STAATSTHEATER KASSEL - OPERNHAUS

Spielzeit 2017/18

Jenufa

Oper in drei Akten von Leoš Janáček

Premiere: 10. Februar 2018, Opernhaus

Dem rigiden Sittenkodex ihres Dorfes entsprechend, empfindet es Jenufa als Schande, was sie verschweigt: dass sie vor der Verheiratung mit Stewa ein Kind von ihm empfangen hat. Dass dieses Kind dann getötet wird, bringt nicht nur die Küsterin, Jenufas Ziehmutter, an den Rand des Wahnsinns. Letztlich tragen hier alle zum Verhängnis Jenufas bei: ihre neurotische Stiefmutter, ihr unzuverlässiger Liebhaber Stewa, der in sie verliebte Außenseiter Laca, die beschränkte Gesellschaft des Dorfes.

Grundlegende Fragen ergeben sich daraus: Kann ein Mensch in solch einer Gemeinschaft überhaupt frei handeln? Was ist dabei als Reflex des sozialen Druckes zu werten? Welches Moralverständnis greift angesichts der Tragik der Küsterin, für die Pflichterfüllung die einzige Garantie bedeutet, akzeptiert zu werden? Sie zerbricht nach dem Mord an Jenufas Kind am inneren Konflikt zwischen Glaubensüberzeugung und Geltungsbedürfnis. Nicht Realität an sich wird somit rekonstruiert, sondern die subjektive Realität der einzelnen Figuren, »nicht die Küsterin als Bühnengestalt, sondern die Küsterin dieses schicksalsvollen Augenblicks« formulierte Janáček. Er vertonte Preissovás Prosatext als Melodie des gesprochenen Wortes, die in der Volksmusik verwurzelt ist. In fortwährender Vorwärtsbewegung zwischen ruhigem Fließen und wildbewegtem Fortstürzen malte der tschechische Komponist ein bedrückendes Seelendrama, in das wir schon vom ersten Augenblick an mit beklemmender Intensität hineingezogen werden.

Musikalische Leitung: Francesco Angelico
Inszenierung: Markus Dietz
Bühne: Mayke Hegger
Kostüme: Henrike Bromber
Video: Michael Lindner
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing / Christian Steinbock
Licht: Bettina Frank / Brigitta Hüttmann
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 23.2.2018, 19:30 |
Mi, 28.2.2018, 19:30 |
Do, 8.3.2018, 19:30 |
Sa, 10.3.2018, 19:30 |
So, 1.4.2018, 18:00 |
So, 8.4.2018, 18:00 |
Di, 24.4.2018, 19:30 |
Do, 14.6.2018, 19:30 |
Do, 21.6.2018, 19:30 |

The Rake's Progress

Oper in drei Akten von Igor Strawinsky

Premiere: 24. März 2018, Opernhaus

Geld verdirbt den Charakter? So will es der Volksmund wissen und so ganz Unrecht hat er damit wohl nicht. Doch nicht allein der Mammon ist es, der Tom Rakewell in die Schranken seiner Existenz verweist. Es ist vor allem sein Hang zur Leichtfertigkeit, der ihn Dinge tun lässt, die diametral zu seinem Glücksprojekt stehen, welches sich in Gestalt der graziösen Anne Trulove (die ihrem Namen wahrlich Ehre macht, liebt sie doch ehrlich!) doch so einfach verwirklichen ließe. Und als wäre es damit nicht genug der Schwächen, trifft Tom ausgerechnet in dem Moment seines Lebens, in dem er den richtigen Weg beschreiten könnte, einen Fremden mit Namen Nick Shadow, der ihn mit zahlreichen Verheißungen in den Sündenpfuhl Londons lockt. Tom schließt sich dem modern-zynischen Mephistopheles an, während zur gleichen Zeit die tapfere Anne beschließt, ihm in die Großstadt zu folgen.

Igor Strawinskys Oper The Rake´s Progress, die auf einen Bilderzyklus von William Hogarth aus dem Jahre 1735 basiert, bildet die zwischenmenschlichen und sozialen Abgründe mittels einer geradlinig-ausgedünnten, passagenweise nachgerade nüchternen Klangsprache deutlich ab. In zehn Szenen entwickelt Strawinsky ein Psychogramm der verstörten menschlichen Seele(n), das zugleich Züge der Groteske und der grellen Überblendungen trägt, den traurigen Tom aber schließlich in den Wahnsinn treibt. Selbst die Liebe der keuschen Anne konnte ihn nicht bewahren. Tom stirbt. Der Teufel hat gesiegt. Aber nur dieses eine Mal.

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann
Inszenierung: Paul Esterhazy
Bühne und Kostüme: Mathis Neidhardt
Dramaturgie: Christian Steinbock
Licht: Albert Geisel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 20.3.2018, 19:00 | Voraufführung |
Sa, 24.3.2018, 19:30 | Premiere |
Sa, 31.3.2018, 19:30 |
Fr, 6.4.2018, 19:30 |
So, 15.4.2018, 16:00 |
Mi, 18.4.2018, 19:30 |
Fr, 27.4.2018, 19:30 |
Sa, 5.5.2018, 19:30 |
Fr, 11.5.2018, 19:30 |
So, 20.5.2018, 18:00 |

West Side Story

von Leonard Bernstein

Nach einer Idee von Jerome Robbins | Buch von Arthur Laurents
Gesangstexte von Stephen Sondheim

Als moderne Adaption von Shakespeares ROMEO UND JULIA erzählt WEST SIDE STORY natürlich die Geschichte der tragischen Liebe. Aber das wahrscheinlich berühmteste Musical der Welt, dieser Versuch einer »amerikanischen Oper«, zeichnet sich vor allem durch seine Vielseitigkeit aus. Migration und Heimat, Jugendliche ohne Perspektiven auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, ratlose Erwachsene, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Fanatismus, der zu tödlicher Gewalt führt, und Vergebung, die vielleicht einen Ausweg bieten kann, sind Themen, denen die Protagonisten ausgesetzt sind. // Tony, der Anführer der Jets, einer alteingesessenen Straßengang, liebt Maria, die Schwester von Bernardo, dem Anführer der neu zugezogenen Sharks. Die Revierkämpfe in der New Yorker Westside werden immer brutaler, bis Tony Marias Bruder im Affekt ersticht. Obwohl sie ihm verzeihen kann, wird Tony Opfer von Willkür, Intrige und Rachsucht. // Die Schöpfer des Musicals wollten diese Geschichte in einer neuen Form erzählen, die weder Oper noch Ballett oder Schauspiel, sondern eine gleichbedeutende Kombination der drei Kunstformen sein sollte. Daraus entstand ein musikalisch höchst anspruchsvolles Stück, in dem dramatische Arien, witzig-kritische Songs, rasante Tanznummern und schnelle Dialoge in einer künstlichen Jugendsprache in ein ergreifendes Finale münden – die Jugendlichen stehen mit der trauernden Maria um Tonys Leiche. // Aber im Gegensatz zu Shakespeares Julia legt sich Maria am Ende nicht zum Sterben neben ihren Geliebten. Sie steht auf und geht mit den anderen erhobenen Hauptes in eine Zukunft, die möglicherweise eine Versöhnung bringen könnte.

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann
Inszenierung: Philipp Rosendahl
Choreografie: Volker Michl
Bühne: Daniel Roskamp
Kostüme: Brigitte Schima
Sounddesign: Heiko Schnurpel
Dramaturgie: Christian Steinbock
Licht: Albert Geisel

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 24.2.2018, 19:30 |
Fr, 2.3.2018, 19:30 |
Sa, 3.3.2018, 19:30 |
So, 11.3.2018, 18:00 |
Do, 10.5.2018, 19:30 |

CIPOLLINO - Die Geschichte vom Zwiebelchen

Ballettmärchen für Kinder

Es war einmal eine Stadt - eine Stadt in der nur Obst und Gemüse wohnten. Aber auch dort herrschte nicht nur Freude. Königin Zitrone war eine gemeine Herrscherin, ihre Gesetze furchtbar ungerecht und dienten nur ihrem eigenen Vorteil. Eines Tages tritt Cipollino aus Versehen auf den Fuß der Königin, noch bevor er bestraft werden kann, ergreift er die Flucht. Aber nun muss seine Mutter für ihn büßen... Cipollino schließt sich mit seinen Freunden zusammen und gemeinsam schmieden sie einen Plan, um die Stadt zu befreien.

Schülerinnen und Schüler der Ballettschule Ho zeigen das Ballettmärchen Cipollino.

Ort:

Opernhaus

Termin:

So, 25.2.2018, 19:30 |

Lucio Silla

Dramma per musica in drei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

1768 bis 1772: Das bedeutete für diesen Komponisten sechs Opern in vier Jahren. Für seine und die etwas spätere Zeit gehörte es zum Schaffens-Alltag (denken wir an Rossini: 39 Opern in 19 Jahren oder an Verdis berühmt-berüchtigte »anni di galera«, was für den italienischen Großmeister bedeutete: Komponieren, ausgerichtet am Bedarf der damaligen Opern-Industrie, also schnell – meisterliche Opern sind es geworden, Verdi beklagte die Zeit als »Galeerenjahre«).
Aber das Alter! Wer außer ihm schrieb überhaupt schon Opern in diesem Alter? Und kurz darauf schon die, die bis heute die Ranglisten der Opernspielpläne anführen. 1756 ist er geboren. Lassen Sie uns einmal rechnen und das erste und letzte der frühen Meisterwerke beim Namen nennen: Im Alter von 12 Jahren entstand LA FINTA SEMPLICE. Dann als 16-Jähriger krönte er sein »Jugendwerk« mit LUCIO SILLA. Mozart heißt er. Von Beruf Wunderkind, Genie, und was nicht alles. Man wurde und wird des Findens der Superlative ja nicht müde, im Bemühen darum, dessen habhaft zu werden, was ihn ausmacht. Und das bis heute. Er würde sich vielleicht gefreut haben darüber: »Rätsel gebe ich ihnen allen auf, solange meine Werke aufgeführt werden«. O ja, das werden sie. Und in Kassel erstmals eben sein Prunkstück LUCIO SILLA. Dass es darin einerseits (wieder) um Liebe geht, mag dabei keine wirkliche Überraschung sein, dass Mozart hier aber Tyrannentum anprangert, und der Diktator Lucio Silla kraft der Liebe Läuterung erfährt, ist von früher Weitsicht, auch im Hinblick auf die kurz darauf folgende Französische Revolution. Auch deshalb offenbart sich sein frühes musikalisches Vermächtnis sehr wohl als Überraschung.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Inszenierung: Stephan Müller
Bühne: Siegfried E. Mayer
Kostüme: Carla Caminati
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Licht: Albert Geisel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termin:

Sa, 17.3.2018, 19:00 |

Die lustigen Weiber von Windsor

Komisch-phantastische Oper in drei Akten von Otto Nicolai

Text: Salomon Hermann Ritter von Mosenthal nach dem gleichnamigen Lustspiel von William Shakespeare

Es ist eine vertrackte Sache mit der Liebe, ganz besonders, wenn sie unerwidert bleibt. Und genau so ergeht es dem einfältig-gutmütigen Sir John Falstaff. Was immer er auch anstellt, er bleibt unerhört. Dabei gibt sich der Ritter die größte Mühe, um gleich zwei Damen von seinen erotischen Künsten zu überzeugen: Er schreibt ihnen anständig-sittliche Liebesbriefe. Die Absicht ist also vertretbar, allein die Adressatinnen seiner amourösen Ergüsse sind die falschen. Die Damen Fluth und Reich lieben ihre eigenen Ehemänner. Und so beschließen sie, dem etwas aufdringlichen Sir eine Lektion zu erteilen. Damit ist der Verwirrung in dieser komisch-phantastischen Oper, die 1849 in Berlin ihre Uraufführung erlebte, aber noch kein Ende. Denn auch Anna, die Tochter von Herrn und Frau Reich, steht auf der Liebesagenda. Gleich drei Herren bewerben sich um sie: Doktor Cajus, ein französischer Galan, wird von der Mutter favorisiert, der scheue Junker Spärlich vom Vater. Aber die Tochter hat sich längst in den armen Fenton verguckt. Die Folge der unterschiedlichen Pläne ist ein erhebliches Durcheinander, das an eine andere wunderbare Oper erinnert, an Mozarts Le nozze di Figaro. So auch am Ende, wo in der Dunkelheit viel gemunkelt und geflüstert wird, bevor sich die Menschen in die Arme nehmen. Der Unterschied ist ein geringer, aber typisch für die Romantik. Während es bei Mozart in den feudalen Schlossgarten geht, ist der Ort des Finales hier ein Wald mit Satyrn, Elfen und anderen Geistern.

Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier
Nachdirigat: Xin Tan
Inszenierung: Sonja Trebes
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Jula Reindell
Dramaturgie: Christian Steinbock
Licht: Dirk Thorbrügge
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 9.3.2018, 19:30 |
So, 3.6.2018, 19:30 |

Opernhaus

Staatstheater Kassel

Friedrichsplatz 15
D 34117 Kassel

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