STAATSTHEATER KASSEL - OPERNHAUS

Spielzeit 2017/18

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Zauberposse mit Musik von Michael Ende

Premiere: 15. November 2017, Opernhaus

»Du meinst, die Zukunft der Welt liegt jetzt in unseren Pfoten?«

Die Existenz des geheimen Zauberrats Prof. Dr. Beelzebub Irrwitzer und seiner Tante, der Geldhexe Tyrannja Vamperl, ist bedroht, da sie am Silvesterabend ihr vertragliches Soll an Übeltaten noch nicht erfüllt haben. Seine höllische Exzellenz selbst droht daher beiden mit der Pfändung.
Sie beschließen, die in ihrem jeweiligen Besitz befindlichen Rezepthälften für den sagenhaften satanarchäolügenialalkohöllischen Wunschpunsch zusammenzufügen, um in letzter Sekunde noch ausreichend Not und Elend über die Welt zu bringen. Doch der hohe Rat der Tiere hat die Gefahr gewittert und den Kater Maurizio de Mauro sowie den Raben Jakob Krakel als tierische Spione ausgesandt, um das Grauen zu verhindern. »Höchste Zeit wirklich, dass derart unfähiges Gesindel aus dem Verkehr gezogen wird.« Ein zauberhafter, musikalisch-verdrehter Kampf um die bedrohte Weltordnung beginnt.
Auf spielerische und phantastische Weise beschreibt Michael Ende in der Dramatisierung seines gleichnamigen Kinderbuchs eine apolitische, gewinnorientierte Welt voller Lügen und Intrigen.
Nur durch den Zusammenschluss und die Initiative der vermeintlich Schwächeren kann eine Wende herbeigeführt werden.
Bei dem Wettlauf gegen Zeit und Norm tauchen deshalb auch immer wieder die Fragen nach Gut und Böse, Schein und Sein auf: Nicht nur als pädagogisches Beiwerk, sondern als überlebenswichtige Bausteine für die Protagonisten. Mit Witz und Musik wird hier für Mut und Zusammenhalt plädiert.

Inszenierung: Philipp Rosendahl
Bühne: Sibylle Pfeiffer
Kostüme: Isabell Heinke
Musik: Thorsten Drücker
Dramaturgie: Thomas Hof / Annabelle Leschke
Licht: Albert Geisel

für alle ab 6 Jahren

Termine:

Mo, 27.11.2017, 10:00 |
Di, 28.11.2017, 09:30 |
Di, 28.11.2017, 11:30 |
Mi, 29.11.2017, 09:30 |
Mi, 29.11.2017, 11:30 |
Mo, 4.12.2017, 10:00 |
So, 10.12.2017, 15:00 |
So, 10.12.2017, 17:00 |
Mo, 11.12.2017, 09:30 |
Mo, 11.12.2017, 11:30 |
Di, 12.12.2017, 09:30 |
Di, 12.12.2017, 11:30 |
So, 17.12.2017, 15:00 |
So, 17.12.2017, 17:00 |
Mo, 18.12.2017, 09:30 |
Mo, 18.12.2017, 11:30 |
Di, 19.12.2017, 09:30 |
Di, 19.12.2017, 11:30 |
Mi, 20.12.2017, 09:30 |
Mi, 20.12.2017, 11:30 |
Mi, 27.12.2017, 14:00 |
Mi, 27.12.2017, 16:00 |
So, 21.1.2018, 15:00 |

Lucio Silla

Dramma per musica in drei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere: 09. Dezember 2017, Opernhaus

1768 bis 1772: Das bedeutete für diesen Komponisten sechs Opern in vier Jahren. Für seine und die etwas spätere Zeit gehörte es zum Schaffens-Alltag (denken wir an Rossini: 39 Opern in 19 Jahren oder an Verdis berühmt-berüchtigte »anni di galera«, was für den italienischen Großmeister bedeutete: Komponieren, ausgerichtet am Bedarf der damaligen Opern-Industrie, also schnell – meisterliche Opern sind es geworden, Verdi beklagte die Zeit als »Galeerenjahre«).
Aber das Alter! Wer außer ihm schrieb überhaupt schon Opern in diesem Alter? Und kurz darauf schon die, die bis heute die Ranglisten der Opernspielpläne anführen. 1756 ist er geboren. Lassen Sie uns einmal rechnen und das erste und letzte der frühen Meisterwerke beim Namen nennen: Im Alter von 12 Jahren entstand LA FINTA SEMPLICE. Dann als 16-Jähriger krönte er sein »Jugendwerk« mit LUCIO SILLA. Mozart heißt er. Von Beruf Wunderkind, Genie, und was nicht alles. Man wurde und wird des Findens der Superlative ja nicht müde, im Bemühen darum, dessen habhaft zu werden, was ihn ausmacht. Und das bis heute. Er würde sich vielleicht gefreut haben darüber: »Rätsel gebe ich ihnen allen auf, solange meine Werke aufgeführt werden«. O ja, das werden sie. Und in Kassel erstmals eben sein Prunkstück LUCIO SILLA. Dass es darin einerseits (wieder) um Liebe geht, mag dabei keine wirkliche Überraschung sein, dass Mozart hier aber Tyrannentum anprangert, und der Diktator Lucio Silla kraft der Liebe Läuterung erfährt, ist von früher Weitsicht, auch im Hinblick auf die kurz darauf folgende Französische Revolution. Auch deshalb offenbart sich sein frühes musikalisches Vermächtnis sehr wohl als Überraschung.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Inszenierung: Stephan Müller
Bühne: Siegfried E. Mayer
Kostüme: Carla Caminati
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Licht: Albert Geisel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 5.12.2017, 19:00 | Voraufführung |
Sa, 9.12.2017, 19:30 | Premiere |
Mi, 13.12.2017, 19:30 |
Sa, 16.12.2017, 19:30 |
Fr, 29.12.2017, 19:30 |
Sa, 13.1.2018, 19:30 |

Pop in Concert - Back to the 80s

Premiere: 31. Dezember 2017, Opernhaus

»Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht miterlebt«, sagte Pop-Ikone Falco über das Jahrzehnt der wilden und verrückten Trends. Ob Neon, Föhnfrisuren, Schulterpolster oder rockige Lederjacken. Auch musikalisch waren die 80er eine der vielseitigsten, kreativsten und buntesten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Handys gab's noch keine und Computer waren so groß wie Traktoren, dafür stand das Mixtape auf Kassette hoch im Kurs. Wer saß nicht stundenlang vor dem Radio, um den einen Song auf Kassette zu bannen. Wer hat nicht noch einige besonders liebevoll gestaltete Tapes zu Hause und kann sich nicht von ihnen trennen. Folgen Sie uns also auf die Zeitreise in dieses so einmalige Jahrzehnt, eine musikalische Entdeckungsreise. Und wenn Sie möchten, können Sie natürlich in Ihrem Golf 1 Cabrio vorfahren ...

Mit Musik von Depeche Mode, Pet Shop Boys, Genesis, Billy Joel, Madonna, Michael Jackson, The Police, David Bowie, Frankie Goes to Hollywood, Eurythmics, a-ha und vielen mehr.

Dirigent: Rasmus Baumann
Moderation: Insa Pijanka
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer / Brigitte Schima
Viviane Essig
Judith Lefeber
Henrik Wager
Andreas Wolfram
Backings: Judith Caspari / Tabea Henkelmann / Johanna Reusse

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 31.12.2017, 15:00 | Voraufführung |
So, 31.12.2017, 19:30 | Premiere |
Mo, 1.1.2018, 19:30 |
So, 7.1.2018, 18:00 |

Die lustigen Weiber von Windsor

Komisch-phantastische Oper in drei Akten von Otto Nicolai

Text: Salomon Hermann Ritter von Mosenthal nach dem gleichnamigen Lustspiel von William Shakespeare

Es ist eine vertrackte Sache mit der Liebe, ganz besonders, wenn sie unerwidert bleibt. Und genau so ergeht es dem einfältig-gutmütigen Sir John Falstaff. Was immer er auch anstellt, er bleibt unerhört. Dabei gibt sich der Ritter die größte Mühe, um gleich zwei Damen von seinen erotischen Künsten zu überzeugen: Er schreibt ihnen anständig-sittliche Liebesbriefe. Die Absicht ist also vertretbar, allein die Adressatinnen seiner amourösen Ergüsse sind die falschen. Die Damen Fluth und Reich lieben ihre eigenen Ehemänner. Und so beschließen sie, dem etwas aufdringlichen Sir eine Lektion zu erteilen. Damit ist der Verwirrung in dieser komisch-phantastischen Oper, die 1849 in Berlin ihre Uraufführung erlebte, aber noch kein Ende. Denn auch Anna, die Tochter von Herrn und Frau Reich, steht auf der Liebesagenda. Gleich drei Herren bewerben sich um sie: Doktor Cajus, ein französischer Galan, wird von der Mutter favorisiert, der scheue Junker Spärlich vom Vater. Aber die Tochter hat sich längst in den armen Fenton verguckt. Die Folge der unterschiedlichen Pläne ist ein erhebliches Durcheinander, das an eine andere wunderbare Oper erinnert, an Mozarts Le nozze di Figaro. So auch am Ende, wo in der Dunkelheit viel gemunkelt und geflüstert wird, bevor sich die Menschen in die Arme nehmen. Der Unterschied ist ein geringer, aber typisch für die Romantik. Während es bei Mozart in den feudalen Schlossgarten geht, ist der Ort des Finales hier ein Wald mit Satyrn, Elfen und anderen Geistern.

Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier
Nachdirigat: Xin Tan
Inszenierung: Sonja Trebes
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Jula Reindell
Dramaturgie: Christian Steinbock
Licht: Dirk Thorbrügge
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Fr, 24.11.2017, 19:30 |
Di, 12.12.2017, 19:30 |
Do, 21.12.2017, 19:30 |
Fr, 26.1.2018, 19:30 |

Andrea Chénier

Oper in vier Akten von Umberto Giordano

Der Dichter und die Macht, es ist ein altes, archaisches Thema. Wo sprachliche und herrschaftliche Gewalt aufeinandertreffen, sprühen die Funken. Das ergeht auch André Chénier nicht anders, der in die Fänge der Französischen Revolution gerät und von dieser verschlungen wird. Den Dichter Chénier hat es wirklich gegeben, nur seine Geschichte ist in der Oper von Umberto Giordano mit Leidenschaft und »terreur« angefüllt, weshalb der Titelheld auch in der italianisierten Fassung erscheint: als Andrea Chénier. Dieser lebt in einer sozialen Doppelwelt. Einerseits lehnt er die Usancen des Adels ab, andererseits verkehrt er in aristokratischen Kreisen, um dort seine kritischen Verse vorzutragen. So auch im Haus der Gräfin Cogny, wo ihm zunächst die Liebe seines Lebens, deren Tochter Maddalena, begegnet, und dann der Diener Carlo Gérard, ein überzeugter Revolutionär, der den Adel hasst, unglückseligerweise aber Maddalena liebt. Ein explosives Dreieck entsteht, aus dem niemand der Protagonisten entfliehen kann. Politik und Liebe vermischen sich, und schon im zweiten Akt dieser glühend-veristischen Oper kommt es zum Duell zwischen den beiden Männern. Gérard, inzwischen Sekretär der Revolution (und damit Teil der blutigen Schreckensherrschaft unter Robespierre), lässt Chénier verhaften und ins Gefängnis werfen. Der Dichter wird zum Tode verurteilt. Als Maddalena es erfährt, entscheidet sie sich auf der Stelle, mit Chénier ins Jenseits zu gehen, dorthin, wo ihre Liebe mehr ist als eine Utopie.

Musikalische Leitung: Francesco Angelico
Nachdirigat: Alexander Hannemann
Inszenierung: Michael Schulz
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Renée Listerdal
Dramaturgie: Christian Steinbock
Licht: Albert Geisel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 2.12.2017, 19:30 |
So, 14.1.2018, 18:00 |

La Bohème

Oper von Giacomo Puccini

Eine Mansarde im Pariser Künstlerviertel Montmartre: Der Dichter Rodolfo, der Maler Marcello, der Philosoph Colline und der Musiker Schaunard teilen sich dieses Domizil. Ihre Kunst ist brotlos und dazu ist es bitter kalt. Schaunard hat ein bisschen Geld verdient und lädt die Freunde ins Café ein, um der Tristesse des ärmlichen Ateliers zu entfliehen. Rodolfo will nachkommen und so ist er es, den Mimi wenig später antrifft, als sie an der Tür klopft. So beginnt die Geschichte, die Giacomo Puccinis Oper La Bohème erzählt. In der bewegenden Milieuschilderung des Künstlerlebens im Paris des 19. Jahrhunderts wird die sozialkritische Thematik sehr persönlich behandelt. Hoffnungen, Träume, Enttäuschungen und Schmerzen: Wieder einmal entfaltet die Macht der Gefühle ihre Wirkung. Die unterschiedlichen Charaktere werden ganz privat gezeigt, es sind Menschen, deren Denken und Fühlen auf die Bewältigung alltäglicher Konflikte gerichtet ist. Aber nicht nur im Stoff spiegelt sich Emotionalität, erst im Dialog mit der musikalischen Gestaltung Puccinis kann man dessen Aussage nachvollziehen: »Ich will die Welt zum Weinen bringen«. Durch die deskriptive Klangtechnik des Komponisten nimmt das Ambiente Gestalt an und seine impressionistische Tonmalerei lässt das Lokalkolorit aufleuchten. Die Uraufführung von La Bohème fand am 1. Februar 1886 am Teatro Regio in Turin statt.

Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier / Péter Halász
Inszenierung: Philipp Kochheim
Bühne: Thomas Gruber
Kostüme: Wiebke Meier
Licht: Gerhard Jurkiewicz
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung CANTAMUS: Maria Radzikhovskiy / Marco Zeiser Celesti

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 25.11.2017, 19:30 |
Mi, 20.12.2017, 19:30 |
Mo, 25.12.2017, 19:30 |

Antigona

Tragedia per musica in drei Akten von Tommaso Traetta

Sie nannten ihn einen gerechten Herrscher: Ödipus, in ferner Vorzeit König von Theben. Und der König hatte vier Kinder: die Söhne Eteokles und Polyneikes, die Töchter Antigone und Ismene. Diese vier aber waren zugleich seine Kinder wie seine Geschwister. Ödipus wusste es nicht. Dann kamen Vatermord und Blutschande ans Licht. O schreckliches Verhängnis!

Jetzt stehen die beiden Brüder erbittert auf dem Kampfplatz. Sie werden sich gegenseitig erschlagen. O grausige Szene!

Es ist die Eröffnungsszene der Oper, mit der Tommaso Traetta die Antigone von Sophokles 1772 noch einmal ganz neu erschuf. Der Italiener nannte sie Antigona und kleidete die furchtlose, ehemals antike Heroine, in ein tönendes Gewand und mit ihr alle, die zum Fortgang der tragischen Geschichte gehören: Eteokles darf bestattet werden, Polyneikes aber hatte sich gegen Theben gewandt, deshalb wird sein Leichnam den Aasgeiern zum Fraße bestimmt. So gebietet es Creonte als nun neuer Herrscher unter Androhung der Todesstrafe. Jedoch – Antigona widersetzt sich seinem Befehl. Ihr treu zur Seite der Geliebte Emone und Ismene. So will es auch ihr Komponist: Kaum einmal muss hier einer Kummer und Schmerz alleine aushalten. Traetta öffnet die Arien auf raffinierte Weise hin zu ungewöhnlichen Ensembles. Er setzt auf scharfsinnige Wendungen und dichte Orchestrierung. Nicht zuletzt deshalb gebührt ihm nach Scarlatti und Vinci die Krone auf dem Weg zu einer Erneuerung der damaligen Opernform. Und Traetta ist um 1772 nicht nur gemeinsam mit Mozart und Gluck zu nennen: Mit Antigona eilt er seinen Opern-Zeitgenossen sogar voraus.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Inszenierung: Stephan Müller
Bühne (Design): Goshka Macuga
Bühne (Produktion): Siegfried E. Mayer
Kostüme: Gareth Pugh
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreografie: Deborah Smith-Wicke

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 26.11.2017, 18:00 |
Fr, 5.1.2018, 19:30 |

Winter Wonderland - A Swinging Christmas Show

Das Staatsorchester liefert den passenden Soundtrack für eine besinnliche Weihnachtszeit: Swing vom Feinsten mit den Rat-Pack-Legenden Frank, Dean und Sammy. Wir zaubern ein musikalisches Winter Wonderland auf die Bühne, welches das Lametta am Christbaum mitswingen lässt!
Ein Weihnachtsspecial ganz im Stil der großen Las Vegas Shows der 50-er und 60-er Jahre mit vielen Hits wie »Rudolph the red nosed reindeer« und natürlich Klassikern wie »White Christmas«, die für eine gelungene Einstimmung auf die Weihnachtszeit nicht fehlen dürfen.

Bandleader: Patrik Ringborg
Host: Insa Pijanka
Licht: Albert Geisel / Dirk Thorbrügge

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 3.12.2017, 18:00 |
Fr, 22.12.2017, 19:30 |
Di, 26.12.2017, 19:30 |

Hänsel und Gretel

Märchenspiel von Engelbert Humperdinck

»End’ der Graus, Hexengraus und der Spuk ist aus!«

Wenn die Mutter müde am Tisch sitzt, ist das Unglück schon geschehen: Sie hält den zerbrochenen Krug in der Hand. Dann kommt der Vater vom Markt zurück, und, auch das noch, wieder einmal angetrunken. Da hat die Mutter die Kinder im Zorn bereits in den Wald geschickt zum Beeren pflücken, dass wenigstens etwas auf dem Tisch sei, wenn der Vater heimkehrt. In dem zerbrochenen Krug war nämlich einmal Milch, die doch zu Reisbrei verrührt werden sollte. Aber immerhin hat der Vater einen Teil seiner Einkünfte vom Besenverkauf auf dem Markt auch in Lebensmittel umgesetzt: Speck, Butter, Würste, Eier bringt er mit. Darüber selbst hocherfreut, singt er: »Hunger ist der beste Koch«.

Natürlich ist es die Geschichte von Hänsel und Gretel, die Engelbert Humperdinck 1893 musikalisch so genial erzählt; es ist aber auch die von Mutter und Vater: Die beiden zeigen eine Wahrhaftigkeit in Bezug auf das, was heute für viele Menschen zur »Lebensrealität“ geworden ist: Vater (und/oder Mutter) mühen sich ab für die Familie; der Zorn der Mutter ist echt, als der Krug zerbricht, er steht für etwas kaputt Gegangenes, was nicht zu ersetzen oder zu reparieren ist, weil es am Geld oder nötigen Willen fehlt. Über beides verfügen sie nicht. Zum Vorwurf macht die Mutter dem Vater, dass er sich wieder einmal betrunken hat. Und obwohl sie die Mechanismen durchschaut, kann und will sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen. In der Oper benennt der Vater das Problem (wenngleich mit anderen Worten): »Ach, wir armen Leute, alle Tage so wie heute: in dem Beutel ein großes Loch, und im Magen ein größeres noch«. Ja, die Familie leidet Not, es mangelt schon an der existentiellen Grundversorgung: Alle haben Hunger, aber nichts zu essen. Bis auf heute. Und so ziehen sie ihre Freude daraus, dass der Vater einmal so viel verdiente, dass es nun für eine Weile reicht zum Sattwerden. Und deshalb wollen sie heute »hopsassa, lustig sein«: Vielleicht geht es jetzt mit der Besenbinderei doch aufwärts!

Erzählt man die Geschichte bis hier, ließe sie sich durchaus als naturalistisches Sozialdrama verstehen – auch vor dem Hintergrund der sozialen Wirklichkeit Mitte des 19. Jahrhunderts, die herzustellen Ludwig Bechstein mit seiner Psychologisierung der Grimm’schen Märchenfiguren Hänsel und Gretel 1845 bezweckte.

Jetzt aber kommt die Hexe ins Spiel. Als die Eltern sich zum Essen niederlassen wollen, fragt der Vater plötzlich: »Halt, wo bleiben die Kinder?« Ja, gibt die Mutter zu, sie habe sie in den Wald gejagt, aus gutem Grunde. Aber, weiß der Vater, im Wald wohne doch das Böse. Bevor den Kindern dieses Böse in Gestalt der Knusperhexe begegnet, merken sie (wir sind im zweiten Bild der Oper), dass sie sich verlaufen haben. In der Inszenierung von Elmar Gehlen flüchten sie sich in ihrer Angst auf eine Insel aus Moos. Hier, so glauben sie, sind sie sicher, und tatsächlich dürfen sie zunächst entkommen: Das Sandmännchen hat ihnen Schlafkörnchen in die Augen gestreut und auf einmal schwirren bunte Elfen durch die Lüfte, kriecht eine Riesenschnecke über die Bühne, sorgen wehende Wolken für eine Märchenstimmung. Als Gretel wieder aufwacht, fragt sie zaghaft: »Wo bin ich, ist es ein Traum?« Da liegt die Hexe schon auf der Lauer …

Musikalische Leitung: Deniola Kuraja
Inszenierung: Elmar Gehlen
Bühne: Thomas Richter-Forgách
Kostüme: Martina Feldmann
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Maria Radzikhovskiy

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 23.12.2017, 17:00 |
Sa, 30.12.2017, 16:00 |
Sa, 6.1.2018, 17:00 |

STAATSTHEATER KASSEL

Friedrichsplatz 15 (Opernhaus)
D 34117 Kassel

Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail: info@staatstheater-kassel.de

Opernhaus / Schauspielhaus
Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

tif - Theater im Fridericianum
Friedrichsplatz 17, Hinter dem Museum, 34117 Kassel

Karten:
Kartentelefon: 0561 / 1094-222
Mo 10:00 - 13:00 Uhr, 14:00 - 18:30 Uhr
Di-Fr 10:00 - 18:30 Uhr
Sa 10:00 - 13:00 Uhr

Öffnungszeiten der Theaterkasse:
Di-Fr, 10-18 Uhr
Sa, 10-13 Uhr
So 10-12 Uhr

Online: www.staatstheater-kassel.de