. Tagsüber versammeln sich die Bewohner der Stadt um dieses Kind, veranstalten Kundgebungen und Konzerte. Nachts schlagen sie auf es ein, mit Fäusten, Stöcken und Ketten – auf die Skulptur aus weichem, niemals trocknendem Lehm, auf das Mahlstädter Kind. Der Künstler hat es ihnen zur Vollendung überlassen, hat ihnen die Aufgabe übertragen, es »in die allgemein als vollkommen empfundene Form eines Kindes zu bringen«. Zuerst treibt die Kunstbegeisterung die Bewohner der Stadt, dann kommen sie als Pilger ihrer Wut, verlieren prügelnd die Kontrolle über sich und beinahe auch ihren Verstand.

Nach den beiden von der Kritik bejubelten und mit Preisen ausgezeichneten Romanen Söhne und Planeten und Die Frequenzen legt der österreichische Autor Clemens J. Setz nun einen Band mit Erzählungen vor. Es sind Geschichten gespickt mit grotesken Ideen und subtilem Horror, voller gewalttätiger Momente und zärtlicher Gesten. Wie in den Romanen präsentiert sich Setz auch in der kurzen Form als scharfer Beobachter der menschlichen Natur und einfühlsamer, geradezu liebevoller Porträtist ihrer Eigenarten.

Erzählungen
Gebunden, 350 Seiten
ISBN: 978-3-518-42221-2
D: 19,90 €
A: 20,50 €
CH: 32,90 sFr

»Clemens J. Setz hat [die Grazer] Moderne gleichsam auf den jüngsten Stand gebracht, mit Erzählungen von eher dunklen, ja vielleicht sogar bösen und grausamen Gestalten, die ihre seltsame Plastizität mit den Figuren aus Computerspielen teilen, unheimlich präsent und porös zugleich.«
Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung

»Da wagt einer das radikale Gegenprogramm zur hübsch verkasteten Literaturwerkstättenliteratur, bricht dunkle Lieder pfeifend aus den literarischen Reihenhaussiedlungen aus.«
Elmar Krekeler, Die Welt

»Er ist das Wunderkind der deutschen Literatur: radikal, unbedingt, ganz anders im Ton als seine Generationsgenossen.Von einer apokalyptischen Verzweiflung.«
Die Zeit

»Hier schreibt ein ganz Großer, einer, für den die Wirklichkeit in all ihren bizarren, grotesken, absurden, realistischen wie simulatorischen Aspekten noch längst nicht auf- und ausgeschrieben ist. Im Gegenteil – es hat gerade erst einmal angefangen.«
Werner Jung, Neues Deutschland online

»Clemens J. Setz‘ achtzehn Geschichten kommen scheinbar harmlos daher, im Gewand einer Alltäglichkeit, die jeder zu kennen meint, und entwickeln dann eine Brutalität und eine Grausamkeit, auf die man jedes Mal von Neuem nicht gefasst ist. Dabei macht Setz etwas, das man sehr selten findet in der jungen deutschen Literatur. Er schreibt in aller Direktheit über Körper und Sex.«
Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Diese Radikalität einer beinahe luftdicht abgepackten Verzweiflung gab es in der Literatur zuletzt in den Jahrzehnten, bevor Setz geboren wurde. Sie steckte in den Beckettschen Mülltonnen und den letzten Erzählungen und Stücken des alten Max Frisch.«
Iris Radisch, Die Zeit

»Sein Erzählungsband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes, mit 18 Stories auf 350 Seiten auch nicht gerade schmal, löst die hohen Erwartungen nun auf phänomenale Weise ein. Hier ist ein Autor zu erleben, der sprachliche Tricks und Kniffe beherrscht, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass es sie gibt.«
Richard Kämmerlings, Die Welt

»Wenn Sex und Gewalt in dieser Form auch bislang nicht das Lieblingsthema der deutschen Literatur waren, so räumt Setz ihnen mit seinem neuen Buch einen gebührenden Platz ein.«
Tobias Lehmkuhl, Cicero März 2011

Martin Pollack
"Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien"

Hanser Verlag

Buchpreis für Europäische Verständigung 2011

Die Freiheitsstatue: Hunderttausende ließen sich um 1900 von diesem verlockenden Bild über den Ozean locken. Damals hatte in Galizien (heute Polen und Ukraine), dem Armenhaus der Habsburger-Monarchie, eine Welle der Emigration eingesetzt. Kleinbauern, Handwerker, jüdische "Luftmenschen", sie alle suchten eine bessere Zukunft; der Kaiser von Amerika, meinten sie, werde sie nach ihrer Flucht freudig willkommen heißen. Aus dieser Hoffnung entwickelte sich rasch ein einträgliches Geschäft, an dem viele mitverdienten. Schlepper, Agenten, Menschenhändler und die Aussicht auf ein besseres Leben: Martin Pollack erzählt von Menschen, die um 1900 ihr Glück in den USA suchten.

Fester Einband, 288 Seiten
Mit Abbildungen
19.90 € (D) / 29.90 sFR (CH) / 20.50 € (A)
ISBN 978-3-552-05514-8

"Mit „Kaiser von Amerika“ wird Martin Pollack seinem Ruf als „Entzauberer Galiziens“ mehr als gerecht: Er zeichnet ein höchst nüchternes Bild der Provinz, und heikle Themen, etwa die hohe Anzahl der Juden unter den Nutznießern der Fluchtwelle, scheut er auch nicht. Doch beides tut er mit Absicht: 'Ich glaube, man muss jeden Konflikt ansprechen, erst daraus kann sich irgendeine Weiterentwicklung ergeben.' Dass er dabei Parallelen zu heute, zu den Praktiken der modernen Schlepperbanden oder der heutigen Medien, aufzeigt, macht sein Buch umso lesenswerter." Marta Kijowska, FAZ, 26.11.2010

"Pollack, dem gerade der Leipziger Buchpreis zuerkannt wurde, schafft es meisterlich, den Leser mittels Gerichtsakten, Zeitungsartikeln und Recherchen vor Ort auf eine packende Wanderung durch historische, längst vergessene Landschaften mitzunehmen." Sebastian Bickerich, Tagesspiegel, 29.11.2010

"Ausgezeichnete dokumentarische Literatur, seriös recherchiert, spannend erzählt, in glasklarem, schnörkellosem Stil." Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten, 1.12.2010

"Mit großem journalistischem Geschick macht Martin Pollack seine gründlich recherchierten historischen Tatbestände lebendig und anschaulich. Er folgt den Schicksalen einzelner Auswanderer, beschreibt ihren Leidensweg und das harte Leben, das sie als Arbeitssklaven in Übersee, beim Eisenbahnbau und in den Kohlegruben und Stahlwerken von Pennsylvania erwartete. Pollacks Darstellung ist erhellend, sachlich und doch voll verhaltener Empathie für die ewigen Verlierer. Sie liest sich glänzend." Sigrid Löffler, Deutschlandradio Kultur, 07.09.2010

"Martin Pollack erzählt eine historische Geschichte mit einem untrüglichen Sinn für die Probleme der Gegenwart. Das hat seine Bücher immer schon ausgezeichnet und macht gerade dieses so wahrhaftig." Gerhard Zeillinger, Die Presse, 23.10.2010

"Eine düstere historische Bestandsaufnahme, die von der Schattenseite der Auswanderung erzählt. Auch in der "Neuen Heimat", in den USA, in Brasilien, werden die Emigranten ausgebeutet, beim Eisenbahnbau, in den Stahlwerken und Kohlegruben. Dem literarischen Instinkt und journalistischen Können Martin Pollacks ist es zu verdanken, dass sich sein Buch ausgesprochen spannend liest." Eva Rother, Ö1 Ex libris, 07.11.2010

Ingo Schulze
"Adam und Evelyn"

Berlin Verlag

Mainzer Literaturpreis 2011 für das Lebenswerk von Ingo Schulze

Spätsommer 1989, Ferien am Balaton — plötzlich öffnet Ungarn die Grenze, und der verbotene Westen mit all seinen Verlockungen ist zum Greifen nah. In dieser Situation entdeckt Ingo Schulze den Mythos von Adam und Eva. Entstanden ist eine große Tragikomödie über Verbot und Erkenntnis und die Suche nach dem wahren Paradies.
Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Adam liebt schöne Frauen. Wenn sie erst seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, und abgesehen davon liebt er Evelyn. Die ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti mit einem seiner Geschöpfe. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den Balaton. Adam setzt sich mit seinem alten Wartburg dem roten Passat auf die Spur. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren — und vielleicht muss er das auch, denn Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist die verbotene Frucht greifbar, und alle müssen sich entscheiden.
In der Ausnahmesituation jenes Spätsommers 1989, dem Schwebezustand plötzlicher Wahlfreiheit, entdeckt Ingo Schulze die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis und nicht zuletzt der Sehnsucht nach dem Paradies. Doch wo ist das zu finden? In der Verheißung des Westens, der Ungebundenheit eines endlosen Feriensommers am Plattensee oder doch im vertrauten Amtsstubenduft einer frisch geöffneten Brotkapsel und dem eigenen Garten?
Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt Ingo Schulze eine grandiose Tragikomödie. Mit seinem ironisch gebrochenen Begriff vom Sündenfall findet er eine Chiffre für den Eintritt in unsere heutige Welt.

320 Seiten
Gebunden
ISBN-13: 9783827008107
18,00 € [D]

Hörbeispiel:

Alex Capus
"Léon und Louise"

Hanser Verlag

Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen.

Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt.
Die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.

Roman
Fester Einband, 320 Seiten
Preis: 19.90 € (D) / 29.90 sFR (CH) / 20.50 € (A)
ISBN 978-3-446-23630-1

"Das Buch des Frühjahrs: Eine wunderschöne Geschichte, bei der man zutiefst bedauert, dass sie schon zu Ende ist. Und sich heimlich wünscht, dass einem im nächsten Leben einer wie Léon begegnen möge. Oder eine wie Louise." Christine Westermann, WDR, 27.02.11

"Die Geschichte einer Liebe, die sich gegen die Weltgeschichte durchsetzen muss. ... Ein fein gearbeitetes Stück Literatur über Glücksverlangen, Sich-Bescheiden und Davonkommen." Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 22.02.11

"Dieses Buch wählt sich seine Leser aus: Alex Capus hat mit "Léon und Louise" die bezaubernde Geschichte einer Liebe über die Zeiten hin geschrieben. ... Es geht um viel mehr als eine Liebe im besetzten Paris. ... Eine wunderschöne Geschichte, deren Kraft in ihrer Sprache liegt, zugleich jedoch in all den Dingen, die nicht in die Sprache gezerrt sind." Rose-Maria Gropp, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.11

"Alex Capus schildert diese ebenso tragischen wie komischen Begebenheiten vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte ... Es gelingen ihm fabelhafte Charakterzeichnungen, und mit Feingefühl erkundet sein Roman die traurige Geometrie einer Dreiecksgeschichte, die sogar Léons zart-robuster Ehefrau ein kleines Glücksgefühl beschert." Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 19.03.11

"Ein Paar zum Verlieben." Angela Wittmann, Brigitte, 11/2011

Thomas Bernhard
"Aus Opposition gegen mich selbst"

Suhrkamp Verlag

Herausgegeben von Raimund Fellinger

In dem Interview zu seinem 50. Geburtstag erklärte Thomas Bernhard: »Negativ ist alles, gibt nicht Positives.« Später konstatierte er lakonisch: »Es ist eh’ alles positiv.« Ist also Thomas Bernhard der große Unfaßbare, der im gleichen Atemzug Gegenteiliges behauptet? Ist sein Werk vielleicht finster und sein Autor ein fröhlicher Clown? Ist er bloß ein opportunistischer Übertreibungskünstler bei allem und jedem? Oder ist er doch der schärfste Kritiker der politischen Verhältnisse im allgemeinen und des »katholisch-nationalsozialistischen Österreich« im besonderen?
Der vorliegende Band versammelt kurze und längere Texte von Thomas Bernhard, er berücksichtigt alle Gattungen – vom Roman bis zum einzeiligen Leserbrief – und präsentiert das Bernhardsche Werk als einen Kontinent, auf dem es viele überraschende Entdeckungen zu machen gibt. Er bietet somit Bernhard-Anfängern wie Fortgeschrittenen, ja sogar den Spezialisten überraschende und ungeahnte neue Literatur- und Geisteslandschaften.

Ein Lesebuch
suhrkamp taschenbuch 4211, Broschur, 368 Seiten
ISBN: 978-3-518-46211-9
D: 10,00 €
A: 10,30 €
CH: 15,90 sFr

Hans Joachim Schädlich
"Kokoschkins Reise"

Rowohlt Verlag

CORINE-Preisträger 2010

Der Exilrusse Fjodor Kokoschkin reist 2005 auf dem Luxusliner Queen Mary 2 von Southhampton nach New York. Während der fünftägigen Kreuzfahrt erinnert sich der rüstige 95-jährige Professor in Rückblenden an die Stationen seines Lebens in Europa.

Die Reise in die Vergangenheit beginnt er in St. Petersburg, der Stadt seiner Kindheit, wo die Bolschewiki 1918 seinen Vater ermordet hatten. Die Mutter floh mit dem Sohn über Odessa zunächst nach Berlin. Hier konnte er die Schule besuchen und studieren, er erlebt die Weimarer Republik und den deutschen Nationalsozialismus. Wiederum flieht er, diesmal nach Prag, wo es ihm gelingt, ein Stipendium für die USA zu bekommen. Amerika wird ihm nach der Machtergreifung der Nazis zur letzten Heimat. In nur sechs Kapiteln spiegelt Schädlich in Kokoschkins dramatischer Lebensgeschichte ein ganzes Jahrhundert – mit seiner Tragik wie auch den Auf- und Umbrüchen, Diktaturen, Revolutionen, Vertreibung und Fluchten.

Hans Joachim Schädlich, der 1977 im Zuge der Biermann-Ausbürgerung mit seiner Familie aus der DDR in den Westen Deutschlands übersiedelte, hat den machtvollen Griff der Geschichte ins eigene Leben schmerzvoll erfahren. In den frühen 90er Jahren las er in seiner Stasi-Akte, dass sein älterer Bruder ihn jahrelang bespitzelt hatte. In seinen Romanen jedoch unterwirft er historische Fakten einem ästhetischen Verfahren, das diese zum gleichnishaften Grundrauschen menschlicher Existenz macht.

„Hans Joachim Schädlich ist hier ein großartiger Roman gelungen, der trotz der knappen, lakonischen und oft auf Dialoge zugeschnittenen Sprache die Emigration als großes Thema des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt stellt."
Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer ZEIT-Verlag Gerd Bucerius

Der Exilrusse Fjodor Kokoschkin kehrt auf der Queen Mary 2 von einer Reise an die Orte seiner Kindheit und Jugend nach New York zurück. Seine Erinnerungen rufen die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Verfolgungen, Schicksalen und Emigrationen wach ...

Hardcover, 192 Seiten
Euro 17,95
ISBN: 978-3-498-06401-3

«Hans Joachim Schädlich ist einer der ganz Großen in der zeitgenössischen deutschen Literatur. Zweifellos ist dieser wunderbar weise Roman sein tröstlichstes Buch.»
DIE ZEIT

«Die großen Gefühle, Trauer, Schmerz, Erinnerung und letzte Liebe, all das zwingt er mühelos in die Nussschalen seines kargen Stils.»
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

«Zur Literatur der Ausgewanderten steuert Schädlich einen außerordentlichen Roman bei.»
NEUE ZÜRCHNER ZEITUNG

«Ein Meister der Reduktion, der mit dieser Reduktion eine ungeheure Intensität erreicht.»
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

«Eine bedrängende Geschichte von Vertreibung, Flucht und Exil. Bewundernswert.»
FRANKFURTER RUNDSCHAU

Mario Vargas Llosa
"Das böse Mädchen"

Aus dem Spanischen von Elke Wehr
suhrkamp

Literaturnobelpreis 2010

Als er sie zum erstenmal sieht, tanzt sie den Mambo wie keine andere, damals in Miraflores, Sommer 1950. Sie ist, wie er, fünfzehn Jahre alt – aber was für Freiheiten nimmt sie sich heraus! Wie aufregend wenig bekümmert sie all das, was man in diesem steifkatholischen Lima tut oder nicht tut. Und dann ist sie plötzlich von einem Tag auf den anderen verschwunden. Die Erinnerung an das »böse Mädchen« und ihr geheimnisvolles Anderssein läßt Ricardo nicht mehr los.
Seine Freiheit besteht darin, nach Paris zu gehen, als Übersetzer, ein intellektuelles Glück, von dem er glaubt, es könne ihm genügen. Da aber taucht aus heiterem Himmel das »böse Mädchen« auf, unterwegs nach Havanna, wo sie zur Revolutionärin ausgebildet werden soll. Sie lieben sich in einer Nacht, die bestimmt ist von dem Wissen, daß ihre Wege wieder auseinandergehen. Seinen hitzigen Antrag, mit ihm zu leben, hat sie lachend zurückgewiesen. Nicht lange darauf bricht sie als eine verheiratete Madame Arnoux wieder in sein Leben ein und zerstört seine mühsam wiedergewonnene Gelassenheit. Von da an wird sie, die ihm unter wechselndem Namen begegnet, in immer abenteuerlicheren und gefährlicheren Liebesverbindungen, zur Obsession seines Lebens. Paris, London, Tokio, Madrid sind die Stationen ihrer rätselhaften Kometenbahn, die seinen Lebenskreis ein ums andere Mal schneidet.
Besessenheit – die zu einer Form der Liebe wird. Mario Vargas Llosa erzählt das Rätsel einer Beziehung, deren Unglück und Glück, untrennbar, wie ein Verhängnis über den Liebenden liegt.

»Es tut mir leid«, sagte sie, »ich muß gehen. Die Dinge sind mir außer Kontrolle geraten.«
Der neue große Roman von Mario Vargas Llosa – eine dramatische, zerstörerische, lebensbedrohende, aufwühlende, tragische Lebens- Liebesgeschichte
Miguel-de-Cervantes-Preis 1994 · Jerusalem-Preis 1995 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1996 · Nabokov-Preis 2002

Roman
D: 24,80 € | A: 25,50 € | CH: 37,90 sFr
Gebunden, 395 Seiten

»Der Leser fühlt sich von diesem großen Autor einmal wieder bewegt, belehrt und belustigt und...beinahe gerührt an Zeiten erinnert, in denen alles besser werden sollte.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die abenteuerliche Geschichte einer obsessiven Liebe.«
Freundin

»Die Geschichte einer Schicksalsbeziehung. So sinnlich geschrieben, dass man Lilys Parfum förmlich riechen kann.«
Woman

»Zu schade, dass es solche ‚bösen Mädchen’ immer bloß in der Literatur gibt.«
tz München

»Der neue Roman von Mario Vargas Llosa lässt einen die Haltestelle verpassen, die Nacht durchlesen und vor Spannung die Fingernägel abknabbern. Er ist eine Liebesgeschichte, die von Besessenheit und Selbstaufgabe handelt und dabei zu Herzen geht.«
Cosmopolitan

Uwe Tellkamp
"Die Schwebebahn - Dresdner Erkundungen"

inselverlag

Nach dem grandiosen Erfolg seines Beststellers Der Turm führt Uwe Tellkamp uns erneut in seine Heimatstadt Dresden. Auf den Stationen dieser Reise erwartet uns eine Fülle von Geschichten, die sich zu einer einzigartigen Erzählung der Stadt zusammenfügen. Wir begegnen der Klavierlehrerin Adolzaide und dem Vorsitzenden der Quittengesellschaft, hören Gesprächen über die Frauenkirche, Dresdner Maler und Architektur zu, besuchen den Jungen, dem in einem Johannstädter Plattenbau eine Tube Schuhcreme zum Gleichnis für den Traum vom Meer wurde. Dresden ist ein Stück Italien, und eine Laufmaschenreparatur ist in Wahrheit eine Filiale des Amts zur Wiederherstellung der Schönheit. In der Bunten Republik Neustadt lebt Q., die Brombeeren und die Zahl 19 liebt. Zwergpudel Caligula, der die Dame mit Hut Gassi führt, gelangt nur bis zum linken Vorderreifen des Autos vom Koch.
Die Schwebebahn wird zum Bild des Lebens in seiner sinnlichen Vielfalt, poetisch, humorbegabt. Mit den Aufzeichnungen eines Rüsselkäfers.

D: 19,90 € | A: 20,50 € | CH: 30,50 sFr
Gebunden, 167 Seiten
ISBN: 978-3-458-17489-9

»… hin und her schlängeln sich die Stadt-Beschreibungen, Figurenporträts und Erinnerungen, manchmal luzide, manchmal lyrisch mäandernd. Man muss sich Zeit nehmen, diese Erkundungen sind kein Reisebuch, kein Stadtführer, sondern Literatur, die bis in den Titel reicht.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

Anna Seghers
"Tage wie Staubsand. Briefe 1953-1983"

Aufbau-Verlag

Mehr als in den Briefen aus früheren Jahren spricht Anna Seghers hier von sich selbst, vor allem in den Briefen an ihre engsten Freunde Jorge Amado und Ilja Ehrenburg. Ihnen gesteht sie ihre Einsamkeit ein, die sie trotz aller äußeren Erfolge empfindet. Den Vertrauten gegenüber muss sie die restriktiven Kampagnen und politischen Ereignisse dieser Zeit nicht kommentieren. Stattdessen spricht sie von ihrer Trauer und ihrer Sehnsucht nach Freude: Bekenntnisse, die ein differenzierteres Bild der Autorin vermitteln. Hinzu kommen Einblicke in die Überlastungen dieses Lebens, denen sie bis zuletzt lebensmutig und kreativ entgegentrat.
Mit Briefen an Erwin Piscator, Lion und Marta Feuchtwanger, Lenka Reinerová, Helene Weigel, Volker Braun, Carl Zuckmayer, Günter Kunert, Stephan Hermlin, Lew Kopelew, Peter Huchel, Christa Wolf u. v. a.

Der Abschlussband der ersten umfassenden Briefedition vermittelt ein ungewöhnliches Bild der weltberühmten Autorin. Mit unbekannten Briefen an Thomas Mann, Ilja Ehrenburg, Jorge Amado, Pablo Neruda, Marcel Reich-Ranicki, Heinrich Böll, Volker Schlöndorff u. v. a.

Werkausgabe, Band V/2 Leinen
752 Seiten Seiten
978-3-351-03474-0
42,00 €) / 68,00 Sfr

»Die Briefauswahl von Anna Seghers, die im Aufbau-Verlag erschienen ist, zeigt die Schriftstellerin von einer unbekannten Seite.« Blickpunkt

»Die Herausgeberinnen dieser Edition haben sich enorm angestrengt. Sie wählten ja für diesen zweiten Band nicht nur Briefe aus, sie haben, um sie zu erläutern, jeden gefragt, der etwas wissen könnte, sie haben gesucht und überprüft und weiter gesucht und mit Geduld, Ausdauer und Akribie alles getan, was jetzt zur Erhellung des privaten und zeitgeschichtlichen Hintergrunds beiträgt.«

»Die Herausgeberinnen haben Bewundernswertes geleistet und im Kommentarteil den zeitgeschichtlichen Hintergrund analytisch und erhellend aufbereitet. Die Anmerkungen lesen sich fast so spannend wie die Briefe. Der Band „Tage wie Staubsand“ ist ein Zeitdokument ersten Ranges, manches lässt sich nun mit dem Abstand der Jahre besser verstehen.«

Jonathan Franzen
"Freiheit"

Rowohlt

Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeldt. Patty und Walter Berglund - Vorzeigeeltern und Umweltpioniere, fast schon ideale Nachbarn in ihrer selbst renovierten viktorianischen Villa in St. Paul - geben plötzlich Rätsel auf: Ihr halbwüchsiger Sohn zieht zur proletenhaften republikanischen Familie nebenan, Walter lässt sich zum Schutz einer einzigen Vogelart auf einen zwielichtigen Pakt mit der Kohleindustrie ein, und Patty, Exsportlerin und Eins-a-Hausfrau, entpuppt sich als wahrlich sonderbar. Hat Walters bester Freund, ein Rockmusiker, damit zu tun? Auf einmal lebt Patty ihre kühnsten Träume, führt sie ein Leben ohne Selbstbetrug. In diesem Roman einer Familie, der zugleich ein Epos der letzten dreißig Jahre amerikanischer Geschichte ist, erzählt Jonathan Franzen von Freiheit - dem Lebensnerv der westlichen Kulturen - und auch dem Gegenteil von ihr, zeigt die tragikomischen Verwerfungen zeitgenössischer Liebe und Ehe, Freundschaft und Sexualität.

Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010
ISBN-10 349802129X
ISBN-13 9783498021290
Gebunden, 736 Seiten, 24,95 EUR

«‹Freiheit› ist Franzens eindringlichster Roman – die Biographie einer
dysfunktionalen Familie und zugleich ein unauslöschliches Porträt unserer Zeit.»
Michiko Kakutani | The New York Times

Nach dem Welterfolg «Die Korrekturen» nun der neue große Roman von Jonathan Franzen über Liebe, Umwelt und Betrug.

«Jonathan Franzen ist ein Meister des Hinhörens, ein Mann mit einem absoluten Gehör für die zurückgehaltene Aggressivität in Familiengesprächen, für die Zwischentöne des liebevollen Erpressens und des offenbarenden Verbergens. Sein Roman ‹Die Korrekturen› ist einer der größten und wichtigsten Romane der jüngsten Zeit. Ein Denkmal des Humanen.»

Hörbeispiel:

Reinhard Jirgl
"Die Stille"

Hanser Verlag

Georg-Büchner-Preis 2010

Einhundert Jahre aus der Geschichte zweier Familien und aus der Geschichte eines Landes: Reinhard Jirgls "Die Stille" ist das monumentale Epos vom langen 20. Jahrhundert in Deutschland. Am Anfang steht ein Fotoalbum, die ältesten Bilder sind über achtzig Jahre alt: einhundert Fotografien zweier Familien, die eine aus Ostpreußen stammend, die andere aus der Niederlausitz. Zwei Weltkriege, Inflation, Flucht und Vertreibung haben diese beiden Familien über fünf politische Systeme hinweg, von der Kaiserzeit bis heute, überlebt. Den einhundert Fotografien folgend, erzählt Jirgl Geschichten von Verletzungen, Liebe und Verrat. "Die Stille" bestätigt seinen außergewöhnlichen Rang.

Roman
Fester Einband, 536 Seiten
Preis: 24.90 € (D) / 42.90 sFR (CH) / 25.60 € (A)
ISBN 978-3-446-23266-2

"Reinhard Jirgls "Die Stille" überwältigt mit der ganzen Wucht des Existentialismus." Oliver Jungen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.09

"Reinhard Jirgl beerbt in seinem misanthropischen Zeitroman "Die Stille" Arno Schmidt und Alfred Döblin, ohne dabei epigonal zu wirken. ... Ein faszinierendes Werk." Jan Süselbeck, die tageszeitung, 12.03.09

"Jirgls neuer Roman 'Stille' verlangt viel von seinem Leser und ist eines der bedeutendsten Bücher unserer Zeit. ... Jirgls Bücher sind eine Zumutung. Genau das aber macht ihn zu einem der großen, vielleicht zu dem wichtigsten Autor der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Werk ragt heraus, weil es einzigartig ist." Martina Meister, Die Zeit, 26.03.09

"Ein beeindruckendes Panoramabild Deutschlands im 20. Jahrhundert." Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 21.04.09

Paul Auster
"Unsichtbar"

Rowohlt Verlag

Niemand entzieht dem Leser so virtuos den Boden unter den Füßen, wie Paul Auster, der «Zeremonienmeister des Zufalls» (FAZ). Eben noch hat uns einer sein Leben erzählt, schon ist er – ein kleiner Wechsel der Perspektive nur – die imaginäre Figur eines Romans. Wer ist wirklich der, der zu sein er vorgibt? In Unsichtbar werden wir Zeuge eines teuflischen Spiels von Verführung und Verrat, Liebe und Lüge.

Der Fremde in dir

Vor vierzig Jahren haben sie sich zuletzt gesehen, es war «der Sommer des Sechstage-Kriegs, der Sommer der Rassenunruhen in mehr als hundert amerikanischen Städten, der Summer of Love». Jetzt schickt Adam Walker seinem früheren Studienfreund, dem erfolgreichen Schriftsteller James Freeman, ein unfertiges Manuskript: «Ich brauche dringend Hilfe.» Bald darauf erhält Freeman einen zweiten Teil des Textes. Das Ganze sei autobiographisch, warnt Walker seinen Freund und fügt hinzu: «Es ist ekelhaft, Jim. Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich daran denke.»

Was ist geschehen? Alles beginnt damit, dass der New Yorker Literaturstudent Adam Walker den jungen französischen Universitätsprofessor Rudolf Born kennenlernt (Forschungsschwerpunkt Katastrophen), eine faszinierende, aber undurchschaubare Figur. Er will Walker umgehend zum Redakteur einer neuen literarischen Zeitschrift machen. Doch bei einem Abendspaziergang durch Manhattan werden sie überfallen, Born sticht den Angreifer nieder. Während Walker die Polizei alarmiert, lässt Born den Verletzten verschwinden. Mit zahllosen Messerstichen wird er bald darauf tot aufgefunden. Born bedroht Walker massiv, nicht gegen ihn auszusagen, und als dieser nach einiger Zeit doch zur Polizei geht, ist Born Hals über Kopf nach Paris abgereist.

Lange wird Walker nicht loskommen von dem Vorfall, er stürzt ihn in tiefe Selbstzweifel. Er fühlt sich mitschuldig daran, dass Born fliehen konnte. Als er bald darauf für ein Auslandsjahr nach Paris geht, begegnet er Born wieder, der seine Unschuld beteuert. Walker fasst einen hinterhältigen Plan: Er will Borns Leben zerstören. Ein Rachedrama nimmt seinen Lauf.

Rowohlt
Hardcover, 320 S.
19,95 €
978-3-498-00081-3

«UNSICHTBAR erzählt virtuos vom amerikanischen Sündenfall und dem traumatischen Frühling, der dem Summer of Love vorausging ... Austers bislang bestes und tiefstes Buch.» SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

«Weil der doppelte Boden hier nichts rein Zirzensisches hat, sondern die disparaten Motive des Romans zu synthetisieren vermag, ist Unsichtbar Austers bislang bestes und tiefstes Buch. (...) Schlank, flüssig und geradezu plot-driven, erfüllt es die Tugenden des American writing in subversiver Absicht. Tatsächlich handelt der Roman, der sich perfekt mit dem Kolorit des sechziger Jahre – Martini-Moderne und Pariser Juliette-Gréco-Bohème – geschminkt hat, von der Gegenwart. Wieder verkommt das Land, weil Amerika gebannt in den Spiegel starrt. Paul Auster hat das vorausgesehen, indem er zurückblickt.» (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung)

Peter Wawerzinek
"Rabenliebe"

Verlag Galiani Berlin

Ein Buch wie ein Erdbeben

Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte.

Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?

Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenz sol dat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirk lich wiedersehen?

Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebens groß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung. Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Roman
Verlag Galiani Berlin
ca. 300 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
Euro 19,95 (D) / sFr 33,50 / Euro 20,60 (A)
ISBN 978-3-86971-020-4
Das Buch wird am 19. August 2010 erscheinen

Christa Wolf
"Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud"

Suhrkamp Verlag

Los Angeles, die Stadt der Engel: Dort verbringt die Erzählerin Anfang der Neunziger einige Monate auf Einladung des Getty Center. Ihr Forschungsobjekt sind die Briefe einer gewissen L. aus dem Nachlaß einer verstorbenen Freundin, deren Schicksal sie nachspürt – eine Frau, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierte. Sie beobachtet die amerikanische Lebensweise, taucht ein in die Vergangenheit des „New Weimar unter Palmen“, wie Los Angeles als deutschsprachige Emigrantenkolonie während des Zweiten Weltkriegs genannt wurde. Ein ums andere Mal wird sie über die Lage im wiedervereinigten Deutschland verhört: Wird der „Virus der Menschenverachtung“ in den neuen, ungewissen deutschen Zuständen wiederbelebt?

In der täglichen Lektüre, in Gesprächen, in Träumen stellt sich die Erzählerin einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie in eine existentielle Krise bringt und zu einem Ringen um die Wahrhaftigkeit der eigenen Erinnerung führt.

Das neue Buch von Christa Wolf ist auch autobiographische Prosa: Sie erzählt von einem Menschenleben, das drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen standhält, von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, von der Kunst, sich zu erinnern.

„Du bist dabei gewesen. Du hast es überlebt. Du kannst davon berichten.“

Der neue große Roman von Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud spiegelt das Leben der Autorin, wie in Kindheitsmuster immer wieder verbunden mit entscheidenden Momenten deutscher Geschichte.

Roman
Gepl. Erscheinung: 21.06.2010
Gebunden, 416 Seiten
ISBN: 978-3-518-42050-8
D: 24,80 €
A: 25,50 €
CH: 42,50 sFr

Thomas Kapielski
"Mischwald"

Suhrkamp Verlag

Preis der Literaturhäuser 2010

Kunst ist schlimmer als Heimweh – sagt Thomas Kapielski in Mischwald, seinem neuen großen Prosaband, einer reich illustrierten Welt- und Werkschau, angelegt als Logbuch eines gemischten Jahres, zu dessen Auftakt man ihn irrtümlich für tot erklärt und an dessen Ende er verfügt: Meinen Grabstein soll die Zeile schmücken: »Macht bloß so weiter!«

Was das Leben ihm dazwischen alles zuträgt, spottet jedem Vorschautext: Paradoxe Rauschzustände angesichts eines TV-Konzerts von André Rieu, heikle Fragen der Koran-Archäologie oder eine Einladung zur »Blattkritik« beim Stern haben genauso ihren Ort wie die angeschwipsten Bekenntnisse eines Künstlersozialkassenmitglieds, liebevoll gemeißelte Porträts verstorbener Weggefährten wie Emmett Williams, Thomas Schmid oder Ludwig Gosewitz, sowie – last but not least – der schlichte Wunsch nach Erdbestattung.

edition suhrkamp 2597, Broschur, 347 Seiten
ISBN: 978-3-518-12597-7
D: 14,00 €
A: 14,40 €
CH: 25,00 sFr

»Der durch den Mischwald streifende Leser sieht Fotos und Bilder, erfährt von des Autors Gunst und Abscheu, von Familienglück und Künstlernot, stolpert von Gracián zum Blumengießen. Man amüsiert sich, doch mit leiser Ungeduld: Also, was will der Kapielski jetzt eigentlich? Und es dauert noch ein bisschen bis man merkt, wie die Ungeduld der Ruhe weicht. Bis man den Wald vor Bäumen sieht. Weil Thomas Kapielski, der Meister des Improvisierten, der Kunst- und Lebensbastelei, so sehr bei sich selbst ist wie nur wenige. Weil er der rechte Künstler einer Zeit ist, in der es alles im Überfluss gibt und bald gar nichts mehr. Die großen Themen nämlich, das Elend der Welt, die Liebe zu den Kindern und die vermaledeite Hoffnung, das alles beschäftigt Kapielski sehr wohl. Darüber schreibt er mit dem ehrlichsten Realismus, dem des eigenen Lebens.«
Wilhelm Trapp, Die Zeit

Hans-Ulrich Treichel
"Grunewaldsee"

Suhrkamp Verlag

Paul liebt Berlin, vor allem Westberlin, sofern man Westberlin lieben kann, wenn man in einer dunklen Hinterhofwohnung in Kreuzberg lebt. Und er liebt Maria, die Spanierin mit den graugrünen Augen und der Motorradjacke. Die beiden lernen sich in Málaga kennen, wo er als Sprachlehrer jobbt, während er auf eine Referendariatsstelle wartet. Maria, die angehende Ärztin, wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muß er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Aber bei seinem Abschied aus Spanien ruft sie ihm nach: »Permanecemos juntos!« - »Wir bleiben zusammen!« Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: Sie sehen sich wieder, in Deutschland. Von der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten aus brechen sie auf zu einer Reise, die freilich nur einen halben Tag dauert ...
Auf einem olivenbestandenen Grundstück hoch über dem Meer in Südspanien und an den mit Hunde-Urin verseuchten Stränden rund um den Grunewaldsee verwickelt Bestsellerautor Hans-Ulrich Treichel seinen Helden in eine Liebesgeschichte, wie sie nur dieser Meister der heiteren Melancholie und des lakonischen Spotts erzählen kann: voller Abstürze und in höchstem Maß vergnüglich.

Roman
Gebunden, 237 Seiten
ISBN: 978-3-518-42136-9
D: 19,80 € | A: 20,40 € | CH: 34,30 sFr

»In der Beschreibung seiner Milieus, sei es Pauls Braunschweiger Heimat oder sei es der Kreuzberger Kiez, ist Treichel ein Meister wie eh und je. In ihnen spiegelt sich das Deutschland der Bonner Republik in all seinen Facetten, in all seiner Beengtheit und Beschränktheit einerseits, aber auch in all seinem Charme und seiner wenig selbstbewussten Genügsamkeit.«
Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau

Georg Klein
"Roman unserer Kindheit"

Rowohlt Verlag

Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien und die Laubenkolonie, wo die Kinder der Neuen Siedlung sich die großen Ferien vertreiben. Langsam, kaum merklich, sickert das Unheimliche ein: Ein Mord wird angekündigt, dann kommen die Boten, buchstäblich aus einer anderen Welt. Und es sieht aus, als könnten sie zumindest eines der Siedlungskinder auf die Nachtseite dieses Sommers hinüberziehen.

Hardcover, 448 S.
22,95 €

«Roman unserer Kindheit» ist zugleich ein radikal autobiographisches und magisch-phantastisches Buch, ein Kindheitsroman voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht.

«Ein Geniestreich ist dieser Roman, opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön.»
Ina Hartwig, Die Zeit

Lutz Seiler
"Die Zeitwaage"

Suhrkamp Verlag

»Einmal in der Woche bin ich bei Uhrmacher Walinski, um meine Armbanduhr auf die Zeitwaage zu legen. Seit ich entdeckt habe, tatsächlich ein Träumer zu sein (›ein verdammter Träumer‹, wie mein Vater es früher so oft sagte), bin ich vollkommen ruhig; ich bin ruhig und gelassen und tue nur noch, was ich will. Dinge, von denen ich weiß, daß sie gut für mich sind.«

Mit der Ruhe eines Seiltänzers bewegt sich dieser Träumer auch durch das Nachwende-Berlin. Zu den Dingen, die dabei in seinen Besitz geraten, gehört eine einzigartige Uhr, in deren Ticken er die Geschichte hören kann, die ihm geschehen ist.

Lutz Seilers lange erwartetes neues Buch enthält neben Turksib, für die er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, dreizehn neue Erzählungen. Ob in der Geschichte einer gespielten Erschießung oder im alltäglichen Drama einer wirklichen Trennung – in allen Texten des Bandes Die Zeitwaage geht es um prägende Wendepunkte, um das Groteske im Leben und unser häufig vergebliches Ringen um einen anderen Verlauf.

Erzählungen
Gebunden, 284 Seiten
ISBN: 978-3-518-42115-4

»Lutz Seilers unroutinierte, karge und dichte Prosa versteht es, den Leser auf allen Etappen seiner Geschichte zu fesseln.«
Hans-Jürgen Schings, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Im Jahr 2007 geschah beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettlesen etwas Ungewöhnliches. Wie immer lasen Autoren und Autorinnen eine Prosa, die nicht weiter auffiel und von der man ahnte, dass man sie nach kurzer Zeit wieder vergessen haben würde. Dann aber kam Lutz Seiler an die Reihe, und nach wenigen Worten erfüllte ein fast unbekanntes Gefühl den Saal, wie wenn man plötzlich an die Literatur selbst gerührt hätte. ... Seilers literarische Technik ... ist ein Drehen und Wenden, die Prüfung jedes Details, bis der Satzbau und die Grammatik so fein poliert werden, dass die Worte aus sich heraus zu leuchten beginnen.«
Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung

»Lutz Seiler hat durch seine Gedichtbände Aufsehen erregt und zuletzt Essays veröffentlicht, die den Essay als eine verdichtete, hoch poetische Form ausweisen. Dass er sich nun der Prosa zuwendet, wurde in literarischen Kreisen aufmerksam verfolgt, schien er doch ein Dichter sui generis zu sein. ... Seiler erweist sich in dieser Prosa als ein Autor, der sehr konzentriert schreibt, der in den Details, die er nennt, immer eine tiefere Dimension mitschwingen lässt. In fast allen Szenen liegt etwas Allegorisches, eine zeitlos anmutende Erfahrung.«
Helmut Böttiger, Deutschlandradio Kultur

Anne Weber
"Luft und Liebe"

S. Fischer Verlag

Wo die Liebe sich in Luft auflöst, fängt Literatur an: »Luft und Liebe« ist eine mitreißende Liebes- und Verratsgeschichte, ein großes literarisches Vergnügen.

Die große Liebe – gibt es das? Anfang Vierzig und in Herzensdingen längst an das ganz normale Glück oder Unglück gewöhnt, begegnet sie in Paris einem nicht mehr ganz jungen Mann mit Bauchansatz, nach dem sich auf der Straße niemand umdrehen würde. Aber entgegen alle Erwartungen ist er der Mann, auf den die Heldin gewartet hat: Er ist zärtlich, aufmerksam und charmant, Hals über Kopf verliebt und verspricht ihr den Himmel auf Erden. Und um die Idylle vollkommen zu machen, lebt dieser Märchenprinz auf einem Schloss in der französischen Provinz.
Zu schön, um wahr zu sein? Als die Träume – gemeinsames Leben, Hochzeit, Kind – Realität werden sollen, zerplatzen sie wie Seifenblasen. Und die mit großer Leichtigkeit und funkelnder Ironie erzählte Geschichte nimmt ein Ende mit Schrecken ...
Anne Webers sprachliche Brillanz, ihre Fähigkeit, »auf leichte Art ernst zu werden« (Jochen Jung, Die Zeit) machen aus einer unerhörten Begebenheit einen doppelbödigen Roman.

Roman
192 Seiten

»Anne Weber hat einen eleganten und sehr komischen Roman über eine missglückte Familiengründung geschrieben. Ein gründlich ausgeweidetes Thema, gewiss, aber so luftig-elegant wird nicht alle Tage davon erzählt.«
Kristina Maidt-Zinke, Die Zeit

»›Luft und Liebe‹ geht ein vermeintlich leichtes Thema mit spürbarer Unerbittlichkeit an. Eine Schicht nach der anderen wird abgetragen, eine schmerzende Wahrheit nach der anderen freigelegt. Und so erzählt das Buch zuletzt auch vom prekären Akt des Schreibens an sich.«
Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Anne Weber hat in ihrer französischen Umgebung offensichtlich gelernt, Herzensdinge à la Marivaux zu schildern, leicht, locker, zielgerichtet und intelligent. Auf leichte Art leicht zu sein ist eine Kunst, und dieses Kunststück hat die Autorin hier durchaus gemeistert.«
Jochen Jung, Tagesspiegel

»Ungewöhnlicher Liebesroman, bei dem ich oft geschmunzelt habe und mehr als einmal ziemlich überrascht war.«
Christine Westermann, WDR

Gregor Gumpert / Ewald Tucai
"Ruhr.Buch"

dtv

RUHR.2010
Kulturhauptstadt Europas - die literarische Anthologie

Essen und 52 weitere Städte zwischen Rhein, Lippe, Emscher und Ruhr dürfen sich 2010 als Kulturhauptstadt Europas feiern. Der drittgrößte europäische Ballungsraum rüstet sich mit vielen Projekten und Veranstaltungen, um sich sowohl als Kulturlandschaft als auch als Metropole zu zeigen.

Zu der Begegnung mit einer großen Geschichte und einer spannenden Zukunft lädt auch diese repräsentative literarische Anthologie mit Prosatexten, Gedichten und Liedern zahlreicher Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart ein. Ob aus heimatlicher Perspektive oder aus der eines Besuchers: Alle Beiträge erzählen von den historischen Besonderheiten und den beeindruckenden Veränderungen, die das Ruhrgebiet - diesen Schmelztiegel in der Mitte Europas - und seine Bewohner geprägt haben.

Mit einem Grußwort von Dr. h.c. Fritz Pleitgen und Prof. Dr. Oliver Scheytt aus der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH.

Mit Texten von: Thomas Bernhard, Heinrich Böll, Rudolf Braune, Bertolt Brecht, Franz Josef Degenhardt, Wolf Doleys, Friedrich Engels, Ferdinand Freiligrath, Manfred Flügge, Ralph Giordano, Johann Wolfgang Goethe, Frank Goosen, Herbert Grönemeyer, Max von der Grün, Heinrich Heine, Ernest Hemingway, Franz Hohler, Michael Holzach, Ricarda Huch, Richard Huelsenbeck, Alfred Kerr, Michael Klaus, Carl Arnold Kortum, Georg Kreisler, Horst Krüger, Friedrich Adolf Krummacher, Jürgen Lodemann, Gerhard Löbker, Hermann Löns, Jürgen von Manger, Ret Marut, Ernst Meister, Florian Neuner, Hans von Ooyen, Marion Poschmann, Friedrich Rautert, Josef Reding, Joseph Roth, Ralf Rothmann, Helge Schneider, Levin Schücking, Anna Seghers, Dirk Sondermann, Jury Soyfer, Wilhelm Uhlmann-Bixterheide, Günter Wallraff, Wolfgang Welt und Roger Willemsen.

Ewald Tucai , Gumpert, Gregor / Tucai, Ewald (Hrsg.)
Das Ruhrgebiet literarisch
Herausgegeben von Gregor Gumpert und Ewald Tucai
288 Seiten

David Foster Wallace
"Unendlicher Spaß"

Kiepenheuer & Witsch

DAS literarische Ereignis in diesem Jahr!

Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace, einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur, das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags.

»Unendlicher Spaß« – so nannte James Incandenza seinen Film, der Menschen, die ihn anschauen, so verhext, dass sie sich nicht mehr von ihm lösen können und dabei verdursten und verhungern. Sein Sohn Hal, ein Tenniswunderkind mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, studiert an der Enfield Tennis Academy (ETA), die von seinem Vater gegründet wurde. Hier sowie im nahe gelegenen Ennet-House, einem Entziehungsheim für Drogenabhängige, spielt ein Teil der überbordenden Handlung, die jeden literarischen Kosmos sprengt – in einem leicht in die Zukunft versetzten Amerika, das mit Kanada und Mexiko die »Organisation der nordamerikanischen Nationen« bildet und von radikalen Separatisten in Kanada bekämpft wird.

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, scharfe Analyse sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Namhafte Autoren von Dave Eggers bis Jonathan Franzen sehen in diesem Buch ein Vorbild für ihr Schaffen. Ulrich Blumenbach hat sechs Jahre lang an der Übersetzung gearbeitet, und seine kongeniale Übertragung ins Deutsche gibt deutschsprachigen Lesern nun endlich die Möglichkeit, das Buch kennenzulernen.

1552 Seiten, Gebunden
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach

»Infinite Jest ist für den Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts das, was Musils Mann ohne Eigenschaften für das vergangene Jahrhundert war. « Richard Kämmerlings, FAZ

»Sein Roman stellt eine kaum fassbare Ausweitung der Literatursprache dar.« Ulrich Blumenbach, FAZ

»Mit diesem Buch beginnt eine neue Zeitrechnung in der Literaturgeschichte.« Thomas von Steinaecker, DIE WELT

»Der umwerfende Roman Unendlicher Spaß von David Foster Wallace: Ein Tusch auch für den Übersetzer Ulrich Blumenbach.« Frankfurter Rundschau

»Wüst, utopisch, verwegen, dunkel wie Der Zauberberg, nur komischer.« Klaus Brinkbäumer, Der Spiegel

»Wenn es bei Unendlicher Spaß überhaupt um eine Form der Kritik geht, dann besteht diese in dem Versuch, zu zeigen, dass Texte etwas können, was Fernsehbilder nicht können; dass Komplexität nicht auf Langeweile hinauslaufen muss, sondern auf einen Witz, der besser und befriedigender ist als Unterhaltung; dass Literatur mehr sein kann als eine Geschichte: eine Sprache, eine Welt, eine Wirklichkeit.« Harald Staun, Frankfurter Allgemeine Zeitung am Sonntag

Urs Widmer
"Herr Adamson"

Diogenes Verlag

Es ist Freitag, der 22. Mai 2032. Einen Tag nach seinem vierundneunzigsten Geburtstag sitzt ein Mann in einem üppig blühenden Garten – es ist der Paradiesgarten seiner Kindheit –, neben sich einen Rekorder, und spricht seine Geschichte mit Herrn Adamson auf Band.

Roman
208 Seiten

»Eigentlich sind all seine Geschichten Liebesgeschichten und Fabeln vom Unterwegssein, moderne Odysseen, voller Zauber selbst dort, wo die Realität, die Politik, der (Liebes-)Krieg seine Figuren versehrt und zu Trauerfällen macht – die in aller Untröstlichkeit doch nie trostlos geraten. Wenn es heute noch einen utopischen Schriftsteller gibt, der dennoch kein blinder Träumer ist, dann heißt er Urs Widmer.«
Der Tagesspiegel

»Für lange Zeit strahlt man dieser Erzählung nach wie Kinder einer Seifenblase. Wie nur soll all das zusammenpassen - 1946, 2011, das melancholische Todesthema und der pointensatte und -sichere literarische Klamauk? Es passt. Die hellen und die dunklen Farben ordnen sich zum Schluss aufs Stimmigste.«
Die Zeit

»Überraschend, wie viel Heiterkeit, Lebensfreude und Phantastik Urs Widmer dem Tod abgewinnt. In gewisser Weise präsentiert er also mit seinem neuen Buch das wohl erste Beispiel eines vorauseilenden Lebensrückblicks, den überhaupt ersten Fall von erst zukünftig einzuholenden potentiellen Memoiren.«
Die Welt

Amir Hassan Cheheltan
"Teheran Revolutionsstraße"

P. Kirchheim Verlag

Der Aufstieg eines zwielichtigen Operateurs von Jungfernhäutchen zum Klinikchef, der sich in eine seiner Patientinnen verliebt, ist Ausgangspunkt für ein Sittenbild der iranischen Gesellschaft, deren politische, wirtschaftliche und soziale Zwänge und Verwerfungen ein junges Liebespaar auf grausame Weise scheitern lassen. „Teheran Revolutionsstrasse“, der in Teheran nicht veröffentlichte Roman Cheheltans, porträtiert den unbekannten Alltag von Menschen der Teheraner Megacity.

Scheinbar unbeteiligt läßt Shahrsad sich von den Ereignissen mitschleifen. Kein Aufschreien, kein Aufbegehren …Ihre ganze Kraft fließt in das starre Aushalten, das kein Morgen kennt, keine Schuld, kein Selbstwertgefühl. … Und mit dieser Charakterisierung der jungen Frau gelingt Cheheltan eine beeindruckende Reflexion der Befindlichkeit der iranischen Gesellschaft. Gefangen zwischen Tradition und Moderne, Glauben und Aberglauben und brutal unterdrückt von einem Machtapparat, der sich tief in die Gesellschaft eingegraben hat, scheint es keinen Ausweg zu geben.
ZEIT-online

Mit dieser Welterstveröffentlichung seines neuen Romans liefert uns der iranische Autor ein lebendiges, spannendes und facettenreiches Porträt des nachrevolutionären Teherans. … Vom ersten Absatz an besticht die Verbindung von genauer Beobachtung und kritischer Beschreibung mit einer Ironie, welche die Heuchelei der frommen Revolutionäre gnadenlos aufs Korn nimmt. Diese Erzählweise und die von innerer Anteilnahme geprägte, ab und zu auch humorvolle Schilderung menschlicher Einzelschicksale vor dem Hintergrund des Weltgeschehens machen die Lektüre bei aller bitteren Kritik … zu einem packenden, bedrückenden, aber auch unterhaltsamen Erlebnis.
Kurt Scharf, Literaturnachrichten

Es ist eine Literatur jenseits ideologischer Festlegungen und programmatischer Absichten; sie versucht der Welt, die sie schildern will, aus ihrer eigenen Logik heraus gerecht zu werden, und rückt ihr dabei so nah, dass sie wie eine unsichtbare Folie kaum noch von ihr zu unterscheiden ist. Dem Leser aber erscheint sie als Brennglas, das Unverständlichste und Fernste wird klar. Mit keiner Figur aus Cheheltans Roman möchte man sich als Leser identifizieren, und tut es am Ende doch unweigerlich mit allen.
Stefan Weidner, DeutschlandRadio

Welt-Erstveröffentlichung
Aus dem Persischen von Susanne Baghestani
208 Seiten

Michael Schindhelm
"Dubai Speed: Eine Erfahrung"

dtv Verlag

Unter dem Motto »größer, höher, moderner, glamouröser« sollte in Dubai, mitten in der Wüste, die Welthauptstadt des 21. Jahrhunderts entstehen. Die Metropole am Golf war angetreten, alle Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen und in jeder Beziehung Superlative zu schaffen. Doch dann kam die Finanzkrise, und all die milliardenschweren Projekte, vor allem auch jene, die keine Rendite versprechen, standen plötzlich zur Diskussion. Allen voran die Kultur. Mit deren Aufbau war u.a. Michael Schindhelm beschäftigt. Er berichtet aus der Innenperspektive darüber, wie man als Europäer zwischen traditionellen und modernen Nomaden lebt, und erzählt aus der Welt des Hofstaats, der Emiratis und der Abenteuerer und Glückssucher aus aller Herren Länder.

Nicht alles ist genau so passiert, aber entstanden ist ein Bericht aus der Wirklichkeit radikaler Widersprüche, kühner Spekulationen und Sehnsüchte nach einer neuen Kulturwelt. Das Tagebuch einer Annäherung an den modernen Mittleren Osten, einer Begegnung von Ost und West voller Missverständnisse und (Selbst-)Erkenntnisse.

Mit 40 Fotos von Aurore Belkin. Die französisch-kanadische Fotografin arbeitet u. a. für ›Vanity Fair‹, ›Time Magazine‹, ›Der Spiegel‹.

Mit Fotos von Aurore Belkin
256 Seiten

Jean-Marc Gonin, Olivier Guez
"Die Mauer fällt"

Piper Verlag

Aus dem Französischen von Helmut Reuter. Was am 9. November 1989 passierte, war ebenso unwahrscheinlich und abenteuerlich wie ein Roman. Und genau so erzählen Olivier Guez und Jean-Marc Gonin diese Geschichte. Kann man sich eine Szene ausdenken wie die, in der der mörderische General Mielke vor die Volkskammer tritt und ruft: "Ich liebe Euch doch alle"? Oder wie eine Handvoll Demonstranten in der Berliner Gethsemane-Kirche die schwerbewaffneten Stasi-Männer durch Kirchenlieder zum Abzug bringt? In der Art eines Doku-Dramas verknüpfen die Autoren die oft dramatischen Schicksale der eigentlichen Helden der Geschichte, der Menschen, mit denen der großen Politik von Honecker & Co. Sie alle treten als lebendige Figuren auf, in ihren Gesprächen, privaten Eigenarten, die mehr verraten als jede noch so genaue wissenschaftliche Analyse.

Ganz neu, ganz anders!, ruft Nils Minkmar uns zu. Dass es nur zwei Franzosen (Olivier Guez und Jean-Marc Gonin) dank Wunder wirkender Außenperspektive und einem Faible für Revolutionen hinbekommen konnten, die Geschichte des Mauerfalls vermittels Sammeln, Streichen und "cooler Sprache" lesbar zu machen, findet Minkmar so bemerkenswert wie folgerichtig. Dass es derart großartig sein würde, überrascht ihn dann doch bis zur Gänsehaut. Hunderte Interviews, durch ein rasantes Montageverfahren zu einer Geschichte komponiert, ergeben für Minkmar einen Tatsachenroman bekannter Ereignisse. Na, beinahe bekannt, denn das Buch entwickelt nicht nur eine nachhaltige Spannung, es eröffnet dem Rezensenten auch neue Erkenntnisse. Über die friedliche Macht von der Straße, das unheimliche Leben in Wandlitz oder Pläne für eine noch bessere, noch tödlichere "Mauer 2000".
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2009

Ein Tatsachenroman
Aus dem Französischen von Helmut Reuter
338 Seiten

Thomas Rosenlöcher
"Die verkauften Pflastersteine - Dresdner Tagebuch"

Suhrkamp Verlag

Als dieses Buch 1990 zum ersten Mal erschien, wurde es als ein ungeheuer genauer, gelassener und ironisch-skeptischer Blick auf die Tage der Wende und die Monate danach begrüßt. In einer Zeit, als die Stimmung zwischen schriller Einheitseuphorie und Verklärung der DDR schwankte, schaute Thomas Rosenlöcher genauer hin und verließ sich allein auf sein unabhängiges Urteil. Liest man sein Tagebuch der Wendezeit heute, dann wird klar: Es ist eines der hellsichtigsten Bücher, die wir über das vereinte Deutschland lesen können. Mit großer Glaubwürdigkeit, radikaler Ehrlichkeit und klugem Humor beschreibt Rosenlöcher ein Land, in dem wir bis heute leben.

- eines der wichtigsten Bücher über die Wende in neuer Ausgabe
- authentische Einblicke in beide deutsche Staaten vor der Wiedervereinigung
- Beschreibung des Umsturzes: von der Basisdemokratie des Herbstes zu den deutschnationalen Tönen des Winters

115 Seiten

Jan Josef Liefers
"Soundtrack meiner Kindheit"

Rowohlt Velage

Ein ganz persönliches Buch über eine Kindheit in der DDR.

«Ich wurde im November 1963 eines Nachts unter nicht sonderlich spektakulären Umständen in Dresden gezeugt ... Die Schwangerschaft kam alles andere als gelegen. Meine Eltern waren mitten im Studium, hatten keine eigene Wohnung, hätten sich auch keine leisten können, und ihre Zukunft war ziemlich ungewiss, um nur zwei vernünftige Argumente gegen so frühen Nachwuchs aufzuzählen. Aber nach einigen halbherzigen Versuchen aus dem reichen Schatz häuslicher Selbsthilfemittel wie sehr heiße Bäder, Rotwein mit Nelke und anschließenden Sprüngen vom Kleiderschrank war klar, die Frucht saß fest, das Zellklümpchen zeigte sich unbeeindruckt und teilte sich normgerecht weiter. Die junge Frau war kerngesund, und – Schauspielerin hin oder her – biologisch sprach nichts gegen die erfolgreiche Erfüllung der von der Natur für sie vorgesehenen Aufgaben.
»Anhand der Musik, die ihn beeindruckt, begleitet und geprägt hat, blickt der bekannte Schauspieler Jan Josef Liefers auf seine Kindheit und Jugend zurück. Er stellt nicht nur große Rockbands der DDR und ihre Lieder vor, sondern setzt sie zugleich unmittelbar in Beziehung zu wichtigen Ereignissen in seinem Leben und seiner Karriere. So entsteht der sehr persönliche Einblick in den ganz normalen Alltag eines jungen Menschen im Osten, der sich seine eigenen Gedanken machte und versuchte, seinen Weg zu gehen, ohne sich allzu sehr zu verbiegen.Ein authentisches «DDR-Kind», das später in ganz Deutschland bekannt wurde, erzählt sein Stück deutsche Geschichte IM MAGAZIN – ehrlich, charmant, unterhaltsam und frei von jeglicher «Ostalgie».

336 Seiten

Thomas Klupp
"Paradiso"

Berlin-Verlag

Eigentlich wollte er auf kürzestem Wege von Potsdam nach München reisen. Aber nichts im Leben von Alex Böhm ist vorhersehbar. Er fährt los und wird in die Heimat verschlagen, wo sich bodenlose Abgründe auftun. Auch die gehören zu seinem Leben, und das ist kein Wunder bei einem, dessen Charakter geprägt ist von einem chronischen Mangel an Moral …

Es ist heiß. Glühend heiß. In der flirrenden Tankstellenluft wartet Alex Böhm auf einen gelben Kombi, der gleich an den Zapfsäulen halten und ihn nach München bringen soll. Von dort wird er am nächsten Morgen mit seiner Freundin Johanna nach Portugal fliegen. Das ist der Plan. Aber dann taucht Konrad auf, der »Loserkonrad« aus Schulzeiten, und diese Begegnung katapultiert Böhm auf das Minenfeld seiner Vergangenheit.

Während er in atemlosen Monologen einen Zünder nach dem anderen schärft, findet er sich plötzlich am Rand der Autobahn wieder, auf sonnenverbrannten Rastplätzen und in den Kellergewölben bayerischer Provinz-Erotheken. Er begegnet bekehrten Lastwagenfahrern mit langen Messern, schwärmenden Hippiemädchen, Dostojewski-Jüngern und Jana-Hensel-traumatisierten Taxifahrern. Anarchisch und mit tiefschwarzem Humor erzählt, lässt dieser Roman den Leser mit weit aufgerissenen Augen zurück.

Roman
208 Seiten

»Ungelogen: Unser Debütroman des Jahres.« ARD

W. W. Domsky
"Ehre wem Ehre ..."

Leda-Verlag

Das Buch, das nicht erscheinen sollte
Alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Massaker in einer türkischen Metzgerei um das Finale einer Auseinandersetzung rivalisierender Kiezkönige handelt. Die desillusionierte und vom Alkoholmissbrauch gezeichnete Kommissarin Thea Zinck sieht das anders. Im Gegensatz zu ihren Kollegen verzichtet sie auf den medienwirksam schnellen Abschluss des Falles und verfolgt bis zum bitteren Ende rücksichtslos ihre eigenen Ideen.

Nachdem ein Verlag diesen Krimi wegen angeblicher islamfeindlicher Passagen und aus Angst vor Repressalien kurzfristig aus dem Programm nahm, hat sich der Leda-Verlag nach eingehender Prüfung des Manuskriptes für die Veröffentlichung entschieden. „Wir sind der Meinung, dass sich jeder ein eigenes Bild machen sollte. Wir haben in dem Text nichts festgestellt, das einer Veröffentlichung widersprechen könnte und bringen das Buch ungekürzt heraus.“

Ein Teil des Erlöses aus dem Buchverkauf fließt an „Solwodi“ (Solidarität mit Frauen in Not, www.solwodi.de

Kathrin Schmidt
"Du stirbst nicht"

Kiepenheuer & Witsch Verlag

Deutscher Buchpreis 2009

Vom Hirnschlag erwacht - die atemberaubende Geschichte einer Heilung

Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war.

Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes – und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnrung.
Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

Roman
352 Seiten

»Von Randzonen her, von atmosphärischen Details, die merkwürdigerweise am ehesten zu fassen sind, nähert sich das Buch allmählich den Brennpunkten ihres Lebens. Nach einiger Zeit häufen sich die Indizien.« Helmut Böttiger, Die Zeit

»Du stirbst nicht ist ein Buch über das, was einen Menschen ausmacht. Was ihn treibt und was ihn hält.« Petra Kohse, Frankfurter Rundschau

»Ein eindringliches Buch. (...) Kathrin Schmidt ist wieder da. Wir dürfen uns freuen!« Vladimir Balzer, Die Welt

»Der Leser erlebt diesen frappierenden Kampf eins zu eins aus der Perspektive der Heldin, ist mit ihr in diesem fremden Frauenkörper gefangen wie einst bei Kafka der rechtschaffende Gregor Samsa in seinem Käferpanzer. (...) Erneut erweist sich Kathrin Schmidt als Erzählvirtuosin, die kollektive historische Erinnerungspartikel im persönlichen Schicksal ihrer Protagonistin zum Vorschein bringt.« Katrin Hillgruber, Spiegel Online

»Kathrin Schmidt hat ein bewegendes Buch über ein altes Thema der Literatur geschrieben: über die Identität, ihre Auslöschung und ihre Neukonstruktion.« ARTE Magazin

»Kleine Fortschritte gehen durch die anteilnehmende Erzählhaltung nahe; der Leser erkundet die wiedergefundene Zeit, die persönlichen und auch politischen Ereignisse der letzten Jahre, auf Augenhöhe mit der Protagonistin.« SWR 2

Herta Müller
"Atemschaukel"

Hanser Verlag

Literatur-Nobelpreis 2009

Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.

Roman
304 Seiten

"Ein überwältigender, ergreifender, demütig machender Roman, die vielleicht nachhaltigste Leseerfahrung dieses Herbstes." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09

"Ein sprachliches Kunstwerk, wie es das in diesem Herbst kaum ein zweites Mal geben dürfte. Wer es schafft, Herta Müllers bestürzenden, bedrückenden und - wegen seiner sprachlichen Kraft - beglückenden Roman zu Ende zu lesen, wird dieses Buch nie wieder vergessen." Hajo Steinert, Focus, 10.08.09

"Dass eine so arme Geschichte, dass ein so armes Lebensstück mit so viel Schönheit erzählt wird, ohne jeden Schnörkel, ganz der Wahrhaftigkeit verpflichtet, das macht nicht zuletzt die Größe dieses Romans aus." Jochen Jung, Der Tagesspiegel, 19.08.09

"Ein kühnes Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht in der europäischen Literatur unserer Zeit." Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 20.08.09

"Ein atemberaubendes Meisterwerk." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09

"Die Lager sind ja eine menschliche Grenzerfahrung, die wir in ihrer Andersartigkeit gern in einem Dachspeicher unseres kollektiven Gedächtnisses verstauben lassen. Müller holt sie aus dieser Verdrängung heraus, gliedert sie mit ihrer Sprachkunst in unsere Kultur ein und macht sie der Trauer zugänglich." Ruth Klüger, Die Welt, 15.08.09

"Das Unsägliche von alltäglicher Angst in diktatorischer Gesellschaft, von Arrest, Folter und Mord auf eigentümliche Weise buchstäblich zur Sprache zu bringen ist die Kunst dieser Autorin." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09

"Mit seinem dichten Motivnetz schafft der Roman eine Intensität und Präsenz, die ihresgleichen in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur nicht haben. Ein Manifest der Erinnerung und der Sprache, deren komplexes Verhältnis es auf ergreifende Weise bezeugt. Ein Meisterwerk." Michael Lentz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.09

Mirjam Pressler
"Grüße und Küsse an alle"

S. Fischer Verlag

Die Geschichte der Familie von Anne Frank

Eine Sensation: Die ganze Geschichte von Aufstieg und Schicksal der Familie Anne Franks über drei Jahrhunderte, erzählt auf der Grundlage tausender unbekannter Briefe und Dokumente
Sommerfrische hoch über dem Silser See in den Schweizer Bergen: Alljährlich traf sich hier die Familie Frank, die sonst über ganz Europa verstreut war. Noch Anne Franks Ururgroßvater hatte als kleiner Junge in der engen Frankfurter Judengasse leben müssen, doch schon eine Generation später wurde ein Vorfahr Anne Franks zum ersten jüdischen Professor in Deutschland berufen. Ihre Großmutter Alice führte als Bankiersgattin ein weltoffenes Haus in Frankfurt, bis die Familie nach London, Basel und Amsterdam übersiedelte, das dann zum Schicksalsort der Familie werden sollte. Der letzte noch lebende Verwandte Anne Franks, ihr Cousin Buddy Elias, wurde schließlich berühmt als Eiskunstläufer und Schauspieler.
Wie durch ein Wunder haben zahllose Briefe, Dokumente und Fotos der Familie Frank auf dem Dachboden des Hauses in der Baseler Herbstgasse überlebt und wurden dort vor einiger Zeit entdeckt – ein Sensationsfund. Die wunderbare Erzählerin Mirjam Pressler hat daraus die so einzigartige wie exemplarische Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Frank zusammengefügt, die sich liest wie ein großer schicksalhafter Familienroman.

Sachbuch
432 Seiten

»Das Los der Familie Frank steht nach Meinung der Rezensentin Roswitha Budeus-Budde stellvertretend für die Millionen jüdischen Opfer. Die Schreckenszeit des Nationalsozialismus, die das Tagebuch der Anne Frank dokumentiert, erhält laut Rezensentin mit dieser Familienbiografie eine Vorgeschichte. In drei historische Abschnitte unterteilt erzählt Mirjam Presslers Buch anhand von über 6000 erhaltenen Briefen vor allem von drei Mitgliedern der Familie Frank, von Annes Großmutter Alice, ihrer Tochter Leni und Annes Cousin Buddy, lesen wir. Für die Rezensentin entsteht so eine Geschichte des jüdischen Bürgertums in Deutschland vom 19. Jahrhundert "bis zum Exitus" und über den Krieg hinaus. Nicht zuletzt wird durch die Lektüre das Bild der Anne Frank für sie wieder lebendig.« Süddeutsche Zeitung, 05.10.2009