CULTURALL.INFO
Buchtipp der Woche
Unsichtbar
Paul Auster
Rowohlt
Niemand entzieht dem Leser so virtuos den Boden unter den Füßen, wie Paul Auster, der «Zeremonienmeister des Zufalls» (FAZ). Eben noch hat uns einer sein Leben erzählt, schon ist er – ein kleiner Wechsel der Perspektive nur – die imaginäre Figur eines Romans. Wer ist wirklich der, der zu sein er vorgibt? In Unsichtbar werden wir Zeuge eines teuflischen Spiels von Verführung und Verrat, Liebe und Lüge.
Der Fremde in dir
Vor vierzig Jahren haben sie sich zuletzt gesehen, es war «der Sommer des Sechstage-Kriegs, der Sommer der Rassenunruhen in mehr als hundert amerikanischen Städten, der Summer of Love». Jetzt schickt Adam Walker seinem früheren Studienfreund, dem erfolgreichen Schriftsteller James Freeman, ein unfertiges Manuskript: «Ich brauche dringend Hilfe.» Bald darauf erhält Freeman einen zweiten Teil des Textes. Das Ganze sei autobiographisch, warnt Walker seinen Freund und fügt hinzu: «Es ist ekelhaft, Jim. Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich daran denke.»
Was ist geschehen? Alles beginnt damit, dass der New Yorker Literaturstudent Adam Walker den jungen französischen Universitätsprofessor Rudolf Born kennenlernt (Forschungsschwerpunkt Katastrophen), eine faszinierende, aber undurchschaubare Figur. Er will Walker umgehend zum Redakteur einer neuen literarischen Zeitschrift machen. Doch bei einem Abendspaziergang durch Manhattan werden sie überfallen, Born sticht den Angreifer nieder. Während Walker die Polizei alarmiert, lässt Born den Verletzten verschwinden. Mit zahllosen Messerstichen wird er bald darauf tot aufgefunden. Born bedroht Walker massiv, nicht gegen ihn auszusagen, und als dieser nach einiger Zeit doch zur Polizei geht, ist Born Hals über Kopf nach Paris abgereist.
Lange wird Walker nicht loskommen von dem Vorfall, er stürzt ihn in tiefe Selbstzweifel. Er fühlt sich mitschuldig daran, dass Born fliehen konnte. Als er bald darauf für ein Auslandsjahr nach Paris geht, begegnet er Born wieder, der seine Unschuld beteuert. Walker fasst einen hinterhältigen Plan: Er will Borns Leben zerstören. Ein Rachedrama nimmt seinen Lauf.
Rowohlt
Hardcover, 320 S.
19,95 €
978-3-498-00081-3
«UNSICHTBAR erzählt virtuos vom amerikanischen Sündenfall und dem traumatischen Frühling, der dem Summer of Love vorausging ... Austers bislang bestes und tiefstes Buch.» SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
«Weil der doppelte Boden hier nichts rein Zirzensisches hat, sondern die disparaten Motive des Romans zu synthetisieren vermag, ist Unsichtbar Austers bislang bestes und tiefstes Buch. (...) Schlank, flüssig und geradezu plot-driven, erfüllt es die Tugenden des American writing in subversiver Absicht. Tatsächlich handelt der Roman, der sich perfekt mit dem Kolorit des sechziger Jahre – Martini-Moderne und Pariser Juliette-Gréco-Bohème – geschminkt hat, von der Gegenwart. Wieder verkommt das Land, weil Amerika gebannt in den Spiegel starrt. Paul Auster hat das vorausgesehen, indem er zurückblickt.» (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung)
Weitere Buchtipps
Rabenliebe
Peter Wawerzinek
Verlag Galiani Berlin
Ein Buch wie ein Erdbeben
Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte.
Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?
Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenz sol dat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirk lich wiedersehen?
Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebens groß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung. Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.
Roman
Verlag Galiani Berlin
ca. 300 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
Euro 19,95 (D) / sFr 33,50 / Euro 20,60 (A)
ISBN 978-3-86971-020-4
Das Buch wird am 19. August 2010 erscheinen
Stadt der Engel
Christa Wolf
suhrkamp
Los Angeles, die Stadt der Engel: Dort verbringt die Erzählerin Anfang der Neunziger einige Monate auf Einladung des Getty Center. Ihr Forschungsobjekt sind die Briefe einer gewissen L. aus dem Nachlaß einer verstorbenen Freundin, deren Schicksal sie nachspürt – eine Frau, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierte. Sie beobachtet die amerikanische Lebensweise, taucht ein in die Vergangenheit des „New Weimar unter Palmen“, wie Los Angeles als deutschsprachige Emigrantenkolonie während des Zweiten Weltkriegs genannt wurde. Ein ums andere Mal wird sie über die Lage im wiedervereinigten Deutschland verhört: Wird der „Virus der Menschenverachtung“ in den neuen, ungewissen deutschen Zuständen wiederbelebt?
In der täglichen Lektüre, in Gesprächen, in Träumen stellt sich die Erzählerin einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie in eine existentielle Krise bringt und zu einem Ringen um die Wahrhaftigkeit der eigenen Erinnerung führt.
Das neue Buch von Christa Wolf ist auch autobiographische Prosa: Sie erzählt von einem Menschenleben, das drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen standhält, von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, von der Kunst, sich zu erinnern.
„Du bist dabei gewesen. Du hast es überlebt. Du kannst davon berichten.“
Der neue große Roman von Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud spiegelt das Leben der Autorin, wie in Kindheitsmuster immer wieder verbunden mit entscheidenden Momenten deutscher Geschichte.
Roman
Gepl. Erscheinung: 21.06.2010
Gebunden, 416 Seiten
ISBN: 978-3-518-42050-8
D: 24,80 €
A: 25,50 €
CH: 42,50 sFr
Mischwald
Thomas Kapielski
suhrkamp
Preis der Literaturhäuser 2010
Kunst ist schlimmer als Heimweh – sagt Thomas Kapielski in Mischwald, seinem neuen großen Prosaband, einer reich illustrierten Welt- und Werkschau, angelegt als Logbuch eines gemischten Jahres, zu dessen Auftakt man ihn irrtümlich für tot erklärt und an dessen Ende er verfügt: Meinen Grabstein soll die Zeile schmücken: »Macht bloß so weiter!«
Was das Leben ihm dazwischen alles zuträgt, spottet jedem Vorschautext: Paradoxe Rauschzustände angesichts eines TV-Konzerts von André Rieu, heikle Fragen der Koran-Archäologie oder eine Einladung zur »Blattkritik« beim Stern haben genauso ihren Ort wie die angeschwipsten Bekenntnisse eines Künstlersozialkassenmitglieds, liebevoll gemeißelte Porträts verstorbener Weggefährten wie Emmett Williams, Thomas Schmid oder Ludwig Gosewitz, sowie – last but not least – der schlichte Wunsch nach Erdbestattung.
»Der durch den Mischwald streifende Leser sieht Fotos und Bilder, erfährt von des Autors Gunst und Abscheu, von Familienglück und Künstlernot, stolpert von Gracián zum Blumengießen. Man amüsiert sich, doch mit leiser Ungeduld: Also, was will der Kapielski jetzt eigentlich? Und es dauert noch ein bisschen bis man merkt, wie die Ungeduld der Ruhe weicht. Bis man den Wald vor Bäumen sieht. Weil Thomas Kapielski, der Meister des Improvisierten, der Kunst- und Lebensbastelei, so sehr bei sich selbst ist wie nur wenige. Weil er der rechte Künstler einer Zeit ist, in der es alles im Überfluss gibt und bald gar nichts mehr. Die großen Themen nämlich, das Elend der Welt, die Liebe zu den Kindern und die vermaledeite Hoffnung, das alles beschäftigt Kapielski sehr wohl. Darüber schreibt er mit dem ehrlichsten Realismus, dem des eigenen Lebens.«
Wilhelm Trapp, Die Zeit
edition suhrkamp 2597, Broschur, 347 Seiten
ISBN: 978-3-518-12597-7
D: 14,00 €
A: 14,40 €
CH: 25,00 sFr
Grunewaldsee
Hans-Ulrich Treichel
suhrkamp
Paul liebt Berlin, vor allem Westberlin, sofern man Westberlin lieben kann, wenn man in einer dunklen Hinterhofwohnung in Kreuzberg lebt. Und er liebt Maria, die Spanierin mit den graugrünen Augen und der Motorradjacke. Die beiden lernen sich in Málaga kennen, wo er als Sprachlehrer jobbt, während er auf eine Referendariatsstelle wartet. Maria, die angehende Ärztin, wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muß er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Aber bei seinem Abschied aus Spanien ruft sie ihm nach: »Permanecemos juntos!« - »Wir bleiben zusammen!« Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: Sie sehen sich wieder, in Deutschland. Von der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten aus brechen sie auf zu einer Reise, die freilich nur einen halben Tag dauert ...
Auf einem olivenbestandenen Grundstück hoch über dem Meer in Südspanien und an den mit Hunde-Urin verseuchten Stränden rund um den Grunewaldsee verwickelt Bestsellerautor Hans-Ulrich Treichel seinen Helden in eine Liebesgeschichte, wie sie nur dieser Meister der heiteren Melancholie und des lakonischen Spotts erzählen kann: voller Abstürze und in höchstem Maß vergnüglich.
»In der Beschreibung seiner Milieus, sei es Pauls Braunschweiger Heimat oder sei es der Kreuzberger Kiez, ist Treichel ein Meister wie eh und je. In ihnen spiegelt sich das Deutschland der Bonner Republik in all seinen Facetten, in all seiner Beengtheit und Beschränktheit einerseits, aber auch in all seinem Charme und seiner wenig selbstbewussten Genügsamkeit.«
Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau
Roman
Gebunden, 237 Seiten
ISBN: 978-3-518-42136-9
D: 19,80 € | A: 20,40 € | CH: 34,30 sFr
AUFBRECHEN!
Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen
Gunter Dueck
Eichborn-Verlag
Es geht um unsere Zukunft!
Die Dienstleistungsgesellschaft stirbt, weil neue Technologien die Hälfte aller Jobs überflüssig machen. Die Überlebensperspektive für die Zukunft liegt in einer Hochbildungskultur - es ist unsere einzige Chance, sagt Wirtschaftsvordenker Gunter Dueck.
Die Diagnose
Den westlichen Gesellschaften drohen Elite und Slum: auf der einen Seite wenige hoch bezahlte Jobs in der Steuerung von Prozessen, auf der anderen Seite viele Menschen, die einen neuen Job suchen, aber keinen finden, weil sie nicht entsprechend (aus-)gebildet sind.
Die Chance
Auf die Agrar-, Industrie- und Dienstleistungskultur folgt die Wissenskultur: Brain-Jobs in IT-, Umwelt-, Medizin-, Gen-, Nano- und Biotechnologie. Sie sind da. Es sind nur zu wenige.
Was wir tun müssen
Exzellenzgesellschaft meint Jobs für das Gehirn. Das muss trainiert werden. Von jedem. Keine Ausreden mehr: Jeder muss studieren!
Was der Staat tun muss
Die alte Klientelpolitik gehört in Rente. Unser Weg in die Exzellenzgesellschaft führt vom Subventions- zum Investitionsstaat, der die notwendige Infrastruktur von Wissen und Bildung bereitstellt. Superschnelle Datenhighways statt Fernstraßen.
"Indem er nicht müde wird, den Wert von Bildung und Kreativität hervorzuheben, nimmt Günther Dueck auch dem konservativen Leser die Angst vor der technisierten Zukunft. Denn der Technologe verliert sich nicht in blinder Begeisterung für das Neue, sondern zeigt, wie wir uns die Chancen der Moderne zunutze machen können."
(Sybille Hasenclever, NDR Info, 22. Februar 2010)
"Selten hat einer die vielzitierte Wissensgesellschaft, auf die wir zusteuern, gründlicher durchdekliniert als der Mathematiker und Ökonom Dueck. [...] Er plädiert vehement für eine ganz neue Bildungskultur, die nicht um die bloße Wissensvermittlung zentriert ist, sondern in der die Haltung zur Bildung, die Lust am Lernen kultiviert wird. Dieser Weg in die Exzellenzgesellschaft führt aber nicht über einen Subventions-, sondern über den Investitionsstaat, der die notwendige Infrastruktur von Wissen und Bildung bereitstellt. Dann, so der Autor, können aufstrebende Länder wie China oder Indien getrost ihre Autos, Maschinen oder Straßen selbst bauen, aber ein Land wie Deutschland kann komplett von der Entwicklung und Produktion der Spezialwerkzeuge und High-End-Produkte leben. Dueck macht richtig Lust auf Zukunft."
(Dagmar Deckstein, Süddeutsche Zeitung, 13./14. Februar 2010)
224 Seiten
19.95 Euro, 33.50 sFr
ISBN:9783821865140
Roman unserer Kindheit
Georg Klein
rowohlt
Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien und die Laubenkolonie, wo die Kinder der Neuen Siedlung sich die großen Ferien vertreiben. Langsam, kaum merklich, sickert das Unheimliche ein: Ein Mord wird angekündigt, dann kommen die Boten, buchstäblich aus einer anderen Welt. Und es sieht aus, als könnten sie zumindest eines der Siedlungskinder auf die Nachtseite dieses Sommers hinüberziehen.
«Roman unserer Kindheit» ist zugleich ein radikal autobiographisches und magisch-phantastisches Buch, ein Kindheitsroman voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht.
«Ein Geniestreich ist dieser Roman, opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön.»
Ina Hartwig, Die Zeit
rowohlt
Hardcover, 448 S.
22,95 €
Die Zeitwaage
Lutz Seiler
suhrkamp
»Einmal in der Woche bin ich bei Uhrmacher Walinski, um meine Armbanduhr auf die Zeitwaage zu legen. Seit ich entdeckt habe, tatsächlich ein Träumer zu sein (›ein verdammter Träumer‹, wie mein Vater es früher so oft sagte), bin ich vollkommen ruhig; ich bin ruhig und gelassen und tue nur noch, was ich will. Dinge, von denen ich weiß, daß sie gut für mich sind.«
Mit der Ruhe eines Seiltänzers bewegt sich dieser Träumer auch durch das Nachwende-Berlin. Zu den Dingen, die dabei in seinen Besitz geraten, gehört eine einzigartige Uhr, in deren Ticken er die Geschichte hören kann, die ihm geschehen ist.
Lutz Seilers lange erwartetes neues Buch enthält neben Turksib, für die er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, dreizehn neue Erzählungen. Ob in der Geschichte einer gespielten Erschießung oder im alltäglichen Drama einer wirklichen Trennung – in allen Texten des Bandes Die Zeitwaage geht es um prägende Wendepunkte, um das Groteske im Leben und unser häufig vergebliches Ringen um einen anderen Verlauf.
»Lutz Seilers unroutinierte, karge und dichte Prosa versteht es, den Leser auf allen Etappen seiner Geschichte zu fesseln.«
Hans-Jürgen Schings, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Im Jahr 2007 geschah beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettlesen etwas Ungewöhnliches. Wie immer lasen Autoren und Autorinnen eine Prosa, die nicht weiter auffiel und von der man ahnte, dass man sie nach kurzer Zeit wieder vergessen haben würde. Dann aber kam Lutz Seiler an die Reihe, und nach wenigen Worten erfüllte ein fast unbekanntes Gefühl den Saal, wie wenn man plötzlich an die Literatur selbst gerührt hätte. ... Seilers literarische Technik ... ist ein Drehen und Wenden, die Prüfung jedes Details, bis der Satzbau und die Grammatik so fein poliert werden, dass die Worte aus sich heraus zu leuchten beginnen.«
Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung
»Lutz Seiler hat durch seine Gedichtbände Aufsehen erregt und zuletzt Essays veröffentlicht, die den Essay als eine verdichtete, hoch poetische Form ausweisen. Dass er sich nun der Prosa zuwendet, wurde in literarischen Kreisen aufmerksam verfolgt, schien er doch ein Dichter sui generis zu sein. ... Seiler erweist sich in dieser Prosa als ein Autor, der sehr konzentriert schreibt, der in den Details, die er nennt, immer eine tiefere Dimension mitschwingen lässt. In fast allen Szenen liegt etwas Allegorisches, eine zeitlos anmutende Erfahrung.«
Helmut Böttiger, Deutschlandradio Kultur
Erzählungen
Gebunden, 284 Seiten
ISBN: 978-3-518-42115-4
D: 22,80 €
A: 23,50 €
CH: 39,20 sFr
Luft und Liebe
Anne Weber
S. Fischer Verlag
»Luft und Liebe« ist nominiert für den Preis
der Leipziger Buchmesse 2010!
Wo die Liebe sich in Luft auflöst, fängt Literatur an: »Luft und Liebe« ist eine mitreißende Liebes- und Verratsgeschichte, ein großes literarisches Vergnügen.
Die große Liebe – gibt es das? Anfang Vierzig und in Herzensdingen längst an das ganz normale Glück oder Unglück gewöhnt, begegnet sie in Paris einem nicht mehr ganz jungen Mann mit Bauchansatz, nach dem sich auf der Straße niemand umdrehen würde. Aber entgegen alle Erwartungen ist er der Mann, auf den die Heldin gewartet hat: Er ist zärtlich, aufmerksam und charmant, Hals über Kopf verliebt und verspricht ihr den Himmel auf Erden. Und um die Idylle vollkommen zu machen, lebt dieser Märchenprinz auf einem Schloss in der französischen Provinz.
Zu schön, um wahr zu sein? Als die Träume – gemeinsames Leben, Hochzeit, Kind – Realität werden sollen, zerplatzen sie wie Seifenblasen. Und die mit großer Leichtigkeit und funkelnder Ironie erzählte Geschichte nimmt ein Ende mit Schrecken ...
Anne Webers sprachliche Brillanz, ihre Fähigkeit, »auf leichte Art ernst zu werden« (Jochen Jung, Die Zeit) machen aus einer unerhörten Begebenheit einen doppelbödigen Roman.
»Anne Weber hat einen eleganten und sehr komischen Roman über eine missglückte Familiengründung geschrieben. Ein gründlich ausgeweidetes Thema, gewiss, aber so luftig-elegant wird nicht alle Tage davon erzählt.«
Kristina Maidt-Zinke, Die Zeit
»›Luft und Liebe‹ geht ein vermeintlich leichtes Thema mit spürbarer Unerbittlichkeit an. Eine Schicht nach der anderen wird abgetragen, eine schmerzende Wahrheit nach der anderen freigelegt. Und so erzählt das Buch zuletzt auch vom prekären Akt des Schreibens an sich.«
Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Anne Weber hat in ihrer französischen Umgebung offensichtlich gelernt, Herzensdinge à la Marivaux zu schildern, leicht, locker, zielgerichtet und intelligent. Auf leichte Art leicht zu sein ist eine Kunst, und dieses Kunststück hat die Autorin hier durchaus gemeistert.«
Jochen Jung, Tagesspiegel
»Ungewöhnlicher Liebesroman, bei dem ich oft geschmunzelt habe und mehr als einmal ziemlich überrascht war.«
Christine Westermann, WDR
Roman
€ (D) 17,95 | € (A) 18,50 | SFR 31,90 (UVP)
192 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-10-091046-2
Im Boot
Nam Le
ullstein buchverlage
Das Debüt eines großen Erzählers
Intensiv, schonungslos, sprachmächtig: In seinem glänzend geschriebenen Debüt variiert der junge amerikanische Autor Nam Le auf ergreifende Weise das Thema Flucht - vor dem Sterben, vor sich selbst, vor der Liebe.
Mai, eine junge Vietnamesin, wird von ihrer Mutter auf eines der vielen überfüllten Flüchtlingsboote geschickt, in der Hoffnung auf eine Chance im Westen. Mitten im südchinesischen Meer versucht Mai, einem kranken kleinen Jungen das Leben zu retten - und scheitert, während nach tagelanger Irrfahrt endlich das ersehnte Land in Sicht kommt. Eduardo und Luis, zwei Freunde aus den Slums von Bogotá, wollen dem Teufelskreis der Kriminalität entkommen und träumen von einem Ort des Friedens am Wasser - bis einer von ihnen erschossen wird. Eine junge Amerikanerin fliegt auf der Suche nach neuem Lebenssinn zu ihrer Freundin nach Teheran und verschwindet dort während einer Demonstration. Die sieben exzellent geschriebenen Erzählungen stellen auf poetisch verstörende Weise Fragen nach der menschlichen Existenz in unserer globalisierten Welt. Sie handeln vom Ausgeliefertsein, von der Hoffnung auf Leben und der zerstörerischen Macht des Todes. Gefühle wie Angst, Sehnsucht, Verzweiflung, aber auch die Ruhe im Sterben werden so intensiv geschildert, dass einem das Schicksal der Figuren noch lange nachgeht.
336 Seiten, € 22,00 [D]
Ruhr.Buch
Gregor Gumpert / Ewald Tucai
dtv
RUHR.2010
Kulturhauptstadt Europas - die literarische Anthologie
Essen und 52 weitere Städte zwischen Rhein, Lippe, Emscher und Ruhr dürfen sich 2010 als Kulturhauptstadt Europas feiern. Der drittgrößte europäische Ballungsraum rüstet sich mit vielen Projekten und Veranstaltungen, um sich sowohl als Kulturlandschaft als auch als Metropole zu zeigen.
Zu der Begegnung mit einer großen Geschichte und einer spannenden Zukunft lädt auch diese repräsentative literarische Anthologie mit Prosatexten, Gedichten und Liedern zahlreicher Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart ein. Ob aus heimatlicher Perspektive oder aus der eines Besuchers: Alle Beiträge erzählen von den historischen Besonderheiten und den beeindruckenden Veränderungen, die das Ruhrgebiet - diesen Schmelztiegel in der Mitte Europas - und seine Bewohner geprägt haben.
Mit einem Grußwort von Dr. h.c. Fritz Pleitgen und Prof. Dr. Oliver Scheytt aus der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH.
Mit Texten von: Thomas Bernhard, Heinrich Böll, Rudolf Braune, Bertolt Brecht, Franz Josef Degenhardt, Wolf Doleys, Friedrich Engels, Ferdinand Freiligrath, Manfred Flügge, Ralph Giordano, Johann Wolfgang Goethe, Frank Goosen, Herbert Grönemeyer, Max von der Grün, Heinrich Heine, Ernest Hemingway, Franz Hohler, Michael Holzach, Ricarda Huch, Richard Huelsenbeck, Alfred Kerr, Michael Klaus, Carl Arnold Kortum, Georg Kreisler, Horst Krüger, Friedrich Adolf Krummacher, Jürgen Lodemann, Gerhard Löbker, Hermann Löns, Jürgen von Manger, Ret Marut, Ernst Meister, Florian Neuner, Hans von Ooyen, Marion Poschmann, Friedrich Rautert, Josef Reding, Joseph Roth, Ralf Rothmann, Helge Schneider, Levin Schücking, Anna Seghers, Dirk Sondermann, Jury Soyfer, Wilhelm Uhlmann-Bixterheide, Günter Wallraff, Wolfgang Welt und Roger Willemsen.
Ewald Tucai , Gumpert, Gregor / Tucai, Ewald (Hrsg.)
Das Ruhrgebiet literarisch
Herausgegeben von Gregor Gumpert und Ewald Tucai
288 Seiten
978-3-423-13826-0
9,90 [D] 10,20 [A] 16,90 [CH]
Unendlicher Spaß
David Foster Wallace
Kiepenheuer & Witsch
DAS literarische Ereignis in diesem Jahr!
Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace, einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur, das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags.
»Unendlicher Spaß« – so nannte James Incandenza seinen Film, der Menschen, die ihn anschauen, so verhext, dass sie sich nicht mehr von ihm lösen können und dabei verdursten und verhungern. Sein Sohn Hal, ein Tenniswunderkind mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, studiert an der Enfield Tennis Academy (ETA), die von seinem Vater gegründet wurde. Hier sowie im nahe gelegenen Ennet-House, einem Entziehungsheim für Drogenabhängige, spielt ein Teil der überbordenden Handlung, die jeden literarischen Kosmos sprengt – in einem leicht in die Zukunft versetzten Amerika, das mit Kanada und Mexiko die »Organisation der nordamerikanischen Nationen« bildet und von radikalen Separatisten in Kanada bekämpft wird.
1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Nicht allein der schiere Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die ungeheure Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik, scharfe Analyse sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Namhafte Autoren von Dave Eggers bis Jonathan Franzen sehen in diesem Buch ein Vorbild für ihr Schaffen. Ulrich Blumenbach hat sechs Jahre lang an der Übersetzung gearbeitet, und seine kongeniale Übertragung ins Deutsche gibt deutschsprachigen Lesern nun endlich die Möglichkeit, das Buch kennenzulernen.
»Infinite Jest ist für den Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts das, was Musils Mann ohne Eigenschaften für das vergangene Jahrhundert war. « Richard Kämmerlings, FAZ
»Sein Roman stellt eine kaum fassbare Ausweitung der Literatursprache dar.« Ulrich Blumenbach, FAZ
»Mit diesem Buch beginnt eine neue Zeitrechnung in der Literaturgeschichte.« Thomas von Steinaecker, DIE WELT
»Der umwerfende Roman Unendlicher Spaß von David Foster Wallace: Ein Tusch auch für den Übersetzer Ulrich Blumenbach.« Frankfurter Rundschau
»Wüst, utopisch, verwegen, dunkel wie Der Zauberberg, nur komischer.« Klaus Brinkbäumer, Der Spiegel
»Wenn es bei Unendlicher Spaß überhaupt um eine Form der Kritik geht, dann besteht diese in dem Versuch, zu zeigen, dass Texte etwas können, was Fernsehbilder nicht können; dass Komplexität nicht auf Langeweile hinauslaufen muss, sondern auf einen Witz, der besser und befriedigender ist als Unterhaltung; dass Literatur mehr sein kann als eine Geschichte: eine Sprache, eine Welt, eine Wirklichkeit.« Harald Staun, Frankfurter Allgemeine Zeitung am Sonntag
ISBN: 978-3-462-04112-5
1552 Seiten, Gebunden
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
Euro (D) 39.95 | sFr 64.90 | Euro (A) 41.10
Einsamkeit und Sex und Mitleid
Helmut Krausser
DuMont Buchverlag
Wer mit wem? Wer gegen wen? Scheinbarer Zufall im Beziehungsgeflecht der Großstadt. So explosiv hat noch keiner über das Paarungsverhalten der Großstädter geschrieben.
Vincent ist Callboy, aber an Weihnachten sitzt er alleine in der Kneipe. Als die dichtmacht, lässt er sich zu Hause eine Badewanne ein. Beim Einsteigen wird er von einer Einbrecherin überrascht. Die beiden freunden sich an.
Helmut Kraussers neuer Roman bringt zusammen, was nicht zusammengehört: Die unterschiedlichsten Menschen streifen durch Berlin, begegnen sich, kommen einander nah – immer auf der Suche nach dem Glück. Helmut Krausser verknüpft ihre Geschichten zu einem Netz, aus dem es kein Entkommen gibt.
Ein Kind wird entführt, eine mitternächtliche Hochzeit improvisiert, ein Genickschuss erkauft, der Prophet Jesaja predigt auf dem Kreuzberg – und alles ist auf ungeahnte Weise miteinander verbunden. ›Einsamkeit und Sex und Mitleid‹ spielt auf der Klaviatur des scheinbaren Zufalls, mischt Melodram, Ironie, Suspense und Lakonik zu einem bizarren Panorama, zu einem überwältigenden Kaleidoskop des Lebens.
"Das witzigste deutsche Buch des Jahres"
Daniel Kehlmann in FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG
"Ein fabelhafter Episodenroman (...) faszinierende Einsichten in die Schönheit und Tragik unserer Existenz - verdichtet in einer Hand voll kleiner, schmutziger Geschichten, die bestimmt sind von Leidenschaft und einem ausgeprägten Gespür für menschliche Würde." KÖLNER STADTANZEIGER
"So liegt das Kess-Groteske in der einen, das Sentimentale in der anderen Wagschale (...)gemacht ist das virtuos, der Gang der Verwicklungen durchdacht, etliche Episoden sehr vergnüglich." SZ
"Helmut Krausser hat mit dieser rabenschwarzen Satire zurückgefunden zu seinen eigentlichen Qualitäten (…) der Meister kleiner dreckiger Geschichten.“ WELT
"Ein kleines Meisterstück.“
BASLER ZEITUNG
Helmut Krausser "spinnt (...) einen Reigen nach bester Artur-Schnitzler-Manier, ein Kaleidoskop der guten oder auch irregeleiteten Absichten und Träume. Das erweist sich als ein vor Realität strotzendes Sittenbild."
PRISMA
"Eine Berliner Seifenoper (...) verbindet das Pornografische mit dem Sentimentalen, das große Gefühl mit der Farce, das genau Beobachtete mit dem Grotesk verzeichneten. Ein Sittenbild verwahrloster Gemüter, unterhaltsam und voller Hardcore-Komik." FAZ
224 Seiten, Hardcover, EUR 19,95
EUR 19,95 [D] / 34,50 sFr.
ISBN 978-3-8321-8092-8
Herr Adamson
Urs Widmer
Diogenes
Es ist Freitag, der 22. Mai 2032. Einen Tag nach seinem vierundneunzigsten Geburtstag sitzt ein Mann in einem üppig blühenden Garten – es ist der Paradiesgarten seiner Kindheit –, neben sich einen Rekorder, und spricht seine Geschichte mit Herrn Adamson auf Band.
»Eigentlich sind all seine Geschichten Liebesgeschichten und Fabeln vom Unterwegssein, moderne Odysseen, voller Zauber selbst dort, wo die Realität, die Politik, der (Liebes-)Krieg seine Figuren versehrt und zu Trauerfällen macht – die in aller Untröstlichkeit doch nie trostlos geraten. Wenn es heute noch einen utopischen Schriftsteller gibt, der dennoch kein blinder Träumer ist, dann heißt er Urs Widmer.«
Der Tagesspiegel
»Einer der verblüffendsten und erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller der Generation nach Frisch und Dürrenmatt.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Wenn Urs Widmer über das Sterben schreibt, über seinen Deal mit dem Tod, gehts nicht tonnenschwer, sondern leicht und luftig zu.«
NZZ am Sonntag
»Für lange Zeit strahlt man dieser Erzählung nach wie Kinder einer Seifenblase. Wie nur soll all das zusammenpassen - 1946, 2011, das melancholische Todesthema und der pointensatte und -sichere literarische Klamauk? Es passt. Die hellen und die dunklen Farben ordnen sich zum Schluss aufs Stimmigste.«
Die Zeit
»Überraschend, wie viel Heiterkeit, Lebensfreude und Phantastik Urs Widmer dem Tod abgewinnt. In gewisser Weise präsentiert er also mit seinem neuen Buch das wohl erste Beispiel eines vorauseilenden Lebensrückblicks, den überhaupt ersten Fall von erst zukünftig einzuholenden potentiellen Memoiren.«
Die Welt
Roman, Hardcover Leinen, 208 Seiten
ISBN 978-3-257-06718-7
€ (D) 18.90 / sFr 33.90* / € (A) 19.50
Teheran Revolutionsstraße
Amir Hassan Cheheltan
P. Kirchheim Verlag
Der Aufstieg eines zwielichtigen Operateurs von Jungfernhäutchen zum Klinikchef, der sich in eine seiner Patientinnen verliebt, ist Ausgangspunkt für ein Sittenbild der iranischen Gesellschaft, deren politische, wirtschaftliche und soziale Zwänge und Verwerfungen ein junges Liebespaar auf grausame Weise scheitern lassen. „Teheran Revolutionsstrasse“, der in Teheran nicht veröffentlichte Roman Cheheltans, porträtiert den unbekannten Alltag von Menschen der Teheraner Megacity.
Scheinbar unbeteiligt läßt Shahrsad sich von den Ereignissen mitschleifen. Kein Aufschreien, kein Aufbegehren …Ihre ganze Kraft fließt in das starre Aushalten, das kein Morgen kennt, keine Schuld, kein Selbstwertgefühl. … Und mit dieser Charakterisierung der jungen Frau gelingt Cheheltan eine beeindruckende Reflexion der Befindlichkeit der iranischen Gesellschaft. Gefangen zwischen Tradition und Moderne, Glauben und Aberglauben und brutal unterdrückt von einem Machtapparat, der sich tief in die Gesellschaft eingegraben hat, scheint es keinen Ausweg zu geben.
ZEIT-online
Mit dieser Welterstveröffentlichung seines neuen Romans liefert uns der iranische Autor ein lebendiges, spannendes und facettenreiches Porträt des nachrevolutionären Teherans. … Vom ersten Absatz an besticht die Verbindung von genauer Beobachtung und kritischer Beschreibung mit einer Ironie, welche die Heuchelei der frommen Revolutionäre gnadenlos aufs Korn nimmt. Diese Erzählweise und die von innerer Anteilnahme geprägte, ab und zu auch humorvolle Schilderung menschlicher Einzelschicksale vor dem Hintergrund des Weltgeschehens machen die Lektüre bei aller bitteren Kritik … zu einem packenden, bedrückenden, aber auch unterhaltsamen Erlebnis.
Kurt Scharf, Literaturnachrichten
Es ist eine Literatur jenseits ideologischer Festlegungen und programmatischer Absichten; sie versucht der Welt, die sie schildern will, aus ihrer eigenen Logik heraus gerecht zu werden, und rückt ihr dabei so nah, dass sie wie eine unsichtbare Folie kaum noch von ihr zu unterscheiden ist. Dem Leser aber erscheint sie als Brennglas, das Unverständlichste und Fernste wird klar. Mit keiner Figur aus Cheheltans Roman möchte man sich als Leser identifizieren, und tut es am Ende doch unweigerlich mit allen.
Stefan Weidner, DeutschlandRadio
Welt-Erstveröffentlichung
Aus dem Persischen von Susanne Baghestani
208 Seiten, gebunden
Euro 22,00 [D] Euro 22,60 [A] SFr 37,90 [CH]
(ISBN) 978-3-87410-111-0
Dubai Speed
Erinnerungen an eine Utopie
Michael Schindhelm
dtv
Unter dem Motto »größer, höher, moderner, glamouröser« sollte in Dubai, mitten in der Wüste, die Welthauptstadt des 21. Jahrhunderts entstehen. Die Metropole am Golf war angetreten, alle Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen und in jeder Beziehung Superlative zu schaffen. Doch dann kam die Finanzkrise, und all die milliardenschweren Projekte, vor allem auch jene, die keine Rendite versprechen, standen plötzlich zur Diskussion. Allen voran die Kultur. Mit deren Aufbau war u.a. Michael Schindhelm beschäftigt. Er berichtet aus der Innenperspektive darüber, wie man als Europäer zwischen traditionellen und modernen Nomaden lebt, und erzählt aus der Welt des Hofstaats, der Emiratis und der Abenteuerer und Glückssucher aus aller Herren Länder.
Nicht alles ist genau so passiert, aber entstanden ist ein Bericht aus der Wirklichkeit radikaler Widersprüche, kühner Spekulationen und Sehnsüchte nach einer neuen Kulturwelt. Das Tagebuch einer Annäherung an den modernen Mittleren Osten, einer Begegnung von Ost und West voller Missverständnisse und (Selbst-)Erkenntnisse.
Mit 40 Fotos von Aurore Belkin. Die französisch-kanadische Fotografin arbeitet u. a. für ›Vanity Fair‹, ›Time Magazine‹, ›Der Spiegel‹.
Eine Erfahrung
Mit Fotos von Aurore Belkin
dtv premium
256 Seiten
978-3-423-24768-9
16,90 [D] 17,40 [A] 29,00 [CH]
Die Mauer fällt
Jean-Marc Gonin, Olivier Guez
Piper Verlag
Aus dem Französischen von Helmut Reuter. Was am 9. November 1989 passierte, war ebenso unwahrscheinlich und abenteuerlich wie ein Roman. Und genau so erzählen Olivier Guez und Jean-Marc Gonin diese Geschichte. Kann man sich eine Szene ausdenken wie die, in der der mörderische General Mielke vor die Volkskammer tritt und ruft: "Ich liebe Euch doch alle"? Oder wie eine Handvoll Demonstranten in der Berliner Gethsemane-Kirche die schwerbewaffneten Stasi-Männer durch Kirchenlieder zum Abzug bringt? In der Art eines Doku-Dramas verknüpfen die Autoren die oft dramatischen Schicksale der eigentlichen Helden der Geschichte, der Menschen, mit denen der großen Politik von Honecker & Co. Sie alle treten als lebendige Figuren auf, in ihren Gesprächen, privaten Eigenarten, die mehr verraten als jede noch so genaue wissenschaftliche Analyse.
Ganz neu, ganz anders!, ruft Nils Minkmar uns zu. Dass es nur zwei Franzosen (Olivier Guez und Jean-Marc Gonin) dank Wunder wirkender Außenperspektive und einem Faible für Revolutionen hinbekommen konnten, die Geschichte des Mauerfalls vermittels Sammeln, Streichen und "cooler Sprache" lesbar zu machen, findet Minkmar so bemerkenswert wie folgerichtig. Dass es derart großartig sein würde, überrascht ihn dann doch bis zur Gänsehaut. Hunderte Interviews, durch ein rasantes Montageverfahren zu einer Geschichte komponiert, ergeben für Minkmar einen Tatsachenroman bekannter Ereignisse. Na, beinahe bekannt, denn das Buch entwickelt nicht nur eine nachhaltige Spannung, es eröffnet dem Rezensenten auch neue Erkenntnisse. Über die friedliche Macht von der Straße, das unheimliche Leben in Wandlitz oder Pläne für eine noch bessere, noch tödlichere "Mauer 2000".
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2009
Ein Tatsachenroman
Piper Verlag, München 2009
Aus dem Französischen von Helmut Reuter
338 Seiten
Gebunden
€ 19,95 [D], € 20,60 [A], sFr 34,90
ISBN: 9783492052337
Die verkauften Pflastersteine - Dresdner Tagebuch
Thomas Rosenlöcher
suhrkamp
Als dieses Buch 1990 zum ersten Mal erschien, wurde es als ein ungeheuer genauer, gelassener und ironisch-skeptischer Blick auf die Tage der Wende und die Monate danach begrüßt. In einer Zeit, als die Stimmung zwischen schriller Einheitseuphorie und Verklärung der DDR schwankte, schaute Thomas Rosenlöcher genauer hin und verließ sich allein auf sein unabhängiges Urteil. Liest man sein Tagebuch der Wendezeit heute, dann wird klar: Es ist eines der hellsichtigsten Bücher, die wir über das vereinte Deutschland lesen können. Mit großer Glaubwürdigkeit, radikaler Ehrlichkeit und klugem Humor beschreibt Rosenlöcher ein Land, in dem wir bis heute leben.
- eines der wichtigsten Bücher über die Wende in neuer Ausgabe
- authentische Einblicke in beide deutsche Staaten vor der Wiedervereinigung
- Beschreibung des Umsturzes: von der Basisdemokratie des Herbstes zu den deutschnationalen Tönen des Winters
suhrkamp taschenbuch 4072, Broschur, 115 Seiten
ISBN: 978-3-518-46072-6
D: 6,00 € | A: 6,20 € | CH: 11,00 sFr
Soundtrack meiner Kindheit
Jan Josef Liefers
rowohlt
Ein ganz persönliches Buch über eine Kindheit in der DDR.
«Ich wurde im November 1963 eines Nachts unter nicht sonderlich spektakulären Umständen in Dresden gezeugt ... Die Schwangerschaft kam alles andere als gelegen. Meine Eltern waren mitten im Studium, hatten keine eigene Wohnung, hätten sich auch keine leisten können, und ihre Zukunft war ziemlich ungewiss, um nur zwei vernünftige Argumente gegen so frühen Nachwuchs aufzuzählen. Aber nach einigen halbherzigen Versuchen aus dem reichen Schatz häuslicher Selbsthilfemittel wie sehr heiße Bäder, Rotwein mit Nelke und anschließenden Sprüngen vom Kleiderschrank war klar, die Frucht saß fest, das Zellklümpchen zeigte sich unbeeindruckt und teilte sich normgerecht weiter. Die junge Frau war kerngesund, und – Schauspielerin hin oder her – biologisch sprach nichts gegen die erfolgreiche Erfüllung der von der Natur für sie vorgesehenen Aufgaben.
»Anhand der Musik, die ihn beeindruckt, begleitet und geprägt hat, blickt der bekannte Schauspieler Jan Josef Liefers auf seine Kindheit und Jugend zurück. Er stellt nicht nur große Rockbands der DDR und ihre Lieder vor, sondern setzt sie zugleich unmittelbar in Beziehung zu wichtigen Ereignissen in seinem Leben und seiner Karriere. So entsteht der sehr persönliche Einblick in den ganz normalen Alltag eines jungen Menschen im Osten, der sich seine eigenen Gedanken machte und versuchte, seinen Weg zu gehen, ohne sich allzu sehr zu verbiegen.Ein authentisches «DDR-Kind», das später in ganz Deutschland bekannt wurde, erzählt sein Stück deutsche Geschichte IM MAGAZIN – ehrlich, charmant, unterhaltsam und frei von jeglicher «Ostalgie».
Hardcover, 336 S.
978-3-498-03933-2
19,90 €
Paradiso
Thomas Klupp
Berlin-Verlag
Eigentlich wollte er auf kürzestem Wege von Potsdam nach München reisen. Aber nichts im Leben von Alex Böhm ist vorhersehbar. Er fährt los und wird in die Heimat verschlagen, wo sich bodenlose Abgründe auftun. Auch die gehören zu seinem Leben, und das ist kein Wunder bei einem, dessen Charakter geprägt ist von einem chronischen Mangel an Moral …
Es ist heiß. Glühend heiß. In der flirrenden Tankstellenluft wartet Alex Böhm auf einen gelben Kombi, der gleich an den Zapfsäulen halten und ihn nach München bringen soll. Von dort wird er am nächsten Morgen mit seiner Freundin Johanna nach Portugal fliegen. Das ist der Plan. Aber dann taucht Konrad auf, der »Loserkonrad« aus Schulzeiten, und diese Begegnung katapultiert Böhm auf das Minenfeld seiner Vergangenheit.
Während er in atemlosen Monologen einen Zünder nach dem anderen schärft, findet er sich plötzlich am Rand der Autobahn wieder, auf sonnenverbrannten Rastplätzen und in den Kellergewölben bayerischer Provinz-Erotheken. Er begegnet bekehrten Lastwagenfahrern mit langen Messern, schwärmenden Hippiemädchen, Dostojewski-Jüngern und Jana-Hensel-traumatisierten Taxifahrern. Anarchisch und mit tiefschwarzem Humor erzählt, lässt dieser Roman den Leser mit weit aufgerissenen Augen zurück.
»Ungelogen: Unser Debütroman des Jahres.« ARD
Roman
208 Seiten Taschenbuch
ISBN-13: 9783833306563
7,95 € [D]
Ehre wem Ehre ...
W. W. Domsky
Leda-Verlag
Das Buch, das nicht erscheinen sollte
Alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Massaker in einer türkischen Metzgerei um das Finale einer Auseinandersetzung rivalisierender Kiezkönige handelt. Die desillusionierte und vom Alkoholmissbrauch gezeichnete Kommissarin Thea Zinck sieht das anders. Im Gegensatz zu ihren Kollegen verzichtet sie auf den medienwirksam schnellen Abschluss des Falles und verfolgt bis zum bitteren Ende rücksichtslos ihre eigenen Ideen.
Nachdem ein Verlag diesen Krimi wegen angeblicher islamfeindlicher Passagen und aus Angst vor Repressalien kurzfristig aus dem Programm nahm, hat sich der Leda-Verlag nach eingehender Prüfung des Manuskriptes für die Veröffentlichung entschieden. „Wir sind der Meinung, dass sich jeder ein eigenes Bild machen sollte. Wir haben in dem Text nichts festgestellt, das einer Veröffentlichung widersprechen könnte und bringen das Buch ungekürzt heraus.“
Ein Teil des Erlöses aus dem Buchverkauf fließt an „Solwodi“ (Solidarität mit Frauen in Not, www.solwodi.de
Du stirbst nicht
Kathrin Schmidt
Kiepenheuer & Witsch
Deutscher Buchpreis 2009
Vom Hirnschlag erwacht - die atemberaubende Geschichte einer Heilung
Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war.
Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes – und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnrung.
Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.
Roman
ISBN: 978-3-462-04098-2
352 Seiten, Gebunden
Euro (D) 19.95 | sFr 35.00 | Euro (A) 20.60
»Von Randzonen her, von atmosphärischen Details, die merkwürdigerweise am ehesten zu fassen sind, nähert sich das Buch allmählich den Brennpunkten ihres Lebens. Nach einiger Zeit häufen sich die Indizien.« Helmut Böttiger, Die Zeit
»Du stirbst nicht ist ein Buch über das, was einen Menschen ausmacht. Was ihn treibt und was ihn hält.« Petra Kohse, Frankfurter Rundschau
»Ein eindringliches Buch. (...) Kathrin Schmidt ist wieder da. Wir dürfen uns freuen!« Vladimir Balzer, Die Welt
»Der Leser erlebt diesen frappierenden Kampf eins zu eins aus der Perspektive der Heldin, ist mit ihr in diesem fremden Frauenkörper gefangen wie einst bei Kafka der rechtschaffende Gregor Samsa in seinem Käferpanzer. (...) Erneut erweist sich Kathrin Schmidt als Erzählvirtuosin, die kollektive historische Erinnerungspartikel im persönlichen Schicksal ihrer Protagonistin zum Vorschein bringt.« Katrin Hillgruber, Spiegel Online
»Kathrin Schmidt hat ein bewegendes Buch über ein altes Thema der Literatur geschrieben: über die Identität, ihre Auslöschung und ihre Neukonstruktion.« ARTE Magazin
»Kleine Fortschritte gehen durch die anteilnehmende Erzählhaltung nahe; der Leser erkundet die wiedergefundene Zeit, die persönlichen und auch politischen Ereignisse der letzten Jahre, auf Augenhöhe mit der Protagonistin.« SWR 2
Atemschaukel
Herta Müller
Hanser Verlag
Der Literatur-Nobelpreis 2009
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.
Roman
Fester Einband, 304 Seiten
Preis: 19.90 € (D) / 34.50 sFR (CH) / 20.50 € (A)
"Ein überwältigender, ergreifender, demütig machender Roman, die vielleicht nachhaltigste Leseerfahrung dieses Herbstes." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.09
"Ein sprachliches Kunstwerk, wie es das in diesem Herbst kaum ein zweites Mal geben dürfte. Wer es schafft, Herta Müllers bestürzenden, bedrückenden und - wegen seiner sprachlichen Kraft - beglückenden Roman zu Ende zu lesen, wird dieses Buch nie wieder vergessen." Hajo Steinert, Focus, 10.08.09
"Dass eine so arme Geschichte, dass ein so armes Lebensstück mit so viel Schönheit erzählt wird, ohne jeden Schnörkel, ganz der Wahrhaftigkeit verpflichtet, das macht nicht zuletzt die Größe dieses Romans aus." Jochen Jung, Der Tagesspiegel, 19.08.09
"Ein kühnes Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht in der europäischen Literatur unserer Zeit." Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 20.08.09
"Ein atemberaubendes Meisterwerk." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09
"Die Lager sind ja eine menschliche Grenzerfahrung, die wir in ihrer Andersartigkeit gern in einem Dachspeicher unseres kollektiven Gedächtnisses verstauben lassen. Müller holt sie aus dieser Verdrängung heraus, gliedert sie mit ihrer Sprachkunst in unsere Kultur ein und macht sie der Trauer zugänglich." Ruth Klüger, Die Welt, 15.08.09
"Das Unsägliche von alltäglicher Angst in diktatorischer Gesellschaft, von Arrest, Folter und Mord auf eigentümliche Weise buchstäblich zur Sprache zu bringen ist die Kunst dieser Autorin." Michael Naumann, Die Zeit, 20.08.09
"Mit seinem dichten Motivnetz schafft der Roman eine Intensität und Präsenz, die ihresgleichen in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur nicht haben. Ein Manifest der Erinnerung und der Sprache, deren komplexes Verhältnis es auf ergreifende Weise bezeugt. Ein Meisterwerk." Michael Lentz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.09
Grüße und Küsse an alle
Mirjam Pressler
S. Fischer Verlag
Die Geschichte der Familie von Anne Frank
Eine Sensation: Die ganze Geschichte von Aufstieg und Schicksal der Familie Anne Franks über drei Jahrhunderte, erzählt auf der Grundlage tausender unbekannter Briefe und Dokumente
Sommerfrische hoch über dem Silser See in den Schweizer Bergen: Alljährlich traf sich hier die Familie Frank, die sonst über ganz Europa verstreut war. Noch Anne Franks Ururgroßvater hatte als kleiner Junge in der engen Frankfurter Judengasse leben müssen, doch schon eine Generation später wurde ein Vorfahr Anne Franks zum ersten jüdischen Professor in Deutschland berufen. Ihre Großmutter Alice führte als Bankiersgattin ein weltoffenes Haus in Frankfurt, bis die Familie nach London, Basel und Amsterdam übersiedelte, das dann zum Schicksalsort der Familie werden sollte. Der letzte noch lebende Verwandte Anne Franks, ihr Cousin Buddy Elias, wurde schließlich berühmt als Eiskunstläufer und Schauspieler.
Wie durch ein Wunder haben zahllose Briefe, Dokumente und Fotos der Familie Frank auf dem Dachboden des Hauses in der Baseler Herbstgasse überlebt und wurden dort vor einiger Zeit entdeckt – ein Sensationsfund. Die wunderbare Erzählerin Mirjam Pressler hat daraus die so einzigartige wie exemplarische Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Frank zusammengefügt, die sich liest wie ein großer schicksalhafter Familienroman.
Sachbuch
432 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-10-022303-6
Preis € (D) 22,95, € (A) 23,60, SFR 39,90 (UVP)
»Das Los der Familie Frank steht nach Meinung der Rezensentin Roswitha Budeus-Budde stellvertretend für die Millionen jüdischen Opfer. Die Schreckenszeit des Nationalsozialismus, die das Tagebuch der Anne Frank dokumentiert, erhält laut Rezensentin mit dieser Familienbiografie eine Vorgeschichte. In drei historische Abschnitte unterteilt erzählt Mirjam Presslers Buch anhand von über 6000 erhaltenen Briefen vor allem von drei Mitgliedern der Familie Frank, von Annes Großmutter Alice, ihrer Tochter Leni und Annes Cousin Buddy, lesen wir. Für die Rezensentin entsteht so eine Geschichte des jüdischen Bürgertums in Deutschland vom 19. Jahrhundert "bis zum Exitus" und über den Krieg hinaus. Nicht zuletzt wird durch die Lektüre das Bild der Anne Frank für sie wieder lebendig.« Süddeutsche Zeitung, 05.10.2009
Der Sieger bleibt allein
Paulo Coelho
Diogenes Verlag
Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann
Cannes, Filmfestival, 24 Stunden: die Schönen, Mächtigen und Reichen im Scheinwerferlicht. In ›Der Sieger bleibt allein‹ führt uns Paulo Coelho die Abwege vor, auf die man gelangt, wenn man nicht dem eigenen individuellen Lebenstraum folgt, sondern falschen Träumen nachrennt.
Roman, Hardcover Leinen, 512 Seiten
ISBN 978-3-257-06719-4
Erscheint im Okt. 2009
€ (D) 21.90 / sFr 38.90* / € (A) 22.60
»Ein schonungsloses Porträt der Glamourwelt und der oberen Zehntausend ... In ›Der Sieger bleibt allein‹ wird nicht nur nach einem gefährlichen Mörder gesucht, sondern nach echten Werten.« Publishers Weekly
»›Der Sieger bleibt allein‹ greift eine Vielzahl komplexer ethischer Fragen auf, und Coelho verwebt die miteinander verschränkten Handlungsstränge mit der ihm eigenen Meisterschaft. Dabei ist er bestrebt, das Verhalten seiner Figuren nicht zu beurteilen.« El Mundo