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Lessingtage 2022

Lessingtage

Theaterfestival / 25.1. bis 12.2.2023

„Um alles in der Welt“ – so lautet seit 2009 das Motto der Lessingtage in einer Welt, die tatsächlich selten so dissoziiert und disruptiv war wie derzeit. Es gibt keine Haupt- und Nebenthemen, sondern nur die Vielfalt einer zersplitterten Welt, in der geliebt und gehasst wird, in der das Schöne und das Hässliche, Krieg und Frieden auf nahezu unerträgliche Weise parallel existieren müssen – ja, eine Welt im Ausnahmezustand. Eine Welt, die wir uns noch vor wenigen Jahren so niemals hätten vorstellen können. Und trotzdem gilt der schöne Wittgenstein-Satz „Die Welt ist alles, was der Fall ist“.

Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der künstlerischen Positionen: Erstmals bei den Lessingtagen zeigen wir den europäischen Regiesuperstar Romeo Castellucci! Wir freuen uns auf Yael Ronen, Hamburger Publikumsliebling seit „(R)Evolution“! Der New Yorker Taylor Mac (nominiert für den Pulitzerpreis, Preisträger des International Ibsen Award, dem „Oscar“ des europäischen Theaters) hat extra für Hamburg eine Spezialedition seines Welterfolges erarbeitet. Das estnische Künstlerduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo, die vor einigen Jahren Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ und „Hänsel & Gretel“ mit Till Lindemann am Thalia Theater inszeniert haben, kommen wieder! Genauso wie Nicolas Stemann, den das Thalia Publikum vermisst. Die Dakh Daughters aus Kiew – zuletzt im April beim umjubelten Konzert „Ukraine Fire“ im Thalia zu sehen, präsentieren die Deutschlandpremiere ihrer neuen Produktion! Und, und, und…

Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der Kunstformen: Intelligente Unterhaltung mit hohem ShowFaktor, Musiktheater, Installation, klassisches Sprechtheater, Performance, diskursives Dokumentartheater, immersives Theater, Lecture Performance – selten war die Stilvielfalt so groß!


Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der Themen: In der Gaußstraße gibt es einen Schwerpunkt mit vier Positionen, die sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und seinen globalen Folgen beschäftigen. Semper/Ojasoo zeigen aus weiblicher Perspektive und mit einem fesselnden Soundtrack weibliche Erfahrungswelten, in denen vom hedonistisch-urbanen Leben ebenso erzählt wird wie von Flucht und Vertreibung und anderen schwer miteinander zu vereinbarenden Parallelwelten der Moderne. In scharfem Kontrast dazu zeigt der rebellische ungarische Regisseur Jakab Tarnóczi Bilder der Vereinzelung, die einsame Nachtseite einer beschleunigten Welt.

Im Großen Haus vollbringt Yael Ronen das Kunststück, in der Form eines „Beinahe-Musicals“ von #Metoo-Debatten und dem „glitschigen Hang der Identitätspolitik“ (SZ) zu erzählen. Castellucci konfrontiert uns auf verstörende Weise mit dem berühmten Milgram-Experiment: Wieviel bzw. wie wenig braucht es, unsere humanen Ansprüche aufzugeben und sie in Richtung Gewaltbereitschaft zu verschieben? Die queere Show von Taylor Mac ist eine alternative, kaum je da gewesene Gegenerzählung zur Geschichte der USA aus der Perspektive marginalisierter Gruppen. Und schließlich Nicolas Stemanns Antikenbearbeitung: eine paradigmatische Geschichte darüber, dass wir bei krassem gesellschaftlichem Versagen gern zwar nach Schuldigen suchen können, in aller Regel aber in den eigenen Spiegel schauen sollten…

Lessingtage 2023 – Premieren des Thalia:
„Die Besessenen“ von Albert Camus (Regie: Jette Steckel) fragt: Unter welchen Bedingungen ist Freiheit eigentlich möglich? Und Huxleys „Schöne neue Welt“ in der Regie von Amir Reza Koohestani? Sie ist natürlich nicht schön. Gegen Avatare, geklonte genmanipuliert optimierte Menschen, denen das Menschliche ausgetrieben wurde, gibt es eine Rebellion, die das Menschliche – in seiner ganzen Ambivalenz – zurückersehnt…

Das Festival bildet die Welt ab, und diese ist derzeit ein Wimmelbild – schwer lesbar. Ihre Verständlichkeit hat abgenommen. Vielleicht wird sie mit Hilfe der Künste lesbarer.

Joachim Lux

Kontakt

Lessingtage
Thalia Theater GmbH
Alstertor 1
D-20095 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.32814-0
E-Mail: publikum@thalia-theater.de

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Bewertungen & Berichte Lessingtage

Schauspiel

Schöne neue Welt

nach dem Roman von Aldous Huxley übersetzt von Uda Strätling / in einer Bearbeitung von Amir Reza Koohestani und Keyvan Sarreshteh / Aus dem Persischen von Mitra Nadjmabadi / Regie Amir Reza Koohestani

Premiere: 26.1.2023

Wenn man alles auf Knopfdruck haben kann, auch und vor allem das Glück, welcher Wunsch bleibt da noch offen? 1932 erschien einer der wichtigsten utopisch-dystopischen Romane des 20. Jahrhunderts, ein bis heute in der ganzen Welt gelesener Klassiker, der Titel ein geflügeltes Wort. Aldous Huxley ließ seine „Brave New World“ eigentlich 500 Jahre in der Zukunft spielen. Aber was damals Zukunftsvision war, ist heute schon (fast) Gegenwart. Sex, befreit von jeglicher Moral und jedem Gefühl, wunschloses, immer verfügbares Glück, geboren aus der Chemie, und was vielleicht noch fantastischer ist: eine neue Welt, ganz speziell für uns designt, die alle unsere Wünsche erfüllt und uns verlässlich von allem ablenkt, was sie nicht bieten kann – oder will. Wir haben uns eine „Schöne neue Welt“ erschaffen, deren Befriedigungen, Verabredungen und Algorithmen so tief in uns eingedrungen sind, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Die da draußen, die außerhalb unserer idealen Gesellschaft leben, deren archaisches Leben gehört ja wohl eher ins Reich der Geschichte und Geschichten.

In solch einer Gemeinschaft ist John Savage aufgewachsen, in einem Reservat am Rande der Zivilisation. Einem Ort, an dem Hoffnung oft vergeblich und Frustration die Realität ist. Savage verkörpert all das, was die „Schöne neue Welt“ hinter sich gelassen hat. Als Savage zurückkehrt, beweist sein schäbiges Dasein nur einmal mehr, dass eine Welt, in der er nicht existiert, eine bessere ist.

Aber ist dieser Mensch wirklich „der Andere“? Und wirklich der Einzige, der anders ist? Ist jegliche Individualität ausgelöscht im Zustand der zwanghaften, immer verfügbaren, alptraumlosen Glückseligkeit? Gibt es kein Recht mehr, anders zu sein?

Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von „Transit“ nach Anna Seghers lädt der iranische Autor und Regisseur Amir Reza Koohestani ein zweites Mal für das Thalia Gaußstraße einen bekannten Stoff mit seinen eigenen Erfahrungen auf und überschreibt ihn zusammen mit seinem Co-Autor Keyvan Sarreshteh ins Heute.

in einer Bearbeitung von Amir Reza Koohestani und Keyvan Sarreshteh / Regie Amir Reza Koohestani

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Schauspiel

Bros

Gastspiel Societas, Italien / Ab 16 Jahren

Auf der Bühne über zwanzig Männer, Hamburger Amateurschauspieler: Sie haben kollektiv versprochen, einem bestimmten Verhaltenskodex zu folgen und einfach zu tun, was man ihnen sagt, ohne zu bewerten: eine experimentelle Versuchsanordnung, die einem schwer durchschaubaren System gehorcht. „Bros“ ist ein Abend über Macht, über die Aufhebung der Freiheit des Willens, über Gewalt und Mechanismen des Krieges – von Castellucci visionär entworfen, als noch kaum jemand einen Krieg mitten in Europa erwartete. Der italienische Regisseur spielt meisterhaft mit den Symbolen von Staatsmacht und „Law and Order“ und präsentiert einen ästhetisch perfekt inszenierten Abend zwischen Bildender Kunst, choreographischem Theater und Installation. Und doch ein Abend der Extreme – erschreckend wie die Wirklichkeit selbst, eine verstörende Farce und eine Herausforderung der Sinne.

Romeo Castellucci ist ein Superstar des europäischen Festival- und Opernbetriebs und wurde für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig ausgezeichnet. In Hamburg sonst nur selten zu Gast, ist er jetzt bei den Lessingtagen! 

Für weitere Eindrücke finden Sie hier die ARTE-Reportage zur Produktion
"Bros": Dunkles Porträt einer gehorsamen Gesellschaft.

Produktion Societas. Koproduziert von: Kunsten Festival des Arts Brussels; Printemps des Comédiens Montpellier 2021; LAC Lugano Arte Cultura; Maillon Théâtre de Strasbourg – Scène Européenne; Temporada Alta 2021; Manège Scène nationale; Le Phénix Scène nationale; MC93 Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis, ERT Emilia Romagna Teatro Italy, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Holland Festival; Triennale Milano Teatro; National Taichung Theater, Taiwan

KONZEPT UND REGIE: Romeo Castellucci
Musik: Scott Gibbons
MIT: Valer Dellakeza und den Polizisten Luca Nava, Sergio Scarlatella
& Amateurdarstellern aus Hamburg
KOSTÜME: Chiara Venturini
MITARBEIT DRAMATURGIE: Piersandra Di Matteo
REGIEASSISTENZ: Silvano Voltolina, Filippo Ferraresi

Koproduktion mit Societas

Eintritt € 16-79 
Dauer 1:30h, keine Pause 

Keine Sprachkenntnisse erforderlich
Ab 16 Jahren

Hinweis: Die Inszenierung enthält Szenen mit expliziter Gewaltdarstellung, Nacktheit und stellenweise sehr laute Musik.
 
Am 1. Februar um 19:30 Uhr:
Einführung im Mittelrangfoyer

Am 2. Februar im Anschluss:
Michael Laages (Theaterkritiker) im Gespräch mit Romeo Castellucci und dem Ensemble 

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Schauspiel

Cyber Elf

von und mit Magda Szpecht

Gastspiel ÆFEKT, Warschau, Polen
Deutschlandpremiere. In englischer Sprache

Wir alle kennen die Bilder aus dem Drama-Theater in Mariupol: Vernichtung und Zerstörung als Zeichen der russischen Aggression gegen das ukrainische Volk. Theater als Schutzraum, bombardiert und zerstört, trotz deutlicher Warnung, dass sich Zivilisten und Kinder darin versteckten. Das Theater wurde mitten in den Konflikt gezogen – buchstäblich und metaphorisch.

Was aber kann Theater tun, um der Ukraine zu helfen? Nach Kriegsbeginn am 24. Februar beschloss Magda Szpecht (geb. 1990) ihren Beruf als Theaterregisseurin aufzugeben und begab sich selbst in den (Cyber-)Krieg: als Cyber Elf. Diese Gruppe von Online-Aktivisten und Aktivistinnen aus der ganzen Welt verbringt ihre Nächte vor dem Computer, um auf allen Kanälen Fake News zu entlarven, russische Trolls zu bekämpfen, und geprüfte Informationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einer Lecture Performance gibt uns Szpecht jetzt einen spannenden Einblick in den alltäglichen Kampf dieser Aktivistinnen und Aktivisten auf den Schlachtfeldern moderner Konflikte. Ob auf Telegram, Instagram, YouTube oder Facebook: die Manipulation der Wahrheit ist leider nur allzu einfach.

Dramaturgie Beratung: Olga Drygas
Video: Natan Berkowicz
DZIKI
kuratiert und betrieben von ÆFEKT
Michał Rogulski

Dank:
Kristė Savickienė (SIRENOS)
Olga Drygas (Nowy Teatr)

Eintritt 20 / 11 € 
Dauer 1:15h, keine Pause 

Am 2. Februar im Anschluss:
Prof. Dr. Hanna Klimpe (HAW Hamburg) im Gespräch mit Magda Szpecht

Koproduziert von SIRENOS Festival, Nowy Teatr und ÆFEKT

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Performance

72 Days (72 päeva)

von Ene-Liis Semper & Tiit Ojasoo / Regie Ene-Liis Semper & Tiit Ojasoo

Gastspiel Semper/ Ojasoo, Eesti Muusika-ja Teatriakadeemia, Tallinn, Estland 
Deutschlandpremiere

„72 Days“ sprengt, angetrieben von einem mitreißenden Soundtrack, die Grenzen zwischen Performance, Choreografie und Theater. Mit elf jungen Darstellerinnen und ohne Worte. So entsteht ein Spektrum von ebenso lebendigen wie flüchtigen Bildern, die eine Vielzahl von Schattierungen weiblicher Präsenz für die Bühne einfangen. Eine sich ständig transformierende visuelle Erkundung, in der Bilder von Luxus und Begehren, von Arbeit und Wohlstandsmüll, von Vereinzelung und Flucht ineinander übergehen: Wie kann sich die Generation Z gegenwärtig in der Welt verorten, mit all den Krisen, die ihre Zukunft bedrohen, und ohne zu verzweifeln? „Der Titel „72 Days“ verweist zum einen auf die Länge unserer Reise: die Zeit, die wir mit Proben verbracht haben. Zum anderen zitiert er die tollkühne Reise um die Welt, die die amerikanische Journalistin Nelly Bly 1889 erfolgreich unternahm, um den fiktiven Rekord von Jules Verne zu brechen. Nichts in diesem Konzert der Körper ist jemals linear, alles ist im Fluss. Auf unserer Reise dreht sich die Welt immer schneller als die Reisenden.“

Das estnische Regieduo Ene-Liis Semper & Tiit Ojasoo kehrt mit „72 Days“ ans Thalia Theater zurück, wo sie zuletzt u.a. „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ und „Hänsel & Gretel“ inszeniert haben.

Dramaturgie: Giacomo Veronesi
Musik: Jakob Juhkam, Raido Linkman
Licht: Siim Reispass

Performance
Rea Lest, Keithy Kuuspu, Liisa Saaremäel, Alice Siil, Astra Irene Susi, Emili Rohumaa, Hanna Brigitta Jaanovits, Hele-Riin Palumaa, Kristin Prits, Kristina Preimann, Lauren Grinberg

Eintritt € 31/17
Dauer 1:30h, keine Pause
Ohne Sprache

Am 4. Februar im Anschluss: Falk Schreiber (Redakteur bei „tanz“ - Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance) im Gespräch mit Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo

mit freundlicher Unterstützung
Heldur Meerits and Estonian Cultural Endowment

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Schauspiel

Ödipus Tyrann

von Sophokles / Regie Nicolas Stemann / mit Alicia Aumüller und Patrycia Ziólkowska

Gastspiel Schauspielhaus Zürich, Schweiz
Deutschlandpremiere. In deutscher Sprache

Spätestens seit Sigmund Freud der Menschheit einen ödipalen Komplex andichtete, scheint die Geschichte des Ödipus im westlichen Kollektivgedächtnis tief verankert: Der Sohn tötet seinen Vater, ehelicht seine Mutter, erkennt das eigene Schicksal und blendet sich selbst. Doch Sophokles’ „Ödipus Tyrann“ beginnt eigentlich mit einer Seuche, die über die Stadt Theben hereinbricht: Dürre, Pest und Unfruchtbarkeit drohen Ödipus’ Königreich zu vernichten, und die Stadt ruft: „Wer ist schuld?“

„Ödipus Tyrann“ erzählt von einem Menschen, der König sein will. Er hinterlässt der Stadt und seinen Töchtern Ismene und Antigone statt Klarheit aber Zerstörung, Leid, Schmerz, tiefe Trauer. Und Wut. In den Zwischentönen der antiken Dichtung erzählen die ehemaligen Thalia-Schauspielerinnen Alicia Aumüller und Patrycia Ziólkowska packend eine Familiengeschichte über das eigene Verstricktsein in Schuld, Selbsterkenntnis, zweifelhafte Erlösung und die Hoffnung auf einen Ausweg. Mit dieser aufregenden Bearbeitung des antiken Stoffs für nur zwei Darstellerinnen kommt Nicolas Stemann, der dem Thalia-Publikum mit zahlreichen Inszenierungen im Gedächtnis ist, nach vielen Jahren erstmals wieder nach Hamburg zurück.

Inszenierung, Bühne, Musik: Nicolas Stemann
Dramaturgie: Benjamin von Blomberg
Kostüm: Marysol del Castillo / Dorothea Knorr
Mit: Patrycia Ziólkowska / Alicia Aumüller

Eintritt € 16 - 79
Dauer 1:45h, keine Pause
In deutscher Sprache

Am 4. Februar um 18:30 Uhr:
Einführung im Mittelrangfoyer

Am 5. Februar im Anschluss: 
Maike Schiller (Hamburger Abendblatt) im Gespräch mit Nicolas Stemann und dem Ensemble

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Schauspiel

Melancholy Rooms

von Jakab Tarnóczi / Regie Jakab Tarnóczi

Gastspiel Katona József Theater, Budapest, Ungarn 
Deutschlandpremiere. Auf Ungarisch mit deutschen Übertiteln

Was haben die Museumswärterin und der erschöpfte Krankenpfleger gemeinsam? Was verbindet eine arbeitslose Sopranistin mit dem Geschäftsmann, der eigentlich gerne Travestie-Künstler wäre? „Melancholy Rooms“ zeigt moderne Menschen an ihren Arbeitsplätzen oder in ihren Wohnungen, voneinander und von der Welt isoliert. Innerhalb einer Welt, in der die Vereinzelung ihre ganz eigenen Ungleichheiten hervorbringt. Die musikalische Produktion (fast ohne Worte) eröffnet uns ein Kaleidoskop archetypischer Figuren der europäischen Kultur: Wir schauen auf ein Perpetuum Mobile, ein beeindruckendes Bilderpoem, in dem das Ensemble immer wieder den utopischen Moment der Gemeinsamkeit sucht – und findet. Der junge ungarische Regisseur Jakab Tarnóczi schloss 2019 sein Musiktheaterregie-Studium an der renommierten Budapester Hochschule für Theater- und Filmkunst (SZFE) ab. 2020 entzog die Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán der Schule die Autonomie und alle Leitungsfunktionen wurden an ein mit Orbán-Gefolgsleuten besetztes Kuratorium übertragen. Der Widerstand der Studierenden dauert bis heute an. Tarnóczi ist seit 2020 als Regisseur und Teil des Künstlerischen Leitungsteams mit dem progressiven Katona József Theater verbunden.
 
Regie: Jakab Tarnóczi
Visuelle Gestaltung: Ilka Giliga
Dramaturgie: Zsófia Kukk
Musik: Levente Bencsik and Máté Hunyadi
Bühne: István Valovics

Eintritt € 31/17
Dauer 1:20h, keine Pause

Am 9. Februar im Anschluss: 
Catarina Felixmüller (freie Journalistin) im Gespräch mit Jakab Tarnóczi und dem Ensemble

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Schauspiel

Taylor Mac’s A 24-Decade History of Popular Music

von und mit Taylor Mac

Gastspiel Pomegranate Arts / Nature’s Darlings, USA.
Deutschlandpremiere der Hamburger Ausgabe. In englischer Sprache

Musikalische Leitung und Arrangements: Matt Ray
Kostüme: Machine Dazzle
Ausführende Produzentin: Linda Brumbach 
Mitarbeit Produktion: Alice E. Regas 

Explosive, spectacular, heartbreaking! (The Guardian)

„Einer der aufregendsten Theatermacher unserer Zeit“(TimeOut NY) – Taylor Mac erzählt anhand neu arrangierter Songs, die von 1776 bis heute in Amerika populär waren, die Geschichte der Vereinigten Staaten aus der Perspektive von marginalisierten Gruppen, deren Geschichten oft vergessen oder verworfen werden. Gefeiert als eines der spektakulärsten Theaterereignisse des Jahrzehnts, kommt das ursprünglich 24-stündige Werk nun in einer eigens für Hamburg geschaffenen Abendversion ans Thalia Theater: ein ausgelassener Crashkurs in amerikanischer Kultur und queerer Grandezza. Unglaublich unterhaltsam, opulent und verblüffend, nutzt die Show Elemente aus Musical, Kabarett, Burlesque und Drag und zitiert in einem interaktiven Happening verschiedene Musikstile und künstlerische Stimmen, von Mörderballaden bis Disco, von Walt Whitman bis David Bowie. Die Auswahl der Songs wird der international preisgekrönte Taylor Mac speziell auf die Geschichte und DNA der Stadt zuschneiden, „special guests“ aus der Hansestadt inklusive.

Eintritt € 16 - 79 
Dauer ca. 2h, keine Pause

Am 11. Februar im Anschluss:
Nora Hertlein (Kuratorin internationales Programm) im Gespräch mit Taylor Mac

A 24-DECADE HISTORY OF POPULAR MUSIC is commissioned in part by ASU Gammage at Arizona State University; Belfast International Arts Festival and 14 - 18 NOW WW1 Centenary Art Commissions; Carole Shorenstein Hays, The Curran SF; Carolina Performing Arts, at the University of North Carolina at Chapel Hill; Center for the Art of Performance at UCLA; Hancher Auditorium at the University of Iowa; Lincoln Center for the Performing Arts; Melbourne Festival; Museum of Contemporary Art Chicago; International Festival of Arts & Ideas (New Haven); New York Live Arts; OZ Arts Nashville; Stanford Live at Stanford University; University Musical Society of the University of Michigan.

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Schauspiel

Sich waffnend gegen eine See von Plagen

(Озброюючись Проти Моря Лих)
Ein Projekt von Stas Zhyrkov und Pavlo Arie / Regie Stas Zhyrkov

Gastspiel Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
Auf Ukrainisch und Deutsch mit ukrainischen und deutschen Übertiteln

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind Millionen ukrainischer Bürgerinnen und Bürger aus ihrem Zuhause geflohen. Andere sind geblieben, einige zurückgekehrt, um den bewaffneten Kampf gegen die russische Armee aufzunehmen. Unter diesen Kämpfenden gibt es auch viele Theatermacherinnen und Theatermacher. In einem Projekt, das zwei Schauspieler aus Kiew, Dmytro Oliinyk und Oleh Stefan, mit einem Schauspieler der Schaubühne, Holger Bülow, zusammenbringt, untersuchen Stas Zhyrkov, Künstlerischer Leiter des Left Bank Theatre, Kiew, und Pavlo Arie, Dramaturg und Autor, den Preis, den der Krieg von Menschen fordert. Was macht es mit dem eigenen Körper und der eigenen Psyche, wenn man eine Waffe in die Hand nimmt? Was bedeutet es, zum Gewehr oder zur Pistole zu greifen, zu Gegenständen also, die dafür gemacht sind, Schaden anzurichten, zu zerstören – vor allem, wenn das eigene Leben bis dahin darauf ausgerichtet war, fiktive Welten zu erdenken und zu erschaffen?

Regie: Stas Zhyrkov
Bühne: Jan Pappelbaum
Kostüme: Dagmar Fabisch
Musik: Bohdan Lysenko
Dramaturgie: Pavlo Arie, Maja Zade
Licht: Erich Schneider
Mitarbeit Video: Eric Dunlap
Mit: Holger Bülow, Dmytro Oliinyk, Oleh Stefan

Eintritt € 31/17
Dauer 1:45 h, keine Pause
Ab 16 Jahren

Am 12. Februar im Anschluss:
Esther Slevogt (Chefredakteurin und Mitbegründerin von nachtkritik.de) im Gespräch mit Stas Zhyrkov und dem Ensemble

Gefördert im Rahmen von U*act, dem neuen Bundesprogramm der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und des Deutschen Bühnenvereins / Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts

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Stadtführung

Lessing und das Gängeviertel

Mit dem Stadtführer Michael Grill

Lessing wohnte in Hamburg auf der Kehrwieder-Wandrahm-Insel in der Straße „Brook“. Dort lebten Kleingewerbetreibende, Handwerker, aber auch Kaufleute, diplomatisches Personal und Tagelöhner – arm und reich nebeneinander. Auf dem täglichen Weg ins Theater durchquerte er das Gängeviertel und zog später selbst dorthin. Wir folgen diesem Weg, beschäftigen uns mit der Geschichte des Gängeviertels und den sozialen Schichtungen in Hamburg zu Lessings Zeiten. Auf dem Weg fragen wir, für wen war sein Nationaltheater gedacht, wer besuchte das Theater? Ein Spaziergang zwischen oben und unten – zwischen Bürgertum und den marginalisierten Gesellschaftsschichten im 18. Jahrhundert in Hamburg.

Eintritt jeweils € 14/12
Karten nur im Vorverkauf erhältlich

Treffpunkt vor der St. Katharinenkirche, Katharinenkirchhof 1

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Lessingtage 2022

Lessingtage

Thalia Theater GmbH

Theaterfestival / 25.1. bis 12.2.2023

„Um alles in der Welt“ – so lautet seit 2009 das Motto der Lessingtage in einer Welt, die tatsächlich selten so dissoziiert und disruptiv war wie derzeit. Es gibt keine Haupt- und Nebenthemen, sondern nur die Vielfalt einer zersplitterten Welt, in der geliebt und gehasst wird, in der das Schöne und das Hässliche, Krieg und Frieden auf nahezu unerträgliche Weise parallel existieren müssen – ja, eine Welt im Ausnahmezustand. Eine Welt, die wir uns noch vor wenigen Jahren so niemals hätten vorstellen können. Und trotzdem gilt der schöne Wittgenstein-Satz „Die Welt ist alles, was der Fall ist“.

Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der künstlerischen Positionen: Erstmals bei den Lessingtagen zeigen wir den europäischen Regiesuperstar Romeo Castellucci! Wir freuen uns auf Yael Ronen, Hamburger Publikumsliebling seit „(R)Evolution“! Der New Yorker Taylor Mac (nominiert für den Pulitzerpreis, Preisträger des International Ibsen Award, dem „Oscar“ des europäischen Theaters) hat extra für Hamburg eine Spezialedition seines Welterfolges erarbeitet. Das estnische Künstlerduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo, die vor einigen Jahren Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ und „Hänsel & Gretel“ mit Till Lindemann am Thalia Theater inszeniert haben, kommen wieder! Genauso wie Nicolas Stemann, den das Thalia Publikum vermisst. Die Dakh Daughters aus Kiew – zuletzt im April beim umjubelten Konzert „Ukraine Fire“ im Thalia zu sehen, präsentieren die Deutschlandpremiere ihrer neuen Produktion! Und, und, und…

Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der Kunstformen: Intelligente Unterhaltung mit hohem ShowFaktor, Musiktheater, Installation, klassisches Sprechtheater, Performance, diskursives Dokumentartheater, immersives Theater, Lecture Performance – selten war die Stilvielfalt so groß!


Lessingtage 2023, das bedeutet – Vielfalt der Themen: In der Gaußstraße gibt es einen Schwerpunkt mit vier Positionen, die sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und seinen globalen Folgen beschäftigen. Semper/Ojasoo zeigen aus weiblicher Perspektive und mit einem fesselnden Soundtrack weibliche Erfahrungswelten, in denen vom hedonistisch-urbanen Leben ebenso erzählt wird wie von Flucht und Vertreibung und anderen schwer miteinander zu vereinbarenden Parallelwelten der Moderne. In scharfem Kontrast dazu zeigt der rebellische ungarische Regisseur Jakab Tarnóczi Bilder der Vereinzelung, die einsame Nachtseite einer beschleunigten Welt.

Im Großen Haus vollbringt Yael Ronen das Kunststück, in der Form eines „Beinahe-Musicals“ von #Metoo-Debatten und dem „glitschigen Hang der Identitätspolitik“ (SZ) zu erzählen. Castellucci konfrontiert uns auf verstörende Weise mit dem berühmten Milgram-Experiment: Wieviel bzw. wie wenig braucht es, unsere humanen Ansprüche aufzugeben und sie in Richtung Gewaltbereitschaft zu verschieben? Die queere Show von Taylor Mac ist eine alternative, kaum je da gewesene Gegenerzählung zur Geschichte der USA aus der Perspektive marginalisierter Gruppen. Und schließlich Nicolas Stemanns Antikenbearbeitung: eine paradigmatische Geschichte darüber, dass wir bei krassem gesellschaftlichem Versagen gern zwar nach Schuldigen suchen können, in aller Regel aber in den eigenen Spiegel schauen sollten…

Lessingtage 2023 – Premieren des Thalia:
„Die Besessenen“ von Albert Camus (Regie: Jette Steckel) fragt: Unter welchen Bedingungen ist Freiheit eigentlich möglich? Und Huxleys „Schöne neue Welt“ in der Regie von Amir Reza Koohestani? Sie ist natürlich nicht schön. Gegen Avatare, geklonte genmanipuliert optimierte Menschen, denen das Menschliche ausgetrieben wurde, gibt es eine Rebellion, die das Menschliche – in seiner ganzen Ambivalenz – zurückersehnt…

Das Festival bildet die Welt ab, und diese ist derzeit ein Wimmelbild – schwer lesbar. Ihre Verständlichkeit hat abgenommen. Vielleicht wird sie mit Hilfe der Künste lesbarer.

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Ereignisse / Festspiele Salzburger Festspiele 20.7. bis 31.8.2023
Ereignisse / Festival Lucerne Festival im KKL Luzern
Ereignisse / Festspiele Mozartwoche Salzburg 26.1. bis 5.2.2023
Ereignisse / Festspiele Salzburger Pfingstfestspiele 26. bis 29.5.2023
Ereignisse / Festival Szenenwechsel Luzern 27.1. bis 4.2.2023
Ereignisse / Tanz Dresden Frankfurt Dance Company Dresden / Frankfurt
Ereignisse / Festival Maerzmusik Berlin 17. bis 26.3.2023
Ereignisse / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Opernhaus Wuppertal
Ereignisse / Festival MDR Musiksommer 17.6. bis 2.9.2023
Ereignisse / Festival Höri Musiktage Bodensee 3. bis 13.08.2023
Konzerte / Konzert Berliner Philharmoniker Berlin, Herbert-von-Karajan-Str. 1
Literatur / Kulturveranstaltung Literaturhaus Salzburg Salzburg, Strubergasse 23
Literatur / Wettbewerb Literarischer März Darmstadt am 17. und 18.3.2023
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Konzerte / Konzert Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg Salzburg, Schwarzstraße 26
Ausstellungen / Museum GRASSI Museum für Völkerkunde Leipzig Leipzig, Johannisplatz 5-11
Konzerte / Musik Hochschule Luzern
Bereich Musik
Luzern-Kriens, Arsenalstrasse 28a
Aufführungen / Oper Staatsoper Hannover Hannover, Opernplatz 1
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39

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