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Deutsches SchauSpielHaus

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.

Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Dem Deutschen SchauSpielHaus steht eine Phase umfangreicher Sanierungsarbeiten bevor: Die beiden Ränge des denkmalgeschützten Zuschauersaals müssen vollständig entkernt und statisch ertüchtigt werden.

Aufgrund der Baumaßnahmen wird der Spielbetrieb in der Kirchenallee ab 1/5/2018 unterbrochen und die Spielzeitpause verlängert. Die kommende Spielzeit 2018-19 eröffnet Ende Oktober 2018. Bereits am 13/10/2018 startet das Junge SchauSpielHaus sein Programm. Während der Sanierungsarbeiten stehen auch der MalerSaal, das RangFoyer sowie die Große ProbeBühne nicht für Vorstellungen zur Verfügung.

Während der Rangsanierung sind wir mit vielen Gastspielen unterwegs und spielen in Hamburg u.a. auf Kampnagel, im Monsun-Theater oder der Immanuelkirche auf der Veddel.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Familienprogramm

Robin Hood [8+]

Ein Familienstück von Markus Bothe und Nora Khuon

Uraufführung: 06. Dezember 2018

England hungert. Seit Richard Löwenherz seinem Bruder John die Macht übertrug, um die Kreuzzüge anzuführen, beherrscht Johns Gier das Land. Jeden Penny presst der neue König aus seinem Volk heraus, hortet Reichtümer, so dass die Schatzkammern genauso überquellen wie die Gefängnisse: denn wer nicht zahlen kann, wird in den Kerker geworfen. Doch glücklicherweise gibt es da jemanden, der das nicht hinnehmen will: Robin Hood. Robin ist mutig, klug, tollkühn, schnell, der beste Bogenschütze weit und breit und – nur darf das keiner wissen – ein Mädchen. Vor den Männern Prinz Johns flieht sie in den Sherwood Forest, der voller Räuber und Vogelfreier ist. Als Mann verkleidet bleibt Robin unerkannt und schart eine Horde Gleichgesinnter um sich. Gemeinsam mit ihrer Bande nimmt sie den Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf, luchst Prinz John listig seine Schätze ab, um sie dem Volk zurückzugeben, und wird zum meistgesuchten Mann Englands. Doch ihr Geheimnis lässt sich nicht lange wahren und das eigentliche Abenteuer beginnt. Nach »König Artus« und »Tausendundeine Nacht« wird Markus Bothe erneut das Familienstück inszenieren.

Regie: Markus Bothe
Bühne: Robert Schweer
Kostüme: Justina Klimczyk
Licht: Rebekka Dahnke
Musik: Biber Gullatz
Ton: André Bouchekir, Lukas Koopmann
Video: Marcel Didolff, Antje Haubenreisser
Dramaturgie: Nora Khuon
Theater

Rainer Gratzke oder Das rote Auto

von Jens Rachut

Uraufführung: 15. Dezember 218

Rainer Gratzke hat sich als Proband für Kosmetika, Pillen, Pasten, Salben und andere Mittelchen über Wasser gehalten. Mit Folgen. Er ist todkrank, unheilbar vollgestopft mit Metastasen und mit Medizin, die es nicht geschafft hat, sie zu vernichten; vollgestopft mit dem Gegenteil einer Aussicht, außer der auf einen Verladebahnhof. Tausende Neuwagen auf Güterwaggons, mehr bekommt er durch die Fenster seines Zimmers von der Welt nicht mehr zu sehen. Er hat sich in ein Sterbehospiz begeben, eine dubiose Einrichtung in einem Bunker, betreut von seltsamem Personal. Gerade hat er seinen letzten, tödlichen Cocktail geschluckt. Eine knappe Stunde bleibt ihm noch, sagt die Schwester, so wie dem ganzen Hospiz nur mehr eine Stunde bleibt. „Dann kommen die Schrapper und reißen das hier weg.Der letzte Erlöste. Gratuliere, Herr Gratzke! Also, der Letzte macht das Licht aus und auch die ganzen Dimmer.“
Jens Rachut, Sänger verschiedener Punkbands wie »Dackelblut«, »Oma Hans«, »Alte Sau« und aktuell »Maulgruppe«, Texter, Autor, Darsteller und Regisseur hat einen obskuren Trip durch die letzte Stunde eines Sterbehilfe-Patienten komponiert und wird ihn im MalerSaal selbst inszenieren.

Regie: Jens Rachut
Bühne: Raoul Doré
Kostüme: Lena Schön, Helen Stein
Video: Maika Dresenkamp
Musik: Jonas Landerschier
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

von Edward Albee

Premiere: 18. Januar 2019

Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Ehekrieg erscheint, erweist sich bei genauerer Prüfung als etwas komplizierter: Ein eigentlicher Konflikt zwischen Martha und George, die seit der Uraufführung des Stückes 1962 am Broadway immer wieder in die Arena ihres Wohnzimmers treten, ist nicht einfach zu benennen. Zwar gibt es allerlei Wortgefechte, Beleidigungen, Tiefschläge, die ganze Bandbreite bürgerlichen Ehelebens – die faszinierende Kunst der beiden zunehmend alkoholisierten Protagonist*innen scheint aber gerade darin zu bestehen, Entwurf und Geschichte ihrer komplexen Beziehung ständig zu überarbeiten. Was dabei Fiktion ist und was Wirklichkeit, können nicht nur die beiden ahnungslosen Gäste Nick und Honey nicht entscheiden, auch wir Zuschauer*innen werden darüber im Unklaren gelassen. Konnte man in früheren Zeiten von einer öffentlichen Fassade und den dahinter lauernden Lebenslügen der Eheleute sprechen, verschwimmt hier diese Art Zuordnung völlig: Martha und George sind ein gut eingespieltes Team in einer so kreativen wie vitalen Ehe-Performance. Und ihre eigentlichen Feinde sind möglicherweise die Langeweile einer spießigen Provinz und die Angst vor dem Sterben.

»Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« ist weit mehr als das well-made play, als das es lange galt. Es ist ein Jahrhundertwerk, fulminant in der Wut, rührend in der Traurigkeit, uneinholbar in seiner Unverschämtheit und in seinem Witz.

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Maria Roers
Licht: Annette ter Meulen
Kinderprogramm

Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte 10+

von Anna Woltz

„Vor küssenden Eltern braucht man keine Angst zu haben. Eltern werden erst gefährlich, wenn sie sich nicht mehr küssen.“ Das wissen die 12-jährige Fitz und ihre kleine Schwester Bente jetzt. Ihre Eltern haben ihnen – „netterweise“ am zweiten Weihnachtstag – mitgeteilt, dass sie sich scheiden lassen. Es wäre zwar ganz schön gewesen, eine Familie zu sein, jetzt wollten Vater und Mutter aber doch lieber getrennte Wege gehen. Fitz und Bente sind untröstlich. Sie wollen nicht mit einer „Hin-und-Her-Tasche“ leben müssen.

Doch plötzlich passiert etwas, das ihnen wieder Hoffnung gibt. Durch einen Unfall, bei dem Bente eine Fingerkuppe verliert, muss sie ins Krankenhaus. Die ganze Familie findet sich dort wieder und Fitz kommt auf die Idee, dass ihre Eltern vielleicht einfach eingegipst werden müssen, damit sie wieder zusammen kommen ... Wir erleben nur einen einzigen Tag im Leben von Fitz und ihrer Familie und lernen im Krankenhaus dennoch sehr viele unterschiedliche Figuren und ihre Geschichten kennen. Und Fitz muss feststellen: Obwohl ein Drittel aller Ehen geschieden wird, verlieben sich die Menschen trotzdem immer wieder! Da ist der Krankenpfleger Douwe, der Bentes Fingerkuppe verarztet, Witze über Zombiefilme macht, in denen sie jetzt mitspielen könnte, dessen Haare nach Melone riechen und in den sich Bente verguckt. Da ist die hübsche Krankenschwester Yasmine mit den Segelohren, in deren wunderbare Stimme sich der Arzt Dr. de Gooier verliebt. Da ist Primula, ein kleines Mädchen, das herzkrank ist, und die für Dr. Wong schwärmt, der – nach ihren eigenen Worten – „bei der OP ihr Herz berührt hat“. Und da ist natürlich Adam, der etwas ältere Junge, der da plötzlich am Fenster steht und in den sich Fitz ein kleines bisschen verliebt, was sie aber lange nicht zugeben will ... Vielleicht hat die Liebe doch noch eine Chance verdient? Und vielleicht bleibt man eine Familie, die in Notfällen zusammenhält, auch wenn Mama und Papa kein Liebespaar mehr sind?

Anna Woltz erzählt einfühlsam und glaubwürdig aus der Perspektive einer Pubertierenden von der großen Wut und Enttäuschung, die Trennungskinder erleben. Umso schöner, dass „Gips“ gleichzeitig ein sehr unterhaltsames Buch über Liebe und Freundschaft ist. Zu Recht wurde es für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert.

Regie: Klaus Schumacher
Ausstattung: Katrin Plötzky
Komposition: Tobias Vethake
Dramaturgie: Stanislava Jević
Video: Stefanie Rübensaal
Kinderprogramm

Tiere im Hotel [5+]

von Gertrud Pigor

Der Bär, unumstrittener Chef im Wald, möchte seinen Winterschlaf in diesem Jahr endlich einmal ungestört an einem komfortablen Ort verbringen und bucht eine Suite im Hotel der Tiere, einem Grand Hotel mit dem Charme vergangener Zeiten, in dem der Gast noch König ist. An der Rezeption trägt heute das Kaninchen, Page und Liftboy im Grand Hotel, die alleinige Verantwortung für den reibungslosen Ablauf. Der Hoteldirektor ist verreist und verlässt sich voll und ganz auf seinen Pagen. Als Jahrgangsbester der Hotelfachoberschule sieht sich das Kaninchen auf anspruchsvolle Gäste sehr gut vorbereitet und möchte bei seinem ersten Einsatz in Vertretung des Hoteldirektors alles richtig machen.
Das Kaninchen wartet gespannt auf den angekündigten Gast; eine größere Anlieferung schwerer Koffer lässt auf einen langen Aufenthalt schließen

Kaninchen: „Herzlich willkommen. Wir hoffen, Sie hatten eine gute Anreise und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“

Bär: „Ruhe. Schlüssel.“

Bereits beim Check-in zeigt sich, dass der Bär mit seinen ausgefallenen Sonderwünschen ein mehr als anstrengender Hotelgast sein wird. Übellaunig befiehlt er absolute Ruhe. Keinen Mucks möchte er hören, und das gelte für die gesamte Dauer seines Winterschlafs, der im Übrigen viele lange Monate dauern werde. Sein Frühstück hat der anspruchsvolle Gast gleich mitgebracht: Ein kleines Küken, das über die Wintermonate ordentlich gefüttert und zu einem großen, dicken Huhn herangewachsen soll; wie immer rechne der Bär nach seinem Winterschlaf mit entsprechendem Bärenhunger. ‚Der Gast ist König‘, so hat es das Kaninchen gelernt. Mit einem mulmigen Gefühl nimmt es das Küken in seine Obhut; wenn ihn das kleine Huhn nur nicht so treuherzig anschauen würde!

Überraschend taucht eine Horde Waschbären im Hotel auf. Sie geben sich als Putzkolonne aus und durchstöbern das ganze Hotel. Warum wusste das Kaninchen nichts davon? Was haben die Waschbären vor? Die Hotelruhe ist dahin, der Bär wacht auf, gefährliches Knurren ist aus der Bären-Suite zu hören - und plötzlich ist auch noch das Küken verschwunden.

Ein Stück über das große Abenteuer, eigene Entscheidungen zu treffen und Bären zu zähmen.

Regie: Gertrud Pigor
Bühne: Katrin Plötzky
Kostüme: Hannah Petersen
Komposition: Jan Fritsch
Choreographische Mitarbeit: Tom Bünger
Licht: Jonathan Nacke
Ton: Nicanor Müller van der Haegen , Benjamin Owuso
Dramaturgie: Mathias Wendelin
Theater

Lazarus

Von David Bowie und Enda Walsh

Nach dem Roman »The Man Who Fell To Earth« von Walter Tevis
Deutsch von Peter Torberg / Repertoire

„Look up here, I’m in heaven, I’ve got scars that can’t be seen …“

Thomas Jerome Newton, der Alien, der zur Erde „fällt“, um Wasser für seinen Wüstenplaneten zu finden, hat seine Mission verloren und endet desillusioniert, einsam und zerbrochen. Er möchte sterben, zurückkehren zu den Sternen, doch er ist in sich gefangen, verfolgt von Figuren, die ihn umkreisen, wobei sich – wie im Fiebertraum – die Grenzen zwischen Halluzination und Realität verwischen. Quälende Dämonen suchen ihn auf, aber auch ein Mädchen, das Erlösung verspricht …

1976 spielte David Bowie selbst den Außerirdischen, in der Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers von Nicolas Roeg. Vierzig Jahre später schreibt Bowie die Geschichte Newtons weiter – gemeinsam mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh. Bowie fügt viele seiner großen Songs ein, darunter »Absolute Beginners«, »Heroes« und »This is not America«, aber auch neue Songs, eigens komponiert für das fulminante Musical. »Lazarus« ist, neben dem Album »Blackstar *« Bowies letztes Werk vor seinem Tod 2016.

Regie: Falk Richter
Bühne: Katrin Hoffmann
Kostüme: Andy Besuch
Musikalische Leitung: Alain Croubalian
Licht: Hartmut Litzinger
Video: Chris Kondek
Videomitarbeit: Ruth Stofer
Dramaturgie: Rita Thiele
Korrepetition: Martin Hornung
Vocal Coach: Jane Comerford
Theater

Die Präsidentinnen

von Werner Schwab

In ihrer kleinstbürgerlichen Wohnküche kübeln Erna, Grete und Mariedl hemmungs- und schamlos ihren Welt-Frust über einander aus. Zwischen Abort-Phantasien, Papst-Sendungen und Dackelliebe erspinnen sie sich ihre Wirklichkeit, und die lustvollen, mit Ressentiments und Bigotterie gespickten Sprachattacken sind ihnen Horizont und billig buntes Jahrmarktfest zugleich. Den eigenen Dreck allerdings kehren sie lieber unter ihren Budenteppich – bis endlich Mariedl, die jüngste der drei Damen, ihre Kolleginnen mit der Wahrheit des Daseins konfrontiert. Doch so viel Realität hält keine aus ...
Abgründig, bitterböse und gnadenlos komisch seziert Werner Schwab in seinem längst zum modernen Klassiker avancierten Fäkaliendrama die Welt der kleinen Leute: „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Eine Form von Größenwahn. Ich stamme aus einer Präsidentinnen-Familie.“ Der ungarische Regisseur Victor Bodo, der im Malersaal bereits »Ich, das Ungeziefer« und »Pension zur Wandernden Nase« als rasante Grotesken inszenierte, nimmt sich diesmal das irrwitzige Sprachkunstwerk Werner Schwabs vor.

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Ildi Tihanyi
Kostüme: Fruzsina Nagy
Musik: Klaus von Heydenaber
Video: Marek Luckow
Sounddesign: Gábor Keresztes
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Sybille Meier, Anna Veress
Jugendprogramm

Antigone [14+]

nach Sophokles

in der Übersetzung von Peter Krumme

„Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich geboren.“

Antigones Welt ist aus den Fugen. Ihre Brüder Eteokles und Polyneikes sind im Kampf gegeneinander gefallen. Da erteilt Kreon, ihr Onkel und König von Theben, den Befehl, Eteokles zwar ordnungsgemäß bestatten zu lassen, Polyneikes die letzte Ruhe jedoch zu verwehren und seinen Leichnam unbegraben vor den Toren der Stadt auszusetzen.

Natürlich war Polyneikes ein Staatsfeind, denn er kämpfte gegen die Stadt. Aber wie soll Antigone es ertragen, den geliebten Bruder unbestattet, im Unfrieden mit den Göttern, den Tieren zum Fraß vorgeworfen verrotten zu sehen? Entschlossen setzt sie sich über den Befehl des Onkels hinweg und begräbt den „Feind“ – obwohl darauf die Todesstrafe steht. Sie überwindet ihre Angst, folgt ihrem Herzen und tut, was in ihren Augen getan werden muss. Doch die Staatsmacht greift ein und schnell verhärten sich die Fronten: Antigone appelliert an Kreons Mitgefühl und die Einhaltung der göttlichen Gebote. Kreon fordert Staatsraison und die Einhaltung der weltlichen Gesetze. Ein unlösbarer Konflikt. Keiner kann nachgeben. Und das Unvermeidliche tritt ein …
Mit dem 442 v. Chr. uraufgeführten Text schuf Sophokles einen zeitlos aktuellen Bühnenstoff, der ins Herz des Menschseins trifft. Familie und Staat, Individuum und Gemeinschaft, Gesetz und Moral sind lebendige Verhältnisse, die immer wieder neu bestimmt, ausgehandelt und erstritten werden müssen, auch wenn es uns Menschen viel abverlangt. Antigone fügt sich dem System nicht blind, sie leistet Widerstand und steht bis zur äußersten Konsequenz für ihr Handeln ein. Sie zeigt uns, dass es unser gutes Recht ist, für unsere Überzeugungen zu kämpfen – aber auch unsere Pflicht!

Regisseurin Anne Bader, die mit „Wir ohne uns“, „Krieg – Stell dir vor er wäre hier“ und „Apathisch für Anfänger“ bereits einige Arbeiten für das Junge Schauspielhaus realisierte, wird „Antigone“ inszenieren.

Regie: Anne Bader
Bühne: Katrin Plötzky
Musik: Matthias Schubert
Dramaturgie: Friederike Engel
Theater

Der zerbrochne Krug

von Heinrich von Kleist

Richter Adam vertritt die Staatsmacht und die Justiz im kleinen Huisum – Kleists fiktivem ,Weltdorf‘, in dem sich wie in einer grotesken Miniatur der Konflikt zwischen modernem Ordnungssystem und realer Lebenswirklichkeit spiegelt. Nicht nur der genusssüchtige und erpresserische Dorfrichter lügt und betrügt um des eigenen Vorteils willen was das Zeug hält, auch Marthe Rull und ihre Tochter Eve, ihr Bräutigam Ruprecht und der Schreiber Licht verstricken sich in einem Netz der Täuschungen. Der Gerichtsprozess um den zerbrochenen Krug wird zur Farce, da der Ermittler auch der Täter ist – ein Motiv, das sich von Sophokles‘ »König Ödipus« bis zu gegenwärtigen Krimis durch die Literatur- und Mediengeschichte zieht. Kleist siedelt sein Spiel vom Sündenfall des ,neuen Adam‘ im bürgerlichen politischen System an – als aberwitzige Komödie.

Regie: Michael Thalheimer
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Michaela Barth
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Jörg Bochow
Licht: Annette ter Meulen, Holger Stellwag
Theater

Der goldene Handschuh

von Studio Braun nach dem Roman von Heinz Strunk

In der Vierundzwanzigstundenkaschemme »Zum Goldenen Handschuh« auf St. Pauli tummelt sich die unterste Unterschicht, die infernale Nachtwelt Hamburgs. Unter ihnen Fritz Honka, der hier auf die geschundenen Seelen trifft, die später seine Opfer werden.

„Er stellt sich eine andere Welt vor, in der er selbst jung und gesund und sein Atem angenehm ist und er einer nach Rosen duftenden Frau mit reiner Haut, schönem Gebiss, einem makellosen Körper den Himmel auf Erden bereitet. Ein katastrophales Glücksverlangen überfällt ihn. Er hofft auf ein Wunder, aber das tut er ja die ganze Zeit schon.“

Ein paar Kilometer weiter westlich, in der reichen Elbchaussee, sinnt der bald achtzigjährige Reeder Wilhelm Heinrich von Dohren, genannt WH1, auf Rache an der Hamburger Gesellschaft. Sein Sohn, WH2, blickt derweil dem Konkurs ins Auge und ertränkt den Kummer in Schnaps und billigem Sex. Der Jüngste, WH3, gepeinigt von einer fiesen Kombination aus ausufernder Libido und körperlicher Deformation, kann hingegen sein Glück kaum fassen: Er hat ein Mädchen kennengelernt, das ihn nicht ignoriert ...

Heinz Strunk hat einen preisgekrönten Roman über den Altonaer Frauenmörder Fritz Honka und die abseitigen Facetten des Hamburgs der Nachkriegsjahre geschrieben.

Studio Braun – alias Jacques Palminger, Rocko Schamoni und Heinz Strunk – hieven die monströse Geschichte in einer Revue aus Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen auf die Bühne.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Musik: Studio Braun, Lieven Brunckhorst, Sebastian Hoffmann
Choreografie: Rica Blunck
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Foxi, Jussuf, Edeltraud

von und mit Markus John

Foxi (59, Taxifahrer):
"Man soll nie so sich unterschätzen selber ‒ man is nix ‒ das is ein Fehler!"

Jussuf (48, Museumswärter):
"Meine Mutter ist für mich praktisch alles."

Edeltraud (74, Vorstandswitwe):
"Ich will auch gar keine Rolle spielen, oder so. Es ist einfach: ich bin ich und das genügt."

An diesem Abend kommt kein Autor zu Wort. Das gesamte Textmaterial basiert auf Interviews, die Markus John persönlich mit Menschen geführt hat, die er zufällig ausgewählt und vorher nicht gekannt hat. Dabei kommen authentische Lebensgeschichten heraus; Menschen äußern sich in einer Sprache, die sonst auf dem Theater wenig Gehör findet. Es zeigt sich, wie komplex das Leben der Einzelnen ist: Es geht um positive Gene, Picasso und Zuhälterei, DDR, Demenz und Schwulsein, um Integration und Knast und Krebs und Krupp, Boxerbuden, uneheliche Kinder, Schlägereien, um Stalingrad, Provinz und Offenheit.
Es zeigt sich, wie wichtig das Zuhören ist und welche Kraft die Texte dabei entwickeln. Der Abend verzichtet bewusst auf große Theatermittel und besticht durch seine Reduktion auf das Wesentliche, getreu einem Zitat von Jim Jarmusch: „Ich würde lieber einen Film über jemand machen, der seinen Hund ausführt, als über den Kaiser von China.“

von und mit: Markus John
Dramaturgie: Götz Leineweber
Theater

König Lear

von William Shakespeare

Ein König dankt ab. Sein Reich will er unter den drei Töchtern aufteilen. Doch nicht die jeweilige Eignung der potenziellen Thronfolgerinnen für das Regierungsgeschäft soll dafür ausschlaggebend sein, sondern die Liebe der Töchter zu ihrem Vater. Der Staatsakt gerät zur Inszenierung persönlicher Gefühle, zum Wettstreit in der Kunst der Liebesdarstellung. Nur Cordelia, die jüngste, von Lear am meisten geliebte Tochter verweigert sich dem öffentlichen Gefühlstheater und schweigt. Indem sie der Sehnsucht ihres Vaters nach persönlicher Zuneigung am authentischsten entspricht, zieht sie seine ganze Wut auf sich. Lear verstößt sie. Er teilt das Reich zwischen ihren beiden Schwestern und setzt so eine Katastrophe in Gang, an deren Ende Gewalt, Chaos und Wahnsinn stehen.
Shakespeares wohl düsterstes Drama erzählt von der Selbstzerstörung einer Welt, die ihren Bewohnern – allen voran dem gealterten König selbst – unlesbar geworden ist. Zeichen der Macht und Zeichen der Liebe überlagern sich, verschwimmen und entziehen sich jeder Deutung. Grenzen verflüssigen sich, Regeln wirken hohl und Rituale lächerlich. Form und Inhalt der eigenen Existenz – soziale Rolle und persönliches Empfinden, Selbstentwurf und Selbstverwirklichung – klaffen so unüberbrückbar auseinander, dass der Sturz in einen apokalyptischen Naturzustand als fataler Ausweg erscheint.

Regie: Karin Beier
Bühne und Kostüme: Johannes Schütz
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Annette ter Meulen
Dramaturgie: Christian Tschirner
Theater

Schlafende Männer

von Martin Crimp

Eine großstädtische Wohnung mit gefährlichem Balkon und tollem Ausblick. Julia und Paul, zwei sehr erfolgreiche Mittvierziger, haben sich darin eingerichtet. Auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren und dem Tiefpunkt der Beziehung verbringen sie eine schlaflose Nacht. Auch ein Kind wäre nicht die Rettung gewesen, so der scharfsinnig analytische Kommentar der Akademikerin Julia. Es ist zwei Uhr morgens. Niemand ist zu erwarten, nichts deutet auf eine Veränderung hin. Da klingelt es an der Tür, und die jüngst eingestellte Mitarbeiterin in Julias Institut, Josephine, steht mit ihrem Mann Tilman in der Wohnung – auf Einladung der Hausherrin, ihrer Vorgesetzten, wie sie behauptet. Doch lässt sich der Zettel mit der Nachricht ebenso wenig finden, wie es etwas zu trinken im Haus gibt.
Eine Nacht der unheimlichen Begegnungen hebt an, in der sie einander vieles gestehen und doch keine Wahrheiten zulassen, sich gegenseitig bloßstellen und dennoch begierig anmachen. Es fließen Blut und Alkohol und doch scheint alles nur ein Spiel unter Geschlechtern und Generationen, um Macht und Manipulation – oder doch um Leben und Tod?

Martin Crimp hat sein neues Stück für eine weitere Uraufführung in der Regie von Katie Mitchell geschrieben. Damit setzen sie ihre äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit am SchauSpielHaus Hamburg fort. Die Uraufführung von Martin Crimps »Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino« in der Inszenierung von Katie Mitchell 2013-14 wurde in der Kritikerumfrage von »Theater heute« zum besten fremdsprachigen Stück der Saison gewählt.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Sounddesign: Donato Wharton
Licht: Fabiana Piccioli
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Rose Bernd

von Gerhart Hauptmann

Rose Bernd glaubt, den einzigen Fehltritt, den sie sich je in ihrem jungen Leben geleistet hat, ganz alleine wieder gutmachen zu können. So willigt sie ein in die Heirat mit dem unattraktiven, aber begüterten August Keil, dem Wunschkandidaten ihres religiös rigorosen Vaters. Und sie beendet ihr heimliches Liebesverhältnis mit dem verheirateten Flamm. Niemand ahnt von ihrer Schwangerschaft. Doch zufällig ertappt der Schwerenöter Streckmann die beiden bei ihrem letzten Stelldichein. Noch ist sie überzeugt, sich selbst aus ihrer Not befreien zu können: Sie lässt sich auf die körperliche Erpressung des gewalttätigen Streckmann ein, bloß, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Doch zuletzt zerbricht sie an der gnadenlosen Härte dieser männerdominierten und moralisch fadenscheinigen Welt, unter deren Oberfläche jeder wie ein Tier nur nach dem eigenen Vorteil giert. Rose Bernd weiß sich – dem Wahnsinn nahe – keinen anderen Ausweg, als ihr neugeborenes Kind zu töten.

Gerhart Hauptmanns Meisterwerk von 1903 gleicht einem Krimi Noir. Die dialektgefärbte Kunstsprache erzeugt eine dichte düstere Atmosphäre, die mit tragischer Wucht erst nach und nach die verhängnisvollen Ereignisse enthüllt, die Rose Bernd durchleiden muss. Inmitten einer Gesellschaft, die in ihrer gefühlskalten Habgier und selbstgerechten Engstirnigkeit ein erdrückendes Klima aus Gewaltbereitschaft und Unmenschlichkeit erzeugt, rührt ihr einsamer Kampf zutiefst.

Regie: Karin Henkel
Chorleitung: Christine Groß
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Arvild J. Baud
Licht: Hartmut Litzinger
Ton: Christoph Naumann, Roman Schneider
Video: Marcel Didolff, Alexander Grasseck
Dramaturgue: Sybille Meier
Theater

4.48 Psychose

von Sarah Kane

Regelmäßig um 4:48 Uhr lässt die Wirkung der Psychopharmaka nach. Das Gehirn ist für kurze Zeit in der Lage, klare Gedanken zu artikulieren. Danach, für den Rest des Tages bis zum nächsten Morgen, übernehmen psychotische Störungen und neue Medikamente wieder die Kontrolle über das Bewusstsein. Gesprächsfetzen tauchen auf, Zahlenreihen, Wortkaskaden, Diagnosen, therapeutische Gespräche und immer wieder Bilder von Suizidversuchen. Sarah Kane, eine der bedeutendsten Dramatikerinnen des 20. Jahrhunderts, gibt in »4.48 Psychose« Einblick in ein sich immer wieder dissoziierendes Bewusstsein zwischen Depression, verzweifelter Suche nach Liebe und exzessiver Begierde. Der literarisch hochverdichtete Text mit seiner Flut von Bildern und Assoziationen erzählt von Kampf und Auflösung eines Menschen mit psychischer Erkrankung. Gleichzeitig kann er als kompromisslose Beschreibung der Fragmentierung von Subjekt und Perspektive in der Moderne gelesen werden.

Regie: Katie Mitchell
Bühne: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Sound: Donato Wharton
Licht: Jack Knowles
Dramaturgie: Christian Tschirner
Theater

Anna Karenina - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nach Lew Tolstoi

Mindestens 100 Minuten, aber nicht länger als 119 Minuten. Bestimmt keine Pause.

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Ob das so stimmt, oder ob nicht vielleicht sogar das Gegenteil der Fall ist, lässt uns der russische Schriftsteller Lew Tolstoi in seinem Jahrtausend-Werk »Anna Karenina« ergründen. Die Protagonistin des Romans ist eine der drei namhaften Ehebrecherinnen des 19. Jahrhunderts, die im Verstoß gegen gesellschaftliche Gepflogenheiten an ihrer leidenschaftlichen Liebe zu einem anderen als ihrem Ehemann zugrunde gehen muss.

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk setzen ihre Serie des menschlichen Scheiterns im MalerSaal des SchauSpielHauses fort. Die neue Folge ihrer hochgeschätzten Radioshow »Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur« widmen sie dieses Mal der Titelheldin aus Russland, die es ziemlich genau 20 Jahre vor Effi Briest und ungefähr 20 Jahre nach Emma Bovary mit eben dergleichen Geschichte zu eben demselben Weltruhm gebracht hatte.

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Der Kaufmann von Venedig

Komödie von William Shakespeare

Es herrschen goldene Zeiten in der Republik Venedig. Die Kapital- und Warenströme fließen, die Welt rückt zusammen, die Schuldenberge wachsen, und bis es zu dem fatalen Handel zwischen dem christlichen Kaufmann Antonio und dem verachteten jüdischen Geldverleiher Shylock kommt, scheinen alle darauf zu vertrauen, dass dies ewig so weitergehen wird.

Ein Pfund Fleisch von Antonios Körper fordert Shylock, falls der Kredit, den er ihm gewährte, nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden kann. Der Zahltag bricht an, Antonios Untergang scheint unvermeidlich, denn Shylock dringt nun unbarmherzig auf die Begleichung der Schuld. Von Gnade will der verspottete und diskriminierte Jude nichts wissen. Sein Insistieren auf die Rechtsgültigkeit seines Anspruchs wird vor dem christlichen Gericht allerdings mit einem juristischen Kniff aus der Trickkiste des Kasperletheaters beantwortet; der entrechtete Shylock steht einmal mehr als armer Teufel und Verlierer da.

»Der Kaufmann von Venedig« enthält in den Figuren des selbstlos liebenden Kaufmanns Antonio, des unbarmherzigen Wucherers Shylock, als auch in der Konstruktion des Gerichtsprozesses, in dem Shylock den Part des kapitalistischen Sündenbocks zu spielen gezwungen wird, alle Zutaten des europäischen Antisemitismus. Zugleich entfaltet Shakespeare facettenreich und beispielhaft das dialektische Verhältnis einer christlichen Mehrheitsgesellschaft zu einer diskriminierten jüdischen Minderheit. Wo und wann immer an den Heilsversprechen von Kapitalismus und Globalisierung gezweifelt wird, erwachen offenbar die alten identitären Stammesmuster von der eigenen Anständigkeit und der Barbarei „der ewig Anderen“ zum Leben und fordern die Opferung von Sündenböcken.

Regie: Karin Beier
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Eva Dessecker
Musik: Jörg Gollasch
Ton: Hans-Peter ›Shorty‹ Gerriets, Lukas Koopmann
Licht: Annette ter Meulen
Dramaturgie: Christian Tschirner
Theater

Die Wehleider

nach Motiven aus Maxim Gorkis "Sommergäste"

Merkwürdige Menschen sind es, die in einer Turnhalle kampieren. Peinliche Europäer, die Integrationskurse für die vage wahrgenommenen Menschen, die über die Grenzen kommen, üben? Oder geht es um die eigene Zukunft und die eigenen Grenzen? Ist die Turnhalle ein Luxusresort, in dem das Lager, das Warten und Verhöre zur Feststellung der Identität als Übungen zelebriert werden? Geht es um Simulation oder Freizeitgestaltung?
Christoph Marthaler und Anna Viebrock werden für das Lager der Europäer und die neuen Klassenkämpfe Motive aus Maxim Gorkis »Sommergäste« verwenden. Es ist eine Gesellschaft im Stillstand und in beängstigender Hektik, gesteuert von untergründiger Angst vor dem Absturz und der Veränderung aller Verhältnisse. Die einen verteidigen einen Status quo, die anderen wollen ihn – allerdings nur fiktiv – auflösen. Viel Gerede und Überformung der Ängste verdrängt, was in Wirklichkeit stattfindet. Außerhalb finden Katastrophen statt, die von den Turnhallenbewohnern genauso wenig wahrgenommen werden, wie alles, was die Fiktion des guten Europas stört. Doch die Vertreter dieser Fiktion werden sich in der Zukunft für Verbrechen an den Grenzen, in den Lagern, für die unsinnige Verteidigung eines Wohlstands für Wenige, legitimieren müssen.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne und Kostüme: Anna Viebrock
Dramaturgie: Stefanie Carp
Licht: Annette ter Meulen
Inspizienz: Felicitas Melzer
Ton: Heiko Jooß, Christoph Naumann
Theater

Effi Briest - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Clemens Sienknecht und Barbara Bürk

nach Theodor Fontane

„Effi Briest schaukelt mit Elektra, Medea, Penthesilea und deren drei Schwestern Nora, Lulu und Franziska im Kirschgarten und spielt Verstecken. Ihre couragierte Mutter, Lady Macbeth, kündigt Geert von Innstetten an, der im Biberpelz und seidenen Schuhen erscheint und um Effis schmutzige Hände anhält. Geert, der unlängst eine Liebelei mit Sara Sampson hatte, zieht nach der Hochzeit mit Effi in Bernarda Albas Haus nach Damaskus oder Andorra. Effi wird schwanger, die heilige Johanna wird geboren und Fräulein Julie und Hedda Gabler werden die Zofen. Die schöne Aussicht, die Hoffnung auf Glaube und Liebe, auf glückliche Tage, endet mit zerbrochenen Krügen: Effi beginnt mit dem Revisor Crampas eine Affaire Rue de Lourcine. Was folgt, ist ein Totentanz, ein böses Frühlings Erwachen aus dem Sommernachtstraum.“ (Clemens Sienknecht)

Regie: Clemens Sienknecht
Künstlerische Mitarbeit: Barbara Bürk
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Sybille Meier
Theater

Junk

von Ayad Akthar

„Das hier ist eine Geschichte über Könige, oder was man heutzutage so für Könige hält. Mitte der achtziger Jahre. 1985, um genau zu sein. Ich schrieb für Forbes und fürs Wall Street Journal. Gerede über Geld war ich gewöhnt. Aber 1985 drängte sich der Eindruck von etwas Neuem auf. Etwas Aggressivem und Angriffslustigem. Da kam so ein fanatischer Eifer in den Blick der Leute. Als ob eine neue Religion entsteht …“

Robert Merkin, Investmentbanker bei »Sacker Lowell«, ist auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Das »Time Magazine« feiert ihn auf der Titelseite als „Amerikas Alchimist “, der aus Schulden Geld macht. Binnen kürzester Zeit hat er fernab der Aufmerksamkeit großer Banken, Wall Street und Justiz Milliarden erwirtschaftet und das verstaubte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Sein Vorgehen ist so revolutionär wie aggressiv: mit Junk-Bonds – sehr riskanten und hoch verzinst en „Schrott anleihen“ – ködert er Investoren mit satt en Gewinnen und sichert diese mit den Werten des Unternehmens ab, das er angreift. Die Zerschlagung der Firmen und die Entlassung tausender Mitarbeiter sind dabei Kollateralschäden, die nach Merkins Ansicht unvermeidbar sind, um in Zeiten von Globalisierung und aufblühender Konkurrenz in Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben.
Merkins nächst es Ziel soll der „Deal des Jahrzehnts“ werden: der Stahlgigant »Everson Steel«, Dow-Jones-Unternehmen und heilige Kuh der amerikanischen Wirtschaft. Sein Team ersinnt eine Angriffstaktik aus Intrigen, Täuschungen und die Grenzen der Legalität überschreitenden Manipulationen. Auf der Gegenseite formiert sich der Widerstand. »Everson Steel« entwickelt Verteidigungsstrategien, Banken und Wirtschaftseliten fürchten um den Status Quo und steigen in den Poker ein, die Staatsanwaltschaft beginnt sich für den Fall zu interessieren und eine Journalistin steht kurz davor, die illegalen Machenschaft en Merkins aufzudecken.
Ayad Akhtars Wirtschaftsthriller beruht auf den wahren Begebenheiten um den „Junk-Bond-King“ Michael Milken, der in den 80er Jahren, dem „Jahrzehnt der Habgier“, den Finanzmarkt irreversibel veränderte und so viel verdiente, wie vor ihm nur Al Capone. Die Entkoppelung des Finanzsektors von der Realwirtschaft, die Milken lostrat, ist verantwortlich für die völlige Entfesselung der Finanzwirtschaft und die daraus resultierenden globalen Wirtschaftskrisen der letzten 30 Jahre.

Nach den Erfolgen von »Geächtet« und »The Who and the What« ist »Junk« die dritte deutschsprachige Erstaufführung Akhtars am Deutschen SchauSpielHaus.

Regie: Jan Philipp Gloger
Bühne: Marie Roth
Kostüme: Karin Jud
Musik: Kostia Rapoport
Videodesign: Sami Bill
Video: Alexander Grasseck
Ton: André Bouchekir, Christoph Naumann
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Bastian Lomsché
Theater

Übermann oder Die Liebe kommt zu Besuch

von Christoph Marthaler nach Alfred Jarry

Doppeltitel, die mit einem ODER verbunden werden, sind ja leider keine Seltenheit. Was genau sie ausdrücken sollen, bleibt meist ein wenig nebulös. Zu unterstellen wäre, dass die Urheber Freude an mehreren Titelmöglichkeiten hatten und sich schlicht nicht entscheiden konnten. In Christoph Marthalers neuer Inszenierung jedoch verhält es sich ganz anders. ODER bedeutet hier tatsächlich ODER. Was wiederum die sieben auf der Bühne versammelten Damen dazu auffordert, eine unwiderrufliche Wahl zu treffen: ENTWEDER »Übermann« ODER »Die Liebe kommt zu Besuch«. Eine Prognose zum Wahlausgang erscheint in diesem Fall vergeblich. Denn während die erste Option den Auftritt eines Herrn in Aussicht stellt, der im wirklichen Leben den Namen Dschingis Khan trägt und als mongolischer Heerführer Verwüstungen historischen Ausmaßes zu verantworten hat, so erscheint im zweiten Fall der tatsächliche Besuch der Liebe schlicht unrealistisch. Vielleicht hilft bei der Entscheidungsfindung eine ebenfalls anwesende pataphysische Gottheit, die in der Nachfolge des französischen Schriftstellers Alfred Jarry (1873-1907) die „Wissenschaft von den imaginären Lösungen“ vorantreibt. Und da in der Pataphysik stets nur der ungewöhnliche Einzelfall untersucht wird, also genau das, was nicht allgemein gültig, sondern immer nur im Besonderen die Regel ist, könnte es durchaus sein, dass die Damen sich letztlich weder für den Übermann noch für die Liebe auf Besuch entscheiden, sondern für das Verbindungswort ODER, welches aus pataphysischer Sicht am allerinteressantesten erscheint. Oder?

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Anna Viebrock
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Annette ter Meulen
Ton: Matthias Lutz, Christoph Naumann
Video: Marcel Didolff, Peter Stein
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Theater

Pension zur Wandernden Nase

nach Motiven von Nikolaj Gogol

Wenn aus einer Kutsche plötzlich eine uniformierte Nase steigt – und noch dazu die eigene – oder wenn ein Toter auf der Suche nach seinem gestohlenen Mantel den Menschen die Pelze von den Schultern reißt, wenn sich eine Frau vervielfacht und gänsegesichtig überall herumhockt oder wenn das Porträt eines Greises nachts aus dem Bilderrahmen klettert, dann befinden wir uns in der Welt Gogols, in der es von finsteren Gestalten, irrationalen Begebenheiten und grotesken Szenerien nur so wimmelt. Das Böse ist so banal wie teuflisch, so unlogisch wie lächerlich, und wer ihm erst begegnet, wird es mit der Angst zu tun kriegen oder gleich mit dem Leben bezahlen. Denn die korrupten, kleinmütigen und persönlichkeitsfixierten Bürger verschwinden gerne im Nebel ihrer Stadt, sobald es brenzlig wird.

Nach der Kafka-Adaption »Ich, das Ungeziefer« werden der mit dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnete ungarische Regisseur Victor Bodo und der Dramatiker Péter Kárpáti diesmal einen Theaterabend aus Gogols Meistererzählungen schaffen.

Regie: Victor Bodo
Bühne: Juli Balázs
Kostüme: Krisztina Berzsenyi
Musik: Klaus von Heydenaber
Tondesign: Gábor Keresztes
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Sybille Meier, Anna Veress
Aufführungen / Theater Schauspielhaus Zürich Zürich, Rämistrasse 34
Aufführungen / Konzert Berliner Philharmoniker Berlin, Herbert-von-Karajan-Str. 1
Aufführungen / Theater Theater an der Wien Das neue Opernhaus Wien, Linke Wienzeile 6
Aufführungen / Theater Schauspiel Köln Köln, Schanzenstr. 6-20
Aufführungen / Konzert Philharmonie Luxembourg Luxembourg, 1, Place de l'Europe
Aufführungen / Konzert Duisburger Philharmoniker Duisburg, König-Heinrich-Platz
Aufführungen / Theater Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Aufführungen / Theater Theater Konstanz Konstanz, Konzilstraße 11
Aufführungen / Theater Staatsschauspiel Dresden Dresden, Theaterstraße 2
Aufführungen / Konzert Gürzenich-Orchester Köln Köln, Bischofsgartenstr. 1
Aufführungen / Oper Wiener Staatsoper Wien, Opernring 2
Aufführungen Glocke Bremen Bremen, Domsheide 6-8
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Aufführungen / Theater Vorarlberger Landestheater Bregenz, Seestr. 2
Aufführungen / Theater Lofft Leipzig Leipzig, Lindenauer Markt 21
Aufführungen / Theater Theater im Pfalzbau Ludwigshafen Ludwigshafen, Berliner Str. 30
Aufführungen / Oper Oper Köln Köln, Offenbachplatz
Aufführungen / Theater Theater Erfurt Erfurt, Theaterplatz 1
Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 3