zur Startseite
46

Schauspielhaus

Kontakt

Schauspielhaus
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2
D-01067 Dresden

E-Mail: tickets@staatsschauspiel-dresden.de

 

Vorverkaufskassen

Kassen- und Servicezentrum im Schauspielhaus
Theaterstraße 2
01067 Dresden
Mo bis Fr 10.00–18.30 Uhr, Sa 10.00–14.00 Uhr

Vorverkaufskasse im Kleinen Haus
Glacisstraße 28
01099 Dresden
Mo bis Fr 14.00–18.30 Uhr
Tel: 03 51.49 13–555
tickets@staatsschauspiel-dresden.de
Bewertungschronik

Schauspielhaus bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Schauspielhaus

Theater

Kinder der Sonne

von Maxim Gorki

Premiere: 08. Februar 2020

aus dem Russischen von Ulrike Zemme

Die Welt in KINDER DER SONNE ist in ein Drinnen und Draußen geteilt. Drinnen wird der neue Mensch erforscht und in seiner Komplexität zwischen Naturwissenschaft, Kunst und Kultur erörtert. Um den Chemiker Protassow versammeln sich Künstler und Intellektuelle. Sie suchen nach dem sinnstiftenden Element, diskutieren die Schieflage der Gesellschaft, planen das eigene soziale Engagement. Alles in bester Absicht und größter Weitsicht. Protassow glaubt bedingungslos an den wissenschaftlichen Fortschritt und daran, dass ein neuer Mensch entsteht, der den Menschen der Gegenwart überflügelt. Seine Frau Jelena setzt auf die Schönheit der Kunst und Protassows Schwester hat Angst vor einem pöbelnden Mob, der die soziale Ungerechtigkeit in der Welt nicht länger erträgt und alles vernichten wird.
Sie denken, sie lieben, aber sie handeln nicht, drehen sich im Kreis und haben kein Gespür für die Brisanz der Zeit, denn um sie herum braut sich längst ein Sturm zusammen. Draußen tobt eine Choleraepidemie. Menschen sterben. Hass und Wut wachsen. Die Gewalt nimmt zu und erfasst auch die Gemeinschaft um Protassow. Wie in einer Blase diskutieren die Kinder der Sonne die Gesellschaft der Zukunft und sind blind für ihre eigene Gegenwart.

Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüme: David Gonter
Musik: Lothar Müller
Dramaturgie: Katrin Breschke

Kinder der Sonne bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Kinder der Sonne

Theater

Macbeth

von William Shakespeare

Premiere: 21.03.2020

Ein Mann auf der Zielgeraden zur Alleinherrschaft: Auf dem Schlachtfeld hat Macbeth den verräterischen Than von Cawdor und die Norweger aus dem Weg geräumt. Als ihm drei Hexen begegnen und ihm prophezeien, dass er bald die Nummer Eins im Staat sein wird und die Ernennung zum König prompt eintritt, folgt er einem mörderischen Plan, um seine Karriere zu beschleunigen. Dort, wo er Skrupel zeigt, bringt ihn seine machthungrige Frau Lady Macbeth wieder in die Spur, indem sie alle Register geschlechtsspezifischer Manipulationsstrategien zieht.
Es geht um Machterhalt um jeden Preis. Auf Mord folgt Mord. Bis die Blutspur in den eigenen Tod von Macbeth mündet und der „europäische Nihilismus seine Geburtsstunde erlebt“, wie der Schweizer Germanist Peter von Matt schreibt.
Mit Lady und Sir Macbeth hat Shakespeare das schaurigste Killerliebespaar der Literaturgeschichte erfunden. Das Morden bleibt allerdings nicht ungesühnt: Taumelnd zwischen Blut und Schlaflosigkeit leidet Macbeth unter Schuldgefühlen.
Christian Friedel ist dieser Macbeth und diesmal in dreifachem Auftrag unterwegs: er inszeniert, spielt die Titelrolle und komponiert zusammen mit seiner Band Woods of Birnam die Musik, deren Bandname Grundlage eines gleichnamigen Songs ist, in welchem Zeilen von Macbeths Schlussmonolog verarbeitet sind.

Regie: Christian Friedel
Bühne: Alexander Wolf
Kostüme: Ellen Hofmann
Choreografie: Valentí Rocamora i Torà
Video: Clemens Walter
Musikalische Einstudierung: Thomas Mahn
Licht: Johannes Zink, Tim Schulten
Dramaturgie: Julia Weinreich

Macbeth bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Macbeth

2 Theater

Geisterritter

von Cornelia Funke

für die Bühne bearbeitet von Beate Heine und Christina Rast

Seit seine Mutter einen neuen Freund hat, läuft es für den elfjährigen Jon Whitcroft nicht gut. Er wird aufs Internat nach Salisbury geschickt, einer mehr als tausend Jahre alten und todlangweiligen Stadt. Als wäre das nicht schlimm genug, verfolgt ihn kurz nach seiner Ankunft nachts ein Geisterritter und klärt ihn darüber auf, dass auf seiner Familie ein alter Fluch lastet. Zum Glück weiß seine Mitschülerin Ella Littlejohn Rat, denn ihre Großmutter ist Expertin auf dem Gebiet der Geisterjagd. Gemeinsam durchforsten sie die magische Vergangenheit der alten Gemäuer, lösen Flüche und finden unerwartete Hilfe beim Grab des vergifteten Ritters William Longspee. In dunklen Nächten erleben sie gemeinsam die größten Schrecken und die schönsten Glücksmomente und werden durch diese Abenteuer allmählich zu besten Freunden.

Cornelia Funke gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen und ist dem Dresdner Publikum bereits durch die Romanadaptionen von RECKLESS, TINTENHERZ und HERR DER DIEBE bestens bekannt. In GEISTERRITTER öffnet sie die Tür zu den verwunschenen Mauern eines englischen Internats, einer opulenten Welt voller Ritter, Geister und geheimnisvoller Orte, in der sie doch ihre beiden Protagonisten Jon und Ella und ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen nie aus dem Blick verliert.

Regie: Nicolai Sykosch
Bühne: Hansjörg Hartung
Kostüme: Britta Leonhardt
Musik: Sabine Worthmann
Kampfchoreografie: Thomas Ziesch

Geisterritter bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Geisterritter

Theater

Woyzeck

von Georg Büchner

Der erst 23-jährige Georg Büchner entwirft wenige Monate vor seinem plötzlichen Tod am 19. Februar 1837 seinen WOYZECK. Mit diesem fragmentarischen Text wird erstmals in der dramatischen Literatur ein sozial Deklassierter zum Helden einer Tragödie – mit WOYZECK beginnt das moderne Drama. Büchners Woyzeck ist kasernierter Soldat, der sich durch Dienstleistungen etwas Geld verdient, um seine Geliebte Marie und ihr gemeinsames uneheliches Kind durchzubringen. Er ist ein Getriebener und Geschundener: vom Doktor zu medizinischen Experimenten missbraucht, vom Hauptmann verhöhnt, vom Tambourmajor verprügelt, hört er Stimmen, die ihn zum Mord antreiben, bis er schließlich Marie aus Eifersucht mit einem Messer tötet. Grundlage der fiktionalen Handlung waren historische Gerichtsfälle, einer von ihnen ist der des Johann Christian Woyzeck, der am 21. Juni 1821 seine Geliebte Johanna Christiane Woost mit einer abgebrochenen Degenklinge erstochen hatte. In diesem Mordprozess ging es vor allem um die Schuldfähigkeit des Ange­klagten, die in zwei Gutachten überprüft wurde: war er geistig unzurechnungsfähig oder verfügte er über einen freien Willen und war damit schuldig? Büchner greift diese Frage auf und gibt ihr eine philosophische Dimension, in dem er die Willensfreiheit des Einzelnen, die seit Immanuel Kant Grundlage unserer aufgeklärten Moral und Rechtsordnung ist, in Zweifel zieht. Sein Woyzeck versucht, eine verrückte, ausbeuterische Welt, in der er auf der untersten Stufe steht, zu verstehen, um in ihr bestehen zu können und scheitert daran. Aber die ‚Wunde Woyzeck‘ bleibt: „Immer noch rasiert Woyzeck seinen Hauptmann, isst die verordneten Erbsen, quält mit der Dumpfheit seiner Liebe seine Marie, staatgeworden seine Bevölkerung, umstellt von Gespenstern.“ (Heiner Müller)

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Amit Epstein
Puppenbauer: Michael Pietsch
Livemusik: Anton Berman
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Jörg Bochow

Woyzeck bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Woyzeck

1 Theater

Mutter Courage und ihre Kinder

von Bertolt Brecht

eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg
musikalische Einrichtung der Musik von Paul Dessau von Thomas Kürstner und Sebastian Vogel

Ganz Europa ist verwüstet, der Dreißigjährige Krieg hat den Kontinent schon vor Jahren ins Chaos befördert. Doch mittendrin bleibt die Marketenderin Mutter Courage mit ihrem Planwagen unverwüstlich und zieht von Heereslager zu Heereslager. Trotz aller Mühen will sie sich den Krieg nicht madig machen lassen, sie hat drei Kinder durchzubringen, und der drohende Frieden ist lediglich eine Gefahr fürs gut laufende Geschäft. Über die Jahre landet erst der redliche Sohn Schweizerkas vor dem Kriegsgericht, die Courage hatte zu lang um die Bestechungssumme für seine Freilassung gefeilscht. Ihm folgt der kluge Eilif und schließlich wird selbst die stumme Kattrin bei einer letzten Heldentat erschossen. Die Courage zieht mit ihrem Planwagen weiter, dem Regiment und dem Krieg hinterher, denn das nächste Geschäft ist nicht weit.
Bertolt Brecht schrieb MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges im schwedischen Exil. Darin fand er anhand des historischen Dreißigjährigen Krieges nicht nur starke Bilder für die hässlichen Seiten einer damals erneut unmittelbar bevorstehenden Verwüstung Europas. Er führte genauso vor, dass Kriege vordergründig „aus Gottesfurcht und für alles, was gut und schön ist“ geführt werden, dass letztlich aber die Gewinne in der Kasse und nicht auf dem Schlachtfeld zählen.

Regie: Armin Petras
Bühne: Olaf Altmann
Kostüme: Cinzia Fossati
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Choreografie: Denis Kooné Kuhnert
Musikalische Einstudierung: Thomas Mahn
Licht: Norman Plathe-Narr
Dramaturgie: Katrin Schmitz

Mutter Courage und ihre Kinder bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Mutter Courage und ihre Kinder

Konzert

Richtfest

von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

„Dass eine Gruppe von Menschen beschließt, ihre Ressourcen zusammenzuwerfen und gemeinsam zu leben. Darin steckt ein sehr utopischer Gedanke und ein großes Aufeinander-angewiesen-Sein.“ Lutz Hübner

Eine Baugemeinschaft ist für die einen ein Versprechen, für die anderen eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Jene träumen von einem solidarischen Leben, von gemeinsamer Kinderbetreuung und Beistand im Alter. Die anderen hingegen vor allem von einem preiswerten Weg zum Wohneigentum mitten in der Stadt. Aber so oder so: Sie müssen es miteinander aushalten und ihre Entscheidungen gemeinsam treffen, in der Regel nach langen Debatten, weshalb es in ihrer Hausbesitzer-Versammlung beinahe nicht anders zugeht als auf einem Hausbesetzer-Plenum.

RICHTFEST erzählt von den einen und von den anderen, von den Utopisten, die Individualität gerade in der Gemeinschaft suchen und von den Häuslebauern, die sich ihr Traumhaus eigentlich nicht leisten können. Sechs Parteien finden sich zusammen, um gemeinsam eine Bauherrenschaft zu übernehmen. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen und hegen ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnen und vom Leben. Dass sie wenig voneinander wissen, bevor sie sich, beinahe für immer, miteinander verbinden, macht ihnen ihre Sache nicht leichter. Aber kein Zweifel: Weil sie zusammen ein Haus bauen, lernen sie sich kennen.

Regie: Tom Kühnel
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Fabian Ristau

Richtfest bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Richtfest

Theater

Kabale und Liebe

von Friedrich Schiller

Friedrich Schiller hatte sein bürgerliches Trauerspiel ursprünglich nach seiner Titelheldin LUISE MILLERIN benannt. Seit über 230 Jahren gerät diese junge Frau im Ringen um ihre Liebe in den Strudel von Lügen, Misstrauen und Intrigen und scheitert immer wieder. Dabei könnte alles so schön sein: Ferdinand liebt Luise, Luise liebt Ferdinand, und beide haben sie sich ewige Treue geschworen. Doch Luise ist eine junge Musikertochter und Ferdinand Präsidentensohn. Unter dem strengen Diktat der hierarchisch strukturierten Gesellschaft ist diese Liebe ein Politikum und deshalb kein Happy End möglich. Zwar erheben die beiden Liebenden ihre Stimme gegen die Fürstenwillkür, gegen die Zwänge der herrschenden Ständegesellschaft und das Mätressenwesen. Dennoch endet ihre Liebe tödlich.
KABALE UND LIEBE von Schiller ist weit mehr als eine mitreißende Lovestory. Schiller lässt hier Einflüsse aus Shakespeares ROMEO UND JULIA und Lessings EMILIA GALOTTI zu einem Politthriller mit tödlichem Ausgang verschmelzen. Die Forderung der Jugend nach Freiheit gegenüber dem verkrusteten Establishment führt das Liebespaar direkt in die Katastrophe.
Der junge georgische Regisseur und Dramatiker Data Tavadze, der seit 2008 das Royal District Theatre in Tbilisi, Georgien, leitet und Preisträger des Fast Forward – Europäisches Festival für junge Regie 2016 ist, wird im Zuge dieser Auszeichnung den deutschen Klassiker KABALE UND LIEBE am Staatsschauspiel Dresden inszenieren. Tavadze, dessen Inszenierung PROMETHEUS/25 YEARS OF INDEPENDENCE im Juni 2018 das Festival Radar Ost am Deutschen Theater Berlin eröffnete, war zuletzt mit seiner Arbeit AFTER PARTY/AFTER LIFE im Rahmen des Geschichtsfestivals War or Peace am Maxim Gorki Theater Berlin zu sehen.

Regie: Data Tavadze
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Irène Favre de Lucascaz
Musik: Nika Pasuri
Licht: Peter Lorenz
Dramaturgie: Julia Weinreich

Kabale und Liebe bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Kabale und Liebe

Theater

Schuld und Sühne

nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski

„So paradox es klingen mag, ich muss behaupten, dass das Schuldbewusstsein früher da war als das Vergehen, dass es nicht aus diesem hervorging, sondern umgekehrt das Vergehen aus dem Schuldbewusstsein.“ (Sigmund Freud)

Sigmund Freud analysierte Verbrecher aus Schuldbewusstsein, die kriminelle Handlungen begingen, eben weil sie verboten waren. Bei Rodion Raskolnikow, verarmter Student und Held von Dostojewskis großem Roman, kommt hinzu, dass er sich eine philosophische Theorie zusammengebaut hat, nach der er die Menschen in ‚gewöhnliche‘ und ‚ungewöhnliche‘ einteilt. Letztere hätten das Recht, die ersteren als Material für ihre Ideen und Vorhaben zu behandeln und zu benutzen und eben auch das Recht zu töten. Den Ideen der ‚großen‘ Menschen ist alles unterzuordnen, da nur sie in der Lage seien, etwas Neues zu schaffen. Raskolnikow testet seine Theorie im realen Leben, er ermordet eine Pfandleiherin und als ‚Kollateralschaden‘ auch noch ihre Schwester. Der Mord steht am Beginn des Romans, der dann die schrittweise Aufklärung der Motive, der Ängste und der Irrungen Raskolnikows als spannenden Krimi erzählt. SCHULD UND SÜHNE bietet meisterhaft komponierte Spannung, es ist aber vor allem einer der großen Ideenromane Dostojewskis: Die nihilistische Philosophie Raskolnikows verweist auf menschliche Abgründe und Denkmuster, die immer wieder den dünnen Mantel humanistischer Zivilisation durchstoßen.

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Musik: Samuel Wiese
Lichtdesign: Lothar Baumgarte
Licht: Peter Lorenz
Dramaturgie: Jörg Bochow

Schuld und Sühne bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Schuld und Sühne

Schauspiel

Der Kirschgarten

von Anton Tschechow

Der Kirschgarten steht in voller Blüte, als Ranjewskaja nach Jahren auf ihr heimatliches Grundstück zurückkehrt. Hier hat sie eine glückliche Jugend verbracht, aber auch ihren Ehemann und Sohn verloren. Erinnerungsschwer durchstreift sie das alte Gelände, das ihre Töchter mit dem letzten Geld bewirtschaftet haben.
Der Kirschgarten ist nutzlos geworden, die Rezepte für Kirschen verloren. Die Schulden dagegen sind ins Unermessliche gestiegen.
Der Emporkömmling Lopachin macht einen Vorschlag: Um das Gelände gewinnbringend zu nutzen, soll der Kirschgarten abgeholzt und in kleine Parzellen aufgeteilt werden, die dann mit Wochenendhäusern bestückt, an Städter vermietet werden können.
Tschechows letztes Stück DER KIRSCHGARTEN zeigt ein Zögern und Verharren der Gesellschaft zwischen Rückwärtsgewandtheit und Zukunftsangst. Die Frage ‚Bleiben oder Gehen?‘ beantworten die Figuren mit einem Aufbruch, mit dem Verlassen der Heimat und alter Strukturen, jede in eine andere Richtung und auf ihrem eigenen Weg. Ob es ein hoffnungsvoller Aufbruch in glücklichere Zeiten ist, bleibt ungewiss. Während sie packen, hört man bereits die Sägen, das Abholzen des Kirschgartens hat begonnen.

Regie und Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Peter Lorenz
Dramaturgie: Katrin Breschke

Der Kirschgarten bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Der Kirschgarten

Theater

Eine Straße in Moskau

nach dem Roman von Michail Ossorgin

aus dem Russischen von Ursula Keller
in einer Spielfassung von Sebastian Baumgarten und Jörg Bochow

Im Zentrum von Michail Ossorgins Roman steht die Familie eines Ornithologen und das Haus, das sie bewohnt in der Straße Siwzew Wrashek – in der Nähe des berühmten Moskauer Arbat. Dieses Haus und seine Bewohner, zu denen neben den Wissenschaftlern, Künstlern und Angestellten auch die Tiere gehören, bilden einen Mikrokosmos, in dem sich das Weltgeschehen spiegelt. Die Handlung setzt kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs ein und erstreckt sich bis ins Jahr 1920. Tage und Jahre, die bis heute die Weltgeschichte prägen. 1914 kulminierten hundert Jahre Industrialisierung und Globalisierung im ersten industriell geführten Massenmord des Weltkriegs. Aus ihm entsprang die Revolution von 1917. Ossorgin war selbst beteiligt an der Revolution von 1905, 1922 wird er zusammen mit vielen Intellektuellen verbannt und gelangt auf dem sogenannten Philosophenschiff nach Westeuropa. Trotzdem sieht Ossorgin in den Wirren der Revolution eine Übergangsphase, und so zeigt er die Helden seines Romans im Versuch, in dieser Umbruchszeit zu überleben und eine neue Rolle zu finden. Ossorgin schildert das Geschehen aus vielfältigen Perspektiven: aus der Tanjas, der 17-jährigen Enkelin des ‚Vogelprofessors‘, aus der des Kriegsinvaliden Stolnikow, aus der des verhafteten Philosophen Astafjew, aus der der Tiere sowie aus der der Sonne, die das menschliche Streben begleitet. EINE STRASSE IN MOSKAU war 2015, als man den Roman wiederentdeckte, eine literarische Sensation, die vor allem durch ihre poetische Sprache, die an die Ästhetik Michail Bulgakows heranreicht, beeindruckt.

Regie: Sebastian Baumgarten
Bühne und Kostüme: Christina Schmitt
Musik: Stefan Schneider
Film / Video: Philipp Haupt
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Jörg Bochow

Eine Straße in Moskau bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Eine Straße in Moskau

Theater

Erniedrigte und Beleidigte

nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski

„ … aber was soll ich tun, wenn ich bestimmt weiß, dass die Grundlage aller menschlichen Tugenden der größte Egoismus bildet.“

Dostojewski lässt in seinem Roman, erschienen 1861, den fiktiven Autor Iwan Petrowitsch auf den Zyniker Fürst Walkowski treffen, dem es Vergnügen bereitet, alles Gerede über Altruismus und selbstaufopfernde Liebe als bloße Illusion zu verspotten. Beide begegnen sich eines Abends im von Dostojewski als düsterer Großstadtmoloch geschilderten Petersburg. Walkowski hat seinen Sohn, den willensschwachen, kindlichen Aljoscha, bei seinem Verwalter und dessen Familie, den Ichmenews, untergebracht, bei denen auch der junge Dichter aufwuchs. Die Tochter der Ichmenews, Natascha, verliebt sich und verlässt mit Aljoscha die Familie. Walkowski verklagt seinen Verwalter und bezichtigt ihn der Intrige. In rasanter Folge gehen die Liebesverwirrungen sowie deren skrupellose Instrumentalisierung und der soziale Abstieg ganzer Familien ineinander über. Despotisch ist nicht nur der Fürst, sondern alle Figuren sind von ihrem verletzten Selbst und der Sucht nach Genugtuung getrieben. Hinter den großen Emotionen aber geht es schlicht um Vermögensanteile: „Das Leben ist ein Handelsgeschäft; werfen sie ihr Geld nicht umsonst weg“, rät Walkowski dem mittellosen Dichter.

Regie und Bühne: Sebastian Hartmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Chorleitung: Christine Groß
Bild/Installation: Tilo Baumgärtel
Lichtdesign: Lothar Baumgarte
Licht: Peter Lorenz
Dramaturgie: Jörg Bochow

Erniedrigte und Beleidigte bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Erniedrigte und Beleidigte

Konzert

Geächtet

von Ayad Akhtar

Deutsche Fassung Barbara Christ

AMIR Der Islam kommt aus der Wüste. Von Menschen, die streng ge-dacht und streng gelebt haben. Für die das Leben etwas Hartes, Erbarmungsloses war. Etwas, das man erleiden muss … Juden haben anders auf diese Situation reagiert. Sie haben immer und immer und immer wieder drüber diskutiert … Ich meine, schau in den Talmud. Sie betrachten die Dinge aus hundert verschiedenen Blickwinkeln, wollen alles relativieren, leichter machen, lebbarer … Was sie auch tun – Muslime machen es anders. Muslime denken nicht darüber nach. Sie unterwerfen sich. Genau das bedeutet übrigens Islam. Unterwerfung.

Dem aufstrebenden New Yorker Anwalt Amir Kapoor könnte es nicht besser gehen: Demnächst soll er zum Partner der jüdischen Kanzlei werden, in der er arbeitet, er ist verheiratet mit der erfolgreichen und gut­aussehenden Künstlerin Emily, und von seinen pakistanischen Wurzeln hat er sich so vollkommen distanziert, dass er ein Vorbild an Integration darstellt. Doch als Emilys Galerist Isaac und Amirs Kollegin Jory zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen werden, zeigt die glänzende Fassade mit zunehmendem Alkoholkonsum schnell ihre Risse. Unterdrückte Vorurteile und rassistische Klischees werden auf den Tisch gepackt, Anschuldigungen erhoben und Affären aufgedeckt. Religiöse Konflikte und karrieristische Bestrebungen wechseln sich rasant mit persönlichen Verletzungen und Eifersucht ab, bis die unterschwelligen Bilder, die man sich vom anderen gemacht hat, plötzlich Wirklichkeit werden.

Ayad Akhtars Erfolgskomödie GEÄCHTET wurde 2013 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, 2016 von der Fachzeitschrift Theater heute zum besten ausländischen Stück gewählt und erhielt 2017 den Nestroy-Preis. Wie unter einem Brennglas lässt Akhtar in einer Gruppe wohl­situierter und bestens angekommener Bürger die schwelenden Konflikte um religiöse Ignoranz, falsch verstandene Assimilation, ethnische Vorurteile und alltäglichen Rassismus Feuer fangen, bis die Katastrophe unausweichlich ist.

Regie: Nicolai Sykosch
Bühne und Kostüme: Stephan Prattes
Licht: Jürgen Borsdorf
Dramaturgie: Jörg Bochow, Katrin Schmitz

Geächtet bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Geächtet

Aufführung

Circus Sarrasani. The Greatest Show on Earth

ein Abend von und mit Rainald Grebe

Jahrelang gab es für viele nichts Aufregenderes als einen Zirkusbesuch. Menschen aller Stände, Klassen und Schichten strömten auf der Suche nach dem wohligen Schauer hinter sicheren Gittern, dem atemlosen Staunen über waghalsige Salti und der hemmungslosen Heiterkeit der Clowns in das Rund der Arena. Keiner, der je dort war, konnte den Geruch von Sägespänen, Tieren, Schweiß und Popcorn vergessen; keiner die Erwartung, gerade heute den ungeheuerlichsten Attraktionen aus den entlegensten Orten der Welt zu begegnen. Live, handgemacht, ohne Netz und doppelten Boden!
Zu jenen magischen Orten der Unterhaltung gehörte der Circus Sarrasani. Um 1900 von Ernst Stosch-Sarrasani in Dresden gegründet, war er bald einer der größten und elegantesten in Europa. Kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde in der Dresdner Neustadt ein festes Zirkusgebäude errichtet, das „Theater der 5000“. Heute scheint die Zeit des Zirkus zu Ende, nicht nur in Dresden. Die Gründe sind vielfältig. Der Zirkus war Weltausstellung, Völkerschau, Panoptikum und Jahrmarkt. Doch nie galt er als Kunstform, nie erfuhr er staatliche Förderung, immer stak er mittendrin in der Marktwirtschaft. Ein internationales Ding. Ein Riesenunternehmen. Ein Übertreibungsapparat. – Rainald Grebe macht sich auf die Suche nach Sarrasani, nach dem verlorenen Zirkus, auf die Suche nach Artisten und Raubtieren, nach U und E. Manege frei für ein Stück Dresden.

Regie: Rainald Grebe
Bühne: Janna Skroblin
Kostüme: Ira Hausmann
Musik: Jens-Karsten Stoll
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Kerstin Behrens

Circus Sarrasani. The Greatest Show on Earth bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Circus Sarrasani. The Greatest Show on Earth

Theater

Tod eines Handlungsreisenden

von Arthur Miller

TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN ist das bekannteste Drama von Arthur Miller. Nach der Uraufführung 1949 bekam er im selben Jahr dafür den Pulitzer Preis und erlebte seinen Durchbruch als Schriftsteller.
Im Zentrum von Millers Drama steht Willy Loman. Er definiert sich über die Arbeit, über die Erfolge und den Umsatz, den er als Geschäftsmann erzielt. Jetzt – mit über 60 – will er es langsam ruhiger angehen lassen, nicht mehr so viel geschäftlich übers Land fahren. Aber die Bitte bei seinem Chef, eine Stelle vor Ort antreten zu können, wird nicht nur abgelehnt, er wird ganz gekündigt. Von jetzt auf gleich gehört er zum alten Eisen und wird aussortiert. Eine junge Generation steht schon vor der Tür, mit neuen Ideen, mehr Elan und größeren Chancen.
Auf die junge Generation, in Gestalt seiner Söhne Biff und Happy, setzt nun auch Willy Loman. Denn seine Söhne sind tolle Männer, haben Erfolg, sind angesehen, machen Karriere und werden ihn im Alter unterstützen.
Willys ältester Sohn Biff aber sieht das anders. Er zerbricht an den Forderungen einer Gesellschaft, in der man immer schneller sein muss, mit den Ellenbogen einen Konkurrenzkampf nach dem anderen führt und nur Besitz, Status und Geld zählen. Und er hält seinem Vater den Spiegel vor, fragt, ob dieser wirklich so erfolgreich war oder ob sein Leben nicht eine einzige Lüge sei.
Willy Lomann lebt mehr in einer Scheinwelt als in der Realität und verliert dadurch sowohl seine Familie als auch sein Leben.
Arthur Miller schreibt das Drama im Alter von 34 Jahren und blickt aus der Perspektive der Söhne auf eine Vätergeneration, die sich in den Versprechungen des Kapitalismus verloren hat.

Regie: Michael Talke
Bühne: Barbara Steiner
Kostüme: Tabea Braun
Musik: Johannes Mittl
Licht: Peter Lorenz
Dramaturgie: Katrin Breschke

Tod eines Handlungsreisenden bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Tod eines Handlungsreisenden

Theater

Ein Sommernachtstraum

von William Shakespeare

Eine Handwerkertruppe soll zu Theseus’ Hochzeit in Athen ein Schauspiel aufführen, doch die nächtlichen Proben im Wald vor der Stadt scheitern kläglich. Der Streit zwischen Elfenkönigin Titania und ihrem Gatten Oberon führt zu einem Liebeschaos, das alle Umherirrenden ergreift: Handwerker Zettel wird in einen von Titania geliebten Esel verwandelt, Pucks Zauber narrt zwei geflüchtete Athener Liebespaare und lässt sie im Sekundentakt die Partner wechseln, die heimelige Waldwelt wird zum tosenden Strudel verborgener Wünsche, zum Wahn aus Leidenschaft, Schmähung, Begehren und Scham. Erst knapp vor dem Morgengrauen lässt Oberon die traumtrunkenen Athener zurück in die Stadt. Wie soll man angesichts dieses Spektakels ein Schauspiel proben und aufführen können? Und war die Traumnacht selbst nicht ein großes, zauberreiches Schauspiel, doch aufgeführt von wem, für wen und wozu?
EIN SOMMERNACHTSTRAUM gilt als erster Höhepunkt in William Shakespeares Komödienschaffen. Geschrieben anlässlich einer Hochzeit von Adligen präsentiert der Autor die Höhenflüge der ewigen Liebe ebenso wie ihre Schattenseiten, der keine Art von Eifersucht, Manipulation und Macht fremd sind. Virtuos jagt er seine Figuren durch Traum, Wachheit und Wahn, spielt mit der Fantasie der Figuren ebenso wie mit der des Publikums. Die Banalität der magischen Verstrickungen wechselt sich unablässig mit dem Zauber des Menschlichen ab. Der Wunsch wird zum Alptraum und das Schauspiel zur Wirklichkeit, in einem Wort: „Bombastisch, jubelnd, es wird lustig werden.“

Regie: Friederike Heller
Bühne und Kostüme: Sabine Kohlstedt
Musik: Peter Thiessen
Dramaturgie: Katrin Schmitz
Licht: Peter Lorenz

Dauer der Aufführung: 2 Stunden und 5 Minuten.
Keine Pause.

Ein Sommernachtstraum bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Ein Sommernachtstraum

Theater

Der Untertan

nach dem Roman von Heinrich Mann

in einer Spielfassung von Jan-Christoph Gockel und Julia Weinreich

Der ‚Untertan‘ ist Diederich Heßling – „ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.“ Er misstraut dem Vater und verehrt ihn doch. Die Macht der Schule ist ihm zuwider, den strengen Einsatz des Rohrstocks lobt er trotzdem. Heßling ist einer, der nach oben buckelt und nach unten tritt.
In einer bitteren Satire analysierte Heinrich Mann visionär die nationalistische Politik und deutsche Mentalität der Vorkriegszeit und zeichnet eine Gesellschaft und ihre Protagonisten, die sich immer willenloser von den Strömungen des Zeitgeistes treiben lassen. Sie huldigen einem falschen Patriotismus und sind rücksichtslos auf ihre kleinen Vorteile bedacht. Die herrschende Moral ist doppelbödig. Eine Moral, die sich allein nach dem persönlichen Nutzen ausrechnet – mal kommt eine Brise Antisemitismus gelegen, mal die Angst vor dem Sozialismus. Frauen sind begehrenswert, wenn sie reiche Erbinnen sind oder sich in jenen Tabuzonen bewegen, die nicht zum Bereich der Öffentlichkeit gehören. Kurt Tucholsky rühmte den Roman als „Enthüllung des deutschen Seelenzustandes“ und als „Anatomie-Atlas“ des Wilhelminischen Kaiserreichs. – Heute sind die Fürsten lange fort. Und der deutsche Untertan? Gibt es ihn noch?

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Sophie Du Vinage
Puppenbauer: Michael Pietsch
Musik: Anton Berman
Licht: Andreas Barkleit
Dramaturgie: Julia Weinreich

Der Untertan bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Der Untertan

Gespräch

Dresdner Reden 2020

in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung

Die traditionsreiche Reihe der Dresdner Reden in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung, die seit 1992 am Staatsschauspiel Dresden stattfindet, wird auch 2020 fortgesetzt. Hierzu laden wir jedes Jahr Persönlichkeiten aus Kunst, Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft ein, mit unserem Publikum über Themen der Zeit nachzudenken.

2. Februar 2020, 11.00 Uhr
Ulrich Wickert, Journalist und Autor
„Von der Suche nach Heimat und deutscher Identität“

Der Journalist und Autor Ulrich Wickert fordert in seinem im September erschienenen Buch IDENTIFIZIERT EUCH! eine Rückbesinnung auf unsere Werte. Marode Brücken, fehlender Digitalausbau, Verkehrskollaps – und die Politik berauscht sich an der schwarzen Null. Unterdessen hetzen nationalistische Demagogen Bürger auf und vergrößern die Gräben. Rechts gegen Links, Ost gegen West, Stadt gegen Land. Die Probleme sind zahlreich, Taten folgen nicht. Deutschland nähert sich dem Burn-out. Um endlich wieder handlungsfähig zu werden, müssen wir uns mehr mit den Werten identifizieren, die uns ausmachen. Von Politik über Religion bis Literatur und Geschichte liefert Ulrich Wickert eine Neubewertung unserer Identität und definiert einen neuen Heimatbegriff. Er zeigt dabei, was Bürger unterschiedlichster Herkunft als Deutsche eint. Denn in Zeiten undemokratischer Entwicklungen muss sich jeder verantwortlich fühlen für den Zustand unseres Landes.

9. Februar 2020, 11.00 Uhr
Hartmut Rosa, Soziologe und Politikwissenschaftler
„Wenn die Welt zum Feind wird, misslingt das Leben. Politisches Plädoyer für ein anderes In-der-Welt-Sein.“

Wenn die Moderne darauf ausgerichtet ist, Welt verfügbar zu machen, so liegt dem die Vorstellung und das Verlangen zugrunde, sie unserem Begehren verfügbar zu machen. Aber eine komplett verfügbar gemachte Welt wäre nicht nur reizlos, sie wäre auch resonanzlos: Es gäbe in ihr nichts mehr zu begehren. Und es gibt eine ganze Reihe von Indizien dafür, dass die Libido, das ‚lodernde‘ Begehren, in der zeitgenössischen Gesellschaft abnimmt, so dass manche Beobachter etwa schon von einem post-emotionalen und post-sexuellen Zeitalter reden. Frustration und Depression nehmen zu und auch politisch sich äußernde Enttäuschung darüber, dass das Leben nicht hält, was es verspricht: Gerade in den Wohlstandszonen der Spätmoderne, wo ökonomische und digitale Verfügbarkeit beispiellose Reichweiten erlangt haben, erobern (oft gut situierte) Wutbürger die Mehrheiten. Worüber sind sie so wütend? Was wurde nicht eingelöst? Worauf basiert ihr generalisiertes Ressentiment gegenüber der Welt? Die Antwort, die der Vortrag des Soziologen und Politikwissenschaftlers Hartmut Rosa zu entwickeln versucht, lautet, dass die Kultur der Moderne an einer systematischen Verwechslung von Verfügbarkeit und Erreichbarkeit leidet und dass sie ein anderes Weltverhältnis entwickeln muss.

16. Februar 2020, 11.00 Uhr
Marion Ackermann, Kunsthistorikerin und Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
„Identität“

Die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, spricht in ihrer Dresdner Rede über Identität: Der Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe am 25. November 2019 wurde als „Anschlag auf die sächsische Identität“ gedeutet. Dies führte zu einer bundesweiten Debatte über den Identitätsbegriff. Doch was impliziert „Identität“ in Hinblick auf Kunst- und Kulturobjekte? Wie können Kunstwerke und materielle Objekte Grundlage für Identitätsbildungsprozesse und Identitätsvergewisserung sein? Die Dresdner Rede von Marion Ackermann nähert sich aus einer kunsthistorischen Perspektive einer Beantwortung dieser Frage und zeigt dabei auch, wie Konstruktionen von Identität durch sprachliche und visuelle Bilder entstehen.

1. März 2020, 11.00 Uhr
Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin
„Sind wir noch normal? Von der Norm, die nicht konform sein wollte.“

Miriam Meckel, Kommunikationswissenschaftlerin, Publizistin und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, spricht in ihrer Rede über den Durchschnitt, der in Deutschland eine ganz besondere Faszination hat: Lieber nicht auffallen, lieber im Mittelwert verschwinden. Was gesagt und wie gelebt werden darf, richtet sich gerne nach einer vermeintlichen Konsensualposition. Aber lebt eine Demokratie nicht von Konfrontation der Positionen und Aushandlung des besseren Arguments? Neue Technologien, die perfektionistisch vermessen, können auf alles eine Norm berechnen – das Mittelmaß als Mantra der metrischen Gesellschaft. Wie langweilig. Es wird Zeit für neuen Mut der Außenseiter*innen und Nonkonformist*innen. Der Mensch ist die Ausnahmesituation, nicht die Regel. Leben wir sie.

Dresdner Reden 2020 bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Dresdner Reden 2020

Lesung

LTI – Lingua Tertii Imperii

von Victor Klemperer

Während des zweiten Weltkrieges sahen sich als Juden verfolgte Menschen neben den körper­lichen und materiellen auch sprachlichen Demütigungen ausgesetzt. Victor Klemperer, der große deutsche Romanist, hat während der Hitler-Herrschaft die Sprache der Nationalsozialisten analysiert und dokumentiert.
Den Titel, manchem Leser ein Rätsel, erklärte Victor Klemperer selbst: „LTI: Lingua Tertii Imperii, Sprache des Dritten Reichs. Als parodierende Spielerei zuerst, gleich darauf als ein flüchtiger Notbehelf des Erinnerns, als eine Art Knoten im Taschentuch, und sehr bald und nun für all die Elendsjahre als eine Art Notwehr, als ein an mich selbst gerichteter SOS-Ruf steht das Zeichen LTI in meinem Tagebuch.“
Wir erleben täglich, wie Worte zu Waffen werden und wie wir damit die Gräben unserer Gesellschaft vertiefen. Wer mit Sprache umgehen kann, kann sie für seine Zwecke benutzen. Denn Sprache ist Macht. Victor Klemperer hat in LTI (LINGUA TERTII IMPERII – SPRACHE DES DRITTEN REICHS) gezeigt, wie Sprache im Nationalsozialismus als Ideologietransport missbraucht wurde. Seine Analyse über die Sprache des ­Dritten Reichs liest sich wie eine Gebrauchsanweisung, ­die die sprachlichen Manipulationen entlarvt und benennt.

Einrichtung: Julia Weinreich
Mit: Elias Baumann, Leo Goldberg, Birte Leest

LTI – Lingua Tertii Imperii bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte LTI – Lingua Tertii Imperii

46

Schauspielhaus

Staatsschauspiel Dresden

Vorverkaufskassen

Kassen- und Servicezentrum im Schauspielhaus
Theaterstraße 2
01067 Dresden
Mo bis Fr 10.00–18.30 Uhr, Sa 10.00–14.00 Uhr

Vorverkaufskasse im Kleinen Haus
Glacisstraße 28
01099 Dresden
Mo bis Fr 14.00–18.30 Uhr
Tel: 03 51.49 13–555
tickets@staatsschauspiel-dresden.de

Schauspielhaus bewerten:

Vielen Dank für Ihre Bewertung!

Bewertungen & Erfahrungsberichte Schauspielhaus

Aufführungen / Theater Schauspielhaus Zürich Zürich, Rämistrasse 34
Aufführungen / Theater Schauspiel Köln Köln, Schanzenstr. 6-20
Aufführungen / Oper Theater an der Wien Das neue Opernhaus Wien, Linke Wienzeile 6
Aufführungen / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4
Aufführungen / Theater Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Aufführungen / Theater Theater Konstanz Konstanz, Konzilstraße 11
Aufführungen / Oper Wiener Staatsoper Wien, Opernring 2
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Brienner Straße 50
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Aufführungen / Theater Vorarlberger Landestheater Bregenz, Seestr. 2
Aufführungen / Theater Theater Erfurt Erfurt, Theaterplatz 1
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 3
Aufführungen / Musical Ronacher Wien Wien, Seilerstätte 9

Sie haben noch keinen Login? Dann registrieren Sie sich gleich hier!

Bitte schauen Sie in Ihrem E-Mail-Postfach nach der Registrierungsmail und klicken Sie auf den darin enthaltenen Link.