STAATSTHEATER KASSEL - OPERNHAUS

Spielzeit 2011/12

Griselda

Dramma per musica von Alessandro Scarlatti

Premiere: 18. Februar 2012, Opernhaus

Griselda? Die nur scheinbar große Unbekannte findet man schon als Fabelheldin in Giovanni Boccaccios Il Decamerone. Sie hat Komponisten, Librettisten, Dramatiker betört und fasziniert, so wurde ihre Geschichte bis heute in Variationen erzählt und wiederholt vertont: Griselda, deren Arbeit es war, die Herde zu weiden, bis Gualtiero sie zur Königin von Sizilien an seiner Seite erhob. Doch dann setzt eben dieser das Hirtenmädchen absurd grausamen Prüfungen aus.

Am Staatstheater Kassel ist Griselda der Titel der letzten Oper von Alessandro Scarlatti (1660 – 1725), die ihre Uraufführung 1721 am Teatro Capranica in Rom erfuhr. Die Geschichte Griseldas ist nicht mit wenigen Worten umrissen. Das liegt unter anderem am typischen Figurengeflecht der Barockoper, und das ist uns seit Händels Hercules, Orlando und Julius Cäsar in Ägypten nicht mehr neu: Hier gilt es zuerst zu entwirren, wer wen liebt und wer bereits vergeben ist und dennoch begehrt wird, bevor sich am Ende alle Konflikte klären. Meist auf Geheiß einer göttlichen Macht, die in der Barockoper fast immer die Schicksalsfäden in der Hand hält. Nicht so in Griselda.

Da ist es Gualtiero, der mit seiner aus heutiger Sicht zwiespältigen Taktik die Geschicke der Menschen steuert. Er hat sich in Griselda verliebt und ehelicht sie, obwohl sie »einfacher« Herkunft ist. Dann aber, unter dem Druck des Volkes, das ihm seine »unstandesgemäße« Heirat zum Vorwurf macht, stellt er Griselda mit unermesslicher Hartherzigkeit auf die Probe. Anfangs gibt er vor, die gemeinsame Tochter (Costanza) als Neugeborenes umgebracht zu haben. Dann verstößt er Griselda zum Schein (was sie nicht wissen kann) und täuscht vor, sich eine junge Adelige (Costanza) zur Frau nehmen zu wollen. Warum? Er hinterfragt in vorweggenommener aufklärerischer Manier die Thronfolge durch den Geburtsadel und kämpft damit letztlich um gesellschaftliche Anerkennung.

Und Griselda? Ihre Liebe zu Gualtiero scheint bedingungslos. Sie bleibt ihm treu ergeben und übersteht geduldig die ihr auferlegte Mühsal, bis beide am Ende wieder glücklich vereint sind. Heute jedoch wollen wir Griselda nicht als Allegorie der Treue, Keuschheit und Fügsamkeit zeigen. Ihre Demut verstehen wir demnach nicht als Geste der Unterwürfigkeit, sondern als Ausdruck einer individuellen Selbstgewissheit; sie ist kein Opfer, vielmehr handelt sie selbstbestimmt. Und wir wollen uns der Motivation der Barockoper annähern. Zu ihr gehört die »Affektenlehre« als die Lehre von den Gemütszuständen wie Freude, Verlangen, Traurigkeit, Hass oder Liebe. Liebe war derjenige Affekt, den die Textdichter in den Mittelpunkt ihrer Dramen zu stellen pflegten, der ihren Helden eine innere Triebkraft zu geben vermochte. In dieser Oper wird sie zur Zumutung: Griselda selbst betont, es gäbe für sie nur den einen; Costanza ist enttäuscht von der Liebe, die erst hoffen lässt, dann Unglück bringt (sie vergleicht die tyrannische Liebe mit einem hübschen Jungen, der ein Vögelchen erst streichelt, dann tötet); Ottone hetzt – aus Liebe zu Griselda – das Volk gegen Gualtiero auf und bewaffnet sich später, um die Geliebte zu rauben; Roberto richtet sein Wort an unglücklich Liebende und will deshalb allen Schmerz der Welt auf sich nehmen.

Musikalische Leitung und Cembalo: Jörg Halubek
Inszenierung: Stephan Müller
Bühne: Hyun Chu
Kostüme: Carla Caminati
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Bewegungschoreografie: Lillian Stillwell

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termine:

Di, 14.2.2012, 19:00 | Voraufführung |
Sa, 18.2.2012, 19:30 | Premiere |
Di, 21.2.2012, 19:30 |
Mi, 29.2.2012, 19:30 |
Sa, 3.3.2012, 19:30 |
Fr, 9.3.2012, 19:30 |
Mi, 14.3.2012, 19:30 |
So, 18.3.2012, 18:00 |
So, 1.4.2012, 18:00 |
Do, 3.5.2012, 19:30 |

Parsifal

Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner

Premiere: 06. April 2012, Opernhaus

Amfortas, König der Gralsburg, leidet: Der mächtige Zauberer Klingsor hat ihm eine Wunde geschlagen, die nicht verheilt. Rettung kann nur von jemandem kommen, den der Gral mit der geheimnisvollen Formel angekündigt hat, er sei »durch Mitleid wissend, der reine Tor«. Als ein Jüngling auftaucht, der in offensichtlicher Unkenntnis des Grals, ritterlicher Tugenden und gesellschaftlicher Konventionen, einen Schwan erlegt hat, ahnen die Gralsritter: Er könnte der Erlöser sein, auf den sie warten. Doch bis aus dem »reinen Tor« der Wissende wird, muss er noch einen weiten Weg zurücklegen: In Klingsors Schloss widersteht er Kundrys Verführungskünsten und gewinnt den heiligen Speer der Gralsritter zurück, doch Jahre der Irre müssen noch vergehen, ehe er am Karfreitag zurück zur Gralsburg kommt, Amfortas’ Wunde heilt und er selbst König der Gralsburg wird.

In seinem letzten Musikdrama verschmilzt Wagner eine Fülle von Legenden, Sagen und mythologischen Anspielungen zu einem Werk, das ganz auf das innere Drama und den Erkenntnisweg Parsifals fokussiert ist. Die Musik ist so theaterwirksam und unmittelbar ergreifend wie raffiniert in ihrem äußerst differenzierten Einsatz von Motiven für die kontrastierenden Sphären des Stücks – Gralsburg und Klingsors Zaubergarten, Trug und Schmerz, Gut und Böse, Simplizität und Erhabenheit.

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg
Inszenierung: Helen Malkowsky
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Tanja Hofmann
Licht: Albert Geisel
Dramaturgie: Dorothee Hannappel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti / Dr. Merle Clasen

Dauer: 5 Stunden 30 Minuten

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 29.3.2012, 19:00 | Voraufführung |
Fr, 6.4.2012, 17:00 | Premiere |
Mo, 9.4.2012, 16:00 |
So, 22.4.2012, 16:00 |
So, 29.4.2012, 16:00 |
So, 6.5.2012, 16:00 |
Sa, 12.5.2012, 16:00 |

Hänsel und Gretel

Märchenspiel von Engelbert Humperdinck

»End’ der Graus, Hexengraus und der Spuk ist aus!«

Wenn die Mutter müde am Tisch sitzt, ist das Unglück schon geschehen: Sie hält den zerbrochenen Krug in der Hand. Dann kommt der Vater vom Markt zurück, und, auch das noch, wieder einmal angetrunken. Da hat die Mutter die Kinder im Zorn bereits in den Wald geschickt zum Beeren pflücken, dass wenigstens etwas auf dem Tisch sei, wenn der Vater heimkehrt. In dem zerbrochenen Krug war nämlich einmal Milch, die doch zu Reisbrei verrührt werden sollte. Aber immerhin hat der Vater einen Teil seiner Einkünfte vom Besenverkauf auf dem Markt auch in Lebensmittel umgesetzt: Speck, Butter, Würste, Eier bringt er mit. Darüber selbst hocherfreut, singt er: »Hunger ist der beste Koch«.

Natürlich ist es die Geschichte von Hänsel und Gretel, die Engelbert Humperdinck 1893 musikalisch so genial erzählt; es ist aber auch die von Mutter und Vater: Die beiden zeigen eine Wahrhaftigkeit in Bezug auf das, was heute für viele Menschen zur »Lebensrealität“ geworden ist: Vater (und/oder Mutter) mühen sich ab für die Familie; der Zorn der Mutter ist echt, als der Krug zerbricht, er steht für etwas kaputt Gegangenes, was nicht zu ersetzen oder zu reparieren ist, weil es am Geld oder nötigen Willen fehlt. Über beides verfügen sie nicht. Zum Vorwurf macht die Mutter dem Vater, dass er sich wieder einmal betrunken hat. Und obwohl sie die Mechanismen durchschaut, kann und will sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen. In der Oper benennt der Vater das Problem (wenngleich mit anderen Worten): »Ach, wir armen Leute, alle Tage so wie heute: in dem Beutel ein großes Loch, und im Magen ein größeres noch«. Ja, die Familie leidet Not, es mangelt schon an der existentiellen Grundversorgung: Alle haben Hunger, aber nichts zu essen. Bis auf heute. Und so ziehen sie ihre Freude daraus, dass der Vater einmal so viel verdiente, dass es nun für eine Weile reicht zum Sattwerden. Und deshalb wollen sie heute »hopsassa, lustig sein«: Vielleicht geht es jetzt mit der Besenbinderei doch aufwärts!

Erzählt man die Geschichte bis hier, ließe sie sich durchaus als naturalistisches Sozialdrama verstehen – auch vor dem Hintergrund der sozialen Wirklichkeit Mitte des 19. Jahrhunderts, die herzustellen Ludwig Bechstein mit seiner Psychologisierung der Grimm’schen Märchenfiguren Hänsel und Gretel 1845 bezweckte.

Jetzt aber kommt die Hexe ins Spiel. Als die Eltern sich zum Essen niederlassen wollen, fragt der Vater plötzlich: »Halt, wo bleiben die Kinder?« Ja, gibt die Mutter zu, sie habe sie in den Wald gejagt, aus gutem Grunde. Aber, weiß der Vater, im Wald wohne doch das Böse. Bevor den Kindern dieses Böse in Gestalt der Knusperhexe begegnet, merken sie (wir sind im zweiten Bild der Oper), dass sie sich verlaufen haben. In der Inszenierung von Elmar Gehlen flüchten sie sich in ihrer Angst auf eine Insel aus Moos. Hier, so glauben sie, sind sie sicher, und tatsächlich dürfen sie zunächst entkommen: Das Sandmännchen hat ihnen Schlafkörnchen in die Augen gestreut und auf einmal schwirren bunte Elfen durch die Lüfte, kriecht eine Riesenschnecke über die Bühne, sorgen wehende Wolken für eine Märchenstimmung. Als Gretel wieder aufwacht, fragt sie zaghaft: »Wo bin ich, ist es ein Traum?« Da liegt die Hexe schon auf der Lauer …

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg / Thomas Rimes
Inszenierung: Elmar Gehlen
Bühne: Thomas Richter-Forgách
Kostüme: Martina Feldmann
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Dr. Merle Clasen

In Kooperation mit dem Aalto-Theater Essen

Ort:

Opernhaus

Termin:

So, 5.2.2012, 16:00 |

Lady Macbeth von Mzensk

Oper von Dmitri Schostakowitsch

Mit Langeweile als ständigem Begleiter will sich die Kaufmannsfrau Katerina nicht abfinden. Des täglichen Einerleis mit dem schlichten Ehemann Sinowi und dem tyrannischen Schwiegervater Boris überdrüssig, lässt sie sich auf das Werben des Arbeiters Sergej ein. Doch das Verhältnis bleibt nicht unentdeckt. Boris’ und Sinowis’ Leben werden dieser Liebe geopfert. Morde, die die Verhaftung von Katerina und Sergej nach sich ziehen. Im Zug der Zwangsarbeiter nach Sibirien wendet sich Sergej von Katerina ab, weil er Gefallen an der jungen Sonjetka findet. Die nimmt Katerina nun in ihrer Verzweiflung mit in den Tod. Hier scheitert eine Frau an dem Versuch, der Trostlosigkeit einer patriarchalischen Gesellschaft zu entfliehen: Sie wird zur Mörderin. Das Russland des hielt für Frauen kaum Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung bereit. Das Libretto von Alexander G. Preis und Dmitri Schostakowitsch entstand nach einer Novelle von Nikolai Leskow, die 1865 erschien. Die menschliche Extreme im Spannungsfeld zwischen Repression und Emanzipation müssen Schostakowitsch fasziniert haben, denn seine expressive Komposition macht alle Leidenschaften nachvollziehbar und er versieht durch seine musikdramatische Sprache Katerinas Schicksal mit eindringlichen Bildern. Zwei Jahre nach der Uraufführung 1934 wurde die Oper verboten, erst 1979 gelangte eine Partiturabschrift in den Westen. Von da an war der Erfolg dieses Werkes nicht mehr aufzuhalten.

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg / Alexander Hannemann
Inszenierung: Michael Schulz
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Renée Listerdal
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

In Kooperation mit dem Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 4.2.2012, 19:30 |
Sa, 11.2.2012, 19:30 |
So, 19.2.2012, 18:00 |
Fr, 2.3.2012, 19:30 |

La clemenza di Tito

Wolfgang Amadeus Mozart

Oper in zwei Akten Wolfgang Amadeus Mozart | Manfred Trojahn
Neu komponierte Rezitativtexte von Manfred Trojahn

LA CLEMENZA DI TITO, kurz vor Schluss: Das römische Volk tobt im Amphitheater. Wilde Tiere sollen demnächst die Verbrecher zerreißen, die nicht nur einen Staatsstreich geplant und das Kapitol angezündet, sondern überdies einen hinterhältigen Mordanschlag auf Kaiser Titus verübt haben. Der Senat hat bereits das Todesurteil gesprochen, es ist an Titus, das Urteil zu bestätigen. Sein Problem: Bei den Tätern handelt es sich um seine zukünftige Frau und seinen besten Freund. Der Kaiser gilt als gerechter Herrscher, wie aber könnte er hier Milde walten lassen? // Auch der deutsche Kaiser Leopold II. war ein aufgeklärter Regent, der schon als Großherzog der Toskana Folter und Todesstrafe abgeschafft hatte. Ihn wollten die böhmischen Stände durch einen Vergleich mit dem legendä-ren Titus ehren. Doch die gewünschte Huldigungsoper im alten -Seria-Stil zu schreiben, war für Mozart 1791 eine nur mäßig interessante Art, Geld zu verdienen. So schrieb er TITUS in nur 18 Tagen herunter. Aber wie immer entstand unter Mozarts Händen etwas, das den Anlass weit hinter sich ließ. In meisterhaften Arien und Ensembles beschreibt er Charaktere, die zweifelnd in sich hineinschauen und schließlich über sich hinauswachsen. // Diese Modernität war denn auch Ansatzpunkt für die neu gestalteten Orchesterrezitative Manfred Trojahns (*1949), die mit Mozarts Arien eine spannungsreiche Verbindung eingehen. Aus dem Huldigungsakt für einen Herrscher wird eine packende Betrachtung über das Verhältnis von Privatem und Öffentlichem, persönlichen Idealen und harter Realpolitik und über die Menschen, die dazwischen ihren Weg finden müssen.

MUSIKALISCHE LEITUNG: Alexander Hannemann / Marco Comin
INSZENIERUNG: Johannes Schütz
BÜHNE: Johannes Schütz
KOSTÜME: Sabine Thoss
DRAMATURGIE: Jan Dvorak
CHOREINSTUDIERUNG: Marco Zeiser Celesti

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ort:

Opernhaus

Termin:

Sa, 28.4.2012, 19:30 |

Die lustige Witwe

Operette von Franz Lehár

Die Witwe Hanna Glawari erfreut sich großer Beliebtheit in der Pariser Gesellschaft. Insbesondere Baron Zeta und seine Freunde, die aus demselben kleinen Land irgendwo auf dem Balkan stammen wie Hanna, legen Wert auf ihre Gesellschaft – und auf ihre ererbten Millionen, die sie gerne per Heirat ihrem von der Pleite bedrohten Kleinstaat sichern möchten. Als Ehekandidat passt Graf Danilo ins Bild, der dummerweise aber schon einmal an seiner Liebe zur schönen Hanna gescheitert ist, als er ihr einen Antrag machen wollte, von seiner Familie aber zum Verzicht auf die unstandesgemäße Verbindung getrieben wurde. Seither geht er lieber ins »Maxim«, verbringt seine Zeit mit Grisetten und will nun um keinen Preis in den Ruf geraten, als Mitgiftjäger einen zweiten Anlauf mit Hanna zu wagen. Anders sieht es erst aus, als sie angibt, im Falle einer neuerlichen Heirat ihr ganzes Geld zu verlieren. Was sie nicht dazu sagt, ist, dass es an ihren Gatten fallen wird. Ob es allerdings den Staatsbankrott aufhalten kann, verrät die Operette nicht mehr.

Musikalische Leitung: Alexander Hannemann / Thomas Rimes / Xin Tan
Inszenierung: Volker Schmalöer
Bühne: Lars Peter
Kostüme: Andreas Janczyk
Dramaturgie: Dorothee Hannappel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti
Choreografie: Alonso Barros

Ort:

Opernhaus

Termine:

So, 12.2.2012, 18:00 |
Fr, 17.2.2012, 19:00 |
Fr, 24.2.2012, 19:30 |
Sa, 10.3.2012, 19:30 |
Sa, 17.3.2012, 19:30 |
So, 25.3.2012, 18:00 |
Sa, 31.3.2012, 19:30 |
Mi, 18.4.2012, 14:30 |
Fr, 4.5.2012, 19:30 |
Mi, 9.5.2012, 19:30 |
So, 13.5.2012, 19:30 |
So, 10.6.2012, 19:30 |
Sa, 16.6.2012, 19:30 |

Die Zauberflöte

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Es beginnt wie ein ganz normales Märchen: Ein Prinz ist auf der Jagd im Gebirge und steht plötzlich einer Schlange gegenüber. Nun müsste der Kampf des jungen Helden mit dem Untier folgen, doch Prinz Tamino wird erst einmal ohnmächtig. Die Königin der Nacht lässt ihn durch ihre Damen retten – nur um ihm selbst sofort eine noch größere Rettungsaufgabe anzuvertrauen: Ihre Tochter Pamina wurde, so erzählt sie, von Sarastro entführt; wenn Tamino sie befreit, soll er sie zur Frau bekommen. Unterstützt wird er durch den Vogelfänger Papageno, durch drei Knaben, die in allerlei Notfällen mit gutem Rat herbei eilen, und natürlich durch die Flöte, deren Zauberkraft wilde Bestien bezähmt und schließlich die Liebenden vor dem Verbrennen und dem Ertrinken bewahren wird. Doch vorher nimmt die Handlung manch erstaunliche Wendung, so dass jegliche märchenhafte Gewissheit, wer gut ist und wer böse, bald gehörig durcheinander gewirbelt ist. Mozarts Zauberflöte, unangefochten das beliebteste Werk im Opernrepertoire, birgt eine geradezu unfassbare Vielfalt: Sie beginnt wie ein Zaubermärchen, entfaltet eine überbordende Phantasie zwischen Kasperltheater-Spaß und Freimaurer-Ritual, verquickt eine Teenager-Romanze mit den großen Fragen der Aufklärung – und verzaubert mit einer Musik, deren reiches Gefühlsspektrum vom abgründigen Liesbeskummer bis zur Glöckchen-Heiterkeit reicht, von Theaterdonner und Vogelfänger-Charme bis zur lebensrettenden Magie der Zauberflöte.

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg / Alexander Hannemann
Inszenierung: Katharina Thoma
Bühne: Daniel Roskamp
Kostüme: Ulrike Obermüller
Dramaturgie: Dorothee Hannappel
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Ort:

Opernhaus

Termine:

Do, 23.2.2012, 19:30 |
So, 4.3.2012, 18:00 |
So, 8.4.2012, 18:00 |
Sa, 14.4.2012, 19:30 |
Fr, 25.5.2012, 19:30 |
So, 17.6.2012, 19:30 |

La Bohème

Oper von Giacomo Puccini

Text: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Eine Mansarde im Pariser Künstlerviertel Montmartre: Der Dichter Rodolfo, der Maler Marcello, der Philosoph Colline und der Musiker Schaunard teilen sich dieses Domizil. Ihre Kunst ist brotlos und dazu ist es bitter kalt. Schaunard hat ein bisschen Geld verdient und lädt die Freunde ins Café ein, um der Tristesse des ärmlichen Ateliers zu entfliehen. Rodolfo will nachkommen und so ist er es, den Mimi wenig später antrifft, als sie an der Tür klopft. So beginnt die Geschichte, die Giacomo Puccinis Oper La Bohème erzählt. In der bewegenden Milieuschilderung des Künstlerlebens im Paris des 19. Jahrhunderts wird die sozialkritische Thematik sehr persönlich behandelt. Hoffnungen, Träume, Enttäuschungen und Schmerzen: Wieder einmal entfaltet die Macht der Gefühle ihre Wirkung. Die unterschiedlichen Charaktere werden ganz privat gezeigt, es sind Menschen, deren Denken und Fühlen auf die Bewältigung alltäglicher Konflikte gerichtet ist. Aber nicht nur im Stoff spiegelt sich Emotionalität, erst im Dialog mit der musikalischen Gestaltung Puccinis kann man dessen Aussage nachvollziehen: »Ich will die Welt zum Weinen bringen«. Durch die deskriptive Klangtechnik des Komponisten nimmt das Ambiente Gestalt an und seine impressionistische Tonmalerei lässt das Lokalkolorit aufleuchten. Die Uraufführung von La Bohème fand am 1. Februar 1886 am Teatro Regio in Turin statt.

Musikalische Leitung: Marco Comin / Alexander Hannemann
Inszenierung: Philipp Kochheim
Bühne: Thomas Gruber
Kostüme: Wiebke Meier
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti / Dr. Merle Clasen

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 25.2.2012, 19:30 |
So, 27.5.2012, 19:30 |
Fr, 22.6.2012, 19:30 |

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti

Es wäre nicht Gaetano Donizetti, ordnete er jeweils Heiterkeit und Komik nicht auch einen nur vordergründigen Ton zu. Ist der Plot der Geschichte und das daraus resultierende Spiel mit Intrige und Täuschung in seiner 1843 uraufgeführten Oper Don Pasquale auch ganz im Stil der italienischen Buffo-Oper angelegt, erst durch die Musik lässt der Komponist seine Protagonisten sprechen. Ernesto beispielsweise: Donizetti stellt ihm im zweiten Akt die Solo-Trompete zur Seite – sie hat sein Einsamkeitsmotiv im Vorspiel zu diesem Akt bereits vorgestellt – und er beklagt nun herzergreifend sein Schicksal: »Povero Ernesto, armer Ernesto!«. Da hat ihn sein Onkel Don Pasquale verjagt (weil Ernesto sich weigerte, die Brautwahl des Onkels für ihn zu akzeptieren), er fühlt er sich von den Freunden verlassen und von der geliebten Norina hereingelegt – für ihn bleibt vorübergehend nichts als Weltschmerz: Wurde je einer so hintergangen? Und wir fragen uns: Wo ist seine jugendliche Unbekümmertheit geblieben? Lernen wir Ernesto doch als einen Menschen kennen, der weiß, dass er nur eines will: Norina (jung, schön, verwitwet und arm) heiraten. Nur, dazu benötigt er das Erbe des Onkels, das ihnen beiden ein besseres Leben sichern könnte. Aber Don Pasquale, »Titelheld« der Oper, geizig und eigensinnig wie er ist, äußert jetzt selbst Heiratsabsichten. Verliebt will er sich ebenfalls wähnen – wie die Jugend, die ihm sein Neffe Ernesto vorlebt, und die er ihm neidet. Und Pasquale wird tatsächlich die »passende« Frau zugeführt. Das aber ist Teil des listigen Planes, der Norina und Ernesto Glück garantieren wird. Ausgeheckt haben ihn Doktor Malatesta (ein Freund Ernestos) und Norina selbst. Und natürlich geschieht ihre Verwandlung in die Pseudo-Ehefrau Pasquales vor den Augen des Publikums: Sofrina heißt sie vorübergehend, sanft wie ein Engel soll sie sein. Pasquale ist hingerissen und kann es kaum erwarten: Hach, das wird ein Leben! Doch weit gefehlt, denn die angeblich sanftmütige Schöne, deren Vorzüge Malatesta in den höchsten Tönen gepriesen hatte, erweist sich nach der fingierten Hochzeit als äußerst luxussüchtig und als wahre Xantippe: Sie stockt das Gehalt der Bediensteten gleich um ein Mehrfaches auf, sorgt für horrende Ausgaben (dass es deshalb im Hause Pasquale schon nach dem Frühstück zu Ehe-Szenen kommt, bleibt auch dem Publikum nicht verborgen) und dann wird sie auch noch gewalttätig. Das nun ist Don Pasquale endgültig zu viel, er fordert die Auflösung der Ehe.

Diese Norina, an Keckheit nicht zu überbieten, kennt »1000 Arten, mit Männern umzugehen, die groben wie die zarten«. Sie tritt in der Inszenierung von Lisa Marie Küssner, für die die Zuschauer so genannte »Bühnen-Karten« erwerben können, als Spielmacherin auf, scheint dabei skrupellos, indem sie nimmt, was sie kriegen kann, dabei hat sie nur ihr Talent entdeckt, singend auftrumpfend mit ihrer ersten Kavatine »Quel guardo il cavaliere – Jener Blick traf den Kavalier«. Später will sie sich für ihre Rolle vor allem vor Ernesto rechtfertigen, denn nur um ihrer Liebe willen zu ihm ließ sie sich auf das fingierte Heiratsspiel mit Don Pasquale ein. Wenn hier die Liebe schon als Himmelsmacht in Frage gestellt wird, so darf man sich wohl zum Zwecke ihrer Erfüllung unfeiner Mittel bedienen, Don Pasquale nämlich bleibt auf der Strecke.

Musikalische Leitung: Marco Comin
Inszenierung: Lisa Marie Küssner
Bühne: Matthieu Götz
Kostüme: Sabine Böing
Dramaturgie: Dr. Ursula Benzing
Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

BÜHNENAKTION – Wirken Sie mit bei einer Vorstellung von Don Pasquale!
Mit dem Erwerb einer Bühnenkarte für 8 Euro sind unsere Zuschauer eingeladen, dem turbulenten Geschehen auf der Opernbühne zu folgen: Dazu nehmen Sie Ihren Platz auf der Bühne ein. Ihre Bühnenkarten erhalten Sie im Vorverkauf. Treffpunkt ist immer 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn vor dem Aufzug im unteren Opernfoyer des Staatstheaters. Sie werden dort abgeholt und auf Ihre Bühnenplätze geführt.

Ort:

Opernhaus

Termine:

Sa, 24.3.2012, 19:30 |
So, 15.4.2012, 18:00 |
Sa, 19.5.2012, 19:30 |
Fr, 25.5.2012, 19:30 |
Sa, 23.6.2012, 19:30 |

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D-34117 Kassel

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Opernhaus / Schauspielhaus
Friedrichsplatz 15, 34117 Kassel

tif - Theater im Fridericianum
Friedrichsplatz 17, Hinter dem Museum, 34117 Kassel

Karten:
Kartentelefon: 0561 / 1094-222
Mo 10:00 - 13:00 Uhr, 14:00 - 18:30 Uhr
Di-Fr 10:00 - 18:30 Uhr
Sa 10:00 - 13:00 Uhr

Öffnungszeiten der Theaterkasse:
Di-Fr, 10-18 Uhr
Sa, 10-13 Uhr
So 10-12 Uhr

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